Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 499 (13.6.1920)
- Date
- 1920-06-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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&t m Wien. Sonntag: Wiener MorgettzeiLunA 13. Juni 1920 änderen Geldjuden-ihre« Art, welche -es, verstehen, sich mit dem Weißen Terror guLzüstehen, während ihre Stämmesgenossen erschlagen werden, und den Herren von den nichtfüdischnattonaleu. „Parteien" zog. Beide Spezies halten ihm eigene Bequemlichkeit, vielleicht ihr eigenes- Einkommen für gefährdet, wenn man von jüdischen Dingen spricht. Und bä haben die Wiener Herren das Schlagwort, von den „Fremde ri" erfunden, denen die Kültusstube „au s.g eliefert" werben soll. In Wien ist eine Grenzlinie, zwischen fremden und bodenständigen Juden nicht zn ziehen, und es ist eine Anmaßung sondergleichen, wenn sich Beute; deren Väter, höchstens Großväter, noch in Mähren, Böhmen' oder Galizien gelebt hatten, als bodenständig bezeichnen.,' Für diese Leute bedeuten aber in Wirklichkeit „Fremde" diejenigen Juden, welche lübixsch sind. Sie/ die nie etwas mit'dem Judentum zu tun. hatten, deren Listenführer für den-Kultus- Vorstand, der 7 2jährige deutschfreisinnige Dr. P i cf, dem Staatssekretär Kaup erklärt hatte: „Dafüch daß ich als Jude geboren bin, träge ich keine Verantwortung" Diesen Leuten gilt einer als guter Jude, wenn er sich als Generalstabsarzt nicht hat taufen lassen. Diese Leute haben keinen jüdischen Lebenswillen Und wenn sie in der Gemeinde sitzen, wird sie nicht leben können. ' ' ' Gemeinderat Dr. Ehrlich betonte die Grunddifferenz zwischen unserer Anschauung und der ber Gegner:. Es 'gibt keine jüdische Politik, die in jeder Stadt und in -jedem Staate eine andere ift; deuu tot«: sind ein VoE .Als solches hat uns die ganze Welt anerkannt und schützt.Unsere Rechte als Volk; dä nützt ' es nichts/ wenn hitz Herren Königstein und Fleischer leugne», daß wir'ein Volk?'seien. Dre Herren sagen, das Bekenntnis zunt eigenen Volke und die Anerkennung der Juden als eigene Nation/ wie'siel der Fxiedensvertrag rechtlich sicherstellt, sei schädlich fürdie Juden. Und gerade die antisemitischen Staaten, - P.o l.e. n und Rumänien, haben sich am stärksten gegen diese.Bestimmungen über den Schutz der Minderheiten gesträubt. Diese Bestimmungen sichern erst, unsere Gleichberechtigüna auf religiösem, sozialem und Erziehjmgsgebiet. Sie machen es unmöglich, daß unsere eigene» E i n r i ch t n n g c it uns dp» der Mehrheit des Staates..genommen werden,.,.wie es zum Beispiel von der 'Staatsverwaltung mit dem/N o.t hlchild--,Spital versucht wurde. Dabei wird immer mit' dem Begriff der Nationalität von den Herren ein.' Gaukel? spiel getrieben:. Sie, die jetzt .erklären, sie seien auch Zionisten (obwohl sie das Pölästina-Prögrämm mit denselben Argniueirten dreißig Jahre läng bekämpft hatten, mit denen sle heute die nationalen Forderungen bekämpfen), weisen darauf' hin, daß die französischen, amerikanischen und englischen. Zionisten sich immer als „nationale Amerikaner, Franzosen, Engländer" bekennen. Dies ist richtig, da in den Ländern der Begriff „n a t Lo n a l" nichts anderes bedeutet als ' ,,S t a a.t sbürger". So spricht auch der Friedeirsvertrag von der ./österreichischen Nationalität" im Sinne der' Staatsbürgerschaft. Kein englischer Jude aber hat jemals'behauptet, tt iei Angelsachse. Den Wiener.nichtjüdischnationalen Juden ist es Vorbehalten, zu sagen, sic . seien Deutsche; wenn sie nach Ko lin kommen, sind sie in vier Wochen T schechen! Ihre Gefinnungsbrüder magyarischer Färbung, welche in der Slowakei unter dem alten. .Regime die. Helfers^ hylfer der magyarischen Unterdrückung der Slowaken, gewesen waren, haben sich , gleich nach der DUuPaLlon der Slowakei durch die Tschechen an den Minister Sch.robar.anbiedersts. sollen, indem sie . sich als lo y als Slo w dUn Lezeichneten.' Bc antwortete ihnen aber:. „Sie ivareng esre vn-^rwch Magyaren, also weiß ich, was ich von Ihrer "Aufrichtigkeit zu. halten habe. Bleiben Sie k ieb e'r. waßS i;c Wirklich find, Juden, das ist.mir lieber.!" Und. dis «ständigen Juden der ganzen Welt find auch über a lk' nichts als Juden. Nur so können sie ihre volle''Gleichberechtigung sichern. ' In einer meisterhaften, stürmisch bejubelte,'. Rede , legte dam Abgeordneter Stricke r dar, daß wir'. uMhie: Kultüs- «meinde kämpfen, weil wir darum kämp fen ni ü s s e n; o^un wir haben durch acht Jahre versucht, Mt den.Herren von der Gegenseite gemeinsam zn arbeiten,' sowohl, auf dem Gebiete der Verwaltung, der Gemeinde, wie auf dem der Politik. Es war stets u n m ö g l i ch. Mehrere. Vorschläge auf Verbesserung des schlechten Religionsunterrichts, der die jüdischen Kindern zu Verächtern alles Jüdischen macht/ begegneten völligem Unverständnis. Herr P a p p e n h erm 'sagte: pAendern kann man den schlechten Religionsunterricht, nicht, es. wäre das beste, wenn er ganz verschwinden -würde." Wir wollten das Defizit der Gemeinde besei^jgÄrsi indem wir eine vernünftige Ste u er g e fe tz g, e b u n g, welche sich «uf die Einkommensteuer stützt, vorschlugen, wir wollte^ die demoralisierenden Trinkgelder der Beamten abschaffen ttpb ihnen eine menschenwürdige Bezahlung sichern.-. Nichts geschah; die Lehrer wurden zum Streik getrieben und das!8emeindedefizit beträgt heute 10 Millionen Kronen.' Wir haben auch versucht, politisch mit den Herren Zur Perstänbl- M«g Zu gelangen. Es ging nicht,-weil , sie für jiüd iis'ch e Angelegenheiten 'keinerlei Interesse und Verständnis.«haben, ttpb wir haben offen vor der Weltals Juden unsere Kechte verlangt und erhalten, während die Herren am grünen Tisch debattierten, wie man die Zpitnngsn . dazu äb^iirgM könnte, daß sie keine antisemitischen ArtikelMreiben! Und sich dieser jüdischen Rechte begeben, heißt sich alle» Zulligkeiten aussetzen, heißt schutzlos sein. Die Judenstag?, nicht, wie die Herren meinen, eine Frage der M o r a l, . »dem eine M a ch t f r a g e. Und gegen die Macht dey,Mehrheit kann unsere Gleichberechtigung nur durch die Sjchernügen des Minderheitsrechtes geschützt sein, sonst sind wir.iylmrr ein Spielball zufälliger politischer Konstellationen.' Zwischen UM und den Gegnern ist die große Kluft, die zwischen J u d e ntum und Nichtjudentn m besteht. Wer nicht Jude sqin will, der ziehe daraus alle Konsequenzen, aber er mische sich auch nicht in jüdische Angelegenheiten. Wer Judesein pull, der kann nur nationaler Jude sein. . Nachdem noch Herr Löw auf das. völlige Vexsqgen der stultusgemcinde in Angelegenheit der jüdischen Lehrer, an hen öffentlichen Schulen h'ingewiesen und die Notwendigkeit'eines stärkeren Betonens jüdischen Wesens im Unterricht , dargelegt hatte, schloß der Vorsitzende. Dr. E b n e r die Versammlung, bei welcher die ^klaren Ausführungen der Redner regstes Interesse erweckt hatten. Dje. Wähler in Währiyg Haben sich überzeugt, daß es uns um ernste Fragen geht,, welch? unsere Gegner stets mit leichtfertigen Verdrehungen abgetan hätte». ' ' " ' ' r? ' " ' Eme lehrhafte Auseinandersetzung mit den , Trennun^sortdodoxen. Am Donnerstag abends fand in Barons Restaurant, & Bezirk, Große Schisfgasse Nr. 17, eine. vom zionistischen Wahlkomitee veranstaltete Versammlungstatt, die einen sthr interessanten Verlauf nahm. Dr. Egon Zweig legte'unter lqutem, wiederholtem Beifall der zahlreichen .Zuhörer? har, b^ß sich unter dem neuen Firmenschild der Vereinigten-uicht- Mischnationalen Parteien die -.altbekannt«, undschlechtbewöhrte hSffffirrifa«fc.treltqt?c* Vcf abgehattsteterk 'Seitcnstctter' 'Sette H Von unserem PärsämenLsberichterftatter. Es gewinnt innusLurehr den Anschein, daß die Kabinettskris-r ihre Lösung in der Form finden wird, daß ein Zusammenarbeiten der bisherigen Mehrheitsparteien auf Grund eines scharf umgrenzten-, nur diedringendsten ^taatsuotweridigkeiten umfassenden Progrannnes sichergestellt-und die Lebensdauer' der gegenwärtigen Natwnalversammlung mit Hern Ablauf des Sommers - befristet .,weröen,^Mipd. In desi' werrigen Monaten bis zu den MuwäUen, die ftir'..Anfang Oktober festgesetzt werben dürften,, würde düs' gegenwärtige Kabinett; vielleicht nach PLhebuttg.^ einiger, seiner konstruktiven Gebrecheit, im Amte bleiben.'Das "ist so die allgerneine Richtung,- der 'die' Dingezutreiöeit. Es wird" also keine Koalitiorr auf Kündigung mehr geben, wie sie seit den Februarwahlen bestand, .wohl -aber eine kürz befristete Arbeitsgemeinschast der - -bisherigen Mhrheitsparteien. , ‘ Sovon v>chsnhiU- He!ehen, nimmt allerdings die fornrale Abwicklung, der.<-SB.r-ife /citfeit. s.MKpenden -Berlauf und-die. am Di-eustag Husammentretende Mationajversamnrlilng u>ird jedenfalls noch dem denlissioniertsn Kabinett Renner gege.nühepst.eh.em.M. -Mtev -dlesen, llme ftänden - eine Plenarsitzung zuut . Mocheubeginn statt-, finden wird, ist. noch nicht Pcher. .Die Ehriststlichfozialen, die für gestern ihreü Mener)Parte.irat.znsaiN.meüöirusen hatten, wollen scheinbür, chevor. sieweitere- Eirtscheidungen treffen, die Läüdervertreter'anhören,>die für Dienstag nach Wieubeschieden.worden sind. .' '.Präsident Seitz' .hat gestern die..Papteisührer culp- 'fangen.. Das amtlich» Wortkarge C-ommuniquL besagt hierüber: „Gestern vormittags erschienen..beim Präsidenteil, der Nationalversammlung.über.dessen Einladung namens ..des .Cyristlichsozialen, VerbaPdes Vizekanzler Fink,' die Abgeordneten- Dr. We,iski.rch.ner . und Kunscha.k,- namens der Großdentschen Bereinigung Präsident' Dr. D i n'.g.h.o s e r - und. Dr-t .S tr a f f n e r, nanrens des Sozialdemokratischen Verbandes die.Abgeordneten Dr. Adler, Abram.. und -'.Drr Waüsr,- Die Beratungen galten der politischen Lggo' und der Kabinettsbildung." . - - Die Parteiführer fanden M)-! gesondert. nach' ihrer Parteistellung, 'beim Präschenten ein.- Die Besprechungen hatten, wie versichert wird.^ rrur informativem Eharaktex.- bilden. Es.wird also nichts anderes übrigbleiben, daß sich Christlichsoziale uyd Sozialdemokraten irgeM wie auseinalidersetzen, um gemeinsam den steckengö^ bliebenen Staatskarreü bis zu den . Neuwahlen sorj^ zuschleppen. und nachdem ich der sgestrigen. Aussprache s beim .Präsidenten Scitz die Umstände,' die zum Bruche.geführt haben,' parteioffiziös' .von-d^n beteiligten Fraktionen hekanntgegeben wurden, 'tverdeu neue! Berhandlungen. zur Beseitigung der ■ Unzuträglichkeiten begüttnan werdeil. Jedenfalks haben « es! dch' 'bürgLrlichech: Partrien ' abgelehnt, ' ohne di«' MozialbemoMtdn eine. 'Negierung- ,zu' verberge. Referent kam uqckch einem historischen Nückbück «uf deren Unterlassungen.und Sündsn zürn zwingenden Schlüße' daß kein aufrechter' Jude .jene«' Liste ssittL' Stimure geben und der zionistischen voreüthalten' dürfe. -- . Der nächste Redner, Herr Pinkas 'jun..,. ging mit den TrLitnutrgZorrhodöxen ins Gericht, die es sich nicht Hab?»'. nehmen lassen^ eirre. eigene Liste „Pappenhcrm und Genossen" zu lancieren. Wie . wmmt es,, frug er, daß diese weit- - fremden Mensche», die sich - seit Jahrzehnten vom Leben der Wiener JndÄrgemeinde ausgeschlossen, und abgekäPM. haben, -gerade -jetzt,,.da die Zionisten sich - zur Uebernahnie der Gemeindeherrschäft anschicken,. .mitreden wollen?' Da.die Zionisten laut ihrem Programm . für die . freie Betätigu»g auch des streng religiösen Judentums im Geineindelebe» 'Raum schaffen wollen und-m ihre Liste strenggläMge Najionai- .juden ausgenommen haben, bleibe nur.'der e ine Schluß,- daß die Dretmungsorthodoxen als. verkappte'. Ässimila»i«n, als „Deutsche und güte Deutschosterreicher", dem Nationaljudentum Abbruch iu»' wollen. Redner schloß namens der strenggläubigen Judenfchaft Wiens, mit her..vonkwr HersäjnH-' lung bejubelten Verwahrung gegen die hon der kleinen Schiffschul-Gruppe versuchte Bevormundung. , ’ ' ' Hierauf erwiderten namens der Trennuugsorth'vdoxen die Herren Parges mtb Dr. Joel Pöllak. Ersteryx beteuerte, daß seine Gruppe nur bezwecke, gelegentlich dex Wahlbewegung unter den gleich ihm ohne , jüdische Erziehung ausgewachsenen Wiener Inden Propaganda, .für die Wahr-' Herten der Thora zu machen. D'r. Pollak rühmte , sich, daß er die Schiffschul aus ihrem bisherigen SchMöllwinN hervorgeholt habe, Seine Gruppe anerkerrrre wohl ' pq».« nationalen Charakter des Judentrmrs, doch sei rfür sie., ein Kompromiß auch mit dm Zionisten unnröglich, solan^ediese-nicht-die Souveränität der Thora mrerkennen. Uebrigens werde die Liste Pappenheim mrr den Ossiziellen S'timmsn . rrehmeu, nicht den Ziorristen.- Eine treffliche Antwort gab hierauf Herr Eisik Torezyner, der^ feinen Vorrednern vorhielt, wie die Schifffchul-Örthodoxen Zieh seit Jahrzehnten von de« Brosamen der Assimilanten Kauders und Genossen ' genährt, mrd die Masse der galizischen Strenggläubigen von jedem Einfluß aus das Leben der'' Gesanttgemeinde nüs- ,«geschlossen haben. Mt allen „Abtrünnigen JsrÜcK" hätten « sie sich zusammengetan, nur bei. den Zionisten beginne ihre Intoleranz. Die bei Sperrstunde noch zahlreich vorgeyurlien Redüer werden in. einer nächsten Versammlung zu Worte 'kommsn.. - Während ntan über die Stinunung bei den Wtefo* heitsparteien nur durch ihre noch immer sehr kriegerischen Presseäußerungen orientiert - wird, die namentkich auH dem sozialdemokratischen Lager recht höhnend. und^un* : versöhnlich klingen, sind die Großdeutschenredseligem i Schon gestern vormittags ließen sie. partoioffizios' mit^ teilen) ' daß sich ' ihr Verband für die sofortige-^Aus« Schreibung der Wahlen ausgesprochen habe,-da die -jetzige Nationalversammlung schon längst das Vertrauen der /Wähler verloren hdbe. Eine Teilnahme an der Re» gisrungsbildung, die ihnen kaum ernstlich angeboten würden sein dürste, lehnen sie ab.- Sie empfehlen di- Bildung eines Uebergangskabinetts> dem sie die Durchführüng eines aus sechs Punkten bestehenderr Programms angelegentlich empfehlen, das vom' finanziellen Wieder»; GUfßdu: des Staates angefangen bis zur Schaffung einer neuen Verfassung alles das enthält, wozu, die Koalitionsregierung nicht stark genug war,- zu bewältigen. Vormittags hatten sie für die zu bildende Ueber- .gangsregierung ein ganz eng umschriebenes Programm empfohlen, nachmittags hattet! sie sich anders besonnen und dem Jnterimskabinett ein Regierungsprogramm empfohlen, das so weitgehend ist, daß es beiläufig auch . die- Lösung .der sozialen Frage umfassen müßte, was in dem großdentschen Commumquee schamhaft indie. Worte „Anbahnung einer Versöhnung zwischen produktivem Kapital' und Arbeitern, zwischen Erzeugern und Verbrauchern" gekleidet wird. Es scheint, daß es die Großdeutschen mit dieser Deklaration nur klärlich machest, wollten, warum sie ernstlich zu einer Regierungsbildung nicht herangezogen werden können. v ' Eines wurde in dm Besprechungen beim'Präsidenten Seitz jedenfalls erreicht: Christlichsozrale ünd Großdeutsche erklärten, daß sie sich nicht mit der Absicht getragen haben, eine neue Koalition zu bilden, als sie die dringliche Anfrage in der Nationalversammlung,'die den Ausbruch der Koalitionskrise veranlaßte, in gleichem Sinne vertraten. Die Christlichsozialen betonten überdies, daß sich ihre Kritik nur gegen den Staatssekretär Dr. Deutsch und'nicht-gegen die anderen Koalition^. -Mitglieder gerichtet-habe. - ' , Damit, wäre nun ein Weg gegeben, auf deyr.Man-i die. hadernden Koalitionsgenyssm wieder an den. Ver^ . Handlungstisch führen könnte. Abzuwarten bleibt/allerdings noch, ob nicht , der Verlauf, det heutigen Volks- ' wöhrbersanitnlung' und die für Dienstag angesetzte Be- ' ratung mit den Ländervertreten, die Justamerstpolrtiker ''von-links und rechts noch bockbeiniger machen wird. „Nichtjübischnationale Kandidaten". Hofrat Dr. Rappaport. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Verehrlicho Rr-- d-aktion! Unter dem Eindruck Ihrer Mitteilungen über^ Herrn Hofrat Rappaport habe ich mich an ein paar inerkwürdige Dinge erinnert, welche vor etwa. W -Jahren in Wien, und zwar nicht bloß von Juden», besprochen wurden, an die traurigen Vorgänge im!, jüdischen Versorgungshaus str der Seegasse, durch welche der Herr Hofrat nnndestens schwer.kompromittiert war. - ' Anläßlich der Entfernung des Verwalters und der Oberschwester soll nämlich behauptet und sogar durch Urhynden bewiesen' worden sein, daß düs oberste Auf- ' sichtsvrgan Pos Verforgungshaufes, der danralige geschäftsführeude Vizepräsident und' -derzeitige Präsident der.KulLusgeureindL.Hofrat. Rappaport', für seinen Häus> halt Jahre hindurch in bedeutenden Mengen und. zu. -überaus ^billigen Preisen"' ' Lebensmittel alter ' Art betzöMn 'habe, welche für die. armen Insassen das Hauses' bestimmt waten. Die Pfleglinge ''erzählten jedem, der es-hören wollte,., sie müßtpn Hunger leiden, damit der' Häsjdent der Kultus gemeinde und der Verwalter des - Hauses mit, ihren Familien' recht angenehm ' leben können. Damals wurden ' sogar Eingaben . an den Kultusvorstand gerichtet, welche die Entfernung dieses Präsidenten forderten. Ueber das Schicksal dieser 'Zuschriften haben die Interessenteu niemals Auskunft erhalten.. . - - t Heute aber, da berselbe, Hofrat Rappaport nicht'. nur: die. höchste Ehrenstelle bekleidet, welche'die Wiener iJuUngemeinde zuvergeben:yat, sondern sich auch neuerlich auf' der?Liste der "Nichtjüdifchnation-wfen um ein Mandat für den künftigen Vorstand bewirht, ist wohl die Frage erlaubt, ob diese Vorwürfe ordnungsgemäß widerlegt wurden, ob Herr' Hofrat Rappaport beweisen kann/ daß er nichts aus - den Lebensmittelbeständen des Versorgungshauses sich'; für seine privaten Zwecke hat' geben lassen, kurz ob er lMnerhin Präsident oder Mandatar der jüdischen Gejmeiude sein kaltn. Ich bitte Sie, diese Anfrage in JhreM --'gesch. Blatte zu veröffentlichen und hoffe, daß ste! , zum Schutzs des guten Rufes. unserer Kultus gemein^ ' jdiesem Ersuchen willfahren. Hochachtungsvoll Mast'- 'Bauer, Kaufmann, Wien, 9^Bez., Rögergasse 4, Tür^^-