Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 508 (22.6.1920)
- Date
- 1920-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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. Vrei« L Krone Prä»i>»rrationspreiser wie«: L«, ftt (mint in der Krtzedttio», L. Bezirk, Tabor- &*fcc 1 SiS 8. ober in einer ÄerschlciLfirVs iTrafik): >K«n»jUch. . Krone« 30.— viert-ljarrltch .. 90.- Rlt Postversand fßr Oien und Oesterreich: DUonatlich .. Krone« 30.- Tichechs-Slowakei: Monatlich .. Kronen 13.— Piertelsiinrlich „ 39.— t» tschrcho-slowakischerDSHrimg Ungarn: Monatlich .. Kronen 30 — vierteljährlich ,, 90.- ia ungarischer Währung Jngoskawien: Monatlich ». Dinar 0^— Vierteljährlich » 18.- / , j Nr. 508 Wien, Dienstag, den 22, Juni 1920 Vrei« R Krenel PrLn»««»chtt9»rPe«»s«i ttalMc Monntlich . . m«ri. MM VierteljÄrttch „ W0*- i« polnisch» Mhy», Monatkich^^Mnr« H*- Italien: Monatlich . . . . Lire »^ MovatlichE^^^öE» Für da» übri«. Anbland: 5 Dierteljährlich Kronen 13ff.r Redaktion n. Aldminiftratio» Wie«,». Bez.,Laborsrr^-h .108t Postsparlsffe«tont» 1S0J 2. Jahrgang sssr Zwangskataster und Numerus clausus. Im Wahlkampf werden konsequent und vielfach gegenbesseres Wissen Gerüchte über die Ziele und Zwecke der Jüdischstationalen verbreitet, welche in der jüdischen Bevölkerung . Beunruhigung stiften können. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich erklärt: 1. Die Jüdischnationalen fordern für die jüdischen Staatsbürger das Recht des freien Bekenntnisses zur jüdischen Nation. Sie sind grundsätzliche Gegner des 8a n g s k a t a st r s und werden die Forderung nach eurem solchen, von welcher Seite sie auch ausgeyen mag. energisch bekämpfen Dem jüdischen Staatsbürger muß dqs 'Recht gewahrt j bleiben, sich zu der Nation zu bekennen, welcher er sich zugehörig fühlt. 2. Die Einführung des Numerus clausus, das heißt der prozentuellen Zulassung zu öffentlichen Stellen, Schulen usw., ist ■ eine krasse Verletzung der Gleichberechtigung. Die jüdischnationale Partei wird jeden Versuch, diese .Maßregel durchzuführen, mit allen Mitteln, und ausS. heftigste bekämpfen, wie sie bereits erneu ähnlichen Versuch der reaktionären Elemente an den österreichischen Hochschulen erfolgreich abgewehrt hat. 3. Der Wiener Kultusgeineinöe ' obliegt die Vertretung aller in Mien wohnenden Juden, ohne Rücksicht auf deren politisches oder nationales Bekenntnis. Demgetnätz haben selbstverständlich' auch die' Gemeindemitglieder, welche sich nicht als Nationaljnden bekennen, vollsten Anspruch auf Vertretung ihrer sozialen und politischen Rechte, und aich Befriedigung,'ihrer; religiösen Be-- dürfnisse. Die Führung der.Gemeinde muß so erfolgen, daß kein Genieindenntglied einern politischen oder religiösen. Zwäng' MEgjffMPWWNPMWAeberzeüglttig Für das Zionistische Landeskomitee - ^; für Oesterreich: " * Abgeordneter St r i ck e r, Präsident. Fehrenbach derrtscher Reichskanzler. Berlin, 21. Juni. (Wolff.) Der Reichspräsident hat den Präfidenten der Nationalversammlung Rechtsanwalt Fehrenbach zum Reichskanzler ernannt. Fehrenbach hat diese Berufung. angenommen. Es ist zu erwarten, daß die Verhandlungen über die KabinettsbUdnug nunmehr recht bald ' zum Abschluß gelangen. ___ Die Konferenzen in Boulogue.? Boulogne-s»r-Mer, 21. Juni. iHavas.) Nach einem Bruche der anS Hythe angekomuttnen Delegierten im Hotel Imperial, wo sich die belgischen, iraliemfchrn Md javamschm Deleglerten befanden, verfügten sich die Delegierten Englands, Frankreichs, Belgiens, Italiens und Japans nach der Billa Bell«, wo sie sofort einst Konjerenz abhielten. Boul»g«e sur-Mee, 21. Juni. (HavaS.) Dir Konferenz der Delegierten Englands, Italiens, Japans, Belgiens und Frankreichs war nmf l Uhr 30 Minuten nachmittags beendet. Ein nack Schluß der Konferenz veröffentlichtes CompumiqnS besagt, daß das Programm der Könferwzfolgendermaßen festgesetzt würde: F i n a n z f rag e (deutsche Entschädigung^; M t l i* t 8 r f ra g e (Entwaffnung-Deutschlands); Or i e «t fco g e; r uf s is ch e Fra g e. - Die BeraNmg am Vormittag betraf die Finanzsrage nnd die Militärsrage. Die FlnanMchveiständigen wurde« beauftragt, die'früheren Entwürfe zw prüfen und übends der Konferenz einen grnteinsamrn Text vorzulegen. Die Marschälle Foch und Wilson werden gleichfalls für heute abends einen Entwurf der Notifizierung an Deutschland, betreffend die Entwaffnung sowohl vom Gesichtspunkte' der Effektivbestände als von jenem deö Kriegsmaterials vorbereitm. Wie die Ageme HavaS erfährt, wird die Konferenz die türkische' F r a g e mit Rücksicht auf das Eintreffen von Truppen Mustafa' Kemal Paschas in den Dardanellen einer dringlichen Prüfung unterziehen." Die bereits in Hythe in dieser Bezichnug gefaßten BesWffe werden als hinreichend angesehen^ um .drr Lage Herr zu werden. ^--'-^BONtO-»e-f«riMW^M-.--'Jmi.-E.Premirr«iMerEAoyd- George "gab einem Bsmeter' der! Agence HavaS gegenüber, seiner Befriedigungüber den ihm berritetm Empfang Ausdruck, wobei tt hmzufügte, die Kundgebung fei ein Beweis für: die: herzliche KrepNdfchatt, die Frankreich und' England für .immer verbinde. Lkvüd Gevrg« erilaüe, die Arbeiten der Konferenz dürften morgen . z» Ende gefithrt werdnt. Paris, 21. Juni. (Korr.-Bur.) AeLer die Ergebniffe der Besprechungen in Hythe teilt ^Echo de Paris" mit: Die ursprüngliche geplante Abhängigkeit der von Frankreich an die Alliierten zn leistenden Rückzahlungen von den deutschen Wiedergutmachungen wurde fallen gelaffen» da die Vereinigten Staaten sich dem Plane widersetz t e«. England habe erklärt, es könne unter solchen Umstanden auch nicht diesee Verknüpfung znstLwmen, da es sonst die ganze | Schuldenlast de« Vereinigten Staaten gegenüber zu tragen hatte. Dagegen ist eine Kni» . gnng darüber erfolgt, daß Deutschland die Wiedergutmachung in Annuitäten zu . keiften Labe, die mit wachsender Iahlungsfähigheiß Zuschläge erfahren sollen. Das Ät i h i ht u m der Annuitäten soll drei 3RiUia** denGoldmark mit Zinsen betrage» »ad ' einerseits den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs, andererseits de», wirtschaftlichen Wieder«nsdaul Deutschlands bezwecken. Die internaLionale Seemannsksnferenz fchlietzt sich dem Boykott an. Genf, 21. Juni. (Privat.) Die internationale SeemannskonferLnz, bei der alle seeführenden Staaten einschließlich Amerika und Australien vertreten waren, hat einstimmig beschloffen, den Boykott gegen Ungar» durchzuführen. Die strikte Durchführung des Boykotts. Zur-'Durchführung des .Boykotts wird' unteranderem vom PermEäzkomitHL. der Gewerschaftstom- MWn nritgjLtzellL:.^ >j'■ .; .>1' " : Der Oöyfott hast den Weisungen gemäß 'Samstag nntternachts. eingesetzt. Seine Wirküngett haben sich bereits fühlbAr 'gemacht. Verschiedene Händler haben versucht, Militärausrüstungsgegenstände - unter falscher Deklaration nach Ungarn'zu verfrachten. Der 'lächerlichen Behauptung gegenüber, daß sich, der Boykott^ Ungarns gegen uns selbst richte, sei nochmals festgestellt, daß ohnedies außer etwas Obst und Gemüse nichts aus. Ungarn herüöerkommt. ' - - K'aglos funktionieren die Absperrmaßnahmen, die. die Technische Union, der Verband der Telegraphen--. und Delephvnangestellten getroffen hat. Bei dem iilter- . nationalen Bureau in Amsterdam , sind Nachrichten , eingelangt, nach denen die deutsch e n Eifenbahuer und Transportarbeiter alle Maßnahmen für die strikte - Durchführung des Boykotts' ab 20. Juni getroffen haben. Die gleichen Nachrichten sind von der französischen und von der Lschechv-slowakischen Landeszentrale eingelangt. Dolle Wirksamkeit des Boykotts. Der Boykott gegen Ungarn dauert ungefchwäckt an und kam erst.heute zu voller Wirksamkeit, nachdem der gestrige Sonntag keine Gelegenheit, dazu bot, die von den Gewerkschaften, verfügten Absperrungsmatznahmen intensiver durchzuführen. WaS den Telephonverkehr mit Ungarn anlangt, - so ruht derselbe nunmehr vollkommen. Das letzte Telephongespröch zwischen Wien und Bu da Pest, fand in der Nacht vom Samstag auf Sonntag statt. Was den telegraphischen Berkehr mit Ungarn betrifft, so wird derzeit auf den nach Ungarn führenden Linien überhaupt nicht gearbeitet. Die auswärtigen Miffionen habön zwei Leitungen zur Verfügung und entzieht es sich unserer Kenntnis, ob auf diesen Linien gearbeitet wird. WaS den - Postverkehr mit Ungarn betrifft, fo ist allerdings gestern noch mit dem sogenannten Plattenseer Schnellzug ein Postwagen mitgegangen, doch ist es mehr als zweifelhaft, ob derselbe auch in Ungarn angekommen ist, zumal insbesondere in Wiener- Neustadt. und in allen übrigen Südbahnstationen eine äutzerst scharfe Kontrolle herrscht. Am schärfsten nnd am lückenlosesten funktioniert die Aufhebung des FrachtenverkehrS und ist feit SamStag nachts tatsächlich kein Waggon nieyr nach Ungarn abgerollt. Bon den auf der Fahrt befindlichen Zügen wurden die für Ungarn bestimmten Waggons in den größeren Stationen auf Nebcngeleise geschoben, um ein Verstopfen der; großen Stationen zu verhindern. Auf den Wiener Postämtern werden nach Ungarn bestimmt»- - Briefe und sonstige Sendungen zwar angenommen, jedoch den i Absendern erklärt, datz keinerlei Haftung für das Ankommen! der Sendungen übernommen werden ka. n. - Auf den Bahn eu werden durch Maßnahmen!derDivek«' tiünen diejenigen Beamten und Bediensteten,' welche sich' an - dem Boykott , gegen Ungarn nicht beteiligen, ausdrücklich in! Schutz genommen; doch hat . dies gegenüber , der:-ausdrücklichen ‘ Uebermacht der im Dienstedes Boykotts stehenden,' gewerkschaftlich organisierten Angestellten keinerleipraktische Be« deutung. - ' . .7 . -/ . In den ' : .. 'j Kreisen der GewerlschafLen ist inan voll ftohyr - für das Gelingen des Boykotts und rechnet inft"eiriem vollen- - Erfolg desselben, der vor allem in dem Stürze' der gegenwärtigen Negierung erwartet wird. Falls die kommend« Regierung ausreichende Bürgschaften für die Unterdrückung des Weitzen Terrors sowie für die Respektierung der poli. tischen' Rechte der Arbeiter, für die Einstellung der polittfchen Prozeffe und für die Aufhebung der Jnterniertenlager geben würde, solle der Boykott sofort abgebrochen werden. Jn utigarischen Kreisen denkt man daran, den > Donauweg für den Verkehr mit Ungarn zu benützen, zumal jedes Donauschiff außer der Flagge der Gesellschaft auch eine Entente flagge führt. Inwiefern die» .möglich sein wich, wird nicht in letzter Linie von der Halduq der . tschechischen Schiffsangestellten abhängen Von ungarischer Seite wird im übrigen gegen die tschechischen Eisenbahner leb»' hafte Beschwerde geführt und erklärt, daß tschechische^ Eisenbahner für Ungarn besttmmte Kohle noch vor dem Inkrafttreten des Boykotts . zurückgehalten hätten. Der Triefkr „Lavoratore" meldet, daß die - italienischen Arbeiter dir Bohkottparole der Amsterdamer , auf das, gewiffenhasteste einhalten und fordert alle Arbeiter zum Anschluß an denDohfotS ans. Tatsächlich-wird, insoweit Triest in Bestacht kommst, der Boykott gegen Ungarn strenge gehandhabt. Strenge Durchführung in Steiermark. ' ' Graz, 21. Juni. Der Bo ykott der sozialbemn-j kratischen Gewerkschaften ge^u Ungarn wird sowohl! auf den hiesigen Bahnen als. muh in den Dostanstalten durchgeführt. Eine Absage der englische« Regier ung. Die ungarische Regierung hat sich, wie der „Abend" nreldet, einige Tage vor den Beginn °‘bel‘, Boykotts an die englische stiegierung mir'der Bitte gewendet, dahin zu wirken, daß der Boylvtt gege» Ungarn nicht durchgeführt werde. ' \ Die ,en glis che 'Re gierun g hat, wie wir owr unterrichteter Seite erfahren, deur Wortlaut nach ww-' gefähr folgende Antwort erteilt: - . :! ' Die königlich englische Regierung teilt der ungari-' «egicrung mit, daß sie der ungarischen Regierchrg! t gibt, die Abmachung mit Sir Clerk vom Oktober vorigen Jahres durchzuführen, die dahin lautet^ eine ans .allen Schichten der Gesellschaft^ das heißt, aus Bürgern, Bauern und - Arbeitern' zusammengesetzte Regieruu-g. zuj bilden. Der englischen Negierung ist bekannt,'daß hkstj Anschauung vom Grafen Wponyi geteilt wird. . \ Die englische Regierung wird, falls diese öingung nicht erfüllt wird, nicht in der