Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 500 (14.6.1920)
- Date
- 1920-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Einzelheiten dieser Folterungen sind si» kraß, daß man sie aus Gründen der Scham nicht ganz publizieren kann. Zuerst wird 'mitgeteilt/ wie - Frau Hamburger von Mem' Offiziersbanditen durch eine: teuflische. List hintergangen wurde» um sie und-ihre Verwandten sowie den. Eisenbahner Posz, der bei.ihr. zufällig zu Besuch weilte, zu verhaften.. . - , > > ... - . Inzwischen hatte man-Krau Hamburger und ihre Leidensgefährten in die KelensöIber Kaser-ne gehWcht, jeneberüchtigte M ü-r t.e r k a m m e r, in der die blindwütigen . ungarischen Offiziere ihren . Blutdurst' an grmen, unschuldigen OpfernsüMn.' ' Dort wurden die Eingeljeftrten vor allem söge-. tzayrü« Bychörenunter^ogE 'tzrip'. mit Peitschenhisbentraktiert. wicher und wie' heute, itöc^•“.fö.titf‘ VettMT^ijög*,.. Wdischen Hilfsaktion). an Mau Hamburger tiefe Wunden 1 Mlich^etw^s. verüätbt» festesten konnte. .: .. V .r;; B.eriden Verhören W^'Äe'Asftziere einen Knüttel in Händen, mit "de'uen sie die Verhörten bedrohten und schlüge^ .wenn, diese nicht.' dey Offizieren genehme Ans-- Men machen wollten. / .' ' '" tzz ^.Frau.' Hamburger. sollte..' -,po litifcd e Der-, h^echet"' namhaft machen! oder sich völlig als Sp io« nin der Brach'i al'gewa'l-b"zu-r Verfügung' Hell en. Da sie -dies, ablehnte, mußte sie die i sürchterUchsterr Folterqualen erleiden. Krau Hamburger -wurde inder urimensch- . luchste n Me i se m i ß h a n de l t. Die O ff iz i e r e taten ' ihr allen möglichen Schimpf an und brachten / ihr - schwer stett L er b s ch a d e n . bei. . Die flmge Frau .befand sich persönlich in d er q ualvol U sten Lage, die sich nur beschreiben läßt, aber noch entsrtzlicher. war das,' was man sie mitanzusehen zwang. Es war dies - der qualvoLle Martertod Bela Neumanns. - Bevorwir über die Einzelh eiten dieser schauerlichsten aller Greueltäten berichten, sei hervorgehoben, daß . tzejjas der Kommandant? der Folterkammer war^. Er war bei den meisten Quälereien der Verhafteten ckn'wesend,' leitete sie und führte auch — mit den schweren Knütteln die Verhöre. Horthy, ver Femnd Hejjas-. Der Rerchsvermeser erschien Wiederholt persönlich in der KelenfKlder Kaserne, um von dort seine« Freund HejjaS nach voll» krachten Bluttaten abzuholen, i Hör t h Y k a m a n f weißem Pf er d g e r it t e n und verließ die Kaserne mit Hej- Kis als seinem RLttbegleiter: . ' Bela Mumann wäv am Nachmittag jenes 25. Jänner , gleichfalls in die KelensölVer Kaserne emgeliesert worden. Vor den Augen der Frau r Wurde der unglückliche Inhaftierte ’ völlig entkleidet, gepritscht und in der ärgsten Weise mißhandelt Die Mißhandlungen nahmen immer gröbere Formen an.! So begannen die Offiziere plötzlich Bela. Neumann . alle Zähne einzeln ans dem Münde zu Ziehen. Als . dies geschehen war — alles -in Anwesenheit der Frau Hamburger — wurde der AnglsiMche eytmaimL. Er stürzte daranshm ohnmächtig zu Boden. Hie Offiziere aber traten d en D a l i e g e ndien mit ihren . 6ti ef elad f aß en so lange, bis der Unglückliche wieder Lebenszeichen non sich gab. So wie er aus seiner Ohnmacht erwacht war, Zwangen,sie ihn, das eigene Blnt vom Bodek zu leeken! Bela. Neumanywuxde spätes weqgeichasst. Nach .Donau gezogen. Man - hatte"- -sestg'estÄ/' baß er mit -B aj o n ettst i ch en verwundet wyr.heu und n o ch l e b e n d in den Fluß geworfen worden war.. , Frau Hamburger, ihre Verwaudteu und Eugen Posz wurden weiterhin a u f das e u t s e tz l i ch st e g eq ualt. Sie bekamen, durch Wochen, im Gefängnis gehalten, täglich nur Suppe zu essen, hatten fast keine Kleider m e h r am Leibes und konnten sich w e d e r waschen n o ch k ä m m e n. Nach fünf Wochen etwa, am Tages'der Ermordung! S o m o gy i s, wurden mit einem Male die vier Inhaftierten aus dem GefängniS geholt. ' H e j j a s übernahm die vier Personen, - um sie nach Kecskemet zu bringen. Der blutrünstige Offizier besorgte mit Vorliebe die verschiedenen Verhöre,. Transporte und Exekutionen selbst. Ihm assistierte stets der gleichfalls berüchtigte Leutnant Bib o. ' Hejjas und Bibo betonten gerne i h r e Macht. Sie waren^ stolz darauf, die Gefürchtete n zu sein. Und jedem neu Vorgesührten rief Hejjas, den'Gummi-- knüttel schwingend, zu: „ Kennst du mich, den.Hejjas?" Hejias also führte Posz, Frau H a m b u r g e r,. und ihre zwei V e r w a n d t e n im Äutomobil nach Kecskemet. Dort wurden sie. bereits, vor der Kaserne den „Funktionären" mit den Worten übergeben: „Diese ha werden hente nachts aus dem Wege geräumtl" Glücklicherweise hatte die engt r sch e ' K o mmi s si o n die Möglichkeit, d i e Au s fü h run g deS. Furchtbaren zu verhindern. Die Engländer verfolgten Hejjas in einem zweiten Automobil und holten das Auto Hejjas' vor dem 'Gebäude ein. Sie machten Hejjas Vorhaltungen und dieser erklärte mit einem Male, daß der Transport des Posz auf einem Irrtum beruhe. Und er brachte die schon Verzweiselnden nach B u d a p e st zurück. Dort wurden die Beschuldigten dem Staatsanwalt übergeben. Der Kampf gegen die OMzier^banden. l ' E Budapest, 13. Sani. ■ (». S. K.. B.) Das «mir. Natt, veröffentlicht eme OÄ'ördtzüng^. wonach ' di«! Tätigkeit sämtlicher militLris'ch>n-'Formativnen, die ffosbwie ihrer Organe und' Rtzchercbeure Zivilpersonen g! e g e n ü b e r e i n g e st e!! t und diese Formationen mit den' militärischen Juftizor'gdmsaüonen verschmolzen werden. Ä).ie Militärbchörden dürfen Zivilpersonen gegenüber nur in Fällen wie Verbrechen! gegen'die Wehrmacht des Landes pörgehen^ Für die DaüÄ der Uebergangszeit haben sich Äe Militärbehörden und ihre Organe in Fällen' dse' durch Zivilpersvnek begangent-st Verbrechen bloß ans -die'-Ausführung der von Leu. zust.ir.d!gen Zivilbebörd.*n w 'Mt?'» rWetLL Ein Kabinett der Interventionisten in Italien. Lforza Außenminister. . Bom» 16. Juni. (Korr.-Bur.)' Blättermeldungen zu-. folge werde Giolitti ein der Mehrheit ngch aus. Interventionisten bestehendes Ministerium bilden. ' Rom, 13. Jüm. (©teföut.): Das Ministerium ist noch nicht gebildet. Immerhin hofft Giolitti, seine Liste morgen bekanntgeben zu können. Nach den letzten Informationen scheint es, daß Bonomi. der wohl in das Kabinett emtreten wird, das Portefeuille des Auswärtigen uicht öbsrnchMn beabsichtigt, daß wahrscheinlich einem I Vcruhtchi.otvmc/.rn, rcui Grakrn ^-^c. cn^erlrnut 1. werden dürste. Essad Pascha erschösse«. Ei» politischer Mord in Poris. '?? Paris, 13. Juni. (Havas.) Ein Manischer Student hat den Führer -er hier weilenden albanischen Abordnung Essad Pascha, durch z w e i R e v o l v e r s ch ü s s e g e t ö t .e t. , Paris, 13. Juni. (Havas.) Aeber das Attentat auf E s fad Pascha wird gemeldet: Der Führer der albanischen Delegation hatte sein in der Nne de Caftiglionx gelegenes Hotel eben verlafien, als plötzlich eiuMyger Mann vor ihm austänchte, der zwei Revolverschüsse gegen seine Brust abfenerte. Essad stürzte zusammen rznd wurde ins Hotel zuriickgebracht, wo er alsbald verschied. . ' -s Der Attentäter - wurde von einem PolizeiagenLesi und von' einem Hotelungestellten auf das Polizeikömmffsariat geführt. Er heißt Rustem Aveni, ist 25 Jah're alt, albanischer Untertan und Zögling der Lehrerbildungsanstalt. Er war am 31.' Mai in Paris eingetroffen und hatte seit dem 5. d. M. im Montmartre-Viertel seine Wohnung. Der Attentäter erklärte, daß er das Verbreche» nicht mit Vorbcbacht begangen habe,- sondern daß ihm in dem Augenblick, als er denalbanischen Diktator vor sichsah,^ plötzlich der GedMe hiezu kam, in Erinnerung an die Leiden, die Essad -Pascha, über Albanien gebracht - hätte. - \ ■ r* i,'*.'"- ’v”.- ■ ■ '■* i-; , ' "C- .r* ' .. Jt, Paschas ein' politischer HöMKW'ÄftE- Rauges/^hat der europäischen Diplomatie in'-den letzte» Jahren manch schwere Stünde bereitet. Fastalle an dev Balkanpolitik interessierten Großstaaten wurden der' Reihe nach von Essad betrogen. Er war der eifrige Bersecht« der Politik der klingenden Münze, in der Balkanheld, Nikita von Montenegro, zur größM Vsttnosität gebracht hatte. * ij : .. Keine Tagung des Völkerbuudrates. < Paris, 13. Juni. (Funkspruch.) Dew Exeküfibrat - des Völkerbundes wird nicht am Montag zusämmentrtte», sondern auf einen späteren Termin verschoben^^ werden,.'ha Graf Sforza, der Vertreter Italiens beim Völkerbundrat, wegen der Ministerkrise nach Rom zurückgekehrk ist. > Die Schwierigkeiten der deutschen Kabinetts^. krlfe. ,* B erlitt, 13. Juni (Wölff.) ReichSkaMer^ Mü l l er und der Abg. Löwe haben heute abends demWg.Hei «z-r offiziell mitgeteilt, dasichie. MhrheitSsöziLldÄtptzAienicht ln der Lage sei, sich an einer durchs den MvzWitt det Deutschen Vokkspartei erweiterten Koalition zw beteiligen. Äbg. Heinze hat daraufhin 'Wtrag-D.-MKmyeines Ministeriums in die Hände des' Reichsprastdentm zurückgelegt. ' ,1 /.'W Eine neue französische Note an DeutschkanÄ Paris, 13. Juni. (Hcwas.1 Dem ^JyMM zr^ folge. richtete Millerand an Deutschland eEne'. 9»!^ worin . er gemäß Artikel 105 des,. FriedeWertraget von Versailles um genaue Auskunft ersucht, .um' di< Verwendung des Seekriegsmaterials kontrollieren zu können. Das Blatt' fügt hinzu, baß Deutschland dies« wie alle anderen Bestimmungen des FriedensvertrageL umgangen habe. Die Prager Kabinettskrise. . Prag, 14. Juni. (Privat.) Die Kabinettsk r i s e hat ihren Ausgang von einem h eff t i' g e n Konflikt zwischen den Sozialdemokraten und dev Agrariern int Ministerrate genommen. Die' Agrarier verlangten eine Erhöhung der Getreidepreise. Dü Sozialdemokraten, waren nicht dagegen,' sprachen sich aber gegen' die Verteuerung des Mehles aus und vev langten, daß die Bezahlung der Differenz - durch der Staat erfolge. Diesem Standpunkt widerfetzten sich alle nichtsozialiftischen Minister, worauf die Sozial^ demokraten eine Erhöhung der Zuschläge zur Einkommensteuer verlangten, welche, da die Differenz sehr groß ist, die zehnfache wäre. Da keine Einigung zw stände kam, verließen die Agrarier, nachdem sie ihr; Demission gegeben hatten (Svehla, Stanek, Präses und^ SontaA den Ministerrat. Präsident M a s a r y l konferierte mit dem Ministerpräsidenten E ü s a r mü den einzelnen <kessortrnimst-'rn. Gestern' hielten bi< 'l.ji-ar.cr eine bei geschlossenen SüteK striöer ihr &««$_ Verhalten atz.