Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 482 (27.5.1920)
- Date
- 1920-05-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgcnzcrtung 27. Mai 1920 Nr. 482 Seite 2 Dien. Donnerstag Politische Rundschau. Die Wahlen in die parästinenfifche DelegierLenversawmlmrg. Dir' S8tHjlc.it in die palästincn fische DelegierienjVtfamtiuutia (jäten bereits stattgefutiden. Die Wählet! rntstten bekanntlich ans Allüsch der zionistischen L.'ituuq Vicdcrh^st sjinauö^^ich'obej; werdcn. und nomontlirh hat, tu her den Rücksichten ans poutischo Verhältnis \c, die ^asinng dec starren valäslim'nsischsn Orthodoxie, die Äch noch intuu'iiit den G-'ist der neuen Zeit schwer cinjUfüqen oer>nt'lz. zu der Hinausschiebung der Wahlen »eigetragen, welche von der aktiven jüdischen Generation nur unwillig Eingenommen wrtrde, jedoch den Zweck jntte, in einer N ckwrgattgszeit tiefgehende Zwistigkeiten irnter der palästinensischen Judcnh it hintanz'nhalten. Ikach den bisber vorliegenden Berichten war die Wahlwteiligung sehe lcdhast und hat dam jüdischen Leben, in -Palästina einen neuen Zug tzesteigeri-er politischer Bewegung rin gefügt. Ais führendes El.nnent scheinen 'die Jefardim iipan olische Inden) hervorgegangen zu sein, 'reiche sich sehr gut organ'siert gezeigt haben, während >ie sonst'gr Indenyxir Palästinas in zahlreiche Gruppen gespalten ist. In Jerusalem fanden die Wahlen ioäter statt und auch dort haben die Sesarbun die meisten Stimmen aufgebracht. Die Wahlen in die palästinensische Konstituante!ino von nicht zu unterschätzender Wichtigkett, weil der Uusdan des jüdischen Palästina nur im Einvernehmen mit der eingesessenen jüdischen Bevölkerung erfolgen kann und die bereits iin Lande befindlichen. Kräfte politisiert und zu einem Subjekt der künftigen jüdischen Tätigkeit werden müssen. Allerdings darf die Funktion dieser ersten Konstituante, deren Besch tussr in anbetracht der Lage der Dinge doch nur eine bedingte Geltung haben können, auch nicht überschätzt werden. 'Wenn einmal die Einwanderung nach Palästina in weiterem Ausmaß ermöglicht sein wird, werden auch die Konstellation und das Kräfteverhältnis der Par? leien ent durchaus anderes werden und in ihnen die neuen produktiven Elemente Raum finden müssen, so bah einer gegenwärtigen Konstituante im Augenblick ntciiv eine moralische als eine besondere politische Bedeutung zukommt. So wird das durch die englischen Militärbehörden verfügte Verbot ihres Zusammentrittes nicht allzu trag'sch genommen worden müssen, zumal gleichzeitig auch der Arabische Kongreß untersagt worden ist. Der Misrachi für die Einheitlichkeit der zionistischen Arbeit. Die amerikanischen Misrachi-Führer, die seit einigen Monaten in Europa weilen, haben die Rückreise nach New-dork augetreten. Rabbi Maier Berlin, der Führer des amerikanischen Misrachi, gewährte unterwegs dem Vertreter des Londoner Iewish Correspondencs Bureau eine Unterredung, in welcher er an-- sührre: Auch wir Misrachisten sehen nun ein, haß es angesichts der Entscheidung in San Remo und des nunmehr bevorstehenden großzügigen Wiederaufbaues des Heiligen Landes nunmehr keinen Parteist reit, im Judentum geben darf. Besonders im zionistischen Lagen müssen für Jahre hinaus alle Pard^idifferenzen zugunsten einer einheitlichen Aktion für Palästina zurücktreten. Das Londoner Zentralbureau der Misrachi-Orvanisation hat an sämtliche Land-eßorganisatiorien des Misrachi eilte .Kabeldepesche gerichtet, mit alten Kräften an der Sammeltätigkeit des Palästina^WiedLranfbaufonds zu beteiligen. Die gleiche telegraphische Weisung erging auch an alte Rabbiner in den einzÄmn Ländern. * Die „Misrachi", die gesetzsstreue Fraktion der zionistischen Organisation drohte in der letzten Zcht eine Richtung einschlagen zu wollen, welche die Emleitlichkeit der zionistischer! Arbeit zu schwächen geeignet war. Es ist erfreulich, daß man in diesen Kreiseilt die Notweitoigleit erkenn-.', alles Trennende zurückzu stellen. Trlekr und Apponyi über den FriedensvevLrag. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung ergriff der Minister des Aeußern Graf Paul Teteki das Wort, um sich über die Fricdensverträge zu äußern. Gras Teteki erklärte unter anderem: Wir lialun den Entschluß gefaßt, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, denn wenn wir anders entschieden hätten', halten wir eine furchtbar schwere Verantwortung auf uns geladen. Der Minister schloß seine furze Rede mit den Worten-. „Die Ration ist unsterblich, hie Nation will und wird leben." Hierauf erhob sich Graf Albert Avpouyi. Er ertlchte. daß er es gewesen fei, welcher oer Negierung diesen Rai erteilt habe. Die Zeichen der Sympathie, d,e 'ich in' Paris Ungarn gegenüber kundgaben. seien znw T-.'il auf die Bereitwilligkeit znrückzuführen. den F-'i-.-dcnsnern-ag zu unterzeichnen. Seine Richtunlerzoichuung halte uns dorthin geführt, wo wir vor einigen Monaten vielten, dg uns keine einzige Macht ein Ge-- fühl der Sn»npathie entgegenbrachte. Er könne, nicht "ft genug let.ut''u daß die Grttndbedingnng all dessen -ie KonGl^dienu'.g der imwren Verhältnisse und Zustände Ungarn-i sei. ,'Allgcuwine Zustimmung.) Tritt diese Konsolidternng nicht ein, so sei alles verloren, alle Liebesmühe vergeblich. Im Fasle einer vollständigen inner-,» Koujoltdieruna haben wir die Partie gewönne»». Die Uttiersttchung, die der Ausschuß der Deutschen Noichstages über die Vorgeschichte des Eintrittes Amerikas in den Krieg angesteyt hat, brachte schon nach den Protokollänszügen Der ' die Vernehmungen Bethinrmn^Hollwegs und Bernstorfss ein klares Bild über die Gewissenlosigkeit, die beim „rücksichtslosen U-Boot-Krieg" ant Werke war. Man hat schon bisher erfahren, daß die Situation diplomatisch und militärisch -verfahren wurde, daß zu wenig Unterseeboote in Dienst gestellt werden konnten und daß trotzdem Amerika von den gewalttätiger» Militärs provoziert wurde. Aber nicht nur Amerikas wurde gedacht, auch Dänemark, Holland und die Schweiz standen auf der 'Speisekarte der gefrässigen Annexionisten, die jedes Maß verloren hatten. Man erfährt dies aus den» eben erschienenen letzten Heft der stenographischen Berichte des parlamentarischen Unter« snchungSauSschnsfes, welches 3t Dokumente zur Frieden?« aktion WilfonS enthält. Besonders aufschlußreich ist die Vernehmung des deutschen Militärattaches in Washington, Major Tatte n, der in vollkommener Ueberoinstimmung m:t dem Grafen Bernst orff nach seiner Abberufung, aus Amerika dem Generalstabschef I a l f e n h a y n erklärte: „Wenn es Ihnen nicht gelingt, Exzellenz, die Vereinigten Staaten aus der Koalition unserer Feinde' herauSzi,hatten. dann haben Sie den Krieg verloren!" Dev zweite, Teil"der Berichte enthält die Protokolls über die entscheidenden Sitzungen,vom 8, und 9. Jänner 19}7, Die Militärs sind einig, aber des Kaisers ist man noch nicht sicher. Er ist sehr „mau", er war „gar nicht im Bilde". „Er kennt die Stimmung im Volke nicht,"fö bemerkte Admiral von H o l tz e n d o r f f. „Das stimnst", bestätigte Lud s ndorff, der acht Tage darauf, wie Lersner vertraulich berichtet, eine Fülle von Zustünnmngstelegraminen an den Kaiser veranlagte, „um der Welt zu zeigen, wie einstimmig das ganze Deutschland hinter seinem Kaiser steht"'. Admiral v. Hvltze n d o r f f bemerkte: «Das Auswärtige Amt meint, wenn Nordamerika eingriffe, dann würde auch Südamerika in den Krieg einareifeu. Dann denken Sie," sagte er, „an die Zeit nach dem Frtedeusschluß." Feldmarschall Hrudenburg entgegnete: „Erst müssen wir mal siegen. Cs muh fern. Wlr rechnen mrr dem Kriege mit Amerika und haben alle Vorbereitungen getroffen. Schlechter kann es nicht werden. Der Krieg muß mit allen Mitteln abgekürzt werden/- Andsrusalls ift sie vfrlorem. ilBewegnng.) Graf Appt-nyi schloß mit den Worten: Mi habe der Regierung den Rat erteilt, den Friedensvertrag zu unterzeichne»r. Graf Sze« chenyi hat seinerzeit gesagt:. „Ungarn war nicht, Ungarn wird erst sein." Diese. Worte können heute vielfach noch mit größerem Rechte augewendet werden als seinerzeit. Aber alles Hängt von euch ab. (Lebhafter Beifall.) Ainvordneter Stephan Friedricb richtet an den Präsidenten die Frqge, weshalb er chm nicht die Erlaubnis erteilt habe, vor der Tagesordnung zu. sprechen. Er bezeichnet die Rede des Grafen Apponyi als eilte theatralische Entstellung. Diese.Worte rufen lebhaften Widerspruch hervor- Es kam hierauf zwischen Friedrich und dem Präsidenten zu einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte, in deren Verlauf der Präsident erklärte, daß Abgeordneter Friedrich im Sinne der Hausordnung nicht bas Recht gehabt habe, vor der Tagesordnung das Wort zu ergreifen. Hierauf wurde die Sitzung unterbrochen. I Der Plan zur Sanierung der ungarischen j Finanzen. Neue Steuern. Budapest, 26. Mai. Das Ungarische Telegraphen- KorrespondonzEureau meldet: Die gewesenen Finanz* minister Wekerle, Lukacs, Teleszky, Gratz, Popovie ttnd Grün hielten in detr vergangenen Wochen wiederholt über Einladung des Finanzministers Korany Beratun».. gen ab, in welchen Baron Korany die Pläne bekanntgab, auf. welche Weife für dis staatlichen Bedürfnisse teilweise Dechmg gefunden werden könnte. Die Beratungen führten zu einmütigen prinzipiellen Verein^ barungen, welche unter anderem besagen: . Die kritische Lage der staatlichen Finmrzen fordert die Lösung einer doppelten Aufgabe: Einerseits die Sanierung des Staatshaushaltes, aitdererseits die möglichste Verbesserung des Geldwertes und femy Stabilisiert, ng. Das riesige Defizit der laufenden Finanz« gebarung und dessen Gründe erfordern unerläßlich Äraßnahmen, NN! den Staatshaitshast von der Papiergeldwirtschaft zu hefreisn. 'Die Organisation der öffentlichen Aemter. die auswärtige Vertretung, die Armee und die Zahl der staatlichen Angestellten' sind mit der Trag» fähigkeit des Landes in Einklang zn bringen. Um das Defizit wenigstens znm Teil decken zu können, muh vax allem für eine wesentliche Erhöhung der staatlichen Sinnabnlm, insbesondere der Stenern, gesorgt werden. Me meisten dieser Einnahmen erreichen bei weitem nicht diy Höhe, welche sie infolge des SinkmtS des Goldwertes hätte,» erreichen mtisten. - SS lverden zu erhöhen fein; Die direkten Staatssteuern, einschließlich E i n k o m m e n» und V er m ögen szutuachSst ener, ferner die Stempel nnd Gebühren. Die llnzulänglichkeit der Gin« nabmen bei den Vsrzehrunasstonern wird di,rch den Manael an den Gegenstand dieser Steuern bildenden H o l tz e n d o t f f sagte nun: «Volk und Armee schreien nach dem »tneingeschränktm U-Boot-Krieg l" Ludcndorff: «Das. stimmt!" Den Bedeyke»» gegenüber, daß -Nethmqn.n-'Hollweg nicht mittue, hält Holhe»»dorff vor, daß dann Hindsnburg Neichökanzler werden soll.. Der Feldmarschall erklärt aber: «Nein, dqS kgnn ich nicht und will ich nicht. Ich kann tm Reichstag nicht toben." Und nun did alles entscheidende Sitzung mit dem Reichskanzler am folgenden Tags. '„Der Reichskanzler äußerte," sagt der Bericht, «man müsse sich klar sein, bäh große militärische Schläge nach der militärischet» Lage kauty. möglich seien, um den Krieg zu gewinnen. Der U-Poot-Krte« ist die letzte Karte, ein sehr ernster Entschluß! Kenn die militärischen Stellen den U-Boot-Krieg für notwendig halten, so bin ich nicht in der Lage, zu widersprechen?" Feldmarschall H i n b e n b n r g erklärte darauf: „Wir sind gerüstet, um allen Eventualitäten zu begegnen, gegen Amerika, Dänematk,- Holland «nd auch die Schtoedz. Wir brauchen daS energischeste, rücksichtsloseste .Handeln, das sich erreichen läßt, deshalb den rücksichtslosesten U-Boot-Krieg vom 1. Februar 1917 ab. Der Krieg. ,mutz heschlennitzt zn Ende gebracht werden, obwohl wir ihn poch durchhielten, aber der Bundesgenossen wegen.'" , . > Ludegdorff fügt hinzu: /«.Der U-Boot-Kr!e^ britzgt unsere Armee in eine andere, bessere Lage. Dürch den Mangel an Geubeyihsss, ' yn Kohlenfördypung. leidet die Munitipnserzeupung in England. Dies bedeutet eine Erleichterung für den Westen. Wir müssen den Truppen eine zweite Somme-Gchlacht.ersparsn^ i Der Reichs kan z l < i weist darauf hin, daß Amerika- Hilfe beim eventuellen Eintritt in den Krieg in der Lieferung van Lebensmitteln an England finanzieller Beihilfe. in der Entsendung von Flugmaschinen und von Freiwilligenkorpz bestehen werde. Der Feldmar sch«»l l antwortet: „Damit werden wir scheu fertig. Die Gelegenheit für den U-Boot-Krieg ist so günstig, wie kaum jemals wieder. Wir können ihn führen und müffm ihn führen." *' i Der Kanzler läßt sich umsstmmen, insbesondere auch, da Admiral N. Holtzendorfs in Aussicht stellt, die Feinde bis zur nächsten Ernte kleinzuhaben, und so wird der U-Boyt- Krieg beschlossen. ««WWWMWM>W»WWMP>MWW!WWWWWW>WW>WMMW>WWWWlWMM Artikeln verursacht. Vß wipd also notwendig sein-, alles aufzuwendm, damit die Produktion dieser Artikel in vollem Maße einsetzen kann. Die »»»onopolitische AltS« Nutzung einzelner Artikel könnte ohne fühlbare Belastung des Konsums für den Staat neue Einnahms« quellen eröffnen. Unausweichlich ist, daß diejenigen, welche eine anfwandreichere Lebensweise führen, von den öffentlichen Lasten in stärkerem Maße betroffen werde»». DaS Mittel hjez»» ist die Besteuerung der Luxusartikel, wobei jedoch auf.die. Wirkung dieser Besteuerung auf die indlrstrielle Prodisttion geachtet werden muß. Noch bevor die Ergebnisse der gekennzeichnete»» Maßnahmen sichtbar werden, mutz aus technischen Gründen auch für eine Regelung des Geldverkehrs gesorgt werden. Alle llmständo erfordern den Austausch des gegenwärtigen Papiergeldes gegen neues und die Ber^ einheitlichung des Geldverkehrs. Die heutigvollkommene Unsicherheit der zukünftigen Gestaltung de- Geldwertes ist allein schon ein Hindernis, um bet Beginn der Liquidation der Oeftevreichifch-ungarfchen Bank sofort eine Ungarische Notenbank zu errichten. ES gibt keinen anderen Ausweg als den, den heutigen Notenverkehr übergangsweife durch,Stäa1s.notm zu ersetze»». Der Austausch kann mrr z»im vollen Nennwert erfolgen. Inland. Die Wiener Sektion der Neparation«- Kommission. Wie vsrkmrtet, wjrd die Wiener Sektion der A«" parationslom»nissio»» Mitte Juni in Wien eintreffo»» »lud ihre Tätigkeit sofort aufnehmen. England wird durch Sir William Goode, Amerika durch Colchrel Smith, Frankreich drrrch Herrn v. GlohukowSkf vertreten sein. Ferner wyrdan in der Gektlon die Tfchecho-GlowqkN, Iugoslawieu, Polen, und Griechenland dertrgl-n sein. Jeder disser Dflegierteu bringt eilten Sekretär »N'bst einigen Hilfykrstftzßn mit: Mit der Funktion' eines GenerglsekrMrÄ ist dar brrrits ssit längerer Zeit in Wien tätige Amerika»»»;« Oe. Bäte betraut. Prag, 26. Mai. (Privat.! „Narodui Mtz" wfoct, daß hi« rrfteSitz»»ntzd »r P t p a r a t i v v S s v « «»fsi»» m 20, Juni ftauflnt!»« wirb. O-gpSft-rraichsichep Hgndfaq, Kipz, M. Mai. In sgintzk.-hsnsi nachmittags ghf gehaltenen Sitzung nahm der Landtag unter qnde»rv»»» sinßn Antrag an, wonach siir hgs tzahr IM ein Betrag von eilM Million Krp»»sn als Baudarlehv»» z»»m A»chhan des TslöphonyßtzßS in Oborösterreich zur Nerfümmg sestM wird. - Eine sehr spMtk DMtte entspann sich bei der Bor« Handlung des Berichtes dO wegen der Papiernöt VM