Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 509 (23.6.1920)
- Date
- 1920-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Qfttt?^******1*** 9m« iL Krour PrünnmerattoNspreisO: Vte»r Amn Mholen i» 8er 2. vezirk, Taber- »«che, 1 bk- 8, oder in einer »erschleißftelle Grafik): ' Monnckich . . Kronen £<>.— Vierteljährlich 00- Mit Postversand kür Wien nnd Oesterreich: Monatlich .. Kronen 30.- Lschechv-Slowakei: Monatlich .. Kronen 13.- «ierteljührlich „ »0lntschtche-flowakischer Währung Ungarn: Monatlich .. Kronen 30.— vierteljährlich ,, 00.— in «tgarischrr Währung Jugoslawien: Monatlich .. Dinar 6^* »ierteiiShrlich „ 18.- Ureis L Kroae^ PrLnnMeeattOysPeekf« Votenr Monatlich.. M«r» 3H/J Vierte,jührttch „ OO^r in Polnischer WLtzrr», Monat,ich^!^"^^, j*^i Jransrelch: Monatlich. . . Frone» Italien: Monatlich . . . . Lir« 5r~ _ Schweiz: Monatlich . . . Frmte» R^. Für da» üvri:e Anittanv: Lierteljästrlich Kranen 1-33.- »edaktion u. AdMtniktratioa Wten,2.Be^..TaSokpr.1—3 Telepbon« Administratto» 44039. Redaktion 49319. ad «Nhr avend» Nr. 10341 Postspaekassenlooio Nr. 509 Wien» Mittwoch, den 23. Juni 1920 2. Jahrgang HP Der Wrgang der Krise. Bildung eines Proporzkabinetts. -- Mitteilungen des Staats- Kanzlers Dr. Renner. — Neuwahlen am 5. Oktober d. I. In einer Wahlkreisverfammlung auf der Landstraße sprach gestern Staatskanzler Doktor Renner über die Regierungskrise. Er erklärte u a.r Am ans der schwierigen Sitnation der Staat-Krise hera«szukommen, haben die Sozialdemokraten, da ja die Gegner nicht imstande pnd, eine Regierung zu bilden, den Vorschlag der Bildung eines sogenannten Pro porzkabinetts gewacht, das aus den verschiedenen Parteien nach ihrer Stärke gebildet »Herden soll. Dieses Kabinett sott die Garantien bieten, daß die Staatsgewalt nicht für oder gegen eine Partei benützt wird. Es hat die Wahlen auszuschreiben und dann der neuen Regierung Platz zu machen. Sonntag den 5. Oktober werden voraussichtlich dieReuwahlen stattstnden und am 18. oder 21. Oktober soll das neue Parlament zusammenireten. Der " Pie unga'ische Regierung läßt den Inhalt eines Telegramms.an die. Anlsterdain-er Bvy'svttleitung verbreiten, in welchem sie den alten Schwindel von der Rechtssicherheit in ihrem Lande,' wiederholt/ Darauf konntze' man ja gefaßt sein; es ist nur auffällig, chaß dieser Schritt schon jetzt er'olgt ist! Das ist ein sicherer Beweis dafür, daß der Boykott bereits wirkt. Je früher! sich Ungarn enM:iestt> sich seiner Mörder zu entledig gen, und 'M'7Äl-''HM>WhWenejr'' vor die bürgerlich en^ PettW zn^.MWrs^^MIHsM'wird dies sein. " ' ' possierlich ist die Ari der Berichterstattung in der Wjener a'.'.tisemi.ischen Pesse^ Bon der '„Menen Freien Prtzsse" bis zur „ReichZpost" — ein einziger Kettenhandel von Lügen., Aus Ungarn kommt kr ine Nachricht, keim Tefeg amm und kein Telephonat. Trotzdem finden wir in den Blättern .Berichte., die teils' von einer Panik, teils von einer Ueberflutung der Budapest'.'r Märkle zu erzählen wissen. Diese Meldungen sind in ihrer Gänze aus der Luft 'gegriffen/ Sie stammen aus dem P'.esseüureau der hiesigen ungarischen ^Gesandtschaft und es ist vielleicht'nicht unwichtig mitznteilen, daß der Informator aller Antisemiten israelitischer und christlicher Richtung — der gelauste Spitzel Holossh ist, der vertretungsweise als Leiter dieses Umles fungiert und der Ausweisung dadurch entgangen ist, daß der Gesandte Gratz die Person dieses Denunzianten als exterritorial erklärt hat. Sie sind einander würdig: die Wiener Jndenblätter, die Funder- Presse und der Holossy. Restlose Durchführung des Boykotts. 13 Uhr nachts. Von kompetenter Stelle wird uns mitgeteilt, daß alle von der Horthy-Regierung verbreiteten und in der Wiener sogenannten liberalen und chrifilichsozialen Presse abgedrucken Berichte über den Durchbruch des Boykotts erlogHr sind. Der Boykott wird restlos durchgeführt. Auch er Versuch der Budavester Regierung» auf der Donau Gstter zu befördern, ist mißlungen. Am Praterkai sind 167 für Ungarn bestimmte Güterwaggons aufgehalten worden. Bezüglich des Streiks auf der O ft b a h n wird mitgeteilt, daß die Eisenbahner beschlossen haben» für . die Arbeiter und Schulkinder drei Züge täglich verkehren zu lasten. i '• Die ungarische Regierung trägt in der Bohkott-- frage öffentlich eine sehr große Zuversicht zur Schau. In Wirklichkeit ist sie durch deitt Boykott moralisch vollkommen nie der gebrochen. Sie hat nämlich bereits, ihre Fühler nach Amsterdam'ausgestreckt und . will? sich aufs Verhandeln verlegen. > Man darf wohl annehmen, daß der Boykott nur nach der Schaffung ausreichender Bürgschaften für das Aufhören des weißen Schreckens ein/Ende finden wird. Diese Bittgschatm könnsn; einleuchtenderweisein nichts anderem als in der Bildung einer neuen ungarischen Negierung, und.der sofortigen Auslösung der Mörderregimenter und der Bestrafung., ihrer Führer bestehen. Der Vorsitzende der österreichischen Sewerkschastskommisswn. Abgev'.'dr.eter An'.on Hu.eber, ist gestern miMgs. in Amsterdam eiuLetrofsen. Die Blockade ist, im vollen Gange. -Das Permanenz- : komitsse - hat . hestimmte Nachrichten, daß'.' auch in der Tschecho-Slowasei,. in Jugoslawien und in Deutschland der Boykott-voll dur.chgefüh'rt wird. Die' Durchführung dos Boykotts durch die Post-» Telegraphen» ützv Tölephonbeamten. Der Telegraphen-, und; 'Derephoübetköhr 'mit Ungarn» ist. vollst'Mk>MpD/ll a -Die , nngarilEwf Beamiest HersüH" einer Te(eg apheubeamtin, Telegramme nach Budapest zu befördern, erk-ärts daß sie keine Telegramme entgcgrnnehmen.. Natürlich möchten den^chnaiionale und ch ristlich soziale Beamte den Boykot^ -hiüds.n / was ihnen aber ui. gnids Möglich, ist, weil ja die'Beförderung/der Postsendungen:fnicht' ihn?», sondern ^enPostbedienstet^n obliegt,. die überall geschlossen.und einheitlich dir.Durchführung des vollen Boykotts überwachen.. Es'wird vom Ostbahnhof keine einzige.Postsendung wditerLesei.et. De - Boykott der Effenbahnee." . Auch der Boykott der Eistnbahner.wird vollständig durchgeführt. Einige Blätter verbreiten die Nachricht, daß im Ostbahnhof gestern, Arbeiter einen großen Lastzug nach Ungarn abgefertigt haben. Das ist eine glatte Erfindung. Der Zug wurde von deutschsnationalen Beamten unter dem Vorwand, daß der Bahnhof freigehalten werden.soll', aus dem Bahnhof hinausgeleitet. Erst als der Zug aus dem Bahnhof war, entdeckten die Arbeiter,, daß der Zug weitergeführt wurde. Natürlich ohne Zustimmung her Arbeiter, die ja deswegen den Beschluß faßten, den Güterverkehr .auf der ganzen Lüne eiuzustelleu. Einfettung des ZngsverKehrs Gestern vormittags war eine stark besuchte Versammlung, des Personals des . Ostbahnhofes im Arbeiterheim Favoriten, in der über die vorgestrigen Vorfälle im Ostbahnhof Bericht.erstattet wurde. Die Versammlung faßte einftilnmig den Beschluß, auch den Personenzugsverkehr auf der Strecke Wien—Bruck und Wien—Marchegg heute einzustellen. Die Eisenbahner seien aber bereit, den Personenzugsverkehr wieder aufzunehmen, wenn sie die Beamtenschaft in der Durchführung des Boykotts nicht hindere. Da der Vorstand erklärt hatte, daß hinter den Sozialdeniokraten nur ein paar Leute stehen, beschloß die Versammlung, korporativ zum Ostbahnhof zu . ziehen, um zu zeigen, daß es nicht ein paar, sondern ein paar tausend Leute seien, die im Ostbahnhof die Durchführung des Boykotts überwachen. Im Ebenfurther Werk genügend Kohlenvorrat Die Direktion des Elektrizitätswerkes teilt mit, daß vom Bergwerk in Neufeld ungehindert noch immer Kohle an das Ebenfurther Werk geliefert wird und daß von ungarischer auch keinerlei Vorbereitungen zur Verhinderung dieser Lieferungen getroffen wurden. Aber selbst wenn diese Beförderung von Llohlen von unseren Bergbauern in.Ungarn nach Ebenfürth von den Ungarn verhindert würde, so, könnte das Ebenfurther Werk, von dem das Wiener Elektrizitätswerk einen guten Teil Strom bezieht, noch lange durch- -halte n, jedenfalls länger als die Ungarn den Boykott aushalten werden, weil irr Ebenfurth ein beträchtlicher Vorrat von Neufelder Kohle eingelagert ist. 100 für Angarn bestimmte Waggons mtt Mehl in Graz angehalten. Graz, 22. Juni. (Privat.) Die hiesigen. Eisenbahner haben 100 für Ungarn bestimmte Wäggons Mehl, die angeblich anf Rechnung der Entonte nach. Ungarn' gehen sollen, angehalten und vorläufig .nur' 5' Waggons, die. für Kinder bestimmt sind, passieren, lafsen. Bezüglich der übrigen 95 WaZgons wird noch, verhandelt. Eine Frechheit der Horthy-Baadite«. Ingoslamische Lebensmittel für Oesterreich in Ättsnrn anfgehallen. , Die Korrespondenz Herzog erhalt and gni unterrichteter Quelle folgende Mitteilung: Wie bereits gemeldet wurde, schwimmen gegenwärtig auf der . Donau größere Sendungen von Lebensmitteln, die für Oesterreich bestimmt sind, darunter speziell 200D. Toune» Merzen und zirka 2000 Tonnen Mais ans Jngosiawirn. Nach einer heute hieher gelangten Meldung hat das ungarische Ernährnngsministerium den Auftrag gegeben, alle ans ungarischem Territorium auf der Donau befindlichen- Schlepper, die mit Lebensmitteln für Oesterreich be-; laden sind, znrnckznhalten. Die internationale Donau- Kommission muß sofort die Betharen zur Rechenschast ziehen. Auf der Donau haben sie nach dem Friedens» vertrag kein Recht, den Verkehr zu hindern. Die Bankbeamten schließe« sich dem Boykott an Gestern Ha i dev M ich s verein der Bänkbeamiep'eitt- Lnzuschüeßrn. Irr eiüzelnE KrediÜristriutcn. haben sihon am Tü^e vorher di- Beamten jeden Geldübernei-nnvöverkehr nach Ungarn eingestellt. ' _ Die steixischen Buchdrucker und der Boykott. Graz, 22. Juni. Die Vertrauensmänner der ffehafdje* Buchdruckergewerkschaft haben, einstimmig folgenden"Beschluß gefaßt: In der Durchführung des Boykotts gegen. Ungarn erblicken die steirischen Buchdrucker das geeignetste Mittel,, um den Kampf gegen jene ungarischen Machtfakwyen zu führe», die nur jene Presse dulden, die über die Schrecken ihrer Herrschaft schweigt. Zur Verbreitung der gefälschten Nachrchte« über die ungarischen Verhältnisse können die Buchdrucker nimmer ihre Hand bieten. Sie lohnen dies ab in der Erwartung, auf Seite der Schriftleitung der steirischen TageS» blätter Verständnis zu finden in dem Kampfe gegen die Peinigung der ungarischen Arbeiter wie der Aälschüng der öffentlichen Meinung. " '• 5 Die italienische Arbeiterschaft für den Boykott. In Triest fand Sonntag ein großes Meeting' der Arbeiter zugunsten des Boykotts gegen- Ungar« statt, und erklärten sowohl die Post-, Telephon- und " Teleg aphenangestellten als auch insbesondere die Hafenarbeiter sich dem Boykott anzuschließen. — In Rom haben die organisierten Post- und' Delegraphenänge-- stellten einhellig beschlossen, - an dem Boykott , gegen Ungarn tetlLnnehmen. „Cherstliche"Worte eines magharrschenBifchofS Der Bischof von Stuhlweißenburg, Ottokar Prohaszka, greift in einem leitenden ÄrMl hes „Uj Nemzedek" die Regierung und^die Nationalbersamnrlung an, weil diese jetzt gegen die angebliche Mafftaherrschaft wettern und sich darüber beklagen, daß „der gute Ruf. des ungarischen Rechtsstaates" üt Gefahr sei und die Sicherheit der Person und dos Ber^ mögens schwinde. Der Bischof sagt dann unter anderem: Es wärewahrlich eine - Komödie, wenn der christlich«'! Kurs im überMssigen Judenschutz reisen und in Filo^ senkitismus ausarten wollte. Verschwenden wir unseren Großmut aus nichts anderes, als auf uns selbst;'jstzt gilt es nicht, die Rechtsordnung zu wahren, sondechv das christliche Magyarenttnn. (Dieser Artikel ^ies' gei!»j stigen Oberhauptes des christlichnationalen Kursys. in Ungarn ecschien am Tgge vor dem Weltbohkrtt.). Die Lügen der „Reichspost" haben kurze Peine. In»,gestrigen Abendblatt schreibt das Lügenblatt, daß infolge des Boykotts die Wiener Märste leer waren. Auf derselben Seit?, ivird aber der auch-' liche Marktbericht veröffentlicht, der upter archereW bo«. 6