Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 510 (24.6.1920)
- Date
- 1920-06-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Bex.,Tabörstr.1-» Telephone: Ädmtntstratlo» 440S8, 'Jtebattiim 43319. ab G Uhr aveyd» Sjr. lS»Ä Postsparkassen tonto 1S0MS Nr. 510 Wien» Donnerstag, den 24. Juni 1920 2. Jahrgang SM feuergelechle bei Karwin. Pra g, 23. Juni. sTel.-Komp.) „Ceske Slovo" berichtet ans Karwin, es sei in der Nacht auf heute zwischen t sch e cho-slowakischer Grenzgendar m e r i e und Pole n zu einem Feuer g e s echt gekommen. Die italienischen Truppe« marschierten heute von Karwin nach Teschen ab; in Karmin verblieb nur die französische Garnison. 1. - Aufruhr in Irland. London, 23. Juni. (Tel.--Komp.) Die hier eintreffenden Nachrichten .über die La ge-in Irland lauten immer beunruhigender. Die Blätter geben zu, daß es sich nicht mehr um eine. örtliche Aufstandsbewegung handle, sondern um einen regelrechten Aufruhr, der mit allen militärischen Mitteln unterdrückt werden müsse. Besonders bedrohlich sei die Lage in Londonderry, wo Kämpfe zwischen den Sinnfemery und den britischen Polizeitruppen ändauern. Das Geschäftsleben der. Stadt ruht, vollkommen^ alle Geschäfte, Banken, und öffentlichen Anstalten, sind' geschlossen. Gestern kam es -zu neuen -Zusammenstößen zwischen den Sirinfernern und englischem'.' Militär.. Auf . beiden- Seiten wurde scharf.geschossen,- eine. Anzahl Personen wurdegetötet.- Die Lage in.'Irland wird' durch euren allgemeinen Eisenbahnsrstreik, der bevor- - steht, noch bedrohlicher-. Die Eisenbahner haben sich mit den Sinnfemern solidarisch' erklärt und weigern sich, die . Züge abzufertigen, die für die Transporte bestimmt sind. Die gespannte Lage beweist das Attentat auf den Stellvertreter' des Militärgouverneurs' von .Irland, General Roberts, das vonden Sinnseinern verübt wurde, als der General vorgestern. sich aus, der Fahrt nach Dublin befand; sein Automobil wurde in der Nähe der Stadt mit Gewehrschüssen empfangen. Auch e i n i g e B o mb e n würden geschleu d e r t, welche den Wagen schwer beschädigten.Die Verletzungen des Mneral Roberts und seiner Begleiter sir^> sehr'schwer. In Londoner Regierungskreison verfolgt, nran die Entwicklung der Dinge. mit wachsender Sorge.. % - - . S Die Ergebnisse derVoulogneV " Oäris'/ 23: Imst.' Die 'Ergebnisse-i>or -'MnserVitz- In Bvulogue lassen sich nach den vorlieg-enden Meldungen fogendermaßen zusammensafsen:. ' Entwaffnung Denti-chlands. Die' Note, betreffend sdiv. Reduktion der Armee, ist bereits ab gegangen. Deutschland darf keine Truppenbestände, über >100.000 Mann haben. Was das Kriegsmaterial anbelangt, glaubt „Matin", daß die restlichen 15.000 Kanonen nicht zerstört, sondern den Alliierten übergeben werden sollen. „Echo de Paris" glaubt, daß die Östlichen Kanonen zerstört werden sollen, aber in schnellerem Tempo, und zwar 6000 im Monat. Die Handelslu't'lotle darf erst in Angriff genommen werden, wenn die Militärflugzeuge abgeliesert sind. Nach dem „Matin" seien als Zwangsmaßnahme nötigenfalls, neue, militärische Besetzungen vorgesehen. . . Rußland. Die wi tschafilicherr Besprechungen werben fortgesetzt ohne politische Anerkennung der Sowietregierüag. K le i u a s t e n. V uizelos hat vvllkornmen freie Hand für. griechische militärische Operationen erhalten. Deutsche Wiedergutmachungen.' Dir ^Pauschalsumme der deulscheu Schuldigkeiten wird festgestellt. Lord Riddell nannte fünf Milliarden Goldpfund, die „Times" 105 Milliarden. Golhmark. Die Zahl soll offiziell nicht genannt werden, ehe Deutschland sein Anbot gemacht hat. ' Aufteilung der Wiedergutmachungen unter die Alliierten. J'alien hat seine Forderung dahin präzisiert: daß es nicht 20 Prozent verlangt, sondern daß sein Anteil zum Auteile.Fraykreichs im Verhältnis von 55 :20 und zum Anteil Englands im Verhältnis 25 :20 stehen solle. Man habe als aufzustellende Einheit aber nicht an die.Summe'von 100/ zu denken, sondern an eine Summe, die sich durch Addition der verschiedenen Verhältniswahlen, auch der den anderen nach weiterer Verschiebung l des Zeitpunktes -für die Ueberreichun^'dev türkischen' .Äntchortnauß destl g*iieb'eh§f. erfolgen. Daraus und aus,'d'e? englischen-. Meldüng; daß eine englische Flotte lauf dem Wege nach Konstantinopel sei,, schließen die lBlätter, daß. an dem türkischen Fricdensv.ertrage keine Abänderungen vor genommen werden. Die Konferenz beschloß, Vertreter von Griechenland, Polen, Portugal, Rumänien,. Jugoslawien und der Tsrh 'cho-Slowakei zur Besprechung der diese Länder betreffenden Fraßen zu den Verhandlungen in Sya Zuzulassen. . ________ Die Tiroler Monarchisten versorgen sich mit Waffen. Innsbruck, 23. Juni. Die sozialdemokratische nVolkszeitung", die sich in der letzten Zeit wiederholt mit den Gerüchten über den Mkffenschmuggel aus Bayern beschäftigt har, bringt heute an leitender Stelle die Nachricht, daß gestern nachmittags in Innsbruck durch das Einschreiten des sozialdemokratischen Abgeordneten Ertl ein Waffentransport nach Imst aufgedeckt und verhind e r t worden sei. Es ergab sich, wie das Blatt berichtet, daß 446 Mausergewehre, zumeist ganz neu, 20 Kisten Gewehrmunition und eine Revolverkanone mit der dazugehörigen Munition aufeinem in Innsbruck angehaltenen Auto verladen waren und der Frächter einen Transportscheinder Landesregierung besaß. Das Blatt meldet auch, die Landesregierung habe geste.rn beschlossen, eine Durchsuchung des Arbeiter- Heims und der Arbeiterbäckerei vorzunehmen, um die Waffen der Sozialdemokraten festzustellerr, und warnt unter Hinweis darauf, daß die Abwehraktion der Arbeiterschaft gegen die Vorbereitung des Bürgerkrieges durch die Monarchisten notwendig sei, vor der Ausführung des Beschlusses. Alliierten zugebilligten, ergibt.-Eine- Einigung sei noch nicht erzielt. - Parallelismus der Schulden. Darunter wird die Abhängigkeit der Verpflichtungen der Alliierten untereinander von den deutschen Wiedergutmachungen verstanden. Llöyd George habe erklärt, England könne kein,e solche Verknüpfung der französischen Schuldigkeiten zugestehen, da Amerika den Englisch-französischen ' Verpflichtungen gegenüber diese .Verknüpfung ablehne. Pariss.'23.' Juni. (Fu"fsvruchZ In dH Bou^ogner ivürde 'birMoftetk.dem tü'xkiMen Verläsen Die deutsch-französische« Wirtschastsbesprechungen. Verlin, 23. Juni. DaS ^6-Uhr-Abendbkalt" meldet: Dir neuen Wrrtschaftsbksprecbunflen zwischen den Vertretern der deulschen und sramösischrn Industrie werden am 23. d. M. in Paris, beginnen. Geheimrat Deutsch soll sich 'bereits in den nächsten Tagen nach Paris begeben. Es he ßt, daß auch Stinnes und der Genetäldirrktor der Krupp-Werke Geheimriit Wiedseld au den Bespcrchungc« tnlnehmen werden. Die nichtjüdischnMonale Horthy-Garde. - —v. Wie». 84. Juxi. Die Mchtjüdischnationalen, die gegenwärtigdie- Kultnsgemeinde gegen die Zionisten schützen, haben, ihre, Presse - zur Verteldigung Horthy.-Ungarns qufgeboten. Welches Blatt der sogenannten Judenpresse wir zur) . Hand nehmen, überall begegnen wir dem zornigsten Unmut darüber, daß das Gewissen der Welt jede Berührung milchen blutbesudelten Banditen ablehnen will, denen die s ungarische Gesellschaft wehrlos ausgeliefert ist. Alle hauen in Dieselbe Kerbe: Der Boykott ist undurchführbar,-er: be>- droht Oesterreich. und er' trifft in Ungarn nur Unschuldige. Man chenke: Dieselben Organe,' diesich ^in der Verurteilung der gewiß geschehenen Verbrechen des Kun-' - Systems nicht germg tun konnten und dessen Abschnürung forderten, die dann jubelten, als - die rumänischen- Truppen als Quartiermacher der tapferen --SMedrney Judenmörder. in Budapest erschienen, - dieselben Organeschäumen vor Wut bei hem Gedanken, daß das wegen' seineM angeblich monarchischen Ziele ft»-. heißgeliebte.' Ungarn wegen de^an Arbeitern.imd Juden begangenen Untaten aus: der. Gemeinschaft der zivilisierten- Wnsch-- heit für so langeausgeschlossen bleiben soll, als es sich nicht zur Umkehr und Gesetzlichkeit entschließt. Daß die' deutschnationale - und chriftlichsöziäle -Journalistik als warme Freundin jedweder-Gewalt und jeder «Spielarl von- Mord und Raub, wenn es nur gegen ihre theoretischen oder politischen Gegner, insonderheit gegen Juden geht, die Verbindung mit ihrer geistigen.Nährquelle in Budapest nicht verlieren will, ist ja nicht verwrrnderlich.. Aber daß die ^Zeitungen, deren jedes^zweite Wort Freiheit, Fortschritt und Demokratie lautet,, jetzt, gerade -jetzt-dieBsstrafung^M trauriges Symptom ^der geistigen Entartung, von der der assimilierte Teil des jüdischen Volkes ergriffen wordenist. Es ist kein. Zufall, daß es dieselbe Presse. ist, die das Judentum nur als Matrikengemeinschaft mit gewissen gastronomischen Traditionen gelten läßt und sonst bewußt auf . den 'nationalen Tod des Judentums hinarbeitet; die -den Zionismus und seine große sozialpolitische Tätigkeit ebenso konftquent totschweigt wie seine durch die großen Westmächte erfolgte Anerkennung in San Nemo; der jede dumme Lüge über Araberschwadronen auf dem Oelberg wegen ihrer antijüdischen Tenderrz wichtig und wahrhaftig erscheint; der jede , politische Regung bei Kutzowalachen, Botokuden, und -Eskimos Anlaß zu Aufsätzen von insorrnrerter, bestinsormierter und authentischer Seite ist, während, sie im Interesse der unterpeinlichstem Ausschluß der . Oesfentlichkeit lügenden Nichtjüdischnationalen ihrem Leserkreis jede'Mitteilung über den schweren prinzipiellen Kampf um die^. Leitung der Wiener Judenschaft vorenthält. Diese Presse wehrt stch täglich mit verzweifeltem Bemühen.gegen alle politischen Lebensäüßerungen jüdischen Willens.. Aber, da sie trotz allem ohnmächtig ist,'sie zu verhindern^entstellt sie sie oder verleugnet sie. So auch jetzt. Es ist. nicht das Judentum, das Ungarn' vor den Richterstuhl der Menschheit stellt; aber da auch die an Juden begangenen Niederträchtigkeiten zur Sprache kommen, tritt die Wiener Presse den Angeklagten zur Seite und plädiert — für Unschuldige. Vor der Peitsche militaristischer Regierungen hat sich diese Presse immer feige geduckt ugd nur mit einem Auge nach dem Zuckerbrot der Subventionen und Pauschalien geschielt. Jetzt aber, wo .die von den Demokratien des.Westens geleitete Arbeiterschaft den Sturz einer Koterie, gegen die selbst die ungarische Nationalversammlung protestiert hat, erzwingen will, reizt die nichtjüdischnationale Presse durch ihr Gefasel über eine Hungersgefahr für Wien die antisemitischen Instinkte des dummen Kerls, zu offenett Pogromen, ohne zu bedenken, daß dies nur das Signal zur sofortigen Ausdehnung des internationalen BoykottA über Oesterreich sein müßte. Wer sind denn diese Schützlinge der Wiener Richtjüdischnationalen und ihrer Presse? Die Abordnung der englischen Arbeiterpartei hat Ungarn besucht und dein englischen Parlament einen Bericht vorgelegt, den man nür mit Widerwillen rmd stärkstem Ekel lesen, kann. Es ist festgestellt, daß jüdische Frauen ausgepeitscht und schändlich mißhandelt: wurden, daß jüdische Männer ohne Untersuchung und ohne gerichtliches Urteil in nicht näher zu bezeichnender Weise gefoltert wurden, bis ihnen 'der-