Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 507 (21.6.1920)
- Date
- 1920-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Montag Me sie lügen. Wien, 20. Jcuri. Amtlich wird verlautbart: Die ans einem Wiener Abendblatts vom 19. d. M. in Besprechung dLk Boykvttbewcgnng gegen Ungarn von einigen Wiener Morgenl'lätter« vom 20. d. M. übernommene Meldung, baß mit Rücksicht auf die angebliche Zurückhaltung von 200 Waggons Weizen und löü Waggons Mais ans Jugoslawien in Ungarn vom Slanisamto für Dolkseraäheung 'sofort amtliche c t o r s 1v n 3 m a tz r o-g r l n ergriffen w u r d e n oder in Attwendnns gebracht werden sollen, ist dollstÜndld and der ^nft gegriffen. Telegramme. Die ZAfamMdilKunfL Benesch-PateK. Prag. -1. Juni. (Privat.) Minister des Aeuperu.DoÜvr. B e n e s ch begibt sich in den nächsten Tagen nach M ähris ch-. Ost rau, um dort mit den Vertrauensmännern zu konlerirren.^ Bo» Ostrau fährt, er nach £> fe.fc $X»l JWi v eine Zusamnu»'. tunst mit dem polnischen Minister des Aeußern Patek buben wrrd. , ' Die -euLschc-französifchen Derhanßluttgen. Berlin, 21. Juni. Die „Montagspost" berichte^..daß die vor kurzem unterbrochene« WirtschaftsvrrhandlUngen zwischen den Be-treten; der deutschen und der französtschrn Industrie am Juni in Baris wieder ausgenommen werden. Die deutsche Regierungskrise. Berlin, 31. Juni. (Korr.-Burr^ Die Deutsche Bolkspartei bat dem Pläsidenren Fehrcnbach eine neue Formulierung der wichtigsten Sätze ihres Programmes überreicht, das sich nun noch enger an dre bekannten Forderungen der Demokraten anschließtr Besonders entspricht diese Formulierung der Hauptforderung der Demokraten hinsichtlich des Bekenntnisses zur Weimarer Verfassung und zur republikanischen Staatsform. DaS Kabinett dürste daher deute gebildet werden. Gestern baden auf Grund einer Vereinbarung aller Beteiligten keine Verhandlungen stattgefunden. Die Frage der Entwaffnung Deutschlands. London, 20. Iulü. (Reuter.) Ein Communiquö iiber die Konferenz in Hythe besagt: Die französische Regierung hat den Standpunkt Englands über die bedauerliche Langsamkeit in der Durchführung der aus die Entwaffnung Deutschlands bezüglichen Bestimm mungen des Versailler Friedensvertrages seitens der deutschen Regierung angenommen. Die beiden Regierungen haben einvernehmlich beschlossen, der interalliierten Konferenz in Voulogne zu empfehlen, den militärischen Beratern Weisungen zur sofortigen Erstattung von Vorschlägen zu erteilen, um die Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrages, betreffend die Truppenmacht und das Kriegsmaterial Deutschlands, zu beschleunigen. - -- \ Sonntagsruhe und jüdische Schule in Pole«. Warschau, 21. Jmn. (Tel. der „Wiener 'Morgen- Leitung^.) Da, wie wir bereits gemeldet haben, bei der Tncrckisührung des Sonntagsruhegesetzes in Warschau Poti-eiorgane in einigen jüdischen S ch u l e n die Einstellung des Unterrichts am'Sonntag erzwungen t atten, wandte sich der Klub der jüdischen Ab^geo r d n e te n im Landtag an das Unterrichtsministerium m;t Aufklärung. Das Unterrichtsministerium antwortete, daß cs keinerlei Verordnung erlassen habe, durch welche das Zwangssonntagsruhegesetz auch für die allgemeinen öffentlichen Schulen bindend wäre. Das Ministerium hat bloß verordne^, daß in den Regierungsschulen am Sonntag kein Unterricht erteilt werde, diese Verordnung bin^ det jedoch nicht Privatschulen, zu denen auch C h e d a r i m und T a l m u d - T h o r a -> S ch u l e n gehören. Bis aus dem Gesetzgebungswege-der Einfluß der Znangssonntagsruhe auf die Tätigkeit der Regierungsämter und Lehranstalten festgestellt ist, ist es erlaubt. in den Privat schulen am Sonntag und an allen polnischen Feiertagen zu unterrichten. Auch in allen öffentlichen Schulen, in welchen am Samstag kein Unterricht erteilt wird, kann am Sonntag und Feiertag vormittags Unterricht in Religion und in allgemein jüdischen Lehrgegenständen erteilt werden. Diese Erklärung wurde, wie das Unterrichtsministerium mitteilt, alten Schulinspektoren zur Darnachachtung übermittelt. *Dre Geheimnisse der weisen Aetteften von Zion". London, 21. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) „Daily News" besprechen an leitender Stelle das von den deutschen und Wi. ner Nitualmördern zur Bibel erhobene Buch .,Die jüdischdGefahr", welches die bekannten „Geheimnisse der weisen Aeltesten von Zion" enthält. Das Blatt stellt die hier verübte Dokumentenfälschung hin, die in der Art begangen wurde, daß das Buch, das vor vielen Jahren in Rußland zum Zweck der Rechtfertimrng der Pogrome -herausgegeben wurde, für die heutiAn Ziele des internationalen Antisemitismus umgearbeitet wurde. ,Menn eine jüdische Weltbewegung — sagt das Blatt — Gefahren in sich birgt,, so sind die Gefahren einer Bewegung, die die Verbreitung von Sensationen und Schauermärchen zum einzigen Ziele hat, noch größer und unheilvoller." Wiener Morgenzeitung 21. Juni 1920 Nr. 507 .■■»■ru...... , kommissariat für Eisenbahnen »Kd Straßen ln des Jüdischer Nationalrat für Deütschösterreich Heute, 5 Uhr nachmittags, findet im Festsaale des Hotel de Franee, JL Schottenring 3, eine öffentliche Plenarsitzung des Indischen Pationalrates für Hentschöfterreich statt Tagesordnung: «&. Stricker. 2. Das Kultuswahlprogram«. Sief.: Dr. Cgon Z w ei g. S. Bericht des Gewerbcfördernngsamtes. Sief.: Dr. Mar Sprecher, Reg -Rat Ing. Lö w y. 4. Berichtdes Anterrichtsamtes. Sief.: Doktor Isidor Margitlies. 5. Bericht des Sozialen Organisationoamtes. Aef,; Anitta Müller. EnentasSss. Mit Nücksicht a«f die mafango reiche Tagesorbnurtg wrrd m A tf TT---- li ch. um 5 Uhr beginnen PolilischeRimdfcharr. Krassin. . Der Name Kvassin chird gegsnwärÜg in'^Ut politischen Ossfentlichkeit Wahl am häufigsten genannt, da er in l>ngem' Zusammenhang mit döM Versuch die englisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen.ayzu-. bahnen? Es ist 'vDer interessant, jäheres über bmr.; Manu, seine Qualifikationen für die p. wichtige. Stellung, die er bekleidet, und seine politische Laufbahn zu erfahv-n. „Rußkij. Golös" schreibt darüber ungefähr folgendes: , Leo nid Borissowitsch Krassin «ntstamnit einer wohlhabenden sibirischen Familie, wurde im Jahre 1970 geboren. In seiner Heimat absolvierte er das Gymnasium und bezog dann die Technik in Petersburg. Nach drei.jährig,rm Studium wurde er jedoch ausgeschlossen, da er sich an Studentenunruhen beteiligt hatte, und zwangsweise ins Heer eingereiht. Da er jchoch dort urch auch unter den Eisenbahnarbeitern per Nkoskau- Brester Eisenbahnwerkstätten soziaHeniokratische Pro^ paganda betrich, mußte er 1892 ins Moskauer Gvsängnis wandern, wo er bis Ende. 1894v. um jedoch nach kurzer Zeit mit dem -Gefängnis in. Woronesch Bekanntschaft zu. machen. Rach dem Re- Regiernngsantritt Nikolaus' II. wurde Ktassm aus dem ' Heere ausgestoßen und nach Sibiinn verschickt; In Irkutsk arbeitete er als Ingenieur-Mechaniker, beim. . Bau der sibirischen Bahnen und dies ermöglichte AM ' die Zulassung an die Charkower Universität zur Fortsetzung seiner Studien; wegen Anteilnahme an Stw» i dentenunruhsn wurde er jedoch/1899 abermals relegiert und wandte sich wieder dem praktischen Msenbahnba» zu; er arbeitete beim Bau der Eisenbahn Petersburg—' Wjatka und der Baikcckbahn. Im Jahre 1869 bezog 1 er dann die Charkower Techüik/an der ep zwei Iahte später das J'ngenie'urdiplöm 'erlangte. Inzwischen war Krassin im Jahre 1900, da ihm der Aufenthalt in Charkow untersagt tvorden war, nach Baku gegangen, wo er beim Bau der'elektrischen Zentrale tätig war und Generaldirektor des Elektrizifäts- " tverkes wurde. Auch damals fand Krassin Zeit zu-revolutionärer Propaganda. Er begründete in Baku eine Druckerei, in welcher, das Zentralorgon der sozialdemokratischen Partei, betitelt „Jskvi" („Funken") und die übrige sozialdenlokratischv Literatur gedruckt wurde. Dieje Druckerei wurde 1905 nach Petersburg übertragen; und. später kam dort die -olschewikische Zeitung „Nowajn. Schi sn" („Das neue Leb«:") heraus. Im Jahre 1901 wurde Krassin Mitglied des. Zentralkomitees der. russischen sozialdemokratischen Partei. Im Jähre 1904 verließ er Baku und wurde Fabriksdirektor in Archowsojew, wurde jedoch im Revolutionsjahr.1905 zus»ucmeu mit dem ganzen Zentralkomitee der sozialvernokratischen Partei in Petersburg (in der Wohnung des Dichters Leonid Andrejew) verhaftet;, er entfloh mit' zwei Genossen nach der Schweiz und '-nahm an den Zusamnienkünften der russischen Sozialdemokratie teil, arbeitete dann heimlich propagatvrisch in Rußland unter den Decknamen Nikititsch, Sigtn und Winjer. Dann ging er als Ingenieur zu den Siemens-Schuckert-Werken nach Berlin und wurde später-Direktor der Moskauer Abteilung dieser Werke; sie entsandten ihn 1914 nach Petersburg; bei Kriegsausbruch wurde Krasstn einer der Generaldirektoren der Moskauer Werte von Siemens-Schuckert; diese Stelle hatte tt bis 1918 inne; damals wurde er Volkskommissär für Handel und Industrie in der Sowjetregter un g. Noch während seiner Tätigkeit als Fabriksdirektor hatte ihn-Lenin als Delegieretn zu den deutsch-russischen Friedensverhandlungen nach Brest-Litowsk entsendet; dort war er Hauptexperbe in der Kommission für den Abschluß eines deutsch-russischen Handelsverirages. Nach der Rückkehr von Brest wurde Krassin zum Präsidenten des obersten BolkswirtschastSrates und zum Vorsitzenden der außerordentlichen Kommission für die V.'rproviant'.ecung und Bekleidung der Roten Arinee Awählt. Im März 1913 übernahm AirM i&bm d.M HMp> Lenrn-Regrerung. Krassin gilt als einer der fähigsten Mgemsüre Nuß» landS und als der bestr Handels- und Finan-zkenner des Landes. Wenn seine Wsfioü in Loudou geÜüKk, soll er zusanlmen mit der Kymrüission von. 24 Handels- I experten, die ihn nach London begleitet hat, nach' An'.erika gehen, um die HandelZbeziehungeu. zwischen Mußland und den Bereinigten Staaten herzustellen. Lagebericht. Die Aufbringung deKPttlLftiqa-AufbaufoudS. Das Zionistische .UktionskvMitire erörtert die Richtlinien für die OrgWsEung. dtr ÄMjt ...für. .-beL.-7UK.WMM« nds mldseine Aufgaben in einem Zirkular an die Zion ist i s'che n L-a n d e s- V erb an de und Föberativnen7' Trtnr IviL^ fol- - gerchese'ntnehm«»:.-—-- - „Damit wir die Möglichkeit haben, die Beichlusse von G L'tt. R e ch 0, zu w e r w i^r t%i ch cVt sind bte rajche Ansiedlung j Ä bis ch e r M a f J c it in P a läst 1 na -dutchzvfÜhren^ mkfs^ wir We^^nstkv.^Wäfte darauf einstellen, ein .großes Kapital im Volks derm.ögen für diesen Meck zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir im Laufe weniger Jahre 25 Millionrn Pfund Sterling aufbringen. Wir werden daher. dev Jahveskonserenz in Lon- ' bvn Vorschlägen, da^^ie beschließe; an b«S^üdischtz V 0 l k ^n appellieren ünd es. zu nroßen .Geld^»fern, zur'Sainnilung Rnes Nati0ndalgeskhenkes des A 0 lk e s für den. Aüsbau. und die Wiederbelebung .von Epez Israel aufzuftnchern. Da jetzt für emeBo.lksmn le ihe die Mats-? Md wermögensrechtlichen Grmchi lagen .fehlten, müssen itvir den AnfbanfondL schaffen, der dem Lande solche Aufbaugrundlagen grbL > welche uns hie Möglichkeit geben, unsere ganze PaM ^stina-Potttik und unter anderem die Bolksanleihtz --W - Lande zu verwirklichen.;; n * Wurch den Aufb^ausionbS werden stckgenbe' Zweigs unserer Arbeit finanziell organisiert werden:J- 1 1. Emigrati'vN: Gründüng von AufnahMSstaiioneri für Ernigrantsn in den wichtigsten Hafen« städten der Galuth'-Länber, Bau von Baracken für dis ankommenden Einwanderer in 'Erez Israel, medizinische Hilfe, Unterstützung in der ersten Zeit nach der' Ankunft N. dgl. -.1’■' )' 2. O0ffen t liche Ar beite n in Pal ä st'inar lAnMötisierung großer Landstriche, Bewaldung, L a n d* arbeit in Dorf und Stadt/ mit besonderev Berück-- ffkchtGing des tzLüfeWaMs.- ' - - 3. M e d i z i n un d H ytz i e'üe, Mit vesondeE Berücksichtigung der Bedürfnisse der jüdischen Einwanderer. 4. Kultur und Erziehnng: Erhaltung der bereits bestehenden und Gründung Neuer Lehranstaltvi gemäß ben Wünschen W Aeöürftrissen der Bevölkerung mit der besonderen Aufgabe der Schaffung professioneller Schulen für verschiedene, dem? Lande notwendige Arbeitszweige (Mndwirtschafil'.che Schulest aller Mt, SpSzi-lkÜrse für Industriearbeiter: und so weiter). 6. Schutz und Sicherheit: Anwendung und .Ausgestaltung der nötigen Mittel zum Schutz und zur 'Sicherheit, des Lebens der jüdischen Bevölkerung. - Dieses Programm, welches jahrelange unermüdliche Arbeit erfordert, will der Aufbaufonds mit den Kräften )des ganzen Volkes verwirklichen. In die breiten sSchichten des jüdischen Volkes muß das Bewußtsein getragen werden, baß man an die Palästina-Arbeit in viel breiterem Maßstab als bisher gehen muß. Nur große Taten und mümtige Finanzaktionen werden unsere Arbeit zum vollen Siege führen und darum dürfen jdie weiten Kreise des jüdischen Volkes nicht weiter bei der bisher üblichen Meinung belassen werden, sie hätten: mit unbedeutenden, oft ganz minimalen Geldsummen "ihre jüdische und ihre Menschenpflicht erfüllt. Jeder Jude muß dahin aufgeklärt werden, baß er jetzt zu großen und schweren Geldopfern bereit sein muß. Und die Zionisten müssen da in der jüdischen Welt beispielgebend vorangehen. Daher schlagen wir der Jahreskonferenz vor, beim Aufruf zum großen Bolksgrschenk für den Aufbau unseres nationalen Heimes die Durchführung folgender organisatorischer Grundlagen zu verlangen: a) Die Forderung einer Zehentabgabe, der Abgabe eines Zehntels des Vermögens aller wohlhabenden Juden. b) Die Einführung einest allgemeine n Besteuerung der jüdischen Bevölkerung nach ihrem Einkommen. Die Einzelheiten und Instruktionen für die Durch-, führung einer großen Aufgabe sind der Jahreskonferenz Vorbehalten. Wir fordern jetzt alle Landesorganisattonen und Föderationen auf, ehestens! spezielle Komitees zu gründen, welche jüdische Kataster, das heißt vollständige Verzeichnisse aller, zahlungsfähigen Juden beider oben angeführten Kategorien, anzulegen haben. Dieses Verzeichnis soll zugleich zum Buch der Befreiung werden, in welchem alle Brüder und Schwestern verewigt werden solle», die als erste am Aufbau unseres Landes in diejenu historischen Augenblick teilgenommen haben. Die Vorbereitungen müssen rasch cinsetzen. damit wir zur Jahreskonserenz so geritstet sind, daß die Arbeit M Bott UÄ> Lach LlM beMneu ftuttu