Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 492 (6.6.1920)
- Date
- 1920-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 492 Wien» Sonntag Wiener MorgenzeiLung 6. rsuni 1920 Seite * Inland. Die mahlen in die Kultusgemeinde* Wahltag: Sonntag den 27. Juni. - Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft im Steueramte der Knltn»« gemeinde» l. Seitenstettengasse 2, III. Stock. Vor der Sommersesflon der Nationalversammlung. Do« unserem Parlamentsberichterstatter. Am Donnerstag wird die Nationalversammlung ihren sommerlichen Tagungsabschnitt beginnen. Er wird ihre Lebensdauer abschließen, sofern noch das Leobener Kanzlerwort in Geltung ist, daß die Neuwahlen bereits hn Frühherbst stattsinden sollen, woran man aber, namentlich nach der letzten Wendung, die durch die Note der Reparationskommission, sich/in Oesterreich anbahnt. füglich zu zweifeln berechtigt ist. Die Tagesordnung der Dienstagsitzung der Nationalversammlung weist ziemlich gemischte und belanglose Verhandlungsgegenstände auf, so die Sicherung des Dienstverhältnisses der invaliden Staatsangestellten, die Schaffung einer Staatskommission für Rennangelegen- Herten, die Versorgung der Landwirtschaft mit künstlichen Düngemitteln, die Zulassung weiblicher Schüler zu den Unterrichtsanstalten und die Errichtung und Ausgestaltjmg der Mädchenmittelschulen, endlich die Errichtung weiblicher Referentenstellen im Staatsamt für Unterricht. Diese Jnterimstagesordnung war zu einer Zeit festgesetzt worden, als man verweinte, daß während der Wngstpause die zur Bereinigung der strittigen Fragen, Vermögensabgabe und Verfassungsreform, emgeleiteten Verhandlungen vornehmlich die Stockung in der Behandlung der Vermögensabgabe beheben werden. Das ist bis setzt nicht geschehen. Die Einigungsverhandlungen sind nur sehr langsam in Schwung gekommen. da die Führer der Mebrheitsparteien die Pfingstpause zu Ägitationsreisen benützten. Erst am Donnerstag und Freitag der abgelaufenen Woche trat der ittterkoälierte Ausschuß Zusammen. Er hat seine Beratungen noch nicht abgeschlossen und wird sie am Montag fortsetzen. Es verlautet nur so viel daß die Meinungsdifferenzen bezüglich der Bewertung des bäuerlichen Besitzes und der gewerblichen Betriebsmittel in der Vermögensabgabe noch unausgetragen sind. Die Bauern wollen eben, nach- - dem ihnen ein großer Teil des städtischen Vermögens für Lebensmittel hingegeben werden mußte, den Städtern auch noch die volle Last der Vermögensabgabe mrfhalsen. Immerhin — so wird versichert — werde es möglich sein, die Verhandlung der Vermögensabgabe im Finanzausschuß wieder aufzunehmen. * Mt der Vorbereitung der Versassungsvorlage ist ein engeres Komitee des Kabinettsrates — Staatskanzler Dr. Renner, Vizekanzler Fink und Staatssekretär Dr. Mayr — befaßt. Die Beratung wll nicht gerade besonders glatt von statten gehen, sedenfalls wird von den beiden M ä y rschen Probearbeiten, die er den Länderkonseienzen vorlegte, nicht viel übrig bleiben können, da sie — wie an dieser Stelle schon einmal darge-egt wurde — sich über die Grundlage jeder Verfassungslösung, den Fri^densvertrag, zu leicht hinwegsehten Die Note der Reparationskommission wird auch da vielleicht heilsam gewirkt haben. Erledigt die Nationalversammlung w der Sommertagung die Vermögensabgabe, das Steuerprogramm und die Verfassung, so hatte sie mehr als ihre Aufgabe erfüllt, doch ist damit schwerlich zu rechnen, da die bäuerlichen Abgeordneten erfahrungsgemäß nach Sommerbeginn nicht mehr im Parlament zu halten und darum größere gesetzgeberische Arbeiten auch im Sommer nicht durchzuführen sind. Dies mag mit ein Grund sein, daß jetzt von Neuwahlen im Herbst weniger gesprochen wird. Allenthalben werden jedenfalls Vorbereitungen für die Neuwahlen getroffen. Die nichtsozialdemokratifchen Parteien wollen sich nach dem bayrischen Vorbild! zu einem Rechtsblock zusammenschließen. Einigermaßen bänglich tut ein Teil der Deutschnationalen bei dieser Wattierung der bürgerlichen Elemente mit. da sie nicht mit Unrecht befürchten, daß ein größer Teil ihrer AnhHngerschaft auf Nimmerwiedersehen im christlichsozfalen Derbann verschwinden würde. Nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in der Nationalversammlung dürfte auch der Ausfall der heute stattfindenden deutschen Reichstagswahlen werden. Er wird auch mitbestimmend dafür sein, ob die gegenwärtige Koalition, zu der sogar jetzt der christlichsoziale Pateihäuptling Kunschak yrieder heimgefunden hat. mit Rücksicht auf die Stimmung in der Wählerschaft aufrecht bleiben kann. Die Verhandlungen mit Juaoilävoien» Belgrad, 6 Juni. (Tel.-Komp.) Die österreichischen Staatssekretäre Dc. Paul und Dr. Loewenfeld- Ruß sind in Begleitung von zwölf Herren hier eingetaffen und wurden von den Ministern herzlich begrüßt. Die Verhandlungen mtt der hiesigen Regierunghohen heute begonnen. _ Die rusftjch-österreichischerr Beziehungen. Moskau, 5. Juni. (Tel.-Komp.) Zu dem russischen Protest gegen den Transport von Munition und Kriegsmaterial durch die Tschechü-Slowakei nach Polen, erklärte Litwinow in Kopenhagen, daß soweit es die österreichische Regierung betxeffe, nicht von einem Bruch der neutralen Haltung gesprochen werden könne. Die österreichische Regierung habe weder Waffen noch Munition nach Polen transportiert. Das werde zur Folge haben, daß die russische und die ukrainische Regierung nicht versäumen werden, den -Rücktransport der österreichischen Kriegsgefangenen flach Möglichkeit zu erleichtern. Versammlung traditionstreuer Juden. Von einigen Gruppen der orthodoxen Judenheit Wiens wird ständig die Notwendigkeit betont, daß sie eine eigene Liste für die Kultusvorstandswahlen aufstdllen müssen, damit die religiösen Grundlagen der Gemeinde gewährt bleiben. Dies beinhaltet nichts anderes als eine falsche Unterstellung, als ob die Zionisten irgendwie beabsichtigen, -idle religiösen Grundlagen des Judentums, sei es in Asien, sei es überhaupt, irgendwie anzutasten. Mit dieser verwirreirden Unterstellung muß aufgeräumt werden und hiefür war die vom Verein „Chasstdim" einberufene Versammlung von besonderer Wichtigkeit. Zunächst führte Herr Jakob PinkaS aus, daß die orthodoxen Gruppen, welche. eS für nötig befinden, eine eigene Kandidatenliste aufzustellen, durchaus nicht die gesamte traditionstreue Judenschast Wiens repräsentieren, sondern nur einen kleiner Bruchteil derselben. Eine: große Zahl der traditionstreuen Juden in Wien steht heute im nationalen Lager und dies ist schon ein Beweis dafür, baß die Juden der Tradition wissen, daß die religiösen .Grundlagen des Judentums durch den jüdischen Nationalismus nicht angetastet werden. Die gegenteilige Behauptung seitens, estriger Grüppchen in Wien ist nur der Vorwand für die Betätigung kleinlicher Sonderinteressen. Abgeordneter Stricker präzisierte hierauf eindeutig und llar die unveränderliche und seit je unveränderte Stellung der zionistischen Partei, welche den Kampf um die Kultusgemeinde führt, zu den religiösen Angelegenheiten: In religiösen Dingen gibt es keine Masprisiepimg und keine Abstimmung. Hier hat kein zufällig zusammengesetzter Kultusvorstaird zu entscheiden, sondern die fürhie Juden stets autoritative Behörde: das Rabbinat, im Verein , mit Vertretern aller Gruppen der traditionstreuen. Judenschaft, ob sie nun dem Kultusvorstanb angehörea oder nicht, soweit sie die -gehörige Fachkenntnis besitzen. Alle- Institutionen der Gemeinde müssen so eingerichtet sein, daß der.orthodoxeste Jude ohne Bedenken sie benützen kann. Die Jüdisch nationalen stehen vor allem auf dem Boden der unbedingt notwendigen Einheit und Einigkeit des jüdischen Volkes. Sie kennen keinen Unterschied zwischen trabitionstreuen und fortschrittlicher! Juden, keinen zwischen Ost-- und Westjuden. Und dre,Aben Herren, welche Tritte als die Protagonisten der zum Schutze dev -angeblich bedxoHien Religion ralliierten orthodoxen Grüppchert äuftreien, die Herren Pappenheim, Hosbauer usw., haben-bisher stets den Leuten - in der Kultusstube Gefolgschaft geleistet, welche heute einen Keii zwischen Ost-und Westjuden treiben wollen, weil sie glauben, sich dadurch zu nützen. Die Ehre der Wiener Juden erfordert es, daß sie alle diejenigen, roelche einen Teil des Judentums gegen den anderen ausspieleu, von jedem Einfluß ans die jüdischen Angelegenheiten fernhalten. Es geht um die Einheit des Volkes, durch die allein es sich erhalten kann. Die Jüdischnationalen wollen keine jüdischen Rechte, vor allem nicht die religiösen Rechte üntasten. Reicher Beifall lohnte diese von ehrlicher Ueberzeugung getragenen Ausführungen und bewies, daß eine offene Aussprache in diesen Dingen notwendig und fruchtbringend ist Darauf wies auch Armenrat Vogelbaum hin. welcher betonte, daß die Aktivität der Zionisten in allen das Judentum betreffenden Angelegenheiten die Gewähr dafür Btetc daß das jüdischnationale KultuSgememdeprogramm allen Gruppen der Wiener Judenheit die Gewähr dafür biete, daß ihre Rechte gewahrt sind. Während der Versammlung versuchten einige sicher nichtewahlberechtigte Bürschchen durch Provokationen zu stören. AlS einer von ihnen das Wort nehmen wollte, wurde er von der irritierten Versammlung hinauskomylimentiert. Vo,. diesem Zwischenfall abgesehen, gab die so wichtige offene Aussprache über die Stellung der Zionisten, zu den religiösen Fragen fruchtbare Erkenntnis der Wahrheit. WaffenftMstandsverhandlnngen zwischen Nutzland und Zavan. Br.s^n 3. Juni. (Del. d-^r „Wiener Morgenztg.") Die „Danziger Nachrichten" melden aus London: Die Kampfhandlungen zwischen Japan und Rußland sind am 26. Mai eingestellt worden. Spezielle militärische Kommissionen beider Mächte sind in Chabarowsk eing^roffen, um wegen Abschluß eines Waffenstillstandes zu ve. handeln. Die Wirren in Persien. Paris, ft Juni. Korr.-Bur.) ..Daily Mail" meldet aus Persien: Die Lage sei ü b e r a u s v e r w t r r t. Der Sckah habe vor w n gen Tagen in TkHnau seinen Einzug gehalten. Es best lüge sich, daß im Norden enoloche Truppen Resckt evakuiert baden und im No dosten an der Tmkestaner Grenze sollen bolsckrw tische Banden in die Provinz Ctrora'an ' emgedrungen ic n. Das persische Gebiet sei also in zwei Richtungen überflutet, nn Roidwcstcn und Noidosten. Vertagung der Konferenz in Spa. Paris, ft. Juni. 'Kon.'Bur > Dcm „I ourna t" zufolge ist damtl zu rechnen, daß d'.e Konierens von Spa nochmals werde vertagt werden. Als Grund lnetür rvud angegeben, daß die Vorarbeiten siir die Korijereu?, zu kompliziert seren. ALdische Student««» dir sich dereitn •tt* Teilnahme an der Agitation snr die KnltnA» mahlen angemeldet haben, werden ersacht» sich i» Hauptwahlbneeau» II.» Taborstratze 20 a, in de« IeU zwischen 5 und 6 Ahr nachmittags einznfinde«. Ebenfa werden die Vertreter der akademische« Korporatioaea und Vereine, welche an der letzte« Besprechung den Obmänner nicht teilgenommen habe«, gebeten, cfcett« falls zwecks Entgegennahme von Informationen i« gleichen Durea« vorzNsprechen. Bersammlungvkalender: Heute 10 Uhr vormittag-,Casä Kurth. XX,Mathilden» vlatz 11. Referenten: Professor Dr. Wilhelm Steine D. N e b e n z a h l. M o « t a g de» 7. d. M., V«8 Ahr abends» Ben bandsheim. VI., Königseggasie 10. Referenten: Abge4 ordneter Stricker» Dr. Desidor Friedman Gemeinderat Dr. Pollak-Parna», Fabrikant Oskar Goldfchmidt. Montag den 7. d. M., Uhr abends, Cafs Ciiy^ rX.. Porzellanaafie 1. Referenten: Dr. Isidor Schalit. Gcmemderat Dr. P o l l a k - P a r n a u. — V-8 Uhr Nestanrani „Weißes Krem", IX.. Nnßdorferstraße 50. Referenten: BerirkSrat Dr. Georg W einer, Dr. Karl P o l l a k. . Montag den 7. d. M., 'i,S Uhr, Winzigs Ssr^ X.. Favoritenstraße 11l. Referenten: Abgeordneter Stricke^ D. Nebenzahl, Dr. Fritz Georg Steiner, Hüflrich Weiß. Montag den 7. d. M., 8 Uhr. CafS DSbüngerhoL XlX.. Billrotbstraße (Ecke Cbimanigasie'. Referenten: GemeinderÄ Dr. Ehrlich. Grmemderat Dr. Pollak-Parnan, Protesior Dr. Wilhelm Stein. Dienstag den 8. Ivnr 1S20 am 8 Ahn abends findet eine Mitgliederoerfammlnng im Bezirksheim. VI., Amerlingstratze IS, HoMe««» statt. Unbedingtes Erscheine« Pflicht. Dienstag den 8. Juni um 7 Uhr abends findet n» BezirlSbkim, VI., Amerlmgstraße 19, Hofstiege, eine dringende Besprechung der Dezickssunktionare und Vertrauensmänner statt« Monistische Dezirksseltion für die westlichen Bezirke Wiens.. D i e n s t a g den 8. d. M., V»8 Uhr. Terrafien-Restanrsnk. Margaretenplatz. Versammlung aller in de« Bezirken IV und V wohnenden Zionisten. Vortrag Dr. Paul Weise « grünt »Aufgaben einer jüdischen Boltsgemeinde". D i e n s 1 a g den 8. d. M., Vr-8 Uhr abends, Restaurant Mt. II., Rembrandtstraße 17. Referenten: Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlich, Genirinderat Dr. Leop. PlaschkeS. Mittwoch den 9. d. M., '/-8 Uhr abends, Sozia!« Hilfsgemetnschast (Anitta Müllers. H., Praterstraße 17. Referenten; Gemeinderat Dr. Ja^ob Ebrlich, Gemrinderat De. Leopold Vlaschkes, Aron Schwertnnger. Mittwoch den 9. d. M.» */«8 Uhr abends, Restautanl Reis-, V«.. Ma'iah'llnstraße 124. Referenten: Dr. Desida Friedmann. Dr. Max BMharnd. Donnerstag ds^10 d. M., 8 Uhr, Restanrant »Wildes Mann". XVU!., Wahringerst'aße 85. Referenten: Abgrordnttet S k r ' ck e r, Gemeinderat Dr. Ehrlich, Dr. Karl Polkak. Donnerstag den 10. d. */,8 Uhr, Cas6 Kaiser Joieß H.. Kaiser Josef-Straße 35. Referenlea: 8eweindr«ck Dr. PlaschkeS, Aron Schwertfingrr. Donnerstag dm 10. d. M.. V9* Uhr, Refianranß Baron, ll.. Große Cchrffgafie 19. Referentm: Dr. Ego« Zweigs E sig Torczhner, Jacob Pmkas. D o n n e r s t a g den 10. d. M., V-8 Uhr abends, Eafti Schwenderhof. XV. Manahillerstraße 189. Referentm: Oslo« Goldfchmidt, Arch.-Jng. Dr. Arnold Karplns. Die Minifterkrife in Polen wird aknt. Warschau, 3. Juni. (Tel. brr Miensr Morgens zeittmg".) Da die Zlpprvvisionierungskommission des ' Landtages bei der Beratung des Ernahrungsprogrammegf - für 1920/21 den vom Ernährungsminister Sliwmslr im Namen d-rr Regierung eingebrachten Antrag auf staatliche Beschlagnahme sämtlicher Bodenprsdukte mtt 14 gegen 13 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen ab» geleh nt hat, wird noch im Laufe des heutigen Tages die Demission des Ernährungsministers erwartet Diese dürfte die Demission des Gesamtkabinetts nach siD ziehen, da Ministerpräsident Skulski und die ganzL Regierung mit der Ernährungspotttik Sliwinskis sich solidarisch erklärt hat. AnLerzeichnrrng des ungarischen Friedens« Vertrages. Paris, 4. Juni. (Havas.) Heute wurde in Versailles i«z Grarrd Trianon der ungarische FriedenSvertrag unterzeichnet E ne Note Dr. Benesch' an die Liga der Nationen. Prag» 5. Juni. (Tschecho.-llow. Prrßbm.) Der tschecho» slowakische Mimstsr des Aeuvern Dr. B e« e 1 ch sandte am 31. Mai an das Generalsekretariat der Liga der Natron« er» Scknerben, worin er ans die e r n ft e L a g e i m T e s ch e » «4 Telegramme