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Wiener Morgenzeitung · 1920-06-05 · Heft 491 (5.6.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 491 (5.6.1920)
Date
1920-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Die Gefahren des Ostens. —y. Wien. ö. Juni. . Hunger. Krieg und Pestilenz — die drei Geißeln i>eS Mittelalters — finden sich jetzt wieder bei uns ein. Millionen Menschen aller Alters- und Berufsgrade haben W den letzten fünf Jahren Leben oder Gesundheit verloren, große Ackergebiete sind verwüstet. Wälder gerodet. Bergwerke ersäuft worden. Die Arbeitsgelegenheit für zanze Völker ist vernichtet. Die Folgen sehen wir alle Lsage vor uns: Die Arbeitslosigkeit, vielfach auch Arbeitsscheu, das Wachstum der Kriminalität und das Versinken der hoffnungsvollsten Jugend in Not und bchande. Die Krankenanstalten können der auf sie rindringenden Flut von Patienten nicht mehr entprechen. die Staaten sperren sich voneinander ab. um der politischen Ansteckungsgefahr, die aus den sozialen Krisen resultiert, zu entgehen. Aber die Patzschranken sonnen doch nicht verhindern, daß die soziale Krankheit die Grenzen überschreitet. Sie können aber auch ncht verhindern, daß die furchtbare Gefahr der asiati-!chen Epidemien für Europa akut wird. Schon seit Jahresfrist kommen aus dem . Osten Alarmrufe, welche wf die unheimliche Ausbreitung der Kriegsseuchen hinrieften. Die Tuberkulose, die Malaria, der Flecktyphus haben dort in einem Maße überhand genommen, welches )ie ärgsten Befürchtungen für die Existenz der dortigen Kylksmasien und für das übrige Europa erwecken müssen. Dpze, volkreiche Städte sind nusgestorben und was ^M,;-kW.u!äreN . oder irregulären Milijärnoch - verschont. 4 aift bcr ' 3tt^r«n&e* Miederholt hat sich der Oberste Rat mit dieser Anjelegenheit beschäftigt, hat Berichte diplomatischer Vertreüngen oder derRoten Kreuz-Missionen entgegengenommen and Ausschüsse zum Studium des Materials eingesetzt, sther diese Methode, trägt genau den gleichen schleppenden Charakter wie die Behandlung des Friedensproblems durch, jene Körperschaft überhaupt. Es werden Bibliotheken von Akten geschrieben, aber die Krankheiten des Krieges lassen, sich dadurch nicht stören.. Nirgends gerät das Friedenswerk, und je weiter die 'Zeit vorschreitet.. 'umso großer wird das ^Leichenfeld. Der Völkerbund hat auch hie Bekämpfung der Volksseuchen in sein llrbeitsprogramm ausgenommen und eine internationale Regelung angekündigt. die die.vor dem Kriege geschaffenen Konventionen öffentlich-sanitären Inhalts wieder beleben «oll. Aber es kommt zu keiner Tat und die rettende Hilfe wird immer wieder, durch Kriege wie jetzt den dolnisch-ukrainisch-rnssischen, vereitelt. Alle ärztlichen Hachorgane sind voll von ernsten Warnungen vor dieser Saumseligkeit und vor dieser das ohnehin geschwächte Volk Europas in seinen Wurzeln bedrohenden Leicht» fertigtest. Zudem gibt es Gebiete, in denen sich die Hyänen des Schleichhandels, die immer dort zu finden lind, wo Helden ihr Werk vollendeten, der Arznei stoffe bemächtigt haben. Nichtsbleibt vom. seelischen Aufschwung einer Zeit verschont, die den Zweck des Menschen im D^rchhalten und Sterben erblickt und das Gehirn ganzer Generationen mit dem Gift des Hasses und des Patriotismus erfüllt hat, dem das große Sterben ftp Mittel der Politik geworden ist. Aus dieser Massenstimmung der Hoch- und Hurra-Schreier ist das Unglück des Weltkrieges entstanden, dem wir kaum entrinnen können und dessen Wellenschlag ganze Geschlechter auf den Grund zieht, nachdem sie sie so heillos korrmnpiert hat. daß. sie für die Not des Nachbars kein Empfinden mehr haben. Ja nicht einmal das egoistische Verständnis dafür, daß der Funkenflug ihr eigenes Dach in Brand setzen könnte. Achtlos und fast stumpfsinnig geht die Bevölkerung an den Meldungen vorbei, die von dem Auftreten des Typhus und der Pest im Osten sprechen. Man gibt sich keine Rechenschaft darüber, daß auch hier die Wirkungen der Diplomatie zu beklagen sind, die mit Völkern spielt und sie mit Krieg und Mord bekämpft, wenn sie den Weisungen jener weltfremden Männer nicht' gehorchen, die die Welt neu einrichten wollen. Auch hier zeigt sich, daß eine Rechnung verloren ist. bei der der Haß und die Unkenntnis den Stift fuhren. Aber diese neuen Toten reden ebenso laut wie die vielen, vielen Unbekannten, die in den Massengräbern btt Heldenzeit modern oder in den Sumpfwüsten Rußlands, Galiziens und Albaniens erstickt sind. Wenn dhse vielleicht im Namen einer Idee gestorben sind, zu der sie sich zwangsläufig bekennen mußten — woftir sterben i>,:nn (nute, jetzt vor unseren Augen die vielen .MMer.olbt .es ia tarn . Cloyd George über die Utrbandtntgei mit Krassin. London, 4. Juni. (Reuter.) Lloyd George erklärte im Anterhause über die M Handlungen mit Krassin, es müßten noch gew ss Fragen aus dem Wege geräumt rvrrdtzi bevor dir englische Negierung sich überhaupt aus Verhandlungen einlasie. Abgesehen von de Freilassung der englischen Gefangenen in Rußland werden Garantien geg«r»,AM griffe auf britische Interessen im Osten während der Fortführung derBeÄ Handlungen gefordert werden. Wenn diese Schwierigkeiten beseitigt feien, würden V ees Handlungen über Handelsbeziehungen von den Vertretern aller Regierung geführt werden. Vertreter der französischen und der italienischen Regierung seien avrvesi und bereit, sich an der Fortführung der Verhandlungen zu beteiligen. Er schloß mit der Klärung, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß in Frankreich Beunruhigung bezüglich Verhandlungen herrsche. _•_ 10 Millionen Pfund für Mitteleuropa. London, 4. Juni. (Korr.-Bür.) Wie eine Meldung des Reuterschen Bureaus besagt, wurde der Betrag des englischen Kredits für den wir-schaftlichen Wiederaufbau von Mitteleuropa .und der baltWe« Staaten vorläufig -auf zehn Milli0 neh Pfund Sterl r L g festgesetzt» ._1__ Durchbruch der Polen a« der Beresina London, 4. Juni. (Tel.-Kornp.) Reuter berichtet aus Warschau: Der polnische Heeresbericht meldet den Durchbruch der russischen Front an der Beresina. London, 4. Juni. (Tel.-Komp.) Die „Times" melden aus Warschau: Die Polen nahmen Bob r u i s k ein. Die Russen gehen auf die Front Reg atsch—M o hile w zurück. Der russische Frontbericht. Moskau, 4. Juni. (Fmik'piuch.) Flvnlberichr. Westront Im Gebiet von Knoesz und Dolginow haben sich Rme Truvpen n den Besitz einer Anzabl von Ouichalm südwestlich und südlich der Stadt Dolginow gesetzt. Eine neutrale Macht vermittelt zwischen Polen und Rußland? Lemberg. 2. Juni. (Tel. der „Wiener Morgen-- zeitung".) „Dziennik ludcwi" meldet: Aus sicherer poli- ' tischer Quelle verlautet, daß die polnisch-russischen F?ied?nsverhandlungen in kürzester Zeit wieder be-! ginnen sollen. Eine neutrale Macht soll sich als! Friedensvermittler angebolen haben. j Der Kongreß der englischen Zionisten. London, 2. Juni. (Jüd. Korn-Bur.) Die Beratungen des zweiten Tages der englischen Zionisten- Konferenz waren ausschließlich den Kultur- und Er ziehungs fragen gewidmet. Sämtliche Verhandlungen wurden in hebräischer Sprache gefichrt. Es referierten unter anderem Slatop 0 l s k y und David P e l! i n, die ihre Vorschläge über die Errichtung von kulturellen Institutionen zur Beschleunigung der Hebraisierung der zu erwartenden mehr — denen Cholera und Pest das Grab schaufeln. 1 denen nicht einmal die rasche Kugel vergönnt ist? Es I mag sein, daß die Welt über die Schrecken der Massenpogrome hinwegkommt, weil sie sie für unabänderliche Begleiterscheinungen eines unbändigen Landsknechttums ansieht. Aber diese Art des Friedens, die da int Osten an der Arbeit ist, scheint doch ein wenig zu radikal, wenn sie einfach die Menschen auf die Friedhöfe bringt. Gegen sie müßte sich das Gewissen der Menschheit entrüstet erheben und sich nicht mit Wohlfahrtsaktionen einzelner warmherziger Amerikaner begniigen. Hier läge der stärkste Anreiz für die Völker, der Pariser Friedensmacherei ein rasches Ende zu bereiten und selbst zum Rechten zu sehen, ehe es noch zu spät ist. Denn es geht nicht mehr um Vaterland oder Annerionen. sondern > um die Kinder. großen Emwanderermasse in Palästma der KonserM unterbreiteten. Auch Stuart Samuel nahm An der Konferenz teil. Für den Geullah-FonH' wurden auf der Konferenz 62.000 Pfund gesamw^' Bei den Neuwahlen wurde W e r z m a n n z u . Präsidenten der englisch-zionistischen OrgamL sation gewählt. An - der Konferenz nahmen 250 DelH gierte aus ganz England teil> Die Stimmung überaus gehoben. v T Freigabe der Einwanderung nach Patästimi London, 2. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Äuf Konferenz der englischen Zionisten ggb Weizmani die Erklärung ab, daß die E i n w a n d e r u n gj; nach Palästina am 1. Juli, dem Tage des Amtsbeginnes der Zivilverwaltung, e'msetzen soll, undj zwar ohne Rücksicht darauf, ob bis? dahin die Türkei den Fried e n s v e trag unterzeichnet haben wird oder nicht. * Wiederzufammentritt des jüdische» Kongresses in Amerika. \ jj Now-Aork, 1. Juni. (Jewifh , Korr.-Bur.) Nach > einjähriger Unterbrechung versammelte sich am 30. Mast: der Kongreß der amerikanischen-Juden zw einer solenn?» Tagung in Philadelphia.'Nach Erstättung ausführlicher Referate über die Lage der Juden in Osteur0pa und in Palästina beschloß.der KoA greß auf einer Sitzung am 31. Mai sich in . Permanenz zu erklären, um die Rechte der Juden iy den Ländern ihrer Bedrückung mit . allem Nachdrucks: zu wahren. _ r Die Teschener Frage. Ministerpräsident Dr. Benesch. Paris, 4. Juni. (Funkspruch.) Der Minister des! Aeußern der tsch'cho-slowakischen Republik Dr. Bene^hi erklärt in einem Gespräch, daß er keine BeststtignstAi der in den Zeitungen enthaltenen Nachrichten, habe.' die sich auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen'! zwischen Polen und der Tschecho-Slvwakei beziehend Er sei überzeugt, daß die Teschener Frage inr.sreunbschaftlichen Einvernehmen werde gelöst iverden.' Seine Zusammenkunft mit Krassin habe ausschließlich privaten Charakter gehabt und sich auf wirt< schastliche Fragen bezogen, die die in Rußland befindlichen Tschccho-Slowaken betreffen. Das Urrterrichtswesen der KulLdsj gemeinde. . icr. Ein Schnlwsrk besitzt die Wiener Knltusgemeindrj überhaupt nicht. Sie hatte auch niemals die Ambition, eines! zu besitzen. Sie hatte von jeher eine Art Zwangswirtschasp der israelitischen Religion und ihr jeweiliges Schnlamt; er*! blickte feine Hauptaufgabe darin, im Rahmen der zu Geboke! stehenden Zeit und Mittel eine Rationierung der jüdisch«, GlaubenZsätze vorzunehmen. Das Schulamt hatte damit keine leichte Aufgabe zu bewältigen, denn es galt, eine a» sich magere Kost durch nicht immer zulängliche Mittelspersonen, so zur Aufteilung gelangen zu lassen, daß die Beteilten nicht infolge ethischer oder geistiger Indisposition auf die ganze Nation verzichten, dabei aber die Kontüruität der ratimrierteik Religion aufrechte.'halten bleibe. Da hat sich nun Cuim-5 sochr Intern,üriurS ergebe.. <$£ hegMr ein sürMche- Schliuckrhandel ynt^der LW-iovi

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