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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-07 · Heft 493 (7.6.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 493 (7.6.1920)
Date
1920-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Leleph«,« AdminiftratieM ' 440ttH, Redattiö« 43Slf» ' ab «Ulit abend- Sir. 10301 VoMvarkeffenlout» 180,618 Nr. 493 Wien, Montag, den 7. Juni 1920 2. Jahrgang JfifrsclieKiiltiis-Wäliler u, -Wählerinnen l^iZl IJt f*T#O den 7- JuP' findet im Festsaale des Verbandsheims, 6. Bezirk, Königseggasse Nr, 10 eine Massen versa m m S uh g . statt Referenten: Abgeordneter Stricker, Gemeinderat Doktor Pollak-Parnau, Qitschulrat Dr. Deslder Frledmann, Fabrikant Oskar Goldschmldt Erscheinen awhedingte Ffliclit! Eine Note der Türkei. Pari-, 6. Iimi (FmidpruM Nach einer Konsianlinoplcr Depesche hat die Glorie an die Fnedenskon ermz eine Note ge-, richtet, worin sie erucht, die Besetzung Südthraz ens wöge erst > nach Unterzeichnung des Friedensvertrages rrsokgen. Krassins Konferenzen mit Lloyd George. Rotterdam, 6 Juni Wie ^Manchester Guardian" meldet, werde die nächste Zusammenkunft Lloyd Georges mit Krassin am Montag nachmittags statt finden. Man erwarte, daß Krajsin dann imstande sein rvexde, die von Lloyd George geforderten Bürgschaften Zu bewilligen. Inzwischen irsadre Kraisin von der englischen Regierung jede mögliche Unterstützung und habe ein Kontor in der Bondsstreet gemietet. Wedgwood über den Korthy-Terror. .Rotterdam, 6. Juni. Wie der „Niettwe Rötterdamiche Courant* aus London meldet, sind die Arbeiterd elegirrten, aus Ungarn zurück ge kebrt. In einem Geipräch mit dem Korrespondenten des ^Manchester.Guardian* fönte Oberst Wedgw o o d. es sei zweifellos in Ungarn eine weiße Schreckens Herr schaft vorhanden, obgleich dtes in dem - jüngst erschienenen englischen Weißbuch bestritten worden sei.; Apponyr für die Monarchie in Ungarn. * Budapest, 6. Juni. (U. T.-K.-B.)' Graf Albert Apponyr erstattete beute vor seinen Wählern iw Jaszberenyi seinen Rechenschaftsbericht. Das patriotische Gewissen habe den Redner veranlaßt, angesichts der Zwangslage #ir U, nterzeichn u n g des ausgezwungenen Friedens, zu raten. Er teile die Berani» vortttng 8er Regierung tür diesen antipathiicben Schritt. Die Unterschrift bedeute blog, daß man der Anwendung von Gewaltmitteln entsage. Das Friedenswerk sei damit nicht vollendet, es fange sogar erst jetzt an. \ Das Fernbleiben der Sozialdemokraten von her Nationalversammlung sei sehr merkwürdig. Er würde jede Annäherung der Sozialdemokraten an die nationale Basis sympathisch begrüßen. Die von den kommunistischen Abenteurern befreite sozialdemokratische Partei müsse den Weg in das verfassungsmäßige Leben staden und mit dem Jdeengang der bürgerlichen Parteien eine Berührung aufnehmen. Graf Apponyi erklärte weiters, er perhorresziere die Judenverfolgungen, doch müsse er auf den Hauptfehler des Judentums verweisen, nämlich darauf, daß : seine besten, die auf'der Korrektheit und der patriotischen Denkungsart stehen, nicht die Solidarität mit der Hefe ihrer Rasse verleugnen - wollen. .Gegen das unverhälmismäßige 'Vordringen des Judentums müsse, ebenfalls , Schutz gesucht werden. , Das ganze Land fordere das KöNigrer Mund erwarte von der Stephanskrone nicht nur den Glanz, sondern auch die Kraft und die Verbindung aller Elemente, der. Nation. Das Königtum müsse jedoch streng national sein. Die Zeit seiner Wiederherstellung sei noch nicht gekommen, da die innere Entwicklung noch nicht genügend fortgeschritten und,, das Verhältnis zu den Großmächten noch nicht geklärt sei. Die interimistische Verfassung bedürfe jedoch mancher Korrektur. Das Staatsoberhaupt müsse das. Recht., der Auflösung der. Volksvertretung besitzen. Dies sei nicht, eine Vergrößerungder Exekutivgewalt, sondern eine. Sicherung der BolkS?ouveränität. Auch die Notwendigkeit der Wahlreform müsse in Betracht gezogen werden. . Durch die proportionclle Vertretung konnten bedeutende Minderheiten besser zur Geltung kommen. .Nebst .der auf dem allgemeinen Wahlrecht, beruhenden ersten Kammer müsse auch eine zweite Kammer «te Vertreterin der Fachkräfte fungieren. Die deutsche» Wchstagswadlen. Erfolge der Unabhängigen und Nationalen. — Die Koalition' doch in der Majorität. Berlin, 7. Juni. D>e gesirigm Reichctagswahlen zeigen nach den bisher vorliegenden Ergebnissen, daß die Sämmencm-ah' der beiden Oppositionsparteien auf der Rechten und auf der Linken stark gewachsen und hie Zahl der für die Koalition abgeg denen Stimm n etwa im gleichen Matze zurückgegangen sein dürfte. Die aus dem Reiche einlaufenden .E gebmffe. insbe'ondcre aus den kle nen Städten und vom flachen Lande, lassen die Wahischeinlichke.t zu, das; die Koatüton zwar nicht m t einer überwältigenden. aber doch mit einer stchrren Mehrheit m den Reichstag zurücklehrcn .wird. Am besten von den drei Koa!üioneparte,en bat anscheinend das Zentrum abge'chnitlen, obzwar auch seine S immenzahl vereinzelt. zurückaeganyen ist Zwischen den Mehrbestswz allsten und den Uaabbäug'gen bat sich das Zahienverhältnis gegenüber den Wahlen vom JäN 'e 1919 nahezu vollständig umgekehrt. Die Demokratische Partei. scheint nach allen b sher vorliegenden Nachrichten eme große Nie-e läge ecknren zu Hab n Die Deutsche Volkspartei und 'd>e Deut chrianonalc Partei baden fast überall einen stattlichen Zuwachs an Stimmen zu verzelchiien. ' \ Die Wahlergebnisse. 4 Uhr früh wurden im ganzen-Reiche gezahlt: D tut o kr a ten 995.872 Stimmen, das sind 16 Mandate. Zentrum 86>.516 das sind t4 Mandate, S o iialdemokraten 2.V70.523. das sind Z4 Mandate, Deutsch nationale Volkspartei 915 183. das sind 75 Mandate,en 1 scke V o l k ß p a riet 1,414728. das sind 23 M ndate. Unadhanaige 1.4'6.359. das sind 24 Mandate, Kommunisten 127.573. das sind 2 Mandate. 'Berlin, 6. Juni. (Wolfs.) Nach der ersten Uebersicht dürsten in den Arbeitervierteln etwa 80 Prozent, Amerika lehnt ah. Keine offizielle Beteiligung an der Finanzkonferenz in Brüfiel.' London, 5. Juni. (Havas) Die amerikanische Regierung hat die Einladung des Völkerbundes, ossiziell an der internationalen Finanzkonferenz in Btüssel teilzunehmen, abgelehnt. Nicktsdestowemger hat der Schatzsekretär nicbto fizielle Vertreter namhaft gemacht, die nicht berechtigt sein werden^ irgend eine Vereinbarung zu unterzei i nen oder dix, Vereinigten Staaten irgendwie zu verpflichten, sondern nur dazu ermächtigt sein werden, an den Beratungen teilzunebmen, um über die finanzielle und wirtschaftliche Lage Amerikas Aüskunft zu erteilen und derartige Informationen auch über die anderen Staaten entgegenzunehmen. im Westen 75 Prozent, im Zentrum 68 Prozent von \,400.000 eingeschriebenen Wählern gewählt haben.; Die Unabhängigen veranstalteten nachmittags beim Schlepperdienst in den äußeren Bezirken Umzüge mit roten Fahnen und kündigten ihre - Ansprachen durch. Musik an. , j Die Reichstmb Landtagswahlen in Bayern. München, 7. Juni. In Bayern landen gleichzeitig mit den e i ch s t a g s iv a h l e n auch die Wahlen ra den b a y r i s ch e n Landtag statt. Ueberall. insbesondere in München, verliefet^ die Wahlen in vollkommener Ruhe. In München war die Wahl» betetligung ziemlich rege, sie erretchte.in manchen Bezirken 70 bis 80 Prozent. D?e Wahlbetetligung der Bürgerlichen war diesmak stärker als bti, den vorigen Wahlen. Ein Gesamtergebnis, ist dis zur Stunde nickt bekannt und wird auch angesichts des sehr komplizierten Wahlsystems, und der Dopprlwahl 'fruhestrnS m Laufe de-8 morctigen Tages sestgrsiellt werden kvunen.'Jm ^illgeme rien kann^edvch ichon jetzt ein überaus starkes Anwachsen der Stimmcnzahl der Bayrischen Volkspartei verzeichnet werdet^ Die Bayrische Volkspartei wird die weitaus stackste Partei i» eingebüßt. Auch die Deutsch-demokratlsche Partei hat einen stariech Stimmenverlust, und zwar Zugunsten der denkschnatioualeA Parteien .zu verzeichnen. Eme verhältnismäßig große Stimmen»^ mzahl entfällt auf die Liste der Kommunisten. Ob jedoch M Kommun sim in ganz Bayern 60.000 Stimmen aufbringectz' werden, welche Mindeststimmenanzahl notwendig ist, uist wenigstens ein Reichstagsmandat zu erhalten, ist zweifitlhaft» trgegen dürften sie einige Mandate in den Landtag erhälE ne stärkere Einbusse an Stimmen hat die mehrheitssoM kstlsche Parten zugunsten der Unabhängigen zu vrrzeichuerk mta Das deutsche Kanonenmaterial. London, 5. Juni .(Rettter.) Nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums hat die interalliierte Kontrollkommission in Erfahrung gebracht, d'aß die Deutschen noch 22.000 Kanonen aller Kaliber besitzen, deren Zerstörung der Versailler Friedensvertrag anordnet. Anfall des Marschall Foch. Paris, 6. Juni. Das Automobil des Marschalls Fach stieß gestern abends mit einem Tramwaywagen zusammen. Der Marschall, der nur eine leichte Schramme im Gesichte davontrug, konnte an dem Bankett der Vereinigung . der Beamten und Arbeiter der französischen Eisenbahnen teilnehmen. Die Kohlenfelder auf Spitzbergen. Rotterdam, 6. Juni. Heute mittags ist der Dampfer „Montcenis" mit der Expedition zur Untersuchung der Kohlenfelder auf Spitzbergen abgefahren. Das österreichische Kriegsmaterial. Paris, 5. Juni. (Havas.) Die Boischastctkonserenz har sich in der heutigen Sitzung mit dem von der interalliierten Kontrollkommission zur Ueberwachung der Auslieferung und Zerstörung des österreichischen Kriegsmaterials gestellten Ersuchen Um Instruktionen beschäftigt. Der Weg zur jüdischen Schulerziehnng» Bei ihrem mit vollem Erfolg beendeten Streik hatten dir Religionslehrer ohne Zweifel die Sympathien der gesamten jüdischen Bevölkerung für sichi, Diese Anleilnahme wäre aber besonders bei den Eltern zur Leidenschaftlichkeit emporgeflammt, hätten es diel Religionslehrer in den letzten Jahrzehnten vermocht^ die ihnen schön kraft ihres Am'cs zegiwiesene führende. Stelle in allen jüdischen Erziehungsfragen LaLsächlichs einzunehmen. Daß es anders ist, daran tragen gewiß nur im allergeringsten Maße die Lehrer die Schuld« Aber b-ei dem unsinnigen Lehrplan, der den zwei Religionsstunden der Woche eine Unsumme mechanisch einzudrillenden Stoffes zuweist, ist es kaum möglich, aw den wichtigsten Stellen nachdrücklich genug auf den hohen Ideengehalt unserer Religion zu verweisem. Wie sollte es da ein Lehrer unternehmen, den Kinderw unsere Sprache auf granrmatikalischem Wege ernsthaftz zu vermitbeln und den Unterricht durch Hinweis au^ die Geschichte unseres Volkes, auf die verschichenenr volkstümlichen Gebräuche und Lebenslehren, der Jude» aller Zei.en und Länder zu beleben. - Die meisten Kinder genießen aber außerhalb dass vorgeschriebenen Religionsunterrichtes keinerlei öffentliche jüdische Erziehung, daher muß dieser besonderst eindrucksvoll und anregend gestaltet werden. Erkönnte durch künstlerische Bilder, selbständige ZeichnungonHWitch erleben der regiösen und aller schönen volkstümllichen; Gebräuche. Eindringung in unsere alle Lebensverhält-- nisse umspau.ien'oc Sittenlehre, durch Führung aus alte Friedhöse. ins jüdische Museum und an. jüdisch bemerkenswerte Orte lebende Anschauung erhalten und! durch diese^ sowie durch die hebräische Sprache und daD! jüdische Lied zur jüdischen Bolkstunde, zu dem mit Liebe und Sehnsucht erfüllenden Stndinm des lebenden Judentums heranwachsen. - Unser llketigionsunterricht muß daher mehr! Rau« für sich in Anjpruich nehmen, als zum Beispiel der katholische, welcher dem Kinde nicht eine:Sprache nationale Geschichte und nationale Ethik, sondern einzig' und allein die Glaubenslehren vermitteln muß undk selbst bei dieser Aufgabe während des sonstigen Untere richtcs durch Gebete, spezielle Lesestücke und Lieden k und, selbst außerhalb der Schule, durch, den GriA her

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