Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 501 (15.6.1920)
- Date
- 1920-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Er zeigt feine besonderen Voraussetzungen ftüf: . Das' Bestehen eines landhungrigen, kulturlosen Bauernstandes, der sich selbst-dem. Teufel verschrieben hätte, wenn dieser ihm nur seinen .Landhunger befrüdicjt, h.ie, geringe. Entwicklung der Bourgeoisie, die Konzentrationder Jtldußrie, die hauptsächlich üojc auL- Kapital gegründet 'worden ist,, deren „Natiouaktsierung" daher eine Emanzipation von diesem bed^xtet, 'und die durch den Krfeg geschaffene Lage,, in beEdie Bolschewikendie einzigen, waren, die den Bauern, was / sie . am . meisten ersehnten, 'Land und. Frieden brächten. Er zeigt, daß die Verhältnisse in den West- und Mi'ttelstaaten... gati^ anders '/Men, daß in "diesen dHs/Weg. zum ' Sozialismus nicht -über , die Diktatur, sondern nur über, die Demokratie führen ' kötme. ' - ///So interessant diefe* Ausführungen sind, so scharf Bauer' die Zusammenhänge zwischen den ökonomischen uM den politischen 'Bedingungen des Sozialismus erkennt, so sringeÄ sie für Hie'Beurteilung, der Frage, vH" die. Diktatur des Proletariats eine notwendige ,Phöse zür'Er'rÄchüng dpr 'sozialistischen Ziele ist, nichts LettWMmchstM. MLWfM^'Wi'^DMtur'-' fW Mittel- und Westeuropa, nicht .der. richtige Meg sey ist jedenfalls von gwßer' p o ki t isch e r Bedeutung, j . Die Schwäche des Buches-liegt in der Zwiespältigkeit, mit der Bauer den Bolschewismus beurteilt; Wenn er auch nachweist, daß dieser die Produktion, zerstört hübe, daß er die Masse durch „eine Wüste des Hungers, der- Kälte, der Staatsknechtschast, des Krieges"'' ins geltzbte. Land führen will, so ist er trotzdem bemüht, zu Zeigen, daß die bolschewikische? Diktatur für Nußland 'ein-unbedingt no twe.ndi'gsö Dürch'gangsstadiunr^ wär. Wozu? Zum'Sozialismus? So könnte man meinen. ' Mbdr Bauer sagt selbst, daß der Bolschewismus in -Rußland letzten Endes doch wieder: zu einer kapitalistischen Wirtschaft 'führen müsse, zumindestzu einergemischtkäpitaliftisch-sozialistischen. DÄ/.wch- Hautsky viel< üonfeguenter, alser den Bolschewismus aus -sehr ähnlichen . Münden, wie. Bauer ihn für Europa ablehnte, aiäh für; Rußland - als eine Verfehlung .erklärte. Man wird den-Gedanken nicht los, daß es bei Bauer zwei bestimmte Motivewaren, die ihn zu feiner .Haltung veranlaßten. Die eine, . ist die - im Marxismus liegende Vorstellung, da^ . geschichtliche:, Erscheinungen unbedingt als notwendige--nachzuweisen find, - der Hang,. sie nachträglich tmpch' die Dialektikzuerklären, - was der ganzen Betrachtungsweise; Bätmvs die? Signatur gibt., Als notwendig Mchzuweisen heißt rihm, zu . rechtfertigen. Er Lrmr.ein>2 historische Phasen-trotz aller kritischen Haltung zu-ihr». nicht, anders erfassen, als daß er ihr eine vfelsägende inne'rie Logik verleiht: Das ganze Buch ist eipLMtte-.von . Nachweisen,-daßder Bolschewismus in Rußland eine - no t w e n d i g e -Funktion zu .erfüllen hat,- Wobei der aufmerksame Leser die Mühe merkt, die es.- dxm, Autor j machte, diesen Nachweis .gegen seine Einsicht von der Aussichtslosigkeit-und Schädlichkeit,des ruWchen Bolschewismus - auHechtzuerhalten. „Die Gewalt/ Zagt er zum Beispiel mit einer marxistischen. ' Wendung, „kann die neue Gesellschaft nicht zutage fö^h^rn,. ehe, sie..nicht .im Schoße - der alten gereift ist." .^aß/Rußland mit seiner rückständigett, kulturlosen Bätzernmasfe und seiner..schwächen Industrie noch auf eittej/ vorkapitalistische.!^tüfe. .steht, .also nicht, im entfe^ntssteir' ~ im Sinne von. Marx 'A-: die sozialistische. Umhtzdu-Ng. schon in ftch'/.gereift Z)at, kann.man aber her, Bauer .zwischen den, Zeilen ’ .deutlich gqnuglesen, i Nnynser wieder, betont er, daß die i„Desp>ätie". eines' kleiUrn Teiles..-über die/. Masse .des Proletariats und. die lBauernrchaft nur. so lange wahven kann,, als H§se jSchichten ktzltuvrll rückständig sind, däß also der/Go'lsche-° wi^mus untevg'ehen müsse, wobyr er hehauptet, daß diese DWotfe die ^geschichtliche Aufgabe" * habe, die' bäuerlich^.Masse, des russischen Volkes aus der Kulturkosigkeit emporzuheben 'und dadurch erst dre Voraussetzungen der * Siehe Nr. ■ 494 unseres Blattes zum gleichen Thema, lauf bas wir seiner Wichtigkeit halber hier, nochmal? zurücktarnsov 0n 5-MllliMn-SoMMen -Kredit für Deutschland. Berlin, 14. Juni. Wie Hollandsch Nieuws Bureau aus Paris meldet, verlaute, datz die Beratungen der alliierten Kommission, welche die internationale Anleihe an Dentschland vorbereitet, beendet seren. Die Anleihe werde 5 Milliarden Franke« in Gvld betragen, welche Summe bi sauf 15 Milliarden erhöht werde« könne. Der GesamtkredsL soll gleichzeitig mit der von Deutschland zu zahlenden Schadensvergütung verrechnet werden. Hauptbedingung-firr die Anleihe sei, daß die deutsche Finanznnd Steuer" Verwaltung unter die Aufsicht der EnLentekommissionen m Berlin gestellt werde. V ■■■■—.; i—- Herbert Samuel in den Ritterstand erhoben. Vom König empfangen. London," 14. Ium. lFunkspruch.) Der König hat gestern den KommiMr für P a l ä st i n a Herbert Samuel empfangen. Der König erhob Samuel irr den engLifchen Ritter st % n d und überreichte ihm die Instcnien des Großkrenzes vom britischen Ritterorden.... ' :/.... Die Erhebung Herberd Samuels in den Ritterstand gilt seinen hervorragenden Verdiensten und kennzeichnet sowohl die "Wichtigkeit seiner' neuen Aufgabe als auch das ihnr entgegengebrachte Vertrauen. Dr. T'riMbsLK mit der Bildung des Kabinetts betraut. Berlin, 14; Juni. iWolff.) Amtlich wird gemeldet: Der Neichsprasident hatte mit dem Abgeordneten der ZcntrumsfrakLion Geheimrat Dr. T r i m b o r n eine längere Besprechung, in deren Verlaus Gr. TrimÄorn die großen Schwierrgkeiten der Bildung eines neuen Kabinetts betonte. Der Reichspräsident ersuchte Dr. Trimborn unter Hinweis auf den Ernst der Situation, gleichwohl die K a v L n e t t s L i l d u n g z u ü ö e r n e h m en. Dr. Trimborn nahm diesen Auftrag an. > Die Konferenz von Spa. -Berlin, 14. Juni. . (Korr.-Bür.) Das „Berliner.Tageblatt" meldet ans Basel, daß die Konferenz v o n- S p a nunmehr endgültig auf den. 5. Zu U f e st g e s e tz t worden sei. Doch hänge alles von der Entscheidung Italiens ad. Der angebliche gegenrevolutionäre Putsch in Sowjetrutzland. Rom, 14. Jüui. (Stefan!.) Än Italien ist keinerlei Nach'-^ richt rmgetrvffen,' die die von anderer Seite in Umlauf gesetzten - - Gerüchte von einer, G e genrevolution t;n R »; land bestätigen würde. Die letzten von den-.italienische» > Stationen ausgenommenen Radiotelrgramme aus Moskau Lästere« vom 18. d. M. und enthalten. ausführliche Einzelheitztzn üher dnr. Empfang, der der' italienischen sozialistischen Mission in Peters- - bürg bereitet worden ist. / . . . . , /' . - - - . Paris, 14. Juni. Wie ^Petit Journal" gns^Londs« i „Meldet» ifi-boyt / f c i n e amtliche B e stü t <Bn s .g. der-/ GcrMte über eine" Gegenrevolution in Rußland -eingetkoßen- Auch Krassin habe keinerlei diesbezügliche Meldungen «hasten. / - Dio Ermordung Essad Paschas. Paris, 14. Juni. (Havas.) Der Mord e r Essad Paschas erklärte vor dem Untersuchungsrichter, er habe, als er Essad Pascha gesehen habe» an seine armen Landsleute gedacht, die durch Esiad Pascha so sehr zu leiden gehabt hätten, worauf er ge-, schossen habe. Er b e d a u r e die T a t n i ch t, er habe der albanischen Sache gedient. Die Leiche Essad Paschas wurde nach feiner Villa in der /Rue. de Boulogne gebracht. Bei seiner weiteren Einvernahme durch den Posizeikommissär beschränkte sich der Attentäter auf die Erklärung, er sei nach Paris gekommen, um seine pädagogischen Studien zu. vollenden. Von Valona habe er sich nach Rom begeben, wo er sich einige Tage aufgehalten und auch den Revolver gekauft habe, mit dem er den Anschlag ausführte. Hmrgsrstreik Iabotinskys. London, 13. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Aus Jerusalem wird gemeldet: J a b o t i n s k y und seine Genossen, welche in der Zitadelle von A k k a ihre Strafe ab büßen, sind am 10. d. M. in den Hunger' st r e i k getreten. ML■ Demokratie iit Rußland zu schaffen. Man fragt, sich vergebens, warum nach Bauer diese notwendige Aufgabe nur so erfüllbar'war, daß die Bolschewiken die volkssozialistischdn und bäuerlich radikalen PEeien Rußlands vernichteten, den PröduktiansappaMt wie Bauer selbst sagt — zerstörten und eine'-Despotie auch ' den Arbeitern gegenüber aufrichtetendie nach der Schilderung Bauers über die Militarisierungder^ Betriebe, Dikiatnr der Betriebsleiter, - die- ZwMsaushebungen usw., ärger ist als der Zari^nins//Warum, sö fragt man, mußte die tverdende russischeWeMö k ra tie vernichtet werden, damit Wer-dem'/UEe'g^eittev' Zerstörenden Despotie wieder eine Demokratie/ gewiß, nicht ohne -neue' 'blutige'- Bürgerkriege, entstehen ’ könne? In Bauers Schrift'wird man vergeblich die iMtfvvrt-darauf ' finden. Denn wäre er . konsequent, so müßte er diese' Fragen so beantworten wie Kautsky.^;-' Diese Inkonsequenz ist wahrscheinlich.'/die' 'Folge, des zweiten Motivs der spezisischrn Einstellung Bauers zum Bolschewismus.' Er kann als radikaler sozialistischer Politiker zum Bolschewismus nicht gut „nein" sagen. Zu sehr hat der komniunistische Gedanke die' Arbeiter der ganzen Welt erfaßt, als daß ein extremer Linksmarxist es wagen könnte, ihn als Verirrung zu bez-ZKneU' }Z,o L"ie.h''rr-,. wird dein Lr.wr. der .Ausbau und die Beweisführung Bauers sonnenkl-ar. Das Buch isteine -vortreffliche dialektische Leistung; der. russische Bolschewismus' wird erstens-als eine geschichtlich „notwendige Phase^ aufgezeigt- -zweitens wirder in.-seinen > Wirkungen verurteilt und ' als bloßes -Durchgangs- . stadium erklärt und drittens wird nachgewiefen, - daß er- -für West- und Mitteleuropa unmöglich fei; So man dem Bolschewismus recht und unrecht zugleich gegeben.. - - - ''; Dies ist der Grund, warum das so/ glänzend -ge» j» schriebene Buch unerfreulich wirft.) Es-hat eine Tendenz.^ Man kann mit Bauer sehr wohl der von ihm mit eindringlicher- Klarheit - begründeten Ansicht. sein, baß der Bolschewismus für. ökonomisch fortgeschrittene Länder mit einem'politisch reifen, -ökonomisch starken-Bauernstand und einer entwickelten,- reichMgliederMn -Industrie - 'eine Unmöglichkeit ift;; trotzdem wird matt1 befrembet von der Art, mit der er nüchtern und wissenschaftlich eine Erscheinung, behandelt, welche volkspsychologisch--von noch nicht dagewesener Stärke ist. Hierin offenbÄrt sich. in der Wertung einer auf Marx--fußenden Bewegung die Schwäche der marxistischen.Analyse, welche die .im letzten den Menschen bewegende Kraft: den leideuschaft- I lichen Willen, als bloße Funknon bestimmter ökonomischem I En..'wickstmBsmdien. MsiM. D.cr BdMejvisM-UL LstW