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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-10 · Heft 496 (10.6.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 496 (10.6.1920)
Date
1920-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die verfafsungsgemätz der Nationalversammlung rjrch dem' Reichsverweser . verantwortliche ungarische Regierung ist auf die Uebermacht der Offiziersdetachements. gestoßen. und in eine Krise geraten. Der Chef der Regierung, Simonyi-Semadam, hat, das soll ihm ohne weiteres zugebilligt werden, nach seinem Regierungsantritt den Willen bekundet, den Händen dieser •' Offiziere, die neben der gesetzlichen Regierung im Lande Me Schreckensherrschaft etabliert-hatten, die Zügel zu entwinden. Er rechnete dabei, auf die Unterstützung des Reichsverwesers Horthy, den die Nationalversammlung mit den Machtbefugnissen eines Monarchen bekleidet hat. Simonyi-Semadam war. der Meinung, daß Horthy der . Wirkliche oberste Befehlshaber' der .Nationalarmee sei, d^r die ihm übertragene Machtvollkommenheit nicht nur Hst. Form nach, sondern auch in Wirklichkeit besitzt und std 'nötigenfalls auch auszuüben vermag. Darin hat. sich Mmonyi-Semadam getäuscht und der Vorwurf, der ihm Vor allem gemacht werden muß, ist der, daß^er den lo.ähren Sachverhalt entweder nicht sofort erkannt oder tzW. sofort die Konsequenzen gezogen hat. Simonyi- Hemädam hat es wissen müssen, was wir seit Monaten ununterbrochen sagen, daß in UngaM nicht Horthy, söüdern Oberleutnant -Hejjas, Osztenburg, Pronay, Sülm und die anderen Chefs.der in den verschiedenen feilen Ungarns wirtenden Offizrersdetachements, die, Führer der „etwachenden Ungarn"' und andeM^, nie- . rttüstdem vewntwortliche Elipnenteregieren. da§- Lastd.'zugrunde richten. Er und die gesämke ungarische Regierung mußten es wissen, was dem Auslände bekannt war und voy der unabhängigen Presse ' auch immer von neuem betont wurde, daß nämlich Horthy nur eine Puppe dieser Elemente. ist,, denen er. seine Stellung, seine -Popularität-und seine politische Eriftenz zu danken hat. Aber Simonyr-Semadam und seine Mnisterkollegen haben , in voller Kenntnis dieser Tatsachen-die Regierung weiter behalten und damit all das . gedeckt, was seit seiner Ernennung zum Ministerpräsidentenin ’ Ungarn verbrochen wurde. Er ist mitschuldig-nicht nur an den ungezählten Orgien der Grausamkeit, die, seitdem er an der Spitze deu ungarischer Regierung steht, au zahllosen Juden begangen Wurden.- sondern er hat die noch viel größere Schuld auf sich geladen, durch die korruptesten Mittel und durch die Benützung der niedrigsten Elemente das Ausland über die wahren Zustände irreaufübren und auch in den Nachbarstaaten eine politische Atmosphäre zu schaffen durch welche die-Pogrvmvolitik der ungarischen Machthaber Bestätigung und Rückhalt bekommen sollte. ' Der. Grundgedanke der Gegenrevolution in Ungarn war, wie wir so oft schon nachgewiesen haben, dem roten Terror den weißen Terror entgegenzustellen und in der Herrschost abzulösen. Die Gegenrevolutionäre wußten aber, daß sie ihre blutige Arbeit, die sie sich zum Ziel gesetzt hatten, am leichtesten und am ungestörtesten würden^vernchten können, wenn sie den roten Terror als einen jüdischen hinstellen und dementsprechend die Rache dafür vor allem und . fast ausschließlich an Juden nehmen. So mußte zunächst die Formel geschaffen werden, daß jeder Jude Kommunist sei und demnach, der Rüche der Weißen Henker anheimfallen müsse. Das war die Bedingung, unter welcher Sie adeligen Offiziere, die den Krieg verloren und um ihr ganzes Ansehen im Lande gekommen waren, dafür gewonnen werden konnten, unter dem Deckmantel einer nationalen Armee, Ungarn zu ..befreien" und die Herrschaft der Feudalen im Lande wiederherzustellen. Sie wußten nur zu gut, düß sie, wenn sie ihre wahren Absichten offen und ehrlich verkündethätten, das ganze ungarische Volk gegen sich gehabt hätten, und ihr Befreiungswerk wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Leichter war es, vorerst die Juden dem Volke als Beute hinzuwerfen, leichtex war es, mit der Waffe in der Hand wehrlose Juden zu foltern, zu ermorden und sie auszuplündern uüd-sie als abschreckendes . Beispiel für jeden, der etwa npchder alten Demokratie anhängen mochte, hinzuftellen, als. ihre aste Macht hem ungarischen Volke aufzuzwingen. Hejjas. Pronay, Salm und Oszte^nrg haben in allen ihren Stationen von Wien über Ziofok, Szegedin bis Budapest nur unter der Bedingung gearbeitet und haben nur unter der Bedingung zugestimmt, daß Horthy die Stufenleiter bis zum Reichsverweser emporklimme, daß sie selbst in ihrer Abrechnung mit dem Judentum ungejtöti bleiben, Horthy hat diesen Sold an fremdem, un¬ "" . * zwischen tschechischen Legionären und italienischen Eisenbahnern. LaiKach, 9. Juni. (Tel.-Komp.) Heute passierten Görz drei Transportzüge mit tschechischen Legionären» die ans Sibirien kommen. In der Station Görz wurden alle drei TranSPvkt« züge von italienischen Eisenbahnern aufgeh alten. Die Eisenbahner verlangten vonde»^ Legionären die Auslieferung der Waffen. Es Kam zu heftigen Auseinandersetzungen» die z« einer Schießerei führtey. Zur SLttnde dauert der. Kampf noch an. Neuerliche Kabinettskrise in Italien. NittL zurückgetreten. R o m, 9. Juni. (Stefan:.) Die Kammer ist beute zusammengetreteu. Ministerpräsident Nitti machte'Mitteilung von der Bildung des neuen Kabinetts und erklärte, daß das königliche Dekret, betreffend den Protpreis, zurückgezogen worden sei. Der Ministerpräsident fügte hinzu, daß das KabinW mit Rücksicht auf die parlamentarische Lage seine Demission ge§eben habe. , Rom, 9..Juni. (Stefan:.) Kammer. In Beginn^^v MtzurM MttMWzePräsidenL Rofsir der den Vorsitz führte, mit, daß O r l and o seine Demission als Kammerpräsident gegeben habe. Rom. 9. Juni. lKorr.-Bur.) Die Agmzia Stelani meldet Die Löiuna der letzten Kabmeusknse schien dem Kabinett Njtti nicht eine feste Mebrheit m sichern. Ueberdies verlangte man von oklen-Seiten dre Rückkehr- G i o l i t t i s, auch seitens jene Gruppe, d e rhn stets mit Erbitterung bekämpft hatte. Dies schu für.das Kabinett Nittr eine überaus schwierigeLyg«', die sich mrc! den jüngsten Ererorrrssen in Rom am 24. Mar-verschlechtert hat>> und nun nach der Berösienilichnng des Dekrets, womit der Vrotpreis erhöht wurde, sehe ernst geworden ist« Herbert Samuels Stellung. Eine Erklärung Lloyd Georges. London, 9. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") In einer Anfrage des Anterhansmitgliedec OrmsbyGore an den Ministerpräsident r wird dieser ersucht» das Unterhaus darüber zu informieren, wann Palästina in die Verwaltung des Ziviladminift r a t o r s übergehen und ob der soeben ernannte Zivilverwalter Herbert Samuel in Palästina eine den BeschlÜsseu von San Remo Rechnung tragende Politik befolge« werde. Ministerpräsident Lloyd Georgeantwortete, daß der zum Chef der Verwaltnng von Pal äst in a ernannte Sir Samuel unmittelbar der englischen Regierung unterstellt und dieser verantwortlich sein werde. Der genaue Zeitpunkt, an welchem derselbe sein Amt übernehmen wird, werde von der Regierung binnen kurzem mitgeteilt werden. Vormarsch der Poren. Warschau, 8. Juni. (Funkspruch.) Unsere offensive zwischen Düna und Berssina schreitet schnell, vorwärts. Die beiden Angrifsstruppen unter den Hene^ rälen Szeptycki und Senrkowsk ifetzttn, ^nach^ dem sie die bolschewikische Front durchbrochen hätten^ ihre konzentrische Aktion ftn der Richtung Mf-biö Eisens, bähnlinie Molodetschw—-Polock fort.,.! Sie besetzten am 5. Juni Dvkszyoe und ^GWybokitz: undstellten' ihre Verbindung her. Der Feind,' der der Gegend von Dolginow erbitterten: WtderWüd stete, wurde zum überstürzten Rückzug. g< z-wungen, her denver Gefangene und Vorräte uM einen Teil des Trains zurückließ. Tn.den.'F^ynkm! Verluste an Toten? und Verwundeten erlittM. ' Unsere Truppen besetzten am?. Juni-' Lermstn^i' wieze- .und- Luzti. Viele Hunderte von -GefatzgLnen-'Mbl^. ungefähr' 40 -Maschinengewehre fielen dabei' in. fctef; Hand unserer Truppen. Uebersälle des Feindes- Rjeszrca und Gorwäl wurden abgewehrL. /^Zw'ische^ jpm Pripet und Dnjepr dauern 'die hlutigpn - Mmpsss? an. In der Ukraine schlugen wir seindlichs - AngriM' bei Hajsyn zurück. Zwischen Skwira und WkrebyAzM' dauern die Kämpfe fort. f. Warschau, 7. Juni. (Funkspruch.). Unsew- G'egen-> offensive zwischen Düna 'und oberer Weresina unter,- der persönlichen Führung des Oberkommarchantest?) schreitet erfolgreich fort. Indem wir den verzweifelteW Widerstand der. Bolschewiken brachen, vernichteten -.wM-. 12 Sowjetinsanteriedivisionen vollständig. Wir, besetztes mehrere Orte an der oberen Beresina. Die Verluste des!' Feindes sind sehr groß. An verschiedenen. Stellen,/vo^:- nns aufgefangene bolschewikische. Befehle und Bericht beweisen,, daß bei den Kommandostelleni»^; Reihen der Truppen Panik herrscht. In der UkrainM ist die allgemeine Lage unverändert. Einige feindliche Kavallerieabteilungen, denen es gelungen wqr,^ in unfaM^ Front einzudringen, flüchteten wiä>er vor- .«nsMe--.- Kavallerir. - '/ - Der russische. Frovtberrchk. , Moskau, 9. Juni. (Fnnkspruch.) Fwntberrchk,? Westfront: Die heftigen Angriffe des Feindes int Ge-* biete der Berrsina dauern an., Südwestfront: 65 Werst nördlich von Kiew haben die Rottruppen den F^inb zun: Rückzllg gezwungen und 105 Gesänge:«: erugtzq, bracht. \ ' ' ' ■ mxmmEBnBSßBmexmemtsxsaa nan schuldigem Blute bezahlt. Er hat die Juden diesen Hyänen in Menschengestalt preisgegeben. Er hat sein Land, an dessen Ehre ihm angeblich so viel gelegen ist. mit Schande bedeckt. Und Hejjas und Konsorten haben, so oft Horthy und das von ihm eingesetzte Ministerium, von außenher gedrängt, zur Mäßigung, des Blutdurstes mahnen wollten, auf ihren Schein gepocht und den Reichsverweser daran erinnert, daß er ihre Schöpfung und nicht ihr Befehlshaber sei. Erst als der Hejjas- Bande ihre Selbstherrschaft in den Kopf gestiegen war und sie, Raub, Mord und Erpressung gewöhnt, ihr Handwerk nicht mehr an Juden allein, sondern auch an guten Christen, die nicht monarchistisch, oder gar habsburgfrenndlich sein wollten, zu üben begann, da sah sich nicht Horthy, sondern seine Regierung gezwungen, die Flucht in die Oeffentlichkeit zu ergreifen. Da kamen plötzlich die bekannten Interpellationen in der Nationalversammlung, durch welche acrch die gesamte ungarische Oeffentlichkeit erfichr, daß das Land den Händen von Mordbuben ausgeliesert sei, deren Wüten schrecklicher Ä8k dasjenige der Roten war. Erst als Juden des-Auslandes auf Grund authentischen Datenmaterials dnrch ihr« unabhängige Presse und. die zionistische Ogänisation . durch ihre legale Vertretung in Paris die Ententk> machte darüber aufklärten, daß die Berichte . nmncher Missionsvertreter beeinflußt, entstellt oder von Uafemtfo ,ntB der wahren Verhältnisse dikttert . sind, änderte« diese Budavesier Vertreter der Entente ihre Haftung un8 führten eine energischere Sprache. Und als schließlich die internationale Gewerkschaft gleichfalls; auf Grun8 einwandfreien Materials bezüglich der Verfolgung. Proletariats in Ungarn sich zu dem schtzerwiegendevt Schritte des Boykotts entschloß, mußte die üngarrsch-, Regierung schließlich zur Ueberzeügung gelangen, dtch das Lügennetz, welches sie zur Düpierung der ganze«, Welt gewoben hat, zerrissen ist. . \ " Noch wäre es zu früh, allzu große Hofstmngen ni' eine baldige Gesundung der Verhältnsse jn dem jchM 1

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