Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 483 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979561--04264-2989987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Me»k* M Kr«»». Bll«! Sn nwt* (a ftn «dKfeWe», s. ««irr. Lai»», ftrcfce 1 fett U, öft ia tbia «vksqkMrlle (Staff): tttawtlUft.. Bron« «trrte!jahrttch . VS.^ «tt Psstfeersimv fite Mea n» Oesterreich: IRmmAIBi .. Sfroam **.- LschechO^lrwakri: RaantUA .. Swnta 10.— «teeteljÄrttch „ SO.— ^ttschecho^lvwrAchrrWLHrmt» U»z«m «ItttriltA., Statt« 28,- MjerteljNrlich . ia «»»rifchtt SSSfetuna KMsttwi«: «saatttch.. Di«« «Lerteliadrltch » LS.- m Nr. 483 Wien. , den 28. »»»»»»> .»!■»*«>» »y«,,«,»,* &wyierfimpia*: Urris K Krsve ' P eaNWtterattonshrrerie r-! 9tfun ' i maaatlHft .SU« ÄS—*: «tetterrZheNch -V" ViJ, i« volirHche» Mich ran,' i _ Deutschlanj,:, ' ■ ’ 1 Wtmtfrtüfr . . . Draek l'.^i ^«nkieich: ' .. «»netklch . . . föfttfct f.M ‘ Stell«: . «toaailUft . . . . Stte,»-** i! _ ' , SchweUL. *“*7 [ Moaattkch... SeacÄ»:;•*** f Für fco« übriae'Nirvlinch'q «kertrkjöhrlkch 8rctt% 108.-» Redaktion u. 8ftm( nt ffcatittt' «Si-a»«.Be-..DahorML-Jj *SSS&**« Ad«üikfi»»tt«U 44038. Nsdartim, 4»«B. •fe ® Uhr averrsv Re.!«»«! »OftWaaraffeäÜatO ISS^M 2. Jahrgang i«rs» Ans dem Inhalt: Erklärungen des Dr. Loewenseld-Ruß über die LebensmittelsiLuation. i Eine Anterbention gegen die ungarischen Pogrome bei der englischen Regierung. Die tschechischen Sozialdemokraten gegen den ungarischen Terror. j Der Friedensvertrag von St. Germain in Kraft getreten. ,? Die friedlose Welt. i '- — y. Sic», iS. M-.n.- # Mit dem heutigen Lage tritt für /Oesterreich der Friedenszustand formell ein. Die Annahme des Saint- Germainer Staatsvertrages in der Pariser Kammer schafft den Abschluß der Voraussetzungen des Artikels 58t des Vertrages, in welchein bestimmt wird: „Ern erstes Protokoll über die Niederlegung der Notifikations- Urkunden wird errichtet, sobald der Vertrag von der Republik Oesterreich einerseits und von drei alliierten und assoziierten Hauptmächten andererseits ratifiziert ist. Mit der Errichtung, dieses ersten Protokolls tritt der Vertrag zwischen den Hohen vertragschließenden Teilen, die ihn auf Liese Weise ratifizert haben,, in Kraft. An i>em bisherigen Zustand ändert sich damit nichts, da ia die' alliierten Staaten, die schon früher den Vertrag Me^rgt^hatterr«Won, seit geraumer ZM OesterreichJ furtg, die sie ihm hatten ängedeihen lassen, trug zweierlei Gesicht: Einerseits war Oesterreich das besiegte Land, dem der Vertrag schwere und drückende Verpflichtungen üuferlegt, deren Erfüllung die Reparationskommissiou zu überwachen hat; andererseits aber war Oesterreich :in verelendetes und ausgepowertes Land, dem man die Härten des Tages erleichtern müßte. Also halb Feindschaft, halb Sentimentalität;'beides zusammen bat das Land so heruntergebracht, daß es wie ein siecher Krüppel in der Gosse liegt und um Hilfe ruft. Die Debatte, welche gestern der Vertragszustimnumg ln Paris voranging, zeigte, daß man dort den Wert des Krieöensvertrages gut zu beurteilen versteht. Niemand trat für das Clemenceausche Werk ein, alle Redner radelten den Vertrag als ein unausführbares Instrument. Der Berichterstatter Herr Margaine, dessen steferate wiederholt mitgeteilt wurden, hat sich die Äxunölagen seines Berichtes in Wien selbst geholt« Sr hat im Gegensatz zu der Tendenz des Vertrages, der Oesterreich als Teil der alten, Monarchie für den Krieg bestrafen will, die Verantwortlichkeit der Republik ftir i>ie Schuld der Monarchie bestritten. Er unterstrich die Pflicht der Ententemächte, für Oesterreichs Leben zu!orgen, und wies auf die Notwendigkeit des Zusammeuichlusses der Donauvölker hin, die durch die Politik Frankreichs bewirkt werden müsse. Der Sozialist Sembat tellte die wiederholt aufgeworfene Frage, ob man Oesterreich-Ungarn nicht doch habe zu rasch verschwinden «titelt Aber Liese Frage kann nicht von der Entente beantwortet - werden. Der Zerfall Oesterreichs war schon lange vor der endanllEn Niederlage sichtbar: vollendet vurde er durch den Abfall Ungarns und durch das Manifest vom 16. Oktober 1918, in welchem Kaiser Karl >te nationalen Fraktionen des ReichsrateS als Nationalmte anerkannte . und ihnen die Föderalisierung des weiches übertrug. Sembat meinte, man hätte einen;roßen Föderotivstaat errichten sollen. Dem stand aber sie deutlich ausgesprochene und sogar mit Gewalt- Drohungen unterstrichene Abneigung der neuen Staaten rntgegen. die vom Augenblick der Revolution angelangen Oesterreich als einen entwaffneten Feind traktierten. Diese Stimmung herrscht heute noch, wenn auch;.edäinvft. in der Umaobnna der Republik. die man heute itwas besser behandelt, weil inan ihre Waffenfabriken zegen irgendeinen anderen feindlichen Bruder au§zu- Mtzen ballt. ‘T'cnr* m Mitteleuropa bestebt nocb Krieg bcr im schlesischen Abstimmungsgebiet täglich Menschenleben fordert'. Die Konfiguration der neuen Staaten Ichafft überall Konflikte; nirgends ist das Selbst- Bestimmungsrecht einwandfrei gewahrt worden, allerorten zeigt sich die Notwendigkeit. Brandherde abzugrenzen. Das ist nicht die Gemütsverfassung, in der man die Wiederherstellung eines grasten Wirtschaftsgebiete? M einer. einheitlichen TarispMik versuchen kömfte. Es NeuWKhl des Präsidenten der Ljchecho-storvakischen Republik. - Prag,. 37. Mai. (Tschecho-slowakisches Preßbur.) Im Gebäude des ehemaligen Rrrdolfinums fand heute eine gemeinsame Sitzung der beiden Kammern der Nationalversammlung statt, um die Wahl des Präsidtuien der Republik vorzunehmen. Nach Vornahme des Skrutiniums verkündete Präsident T o m a s e k das Ergebnis der Wahl.' Insgesamt wurden 411 gültige Stimmzettel abgegeben. Von den abgegebenen Stimmzetteln lauteten 284 auf Th. G. M asarpk. (Stürmischer Beifall bei den tschechischen Abgeordneten und Senatoren.) . Während des Jubels teilt der Präsident noch mit, daß Stimmen au sDr. August Naegle abgegeben wurden, was bei den deutschen Abgeordneten rrnd Sena. tvren mit Ausnahme der Sozialdemokraten stürurischeu Beifall Hervvrrief, und weiters, daß 60 leere Stimm, zrttel abgegeben wurden. Sechs Stimmen waren zersplittert. - Präsident Tvnmsek erklärte, daß ans Grund der Wahl Dr. Th. G. M asarv k zum Präsiden Le n . der tschecho-slöMkischen Republik gewählt erscheint. . Km'LMr'2v:M»nLenE)te«MxWeNt,Ns.>sK,r'.-..k betritt, verlassen die deutschen Abgeordneten und Senatoren unter Führung,Dr. Lodgmans. den Sitzungssaal. Die deutschen Sozialdemokraten verbleiben auf ihren Plätzen. ' worauf Präsident Tomasek die Eidesformel vorlas. Präsident Masaryk: Ich gelobe! i 9tach einer Ansprache au den Präsidenten der Re* publik schloß Präsiecnt Tomasek um 1 Uhr 30 Minute« die Sitzung« Der Präsident der Republik verließ unter anhaltenden Ovationen wieder den Sitzungsfaäsi ■ , Th. G. Masaryk ist gestern wieder zuin Präsidentm der tschecho-slowakischen Republik gewählt Morden:'', Dis deutschen Abgeordneten vereinigten ihre' Stimmen aus den christlichsozialen Rektor der deutschen UniversiM Dr. Naegle. Der Wahlgang, an dem nach franzosi" schem Muster die Kammer und der Senat teilnahmerr/. verlief ziemlich stürmisch. . Immerhin darf cMr der gestrigen Wiederwahl Ma» saryks gute Bederrtung beimessen. Der Präsident. hat in der abgelaufenen Amtsperiode viel an der Beruhigung der VerhAtttissWMgewirkt. Ihm und seinen Mitarbeitern ist ein groW»Verdienst daran zuzuschreiberr, daß Dr.-KramärsW der böse Geist der Tscheche- Slowakei, zurückgedrängt, und in die Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen eine eüvtzs^ wärmere ' Nuance hine'ingetragen winckey ' . -rst.^ Rationalismus, hat -'.cheä- - byÜWk.. ein''Mär?eE^'^Kompromiß mit" der ' Üernsinst^ gemäßen Auffassung der Dinge schließen M-ssen./utrdi'^ die nach links zielende tschechische Politik sucht nach den' Voraussetzungen eines Ausgleiches.^ Hier wird Maiaryk. die einzige vertrauensvoll anfgenommMe Autorität rpt dem Staat, viel Arbeit zuksmmen, um die Abschleifunzder Gegensätze nationalen, noch mehr aber sonr-sint Che-' Präsident Tomasek begrüßte den Präsidenten, bkglückwünschte-ihn zu seiner NerNvnhl und ersuchte ihn, er uröge das Gelöbnis auf die Verfassung ablege», rakters durchzusetzen. Die San Nemo-Feiern in England. . London, 25. Mai. (Jüd. Korr.-Bnr.) Zur Erinnerung an die Entscheidung des Ob^sten NateS in San Nemo, hat die zionistische Organisation eine al5we-ltliche Erlösung --(Geulah-)Woche proklamiert. In Englandtoerden die größten Anstalten getroffen, um di-'se Woche zu einer großartigen und feierlichen Begehung dieses Ereignisses durch die Judenheit zu gestalten. Im ganzen Lande werdeil in den Synagogen Dankgottesdienste abgehalten werden. Eine große Demon stration, de: Dr. Nordau präsidieren wird und ein hwbräis cheZ Fest für 30 00 Lüinder sollen Montag den 31. d. M. in der großen Bersammlungshalle stattfinden. Den Kulminationspunkt sollen diese Feierlichkeiten dllrch eine Demonstration in Royal Albert Hall erreichen, bei der führende Staatsmänner das Wort ergreifen werden. Ungeheurer Enthusiasmus herrscht' auch in der Provinz, wo große Meetings abgehalten und Sammlungerr für den Palästina-Wiederaufbausonds in großem Maße vorgenommen werden. Hebräische Schecks, die für den Fonds ausgesüM werden solleqL werden unter alle Juden in großen Mengen verteilt.' '. C h^ie f Rabbi Dr. Her Sür S t^ar t <&.&. mit et und. Dr. Sch ö nfe l.d haben gemeinsam eirvdr Aufruf zugunsten des Paläftma-Wiederaufbaufonds ver-- öfseirtlicht. Reichliche Gaben strömen bereits dem Brcrean der For^dS aus. allen Teilen des Landes undj von Juden sämtlicher Schattierungen, von ZioniWß als auch Nichtz io nisten, zn. . Die Federation her. zionistischen -F r a ne a hak einen Geulah-J ntu e I c n - K o n d s eingerichtet. Große und kleine Spenden in- Juwelen, - Gold -unöl Silber strömen aus allen südischen Frauenkreisen, her-« bei. Botschaften, die - der -Freude des jüdischen Volkes! über seine.Erlösung und. die Bereitschaft', keiu- Opßev für Len Aufbau eines jüdischen alnstiPna zu -scheuen, Ausdruck geben, kommen täglich dem z,ionist?schnr Haupt^ bureau zn. -st «WKtWSKkStttn gibt auch keinerlei Autorität, die einen solcher Gedanken mit Aussicht auf Erfolg Praktisch verfolgen könnte. Denn die Entente ist, eben infolge ihrer politischen Unterordnung unter den Militarismus, nicht imstande, die Struktur Mitteleuropas zu erkennen. Wäre sie dazu gelangt, so müßte sie selbst heute mit allen Kräften auf die-Revision des Friedensvertrages hinwirken und dem Völkerbund die Machtmittel in die Hand geben? die Generäle aus der Politik zu entfernen. Daß sich die Sieger die Dinge haben über den Kopf wachsen lassen, versetzt sie überall, nicht nur in Europa, in eine peinliche Lage. In Karwin toben Straßenkämpfe zwischen Polen und Tschechen, die Ententekommission aber muß hilflos das Gebiet verlassen. In Syrien kämpfen franzöfische Truppen nickst mehr für den Ruhm Frankreich?, sondern nin ihr l'uMes Leben gegen tii^stisch ambische Fanatiker m\b Beduinenhorden, die die Zerfahrenheit! Europas für sich ausnützen wollen. Die französische Kammer war einig in der ZlNtt -schanung, daß der Vertrag mit Oesterreich rindurchfuhr« . bar sei -»und daß die Stoatengrnppierrcng in Zentral» europa keine dauernde sein könne. Trotzdem aber hak sie dem Vertrag zugestimmt, da sie sich eben nicht von den Volksvertretungen Englands und Italiens treusten will. Logrscherweise hätte der Vertrag verworfen werden müssen, was ja an dem bestehenden Zustand nichts Tatsächliches geändert hätte, aber doch der Welt ein Signal gewesen wäre, daß der gesunde Menscheuverstaud -sich durchzusetzen beginne. Der Vertrag ist also angsnonuueni und in Kraft gesetzt. Die Geschichte wird \ly\t revidieren^ Di? dahin fir-i man nur von einer Sübvwge ' deI Fnedem'Z spreche^,