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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-18 · Heft 504 (18.6.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 504 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nrri« ft Krone präuumevattvt&preHe: «1»»: 8nu «Mefm te ter «r-Eon. L Labor. Pmt» 1 ’M ft, »ser intimr verschlriMve (Syftftf): ffMMIM . . StdRn 28.— Wierteljahrltch VS.— «ttV-ftvrrs-n» «rMe» «» OtJlOTCiiQ V. Rnmett LS.- ' Tschechs-Slowakei: Msnntlkch .Srsvr» 1«.— „ »0 - iNtscheiho^loweNschrr WSHrv», « . Msarm Msnatttth .. ftfancit SS — tHeeteltähelht) . „ 7S<- j» «garische- 2»Dost«»ie»r «vvallich . . Dinar S-- SMlAfHA '» 18.— Arei« L Kr<«<; PrÄrmne-aftwuPpeiss: _■ / Pntvu .' StfUrt SL.-. -t-ttätzrktch VS»- «»aüetichrrS^n«, WsWftltch^^^r«? fr*' Um _ ■ Schtteft: '' «»«Mich. . . Hip««»» s.~ Aür bör.üVrt-t IlnÄLNd: virrtrljLhrlich Knmrtt LV».— Nr. 504 Wien» Freitag» den 18. Juni 192« Redaktion n. Adwittifi-ratio». LStttr.s.Be/;..Davörft«^-» mb S Uhr nd«dö srr. L»»oi 9mft1»mrt*nt*ifntm UOjSSO 2. Jahrgang Der Hexenkessel. —y. W i e n,.1Juni. . Ein Washingtoner Stimmungsbericht aus Paris teilte vor wenigen Tagen mit, die französische Regierung heobachte .mit großer Mißstimmung die in ganz Mittelssuropa.ausgebrochene politische Krise, die sich in Regierungs- und Parlamentsschwierigkeiten äußert. .Die auf dem Koalitionsprinzip aufgebauten Systeme konnten überall! nur die erste Zeit nach dem Umsturz überdauern und zeigen sich jetzt haltlos. Die Langsamkeit des sozialen ftmformnngsprozesses, die aus den Kriegsfolgen und der pus iden Fugen geratenen Wirtschaft resultiert, steht in einem grellen Widerspruch zu den Hoffnungen, mit denen die breiten Volksmassen die neue Zeit begrüßten, die ihnen die Erlösung von dem« militaristischen > Nebel gebracht hatte. Der neue Geist, der in Mitteleuropa emzog, war bald verpufft und das alte Trümmerfeld wuchs mit der Zeit zu unheimlicher Ausdehnung. Kein Wunder, datz Frankreich diese Zustände mit ernster Sorge befrächtet, wenngleich sich die französische Politik keine Rechenschaft darüber geben will, daß ihre in den Frieden perpflanzte.Kriegspolitik an' dieser anarchischen Gestaltung die größte Schuld trägt. Es sind nicht allein die dom französischen Rachedurst diktierten Friedensverträge mit den unterlegenen Völkern, sondern auch die von Frankreich, ausstrahlenden Versuche/.die vor dem Kriege bestandenen politischen Verhältnisse wieder herzustellen Wh dabei die. Wirkungen des großen Umlernens, das fiH WeMcher Len VesiegLen vollzogeM hat. ganz zu überfHen. Diese Rechnung wimmelt von Fehlern, deren jeder erüzelne die Fortdauer des bewaffneten .Krieges im ganzen Men und im nahen" Orient zur Folge hat. . Innerhalb der Entente verschiebt sich das Schwergewicht der politischen Stimmungen von Lag zu Tag und der hinter Lichtgeschlossenen Vorhängen sich abwickelnde Streit um die Vorherrschaft erschüttert nicht allein den Bau des Siegerbundes, sondern auch die Struktur der ganzen Welt. Die Behandlung der russischen: Frage ist charakteristisch für diese Unstimmigkeiten, die die Ruhe und die Erholungsmöglichkeit Europas ärger bedrohen als der .Krieg. England verhandelt mit dem Vertreter des Sowjetstaates, dem Ingenieur Krassin, der an die Stelle der wilden Experimente die Rückkehr, zur systematischen Pro- Lstktion angebahnt hat. Er. soll das englische Bedürfnis. nach den russischen Rohstoffen befriedigen. Dies hat -aber den Argwohn Frankreichs . erweckt, das .auf seine russischen'Gelder nicht Verzicht leisten will. Wenn nun zu diesen Sorgen noch die Angst um die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, um den Bestand Oesterreichs, um die großen. Lebensmittelschwierigkeiten der Tschecho-Slowakei und um die Existenz des von Frankreich in den Krieg getriebenen Polen sich gesellt, so werden die Mißstimmungen der französischen Großbo.urgeosie verständlich.. Man würde aber die Uebelstände der mitteleuropäischeu-Welt nicht heilen können, wenn man unter ibren Anläsien.die große Schuld der Sozialdemokratie vergäbe, die sich ebenso wie das Bürgertum mit den Dingen abfrnden will, ohne nach dem Woher zu fragen. Die Sozialdemokratie der besiegten Staaten hat für den Krieg und feige Folgen eine einfache Formel gefunden: «Der monarchistische Wahn trägt die Schuld. Es müßte also mit seiner Beseitigung eine wesentliche Entlastung der Völker eintreten. Dies ist aber nicht geschehest. Das liegt daran, daß die Sozialdemokratie, deren Passivität mit Schuld, am Krieg getragen hat, nichts davon wissen will, daß auch-sie den Krieg verloren hat. Sie meint, es. genüge, einfach die alte Staatsform durch eine neue zu ersetzen, um den Feind in einen Freund zu verwandeln." Die Sozialdemokratie will nicht nur den besiegten, verarmten Völkern ihre aus gefunden Verhältnissen konstruierten wirtschaftlichen Ideen aufzwingen, systdern-sie versucht dies auch den Siegern gegenüber, deren Massen ausnahmslos in der Stimmung des Triumphes befangen sind und höchstens an den Gegnern Wohltaten üben wollen. Solange die Führer der Arbeiterschaft dioje Haltung nicht aufgeben, trifft auch sie das Mißtrauen der Umwelt und bleibt die Teilung der Welt« in Herren und Sklaven bestehen. Tie Entfernung der mörderischen Dynastien, die Vernichtung des Militarismus waren an sich genügend große Errungenschaften, aus denen heraus in organischer Entwicklung der-Aufstieg zur wahren Demokratie durch Erziehung hafte kommen müssen. Die vielen Versprechungen, das Tändeln mit der Ausschaltung des bestürzten Bürgertums haben der? Ofen überhitzt und treiben „die, Staate!: > van^inem. UüLlüLruL in der Cicbecbo-Slowakei. P u a g, 17.Iuni. Wie die Abendausgabe des „Ceske SLovo" meldet, hat ihtj der Eisenbahner dem ELsenbahnminister Forderungen überreicht, deren Erfüllung bis zmn 23. d. M. verlangt wird, andernfalls die genannte Organisation am 25. d. M., also «m Borabend des Ha np t fest tag es des Soko lko n gresses, d e» G e n eralkire ib a «f d e « E i s e n b a h u e n d v K l a m i e r e « w ü r d e. -W' Die Durchführung des Boykotts. Sonntag den 20. Juni, also in zwei Tagen, jvird der internationale Transportarbeiterbvykoit gegen Ungar» einsetzen. Aus dem'Lande des weißen-Mordes ertönen jetzt Angstrufe. Die ungarische Gentry verspricht Auflösung der ,Hft»chialfornlqtiönen" in der Fytm, dHß sie die. weißest.Mocher ruMMM^rmerrs und baf Heer eistMHest'wWBW^st' ösMbar hW'Ast-" gestand nis, das dem' Ausland für das Äufgeben des Boykotts geboten wird. Sie können es nicht fassen, daß. das Ereignis wahr wechen, der Betch luß znr Tat werden soll. Der EfteindaHnvohkott. Der „Abend" veröffentlicht die von -der: österreichischen Eisenbahnern für die Durch füh rungdes Boykotts getroffenen Bestimmungen. Sie sind in einem Rundschreiben an die Ortstgruppenleitungen der Eisenbahner enthalten und besagen u. a.: Um gegen das Mörderregime in Ungarn wirkungsvoll Stellung zu nehmen, wurde beschlossen, ab 20. Juni l. I. jeden Verkehr mit Ungarn abzubrechen. Es sind auf den österreichischeU Eisenbahnen für Ungarn keine Waren anznnehmen und auch, keine werterzubefördern. Es sind also in den Magazinen, die Verfrachter von Waren nach Ungarn vor Uebexnahme der Ware aufmerksam zu machen, daß die Waren liegen bleiben würden und sie gut daran tun, dieselben nicht aufzugeben. Waggons, die Waren für Ungarn enthalten und schon im Laufen sind, müssen in geeigneten Stationen ausrangiert werden.- In den einzelnen Stationen dürfen Wagen, die ungarische Güter enthalten, nicht übernommen werden. Die gewerkickraftlich organisierte Arbeiterschaft der Ententeländer hat den Boykott Ungarns als toirkungsvollen Protest gegen das volksmörderische Regime in Ungarn beschlossen. Unsere Pflicht ist es. uns diesem Protest restlos anzuschließen. Bei Gütern, die von Ungarn kommen und nach dem übrigen Ausland bestimmt sind, ist die Transitierung ungehindert vor zu nehmen. Was den Güterverkehr anlangt, so ist an den österreichischen Grenzen von Italien, Jngoslawie n, Schweiz,- BayernundTschecho- Slvwakien die Uebernahme von Waggons, in welchen ungarische Waren oder Güter, die nach Ungarn bestimmt sind, enthalten sind, zu verweigern. Der Personenzugsverkehr von und nach Ungarn sowie der Schnellzugs verkehr bleibt vor läufig a.ufrecht. Sollte eine weitere Verschärfung des Boykotts notwendig sein, werden wir euch noch verständigen. Die Verschärfung würde dann bei dem Personen» und Schnellzugsverkehr eintreten. Diese Verschärfungen sind dnrchzuführen, bis weitere Weisungen erfolgen. Ententszüge sind davon ausgenommen. Dasselbe geschieht seitens des Post- und Tele-. graphenpersonals, des Dampfschifsahrtspersonals und des Transportpsrsonals. Auch die Buchdrucker haben sich dein Boykott eny..'sch!?ssnr und werden die Aufnahme gefäls'l!Nachrichten aus Ungarn in die österreichische Drr Post, »nd Telegraphenboykott! Wie der „Abend" mitteilt, hat eine' MtzOUst-lWf der Gewerkschaftskommission angeschlosseUeü ' angestelltenorganisationen (Post- -und TelegpjHhÄtb^^ amten und -Arbeiter uM.Mdiotelegraphisten^'^hlüSi'. gefunden,. .m ' deri H.er: Beschluß, .gefaßt:; wurden .ftiti 19.; Juni, 1-2.'Uhr nachts, Ärn: 'Wämn^' uM MdiotEraWwverMr WnIMWWWt Ungarn vollständig zu mtttzrhWch. chMtzAHAMÄ hievon sind lediglich Mldungen dchhomatische^MaM^" die für dis EnteuLemissipnen bestimmt sind^Hch, s ühers, Budapest gehen. Auch Radiotelegramma von?'Ath!:«aM Ungarn werden, wohl.anfgefangen. tverhen, bleHM. ochW! liegen und werheri nicht weiterbefördexL; selbschHMndliD ' auch nicht beantwortet. P r a k-t i s ch wird.> sich/:? ,bm. Durchführung der Post- und DrlegraphenspeM.tzttW; so gestalten, daß nach irgendeinem ungarischeni Ortft gerichtete Briefe oder Drahttueldungen Wien liegen , bleiben oder in dem Aufgabeort Ln. Provinz, beziehungsweise irgendwo auf Mtrechri' zwischen dem Aufgabeort in den Ländern uyd.dch:,Wr««ft: Zentralstation.- Briefe und Telegramme, die auAyUnKUW kommen, bleiben an unserer Landesgreuze,. zum in Bruck a. d. Leitha, liegen. Ungarn wird -akso^ ständig von der Welt abgesperrt fein». Keine Abfertigung -es Balaton-ExpreßzngÄ^I Wie, verlautet, wird der sonst am Sonnkäg ab-j gehende Balaton-Expreßzug Wien diesmal nichsabgefertigt werden. Das Personal der Südhahn, ha^ im Hinblick auf den vom Jnd-rrnationalen Gewerk^> schaftsbnnd in Amsterdam über Ungarn. herhängte^. Boybott erklärt, ßen Zug nicht «blassen zu wollend ' Es wird weiter gemordet. Die Budaprsur Blätter melden : In der.Nähe tzee (Svdt, unweit von Budapest, wurde die Leiche eines ‘ 55* fctft 60jährigen Mannes ausgefischt. Nach dem ärztlichen Best»» dürste die Leiche nur vor einigen Tagenin dm Fluß gewoftw worden sein. .\j£ j Am zweiten Tage des verschärften bwndrechie- Waren^ ganz Budapest große weiße Plakate ansreizcnden Inhalt es'andw Mauern und Säulen afftchiert. Acht Müglieder der «Erwachend«^ UngarnE wurden wohl verhaftet, allein schon »ach.'EWSM Stunden aus freien Fnß gesetzt. '?' / Der ungarische Ministerprastdent da«D de» Horthy-Bluthuude». Budapest, 17. Juni. (NationalvsrsamMung.) 'W gs.crdu-r.er Szmrecsanyi (christlichnational) weist ift rin« dringlichen Interpellation die gegen den Verein' b« Erwachenden Ungarn erhobenen Anschuldigungen M rück und hebt dessen Verdienste um die Bekämpfung des Bolfchewisrnns hervor. Rehner wendet sich schließli gegen die von der Mgierung gegen den Verein, leitete Untersuchung. Während ssiner Rede kommt cs zu einenr haften Wortwechsel zwischen mehreren Abgeordnete» christlichnationalen Vsreinigung und der Minen wirteparlsi. Der Ministsrpräsident erklärt- .daß Verein der Erwachenden Ungarn seinerzeit zur Bei tvirklichung edler Ziele gegründet wurde, daß die ganz- Nati-'-n ih,u y>i g v o ß c nt D ft n fo verpflichtet jfeüj K Daran wLvd.r es. »icbts. - Ludern, wenn lick, Levoussttzl^

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