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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-23 · Heft 479 (23.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 479 (23.5.1920)
Date
1920-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gby»!-*-mtzlar: Preis L Krove Primmuerattonspreife r St,»r Am« Abhole» in der tz-edllioa» L Bezirk/ Tabor- Wiche t SiS 8. oder 1» ei»er . , Berschleis/steüe «Trafik,: A»«atltchv .. Sfroncn SK,— Vterieltiihrltih „ VS.— Nit Postversänd H\v Wien unk . Oesterreich: Nonatltch,. »tonen SS.- Aichecho-Skowsket: Monatlich ... »tidneü '1».- SWUMMSl- Ungern:: »qnatttch .. tironch 25.- vterteljsthxlich „ 79.— £ •;;; •>;•• nngarischirr sDSsttüÜg , ' Jugoslawin«. Monatlich. »•» Dinar vierteljährlich „ 18,- UretL E Krooe" Pränumerationspreif«: Volew . §yron»1li» ,. Mark „3£,— Vierteljährlich ‘V5*— i>» völkischer WSHrnns , ‘ _ Deutschland:', Monatlich * I . Mark T— ' Monatlich. . . tzranciS 7.- Italien:' Monatlich > . 7. . SrreS.— Gchweit;..., . Monatliib . . FracuS . > Mr daS Ariqe AuSIaüd: t ' Vierteljährlich Ktonen. INS.— Redaktion ». Administration LSitn,». B e5.^Tabotstr.1—A Televhone: Administration Siedaktlon 43319, ab 6 Uhr abendS Nr. L«»«» Postspartassentonta 150^93 ' «■ Nr. 479 , ,.'j. '.i«! Wien» Sonntag, den 23. Mar 1920 2. Jahrgang •k Der Budapestev Pogrom. Der Bericht Margaines über Oesterreich. Brief ans Palästina. Begegnungen in Paris. Reform ves Steuerwesens in der Kultusgemeinde^ Jüdisch ev Sport. WirtschastlichtDriglnalberichte. Ans dem Lande der Knecht- Vater.,das auf unserer Hände Arbeit, auf unser geistiges und technisches Können, wartet.; Wir gehen diesem Ziele zu, der Sonne entgegen, in . dem freien und frohen Bewußtsein/ daß wir diese Arbeit für uns allein zu leisten haben. . Die Fehler I werden uns treffen, die Vorteile uns zugute kommen. ' Wir athmen nicht mehr die Lust der Fremde. Wenn wir - den redlichen Willen haben werden, die tausendfältigen W i e n, 23. Mai. .-'Das - Weltbild ist gegen das Vorjahr viel düsterer geworden. Die Unterscheidung ' - zwischen Siegern und VfMten wird sörtgesetzt und steckt nachgerade die ZtAytentrüntmer auf dem Bodön Europas in Brand, böHn Flammen nach dem LLiettt chiMberzüngeln Der MMHatz: erWH^M: jedem ÄaßdMeüe Nahrung. .-Die WDslUng der-UMschafft tWeMMMinimgen zwischen derDVerbündÄM Lie assoziierten Staaten: treiben ' in l. dessen Vorboten. Plünderungen und Exzesse, an'der Grenze zwischen Westen und Osten sich bedrohlich geltend machend Die euröpäische Welüchheit ' kann/ trotz llllürMNsttdngtMe'B dus der Kriegspsychose keinen Aus^ Kerzen-so Hern wie am erftett Wge. Me Häk'M ewigen ehernesi Writtsh-' gesetzL' verstoßen, auf denenHU die, Existenz der-Kultur» gemeinschaft aufgeöaut hat. In einem orgiastischen Bluträusch hat sie die Grundlagen ihrer Organisation zerstört und kann sie nicht wieder aufbauen.;, /In diesem, kreisenden 'Ehäos schickt. sich. das jüdische. Volk an, den Weg in die Freiheit zu betreten. Die. großen Völker' Europas sind, überemgekommen, dem Volke', die Heimat wiederzugeben, desserr Gesetz ihnen Vorbild und Wegweiser. gewesen ist; sie wollen ihm helfend das Uürecht zu überwinden, an dem es so lange gekrankt hat.' 'Und da müssen wir uns .eindringlich daran er», innern, daß vor der^ Landnahme in Kanaan „die Derfüssnnggebüng am Sinai erfolgt ist; daß .es nicht genügt, äußerlich ftei zu sein, sondern daß wir innerlich frei werden müssen. Die Pflicht, von nun an für uns selbst zu sorgen, steht^ mahnend vor uns. Wir haben es fast verlernt, zu verstehen, was diese Pflicht bedeutet. Wir haben nirgends im Exil ein eigenes politisches Leben führen können. Wir haben meist eher schlecht als recht' unter Obrigkeiten das Leben gefristet, , die uns nicht verstanden; wir sind wirtschaftlich und sogar sozial in staatliche Organismen eingetzliedert gewesen, deren Interessen - stets, mit den unserigen kollidierten. Ein Frchnöempsinden hier wie dort; trotzdem aber , haben wir:uns daran gewöhnt und gewöhnen müssen, daß die Majorität: unserer Wirtsvölker.auch über uns mitentschied. rpid Höhen als gute Demokraten diesen Willen.der Mehrheit'.respektiert/auch wenn unsere Existenz darunter gelitten Hat. . / : > Nun müssen wrp es lernen, selbst Verantwortung zu tragen. Wir-müssen unseren Staat selbst schaffen, imser Haub -selbst -bauen, unsere Wirtschaft selbstbestellen. Mese - Notwendigkeit erfüllt uns mit Freude, gibt unserem Löben Adel und Weihe. Aber diese Freude des Schaffens^ die uns nicht erst seit Heute beseelt, kann die Mäße. und den Ernst des Problems nicht mindern, das sich wür uns erhebt. Sie gibt uns die Kraft' der Arbeit, wie sie uns-bis heute-die Kraft-des Leidens gegeben. Aber wissen wir, was es bedeutet, aus der VorchststdschM'der Lieblosigkeit und Härte in die Mündigkeit ^der - Eigenen Familie ' zu treten? Wir -, straüchen schäftende, arheitstüchtige Menschen, voll Ideen und voll des : Willens, 5 aus dem - reichen.- Vorn der. Heimat zu: schöpfen; . Vollmenschen, die sich nicht, daran kehren,: haß hie/.Aufrichtung /einer neuen : staatlichen. Gemein.schaft einei Aufgabe .femv, die iganze Gchreratiönen ihr Leberr setzenmüssen. .Unsere Ahnen ■ sind vierzig Jahre lang durch, die'Wüste gezogen, ehe sie: diesen Gejst - der Verantwortlichkeit-in der Freiheit begreifen konnten. Wirmüssen -nach einer zweitausendjährigen: Wanderung durch die Wüste des Exils, in der wir der vorayleuchtenden Feuerfäule jo sehr entbehrten, sofort in das.Land der Schützengräben, die das Exil in unserem Volke gezogen hat, zu überbrücken, die Unterschiede der Erziehung in den Herkunftsländern auszugleichen, dann. wird.unser Werk gelingen. Aus dem Lande der Knechtschaft gehen wir in die Freiheit. Wir wollen, daß unser Volk als gleichberechtigt in den, Bund der Menschheit. eintrete, deren Wohlfahrt und Frieden es dienen soll, .der es helfen will, die Krankheit des Krieges zu überwinden. n Amsterdam, 22. Mai. (Korr.°Vur.) 3m Unterhaus erklärte Robert Ce eil, irr den auswärttgen Angelesenherten fei e i n kritischer Augenblick eingetrelen. Der Völkerbund bezwecke die Sicherung und Erhaltung des Friedens. Warum sei seine Vermittlung in der polnischen Angelegenheit nicht aügerufen worden? Es müffe vermieden werden, datz auch Finnland und Rumänien den Krieg gegen das dolschewikische RnMand wieder anfnehmen. Das Eingreifen des Bölkerbundes könne noch immer dem Krieg zwischen Rutzland und Polen Einhalt tun» 'Marschau, '22. Mai. (Funkspruch.) Südlich der Düna und an der Ber.esiite dauern die hartnäckigen 5?8mpfe fort. Der durch neue, von der lettischen Frönt:herangeholte und durch Formationen der Arbeitsarmee verstärkte, mit Waffen wohlversehene Feind greift seit e i ner Woche ohne tt n t e r b r e ch u u g an. Die Angriffe vom 20. Mai an der Polotskör Bahnlinie und au der oberen Beresina wurden gebrochen. An der Bahnlinie Zmarzykka—Birznta wurden die Angriffe aus unsere Stellungen bei Rowofiolki abgewiesen. Im übrigen ist die Lage ln der Akraine unverändert. Ein Protest Tschitscherins gegen das neue Blutvergießen. Moskau, 22. Mai. (Funkspruch.) Der Bolkskommissär dcs Aeußern T sch i t s ch e t t rr und der Volkskommisiäc des Aeußern der ukrainischen Sowjetrepublik haben gemeinsam an. die Regierungen von Frankreich, Großbritannien. Italien und Nordamerika eine Note gerichtet, worin sie erklären, daß beiden Republiken jegliche A n g rt f f s a b s i ch t e n und jeglicher territoriale Ehrgeiz bezüglich anderer Länder fern lag. Sie hatten alle ihre Kräfte dem großen Werke deswirtschaftlichenWiederaufbaues ihres Landes gewidmet. Die Regierungen der beiden Sowjetrepubliken hätten alles versucht, um mit der polnischen Regierung Friedensoerhandlungen anzubahnen. Die polnischen Armeen begannen indes plötzlich ihren Vormarsch auf den Boden der mit Rußland verbündeten ukrainischen Sowjetrepublik. Die Sowjetregierungen sehen sich genötigt, die Aufmerksamkeit der Ententregrerungen auf die ihnen zukommende Verantwortlichkeit aufmerksam zu machen. Sie protestieren feierlich gegen das neue Blutvergießen und gegen die ' Hilfe, die die Entente der polnischen Republik angedeihen läßt. Die Bolschewiken in der Offensive. Moskau» 22. Mai. (Funkspruch.) Frontbcucht vom 20. Mas : An der Westfront haben die Rottruppen die-a! l g e-- m p \ n e; O.f f e n s i v e auf 65 Werst begonnen.. Der Feind ist in vollem R ü ck z u g e. Eine -große Anzahl von G efanflenen, wurde ein gebracht. Weller - südlich wurde die' Beresina , übers ch r i t t e n. Im:: Gebiet von? P o t o t s k wurden u n g e h e u x e M e n g e n vou Vor-, röten aller Art erbeutet. Im Gebiet von Borissow habcir die Rottruppen die Beresina auf einer Front von 30 Werst- \ Breite überschritten und den Marsch gegen Westen angetrcten. Ander Südwcstsiont, im Gebnt von Tscherkassy, -dauert die Bo rr ö ck « n g fort. Ministerrat in London. Amsterdam, 22. Mai. : (Korr.-Bm.) Laut ' „T e legra a f" wurde gestem in London unter dem Vorsitz Lloyd-Georges ein Mi n-i st e r-' r a t abgehalten, in dem der polnisch e Kr i e g und die Konferenz in Spa besprochen wurden. - > i London, 22. Mai. (Reuter.) Der Vollzugsrat. d er - n a t t o n a 1 e n Eisenbahnerv e r e i n i- / g u n g hat beschlossen, seine Mitglieder anzuweisen, die Beförderung v o n K r i e g s m a t e r i a l. das für den Kampf der Polen gegen das russische. Volk' bestimmt ist, z u v e r w e i g e r n. 7'. Die internationale Finanzkonferenz verschoben. P a r i s, 21. Mai. (Havas.) Dev VollzngS» rat des Völkerbundes hat den Zusammentritt der internationalen Finanzkonf e te itz, die für den Mai nach Brüffel einbernfen war, ans Anfang Juli v e r s ch o d e n. Carranza getötet. Rew-Bvrk, 22. Mai. (Reuter.) Einer amts lichen Meldung ans Mexiko zufolge ist General C arr a n z a Donnerstag vormittags g etötet worden. . Fortdauer des französischenEisendahnerstreiks« . Paris, 22. Mai. (Äorr.-Bur.) Nachdem grsteru i« Nationalrat des Allgemeinen ArbeiterverbandeS der ' Streik. ffij beendet erklärt worden war, hat der Vertreter - der Eisenhatzn^ gowerkschaft mitgeleilt, daß die -Eise'« b-.a.hr«>,r'7rKö«-. Streik f o r t s e tz e n werden. Der.Naüonqlrat- M dch üreücnden Elsenbabnarberlrrn «-terielle UntertzükukL vnstzfMen -

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