Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 484 (29.5.1920)
- Date
- 1920-05-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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’ ^'" /! Girrsrlü«»mplavr VrM N Krovr DrLnumerationspreise: Ri le»r A«» Av-ole» i»^e» firdUks«, L Bezirk, Tavsrße I bis 3, -ober itt eine« rschleißstellc (Trafik): Monatlich 4 4 Kronen 88«--» Wterteljährltch :. ., . 95.— . Mit Postversrmd für Win» unk :* Oesterreich: Monatlich .. Kronen 85«- , jLjchecho^lowaker: Monatlich 4 4 Krone» lft.— rvterteltährlich „ »»- i» tsLhechö-slowalstcher Währ«»» Ungar« -- . Monatlich..Kronen 25.- WteNtellüyrlich 95^— . in «ngarischer Währung " Jngoslawie«: Motzatltch .. Dinar «.«- ivierteltalirlich ' m 18.— lenrr;J:, >\ v, ■'•'■. h Cu Gkrrxelei»»»-»«^" Ureis L Kr«>« P rättamcratioaspreife r i r - Pole« ' , Mo»«rtNch... Mart zg*J- Vierteljährlich ,, 98** . in holntscher DSHrun» Dentschlank; Monatlich^). . Mark 7.— __ Frankreich: Monatlich. . . s§ran«r 7,— 'Italien: Monatlich .... Lire Monatlich . . . Frinch» >+—! Für da» üLrk»e AvSlaiid: '■>' BiertrWhrlich Kronen 105.— Redaktion ».Administration Wie».S.Boz.,Taborstr^l-L Telephone; AdmüristratioA ck-1«»8, Redaktion 40010. «d O UHr abendS 9fr. 16301 Postfparlaisenkoneo 150.698 Nr. 484 W Wien, Samstag, den 28. Mai 1828 2. Jahrgang Aus dem Inhalt : Veröffentttchurrzdes deutsch-lettischen Friedens- Vertrages. Kundgebungen der tschechischen Kommunisten. Eine Erklärung der englischen Arberterdelegation. gegen die Budapester Lrigeumeldungeu» Ein Steckbrief der Horthhsten gegen Michael KarylyL > Die neue Tschecho-SlvWMer. .; . , : ■?-y. W i«,», 29. Mat, Die Tschecho-Slowcikei - tritt mit dem Beginn : der Wirksamkeit ihrer neuen Volksvertretung., „in ein völlig neues Stadium ihrer Entwicklung.' Das erste Parlasnent war ernannt undnach einem vöAig veralteten Schlüssel. zusammengesetzt.. Die nichttscheHischen Teile der Bewohnerschaft fehlten ganz, wäs den Beschlüssen dieser, allerdings von der Autorität der Revolution getragenen Körperschaft oftmals einen odiosen Beiklang gab. Nunlyehr; übt. eine erwählte Kammer die Legislative; bis auf den jüdischen.Volksstatnm/ .. dem die ällzuhohe. Ansetzung der Wahlziffer mit dbn sichtbaren Ausdruck seines p^>Mschett Willens^gebracht? hgtMndmlleMatwnen Dep-- treten. . Freilich ist ihr. politischer Wille .nicht allein different, \ sondern sogar dimueiratapselnaHerlMfend. Hie DeutschMMnd Magyaren negierest dr:n Staat völlig, Mphne iWMitzAvkusts^EoWeDMtzchMMAM^ HäHe.- UüH die: blutigen Begleiterscheinungen' hqr-Okkrtpation, die -Vielen Gewalttätigkeiten des Militärs, und der sich stark Mhlenden Bureaukratie wirkten, bis. in die Zeiten der Wahlen.'Hinein und; im Wahlkampf selbst wurde besonders auf deutscher Seite viel mit der Erinnerung an diese Pturmtage gearbeitet. . : .' Der erste Tag des neuen Abgeordnetenhauses brachte. . bereits eine arge Entgleisung der tschechischen Regie, der -sofort die Auflehnung der Deutschen folgte.' Maw hatte den Namensaufruf der Abgeordneten.und Senatoren zur 'Präsidentenwahl zu einem Unziemlichen Scherz benützt und damit dem feierlichen Akt viel von seiner Bedeutung genommen. Es sollte ja der Präsident des Staates, nicht aber , das Oberbanvt der. herrschenden Nation gewäblt werden. Daß die Deutschen ins Extrem verfielen und u;rter Führung Lodgmans .ihre..alte Couleurstudenten- Taktik in den Saal des ^Rüdolstnüms übertrugen, war nach ihrer.- so stark belasteten Vergangenheit . auf dem Boden des Wiener Reichsrates zu. erwarten. Diew deutschböhmischen Parteien, die seit-jeher das Um und Auf. des politischen Lebens nur im Krawall 'erblickten, hüben nichts aus dem Kriest gelernt und richten sich jetzt unter.,so wesentlich geänderten Machtverhältnissen darauf ein,- das Beispiel der Tschechen nachzuahmen und den Staat -zu sabotieren. Der Austakt der gestrigen Sitzung läßt, bereits, ahnen, daß es mit. der. Erlangung vertrauensvoller, gutnachbarlicher Beziehungen 'zwischen den beiden großen, ethnisch nicht iö wöit voneinander entfernten Nationen noch gute Wege hat. Aber die Zeit wird beide lehren, daß die seligen Tage des StDites um den LettormschlA Nachtwächter unwiederbringlich vorbei sind und daß die politischen Ideen von 1920 sich von jenen des Job res' 161.4 so grell unterscheidest wie der Friede vom Krieg. Die Anforderungen: an. die politische Einsicht und an die Aktualität des Denkens sind so ganz anders geworden und die allgemeine Wirtschaftslage des tschechischen Staates bot sich schon in der bisherigen kurzen Periode seines Bestandes versnoben. Nach .außen Feindschaft, nach innen nur mühsam gehändigte soziale Unruhe, deren Entladung nur immer wieder-.verschoben, aber doch nicht für ewig verhindert werden kämr. 1 . Auch' die Tschechoslowakei kann trotz - ihrer beneidenswert^ kräftigen Konstruktion kein1 eigenes Leben führen. Sie produziert Zucker und Kohle.'muß aber die Rohstoffe:ffit ihre TeMprodukte, Petroleum und Maschinen. aus dem Ausland beziehen. DieWirtschastliche -förlfe der Entente ist ihr zügestchcrt, aber nicht än dem erhofften, ja nicht einmal versprochenen Ausmaß möglich, weil sich das europäische Transportwesen -in Verwirrung befindet und weil die Entente, besonders aber Frankreich, selbst nicht so viel entbehren kann. Die. Tschechoslowakei ist auf ein erträgliches Verhältnis zu dem zur Arbeit erwachenden Deutschland und zu..Oesterreich ,-:ngevn«sen. Diese beiden Staaten sind nicht ihre Feinde, können ihr aber sehr viel bieten. Nicht zuletzt?T Margsine für Oesterreich. Paris, 28. Mar. „LDeuvre" veröffentlicht Aeußerungeu M a r g a i n e s, die-dieser gegenüber einem Vertreter'des Blattes übcr^die Lage in Oesterreich gemacht hat. Margaine erklärte, die wirtschaftliche Lage Oesterreichs sei verzweifelt, wenn die Regierungen sich nicht entschließen, die dringend nötige Hilfe zu bringen. Die Bemühungen, die von dHr Alliierten aufgewendet werden müssen, um den wirtschaftlichen Wiederaufban Oesterreichs zu ermöglichen, seien nur soziale Maßregeln politischer Hygiene. Das Elentz, das rn Oesterreich, aber insbesondere in Wien, herrsche, sei so groß, daß die separatistische Bewegung der Länder immer mehr zu'nehme und daß sich Frankreich Maßt machen mlüMHtzllHqchstvor einer schwer zu nberwüldenden Bewegung der Huder zu stehen, die den Anschluß an Deutschland, verlängere. Wien könnte, plötzlich sich selbst überlasten sein und von' neuen kommunistischen^.Änterirchmungen . heimgesncht werde«. Vor allem müsse man Oesterreich ein Bank, system gebendas es befähigt, im Ausland Zahlnngen zü leisten. Die Oesterreichisch - ungarische Bank, deren Liquidation mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, könne hier auch keine Hilfe bieten. Man müsse zu andere» praktischen Mitteln greisen. Margaine sehe zur Stunde nur eine Möglichkeit, Oesterreich zu Helsen, wenn man nämlich seine bedeutenden Reserven an Wasserkräften zur Grundlage eines neuen Kredits mache. Diese Wasserkräfte in der Nähe der Donau müssen für das neue Bankorgan,.Pas die Auslandszahlungen zu sichern hätte, Me nötige Decktzug bieten. Margaine glaubt,Wß ^cr Eisban der WßMrkräste, .der von einer ^fiMzösisch- Mmerikanischen Ursippe übernommen werden sollte, das wichtigste sei-. Man müsse, sogleich zngreifeu. Man niüsse .handeln, solange es Zeit sei. Paris, 28J Mai: Die ,)Humanitee" veröffentlicht. den Wortlaut der sozialistischen Kammererklärung:. Tie sozi»rlistische Partei legt Wert, darauf, dieiVerantwortung für den Vertrag von Saint-Grrmain mbznlehnen, wie siv es dem Versailler: Frredensvertrag gegenüber: getan hat. Beide Verträge; lasten sich von imperialistischen Prinzipien leiten, die nichts von intern,ationaler Gerechtigkeit und Völkerversohnung durch einen Frieden der Freiheit und Billigkeit wissen: Der alte Äüsbäu des Habsvnrgerreiches. der auf der Vorherrschaft zweier nationaler Aristokratien und aus der Bedrückung der Massen beruhte, ließ sich nicht verteidigen; aber die Entente hat sich bei der Ausarbeitung des Vertrages von Saint- Germain nicht von den Grundsätzen leiten lasten, die sie feierlich verkündet hatte. Willkürlich hat-sie die Grenzen der Nachfolgestaaten des alten Oesterreich-Ungarn gezogen. Sie hat sich,ansschließlich von unlitärischen, historischen und wirtschaftlichen Erwägungen leiten lasten;, sie hat sozusagen das'Donau-Europa valkanisiert und furchtbaren Haß neu geschaffen oder ausrechierhalten, der die Ursache neuer Kriege sein kann. Sie hat einem weiten Teil des Kontinents eine chaotische Struktur Verliehen. Indem sie ^der österrcichischen. Republik verbot, über sich selbst zu bestimmen, und zu gleicher Zeit ihr alle Möglichkeit nahm, mit den Snkzessionsstaaten des' die Möglichkeit, wenigstens dttse Grenzen iungefährdet zn wissen. Dagegen droht im Osten die polnische und im Südosten die nngarische Feindschaft, die zu einer Anspannung aller militärischen und budgetären Kräfte bis über die Grenzen der Elastizität-zwingt. Ein gutes Verhältnis zu Deutschland und Oesterreich bedingt aber naturnotwendig die Verständigung zwischen tschechischen nüd deutschen'Einwohnern; wenn irgendwo, müßten hier die Tschechen zeigen, daß es ihnen im Wiener Parlament ernst war mit der Forderung der nationalen Autononne, die jedem Volke sein Recht gibt und die Erwägung der Kopfzahl aus der politischen Kalkulation entfernt. Auch die kleinen' Völker, wie die Juden, sind hente nicht mehr^klein; sie haben gerade än Hem tschechischen Beispiel -die wuchtigen Impulse der Idee erkannt und wissen,- daß Politik kein Zustand, sondern Bewegung und Entwicklung ist. Die Tschechoslowakei hat — so scheint * es wenigstens dem Außenstehenden — * zu stark gesiegt. Düs. was sie' erreicht hcst, hat -sie nicht ihrer eigenen Kraft, sondern dem Rachegefühl' Clemenceaus zu danken.' Sie ist ein Nationalitätenstaat geworden und zeigt herrte schön alleSorgenein^s solchen.Sie geht wie alle anderen Staaten tiefe'nHsoziüleN iDrhheben entgegen; es liegt unr in ihrem Interesse, daß sie die produktiven Kräfte aller Nationen.fxei>macht und mit der Staatsraison in ein vernünftiges Kompromiß bringt. Sonst läuft sie Gefahr, zn deiz sozialen auch noch nationale Spc'engvgcrviterc in ibrem Staatsgerüst zu finden. nuoni . i aMn Österreich eine neue Verbindung emzngehen, hatj sie!stch tzn den: Leitlinien selbst vergangen, dw sie für einen Frieden der Gerechtigkeit sestgelegt hatte. st Die finanziellen und wirtschaftlichen Bestimmungen des Vertrages schließen sich an die juristischen und territorialen Bestimmrin'gen an. Oesterreich, das unter seiner Schuldenlast, znsammenbricht und sich aller Rohstoff» quellen und aller Heizmittel beraubt sieht, ohne eine direkte Verbindung mit dem Meere, bietet das Schauspiel eines Elends, das für Oesterreich geradezu tödlich, für die Menschheit aber tief beschämend ist. Es handelt sich hier um eine Nation, die an alle Nationen appelliert, und deren Notschrei gehört werden muß. Wir hoffen, daß Oesterreich noch zur rechten Zeit Hilfe gebracht wird, aber wir können nicht laut genug jene verurteilen, die den Frieden von Saint-Germaiy ausgcarbeitei habe«, der nicht ein wirklicher Friede ist, sondern bewaffnete Konflikte sogar zwischen jenen Ländern hervorruft, zn deren Gunsten die Anstellung Oesterreich-Ungarns erfolgt ist, und der im Zentrum Europas riyen dauernden Brandherd geschaffen hat, ein Friede, der eines der u»- glücklichsten Werke der Diplomatie aller Zeiten darstellt. Die sozialistische Partei verwirft den Vertrag von Sai»t. Germain. V; - DerAnteil derIudenam Bolschewismus Von Elias Hurwitz» Berlin. Die folgenden Stellen sind' einem Artikel . entnommen, der im Juni-Jull-Heft der' internationalen Revue „Das neue Europa" (Ziirich, Wien, Berlin) erscheinen wird und uns vom Herausgeber in liebenswürdiger- Weise..zur. Verfügung gestellt wurde. ' >' . Als.- bald nach der .StaatsumtvLIznng vom Oktober 1917 die Namen Trotz' ki und Joffe, Kamenew und Sinowjew, Radek und Uritzkij in-aller.Mund, kamen, waren'es keine >,D'ei ex machina", sondern die boksche»' wikifche Welle hat nur die alten.Getreuen der Partei en die weithin sichtbare Oberfläche gehoben. Aber freilich, - diehervorragende Stellung, die'diese wie andere Juden in der russischen Holitik ntrd damit, zugleich in der Weltpolitik einnahmen,. wußte die. Gemüter. nicht nur auf. die. qualitative Frage senken, . wie jene zu solcher Stellung nus-- vagten, sondern ans die quarrtitative Frage über die Größe des -jüdischen Anteils an der ganzen Bewegung. Für. die Wichtigkeit des bolschewikkschen Vorstabiums ist es übrlgensi keimzeichlrend, baß diese Fragen bereits Monate vor dem entscheidenden Coup d'eiat der Bolschewiken die Oeffeullichp' keit beschäftigten. Anr klarsten und charakteristischesten ffiegelL sich.das in einem der Judenfrage gewidmeten Artikel Maxi»^ Gorkis in seiner Zeitung „Nowaja Schisn" vom LS. Juntz 1917. Hier beklagt Gorki das Fortleben, ja daS erst-Lrktr WiLderanfteben des Aniiseuniismus, und fragt dm»»: „WaS ist denn l oV A.»au hedeuü; nur; lln.ter. den ' > ‘r 'i;> .? - Vi ii) 1 ' f > ’ EU m 5.1 » ir- ■ %f rl