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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-31 · Heft 486 (31.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 486 (31.5.1920)
Date
1920-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis L Kroue Drii»A«eratt»»»Prei-er >ßi«n: 8*m »»hole« in der Mchäition» 2. Bezirk» Snftmv fMftc 1 di» ä, eder in einer verschleitzsteae (LrasiS: MsnnkUch. . Krone« SS — .«k-rielt-hrlich .. 75.- Mit Pest?erfand für Wien rin» : Oesterreich: Monatlich .. Kronen «3.- ■‘i’ richrchv-Dkowakei: ■ Monatlich. Kronen W.- «irrtrljÄrlich „ »«- <s tjch«chs-sio»aNschcrWSHnm- Ungar« «komotUch .. Krone« 25.- MirrteljäyrUch .. 75«— tn «ngorfftiict Währung ^wgostawienr HÜonatli^ .. Dinar 6«— Wierteliahtlich « 18.— Nr. 486 teuer Gi«,elr*empi«rr Arris L Krone IfcSttttmevatiOMsttttif«; j Bote« Monatlich.... Dtark «5^-, Vierteltührlich „ V5*J in velnischer WLHrnng — _yw»^Hf»ww»t Monatlich . . . Mark 7^ _ Frankreich: , i Monatlich. . . Aram- 7«—1 j Italien:! Monatlich . . . . «irr 2--, Monatlich.**! . ^racn» S«—i Für da» Mrlae Ausland: Vierteljährlich Kronen laS^f Redaktion n. Administrativ». Wien.».Bez.»Taborstr^-» Leletzhone: Administration 4403*, Redaktion 48310, «» 4» Uhr adend« Rr. 1«»Ä Vostfvarkassenlonto l50.SS8 Wien, Montag» den 31. Mai 1S26 2. Jahrgang An unsere p. t. Abonnenten! Desterr. Postsporkassenkonto 15VVS3. — Tschechoslowakischer Postsparkasseverkehr 150.683. . Zahlstelle für Polen. Lombard- und ESKomptebank» ' Krakau, Rynek 12. . ' Wir ersuchen, die Monnementemeuerung sofort. Syrzunehmen, damit in der Zustellung keine Unterbrechung eintrete. Minsk von den Zowjeitmppen erobert. Amfterdu m, 30. Mai. (Korr.°Bur.) Der Vertreter der „Morning Post" meldet ans Warschau, datz Minsk seit Freitag in den Händen der Bolschewiken sei« Zwischen Dünaburg und Witebsk sei eine neue russische Armee mit der Richtunganf Wilna im Anmarsch^ __ Dezugsgebühren ab 1. Juni: Bür Wien und Deutschösterreich: monatlich Kr. 25, vierteljährig Kr. 75. Für die Tichecho» Slowakei: monatlich Kr. 10, ' vierteljährig Kr. 3V tschecho°slvw. Währung. Für Jugoslawien monatlich Dinar 6, vierteljährig Dinar 18. Für Polen monatlich 25 pölri. Mark, vierteljährig 75 poln. Mark. Für das übrige Ausland monatlich Kr. 35 öster- . reichischer Währung. 0 Einzelexemplare K. 1. Wir bitten, uns die Wonnemmtbeträge durch die beziWchm Sosts'parkassenämter und dort, wo dieser Vorgang nicht Möglich ist, durch eine Bank, welche mit Wien Verbindung hat, zukommen zu lasten. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitnrrg" Brief aus Rumänien. , Boa Nuferem Bukarester Berichterstatter. Der König und die Königin von Ruinänien haben vor einigen Tagen Czernowitz besucht. Zu den Empfangsfeierlichkeiten waren so wie die Vertreter der übrigen Nationalitäten auch die jüdischen Vertreter geladen, ebenso wurde auf Verlangen der Behörden eine jüdische Liste der für die Audienz in Betracht kommenden Personen überreicht. Tatsächlich ist am alle genannten Personen die -Einladung, zur Audienz ergangene Auffallenderweise wurden jedoch bei' der-Einladung zur Hoftäfel, an her die Vertreter der Nationen teilnähmen, die Vertreter des nationalen Judentums Dr. Straucher und Hr/,Ebner übergangen und erhielten erst knapp vor der Hoftafel die Einladung zum Diner. Diesen dem nationalen Judentum angetanen-Affront beantworteten die jüdischen Repräsentanten damitdaß sie sämtlich von allen Audienzen und Empfängen fernblieben. - An diesem Vorgehen des Hofmarschallamtes, welches natürlich allgemeines Befremden hervorgerufen hat, trägt anscheinend eine assimilatorisch-jüdische Intrige bje Schuld. Die sogenannte jüöischdemokratische Partei, Sy deren Spitze der Konjunkturjude Dr. Billig steht und die' ein Zusammengehen mit der jeweiligen Regierung hüf.ihrem Programm hat, hat öffenbar die Czernowitzer Lokalregierung zu diesem Intrigenspiel-veranlaßt. ' Im übrigen ist der Besuch des Königs programmgemäß verlaufen. Der König hesuchte-den Gottesdienst in hier Synagoge und hatte mehrfach Gelegenheit, mit jüdischen Persönlichkeiten in Fühlung zu treten. Dem Kultusvorsteher versicherte er, daß die Juden mit allen Nationen gleichgestellt werden müssen, der jüdische Landesschulinspektor Dr. Brenner informierte ihn über den Stand der jüdischen Schulen und die Entwicklung dtzr-hebräischen Sprache. Bei dieser Gelegenheit erklärte der König dem Generalschulinspektor Mandiczewski, er ssi dafür, daß sich die Nationalitäten in ihrer eigenen. Sprache entwickeln, und garantiere, daß dies frei geschehen werde. Man wird zuwarten müssen, ob sich auch die rnniänische Regierung nach den Worten des Königs von Pmnänien richten wird. Vorläufig harren verschiedene Wünsche der Juden Rumäniens und der Bukowina noch ihrer-Erfüllung So ist zum Beispiel die Frage der jüdischen politischen Gefangenen noch immer nngelöst. Var einigen Tagen sprach eine Abordnung des Verbandes der eingebornen Juden beim Minister des Innern Doktor Lüpft vor, um feine Aufmerksamkeit ans die schreckliche Lage dieser Gefangenen zu lenkeni ’ In einem dein Minister überreichten Memorandum wird zunächst darauf hilppechiesen. daß in Runtänien während des dreicinhalbjährigen Ausnahmszustandes 'die. ^uden am uleisten zu Die IugVslawen marschieren gegen Fiume. Belgrad, 29. Mai, - (Südslawisches Pretzbureau.) In her heutigen Sitzung der NationalversaMMlnng erklärte der Ministerpräsident in Beantwortung einer Interpellation in Angelegenheit der neuesten Abenteuer d'A nnunzios, daß die Regierung benachrichtigt worden fei, d'Armunzio wolle mit seinen Truppen an einem bestimmten Tage S u s s a k besetzen. Die Regierung habe daraufhin die italienische Regierung verständigt, datz ein derartiges Vorgehen eine sehr ungünstige Stimmung in Jugoslawien erregen würde und datz die jugoslawische Regierung gezwungen wäre, Pflichtgemäß dagegen entsprechende Schritte eirrzuleiten. Die Regierung habe die Verantwortung, für die daraus etwa entstehenden Folgen abgelehnt. Gleichzeitig habe die jugoslawische Regierung die verbündeten und die neutralen Regierungen von diesem Schritte verständigt und die jugoslawische Friedensdelegation beauftragt, ihrerseits den Obersten Rat hievon in Kenntnis zu setzen. Zugleich seien entsprechende B e f e h l e an die jugoslawische Armee erlassen worden. Krassin in London. Die Verhandsungen beginnenMittwoch. rMeMi, Lloyd George, der gestern früh Plötzlich zmückgekehrt sei, habe entgegen eiyer früheren Entschließung die Absicht geäußert, zunächst, längere Kit in London zu bleiben. Man schlicht daraus, daß Lloyd George den Bcsp re ch un gen m i t K r ass in g ro ß e B e deu t nn g beimesse. Gestern wurde sofortein Mi nisterrat einberufen, dessen Vorsitz Lloyd George führte und auf dessen Tagesordnung die Fragen standen, die mit Krassin zu erörtern sein werden. Die osfiziellen Wirtschastsverhandlungen mit Krassin werden Mittwoch beginnen. Man nimmt an, daß Lloyd George ihn unmittelbar darauf empfangen wird. Indessen haben Krassin und seine Begleiter schon gestern zahlreiche Vorbesprechungen mit verschiedenen Mitgliedern des WirtschastSrates gehabt. Bezeichnend ist, «■■■■■■■■■■aOTnaMBannBKjHrannBMMnMBpnanHHanunBRMii leiden hatten. Denn außer den materiellen Entbehrungen, denen das Land im allgemeinen unterworfen war, waren die Juden — und nur die Juden — den entehrendsten Verdächtigungen und Verleinndungen ausgesetzt. Die Legende vom jüdischen Verräter wurde künstlich verbreitet und die schreckliche Folge davon ist, daß heute .bte Gefängnisse und Zuchthäuser mit jüdischen politischen Häftlingen überfüllt sind. ' Der Haß gegen die Juden war und ist noch so groß, daß Juden wegen der geringfügigsten Verfehlungen, wie zum Beispiel wegen zu späten Erscheinens vor einer > Kommission, mit den. schwersten Strafen belegt werden. Unter den Verurteilten und Eingekerkerten befinden sich auch Kinder, denen die Unschuld vom Gesicht abzulesen ist und die wegen Verrats, Beleidigung der Dynastie und des Vaterlandes verurteilt wurden oder ihre, schwere Strafe, wegen Verbrechens „gegen die Sicherheit des Landes" Nbbüßen. Hunderte unschuldiger Juden schmachten aus solche Anklagen hin in den Kerkern, wo sie elend verkommen, während draußen ihre Familien dem Hunger und grausamer ^ot preisgegeben find. Die meisten Anklagen, welche der Verurteilung als 'Grundlage dienen/, entspringen, den.widrigsten Haßrnstinkten gegen besseres Wissen. Der Verband fordert schließlich eine A m n c ft i e für alle politischen .Gefangenen, da'ein solcher Akt nicht nur der Gerechtigkeit dienen,, sondern dem Lande auch die Ruhe wiedergeben würde, deren es behufs harmonischer Zusammenarbeit aller Beivohner dringend nötig hat. Mit Versprechungen sind rumänische Minister bekanntlich rasch bei der Hand. So hat Ministerpräsident Aver'escu bei seinem Aufenthalt in Czernowitz die Vertreter der früher' genannten siidisch-demokratilchen Partei empfangen, welche sich der Förderung der Lokal- .regiernng erfreuen und sich als die befugten Vertreter ' der jüdischen Minde.rheWiati'.'tt 'tcr Ministe'.- daß Wise, der britische Vertreter des Wirtschaftsrates, der als Anreger der Idee der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehuygen mit. Rußland gilt,' Lloyd George ^üsuTAngerM. •> — Aus den ersten Besprechungen scheint hervorzugehen,' daß K r a s s i n n i d) t* SS ä r e n a u s t-a « s ch a n b i e ie t>" sondern Lokomotiven, landwirtschaftliche Maschinen und Artikel der Textilindustrie ausschließlich-mit Gold . z u.b ez ah len w ü ns ch t. „Evening- Standard" berechnet aber, daß Rußland an Großbritannien.. 15 Millionen Franken schuldet. Dazu kommt die große Forderung Frankreichs. Im Augenblick des Ausbruches der Revolution hätten die Goldreserven ' der kaiserlich russischen Bank 4875 Millionen Franken betragen. Man nimmt an, daß sie jetzt 2 ^/g Milliarden nicht übersteigen s können. Auch in solcher Höhe würden die Reserven ge» nügen, um für den Handel Garantie zu bieten.. Esergebe sich aber die Frage, ob nicht die Forderungen ' der Alliierten zuerst bezahlt werden müssen. Gelangte man' zu diesem Ergebnisse, könnte Rußland keine genügenden Garantien mehr bieten. Präsident bekannte sich als Verfechter der. unbedingten' nationalen Gleichberechtigung aller Nationalitäten. Er ' machte die Mitteilung, daß ein bezügliches.Wahlgesetz bereits aüsgearbeitet ist und dem Parlament rm^HerMvorgelegt werden wird.' " Die jüdische Deputation kam sodann, auf die Frage, der' jüdischen^Beamtön zu sprechen, verlangte dies itn&eV Dingte Sicherstellung derselben, insbesondere ^^0«« aufnahme jener Beamten, welche '-ickfölge 7'. gewiesener Sprachkenntnisse' odef unterlassener ' ^lbgäbe^ der geforderten. Erklärung zur- Disposition gesWt wstr«. den, endlich auch die'.. NeuaufuaßPe.^judischM'-Wew.ertz!er» in die Aemter. Auch mach' dieser Richtung..gab,-her 'Mr.-z nisterpräsident eine „vollständig beruhigendes .Zusiche-'-. rüng. Endlich verlangte die jüdische -.Zybördnußg'.' die, Freigabe des gegenwärtig vom Militärgericht besetzten. - jüdischen Nationalhauses. -,;- .,? '' Der Ministerpräsident sagte' seine --KiesbeKigüche.:. Intervention beim. Kriegsministerium zü. Auch die;, Frage des Wiederaufbaues wurde erörtert. Mnister-^ Präsident Averescu gab die Zusicherung, daß dieser, Frage die entsprechende. Aufmerksamkeit zugewendet, tverden würde. ... h , r r . Die Staatsinänner Rumäniens werden chald Gtz- , legenheit finden, ihren guten Willen durch hie'T-a t 'zu beweisen./ Sehr wünschenswert wäre es, / daß endlich! stabile Verhältnisse einträten. Deshalb sieht, man mit. großem Interesse den . Wahlen entgegen, nach denen eine . definitive Ordnung geschaffen werden soll. Das Provi- - sorium haben namentlich die Juden der neugewonnenen. Provinzen zu beklagen und in Siebenbürgen sind stets neue Uebergriffe der lokalen Behörden zu verzeichnen. , Jedenfalls hat das Judentum Rumäniens in nationaler '. Hinsicht eine ungeheüre Stärkung erfahren und wirbi einen Rückfall in die berüchtigten Praktiken der Lor»^ kriegszeit akziüvehreii' wissen/

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