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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-22 · Heft 478 (22.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 478 (22.5.1920)
Date
1920-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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GinzetL»e«P!«wr NM« 90 Hrlrr Lschecho-Slswaker: HeSvv i. tsch. W Prannmerntionspreise , W te«: Zma «skjokm t« der Expedttio». L Bezirk,'TaV-k. VE -1 >blü 3. «öfrltt et»« ■ DttschleißVearkTE: SNonStltch. . Kronen ««.— BietteljährNch 00.- Mit Postversand sstr Mm und Oesterreich: . Monatlich . i ftrouen #©•— Tschechoslowakei: Monatlich .. Kronen V.— Bierteljährlich " intichecho.flowakischerWÄrnng MonatNch^"?Kkone« *0.- iViertelsÄrlich ' «■■ 60,— ' in «mgarischer WSHrmr- »ierielsahrlich „ »«.- in s»g»,lawischrr WSHnmg lener ü«f* SEM gtlev ' Tschecho-Llowakei: Einzel» 4A. Helle»? L. tjch,M PränuUer-ationsprcis«^ MonatUch ^mta^ t*.~ Bterteijährlich „ 48,- ib holntscher «Lhnmß, Mo»attich^??^Marr ^rrnkreich: ■% i Mo»at!jch. . . Frimkr Italien: ••. ' ' Monatlich . . . . Sir« S.-. Mouatttch?^^r«,rr %,Zj Redaktion tu Adrninislration Wtea.S.V«K.,La-orstr.L-S Lelshhouer Ad«takstratio» 440.^, Redoktio« 4»3«L ab « llhrabeadS Rr.LSS« Postspae-kaksenkorrto 1U.8V «SSS Nr . 4 7 8 Wien, Samstag, den 22. Mai 1830 2. Jahrgang Ans dem Inhalt: Schwere Kämpfe an der polnisch - russischen Afigarn «nterzeschnet den Friedens vertrag. Aushebung der Militärgerichtsbarkeit in .Oesterreich. Verhandlungen LSerStaatsbÄrgsrschafts- und - Minoritätsfragen in Wien. «m—. . . —... II-——. Die Konstituierung des Völkerbundes. V .; - v- Wie«' 22 Mai. . Nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten, die der 'nachwirkende Krieg erzeugte, ist gestern in 9!om die Konstituierung des Völkerbundes feierlich proklamiert Wörden. In Anwesenheit der Vertreter von 37 Staaten zeichnete der Exminister Tittoni dick Stellung des Völker-. bündes in diesen Worten: . J . ' Niemals batten hie Völker mehr Frieden und Ge* rechtigkeit -ersehnt, als nach den- Schrecken des Krieges, h?p einzelne - Nationen übermäßig bereichert, -innerhalb der einzelnen Staaten-die sozialen Unterschiede verschärft-und die ganze Welt mit Unruhe und-Aufruhr erfüllt habe. Was bisher vom Völkcrbundrat getan würden fei, nur der Anfang. Es. herrsche Mißtrauen geßen den Völkerbund und der' Egoismus der reichsten ^BMrgups des. MpetUrMrs - rrndvdes HWaMmiiZ - dauere fort. All dies sei durch internationale Taten des Völkerbundes zu beseitigen.' Me erste Tat sei die be es für sie eine Frage von größter Bedeutung ist, cb' der Völkerbund steht oder.fällt. Auch von.der Haltung der Frauen bin ich sehr'enttäuscht: die der öderen Klassen sind fast. ausnahmsloB militaristisch gesinnt, die anderen: versprechen Mehr, .aber auch non itjitert scheint nur wenigen die ungeheure Wichtigkeit und Lebensnotwendigkeit des Völkerbundes zum Bewußtsein gekommen zu sein." Faßt man das zusammen, was Lord Ceeu über die. Erfolge seiner Tätigkeit sagt, und was Litton: als gramms der Finanzkonferenz in Brüssel, das die Weltfolidaxität, zur Rettung aus der ungünstigen Wirtschaftslage empfehle. .i , - Diese Rede,ist. eine.der. schwersten Anklagen,.die gegen die offizielle Politik, der Sieger erhoben werden konnte. Die Glerchgewichtspolitik, die vor dem . Kriege betrieben worden war, hat die große Katastrophe verschuldet. Nunmehr, wo sich, der ganze Erdteil in Krämpfen wlüöet, setzt sich die Intrigenwirtschaft und'die Geheimdiplomatie fort und der Egoismus, den Littonr. den reichen Nationen — wohl auch im Hinblick auf Italiens bedrängte Budgetlage — vorwirft, wirkt ärger als die mörderischeste Schlacht. Die Verbindung zwischen imperialistischen Kriegssreunden und wucherischen Kriegsindustriellen läßt sich von den Schrecken der Zeit nicht girren: sie gedeiht, wenn die Unruhe fortdauert, und jeder neue Ausbruch des Kriegswahnsinns bringt ihr neuen Prosit. Der mit französischen Waffen und Geld unterstützte Angriff Polens auf Sowjetrutzland, den man nichts einmal vom Standpunkt der chauvinistischesten Politik verstehen kann, ist in diesen Kreisen gepredigt worden,/deren Militarismus sich nicht zur Ruhe hrmgen laßt und überall auf der Welt nach Gelegenhert zur Intervention.ausspäht. In erster Reihe gilt dies von dem französischen Militarismus, der unaufhörlich Gefahren und Gespenster sehen will, um das französische Volk über die große Lüge hinwegzutäuschen, daß ihm die Fronarbeit der deutschen Massen das Leben erleichtern wird. Wenn sich die Idee des Völkerbundes trotzdem durchsetzen konnte, so ist dies der heroischen Arbeit der italienischen.und englischen Intellektuellen zu Hanken, die es doch versuchen, den Traum vom ewigen Frieden in Leben zu gestalten. Besonders in England hat dieses Streben Zweite Kreise erfaßt und es ist sicherlich ein mehr. als. zeitlicher Zusammenhang zwischen der warmherzigen Anteilnahme der englischen Nation an dem Werden der jüdischen.Freiheit und dem mächtigen Anwachsen der Werbung für die Solidarität der Menschheit. An -der Spitze dieser Bewegung steht Lord Robert ,Es«l» der gemeinsam mit Asgüith für die unglücklichen Zentralstaalen und für die Revision der unheilvollen Friedensverträge kämpft. Auch, er sieht-sich natürlich argen Hindernissen gegenüber. In' einem in „Daily News" am 10. Mai -erschienenen Gespräch stellt er seine bisherigen Erfolge fest: Es sind die Vorarbeiten für die Errichtung' eines Gerichtshofes fürinternationales Recht, eines internationalen Gesundheitsamtes und einer internationalen Untersuchungskommission für Rußland durchgeführt worden; die internationale Finanzkonferenz ist gesichert. „Schwer enttäuscht — sagt Lord Cecil — hat mich die .Kaltuno der Kirclie, welche nicht stel-t. dcn-. Ergebnis der ersten Session des Völkerbundes rühmt, das; nämlich dis Geheimverträge aushören sollen, so tft" man eilt wenig zum Zweifel geneigt, ob diese.Resultateder Größe der aufgewendeten Mühe-entsprechen, ob sie Bestand haben und ob sie ausgebaut werden! können. Aber es gibt einen treibenden Faktor, der sich noch stets: stärkererwiesen hat als olle Diplomatie und. Kulissen-' Geschäftigkeit: die wachsende Not und die Erkenntnis/ daß die europäische* Menscht?eit ant Ende ibrer- Kraft 1 angelangt ist. . ' - OmteümW üttknlenie wegen Uerkauf öEMjchjzchem MgzmteMl. AAfeogeu im englischen Unterhaus. Paris. 2U Mai. (Korr.-Bm.) In. der gestrigen Sitzung des englische» Unterhauses wurden an die Regierung mehrere Fragen, betreffend den Kriegszustand zwischen Pol e t* und den B o l f ch e w r k e n, gerichtet. Anterstaarssekretär des Mutzern H a r m s w o r t h erMLrte in Beantwortnng emer Anfrage, es fei unri chtig, daß groß e Mengen Munition vo n Oesterreichs an die EnLentekoMwisfion ab geliefert und in jüngst er Zeit unter dem Schutze der Alliierten rrach P o L e n g e s ch i ch L w o r d e n sei e n. am- 13. d. M-, seien Leim Rösters reichischen KanZLer wegen Berk Lüfen p vn $£iL egs matcr i«( ÄA rst ef Itrtt^ht.ir erh o d en wo rd e«, weiL di^ AMLerLerr n^ch dem Friedensvertrag allein Anspruch tzreses Material hätten; es sei aber nicht b eabsichtigt, solches Kriesmateri»l an Po len zu Lief er n. Warschau» 21. Mai. (Funkspmch.) Nördlich des Dnjepr hat der Feind neuerdings den Bahnhof von K r z y'p ö p o l angegriffen. Der Feind wurde durch Infanteriegegenangriff und Eingreifen unserer FluggMwader auf 20 Kilometer zurü ckg e w o r f e n. Am übrigen Teil der ukrainischen Front Ruhe. An der oberen B er e sin a dauern die har tnäckigen Kämpfe fort. Ueb ermächtige s e i n d l i ch e K r ä f t e. durch von allen Seiten her-, angezogene Reserven verstärltt, griffen am 19. Mai unsere VerLeidigungslinien an. Einige Orte wechselten während des-erbitterten Kampfes, der oft zum Handgemenge wurde, wiederholt den Besitzer. Am Mittellauf der Beresina wurden starke Stteit- Kräfte der Bolschewiken, die den Fluß überschreiten wollten, durch Gegenangriff zurückgeworfen. Moskau» 21. Mai. (Funkspruch.) Am 14. d. M. haben die Rotttuppen ans. einer Front von 75 Werst südlich von Poloisk die polnischen Linien durchbrochen. Nach der - Vernichtung zweier polnischer Divisionen waren am. 17. d. M. bereits 4000 Quadratwerst Gebiet mit über 190.000 Einwohnern, darunter die Städte D i s n a und L ep e l, besetzt. Eine ungeheure Menge von Kriegsmaterial, darunter Tanks und Flammenwerfer französischer Herkunft, wurde erbeutet. Die Moral der polnischen Truppen ist sehr geschwächt, das polnische Kommando hat anscheinend den Kopf verloren. Die Provinz M i n s'k ist in v o l l e m A u f r u h r, die Aufständischen haben sieben Ttuppenzüge -zur Entgleisung gebracht. Moskau, 21. Mai. (Funkspruch.) Frontbericht vom 2k). Mai:' An der Nordfront wurden feindliche Vorstöße zurückgewiesen. An der Westfront wurde die Verfolgung des zurückweicheuden Feindes in der Gegend von Polözk fortgesetzt. In der Gegend von Boryssow haben die Roten Truppen nach heftigem Kampf mehrere Ortschaften-besetzt. Bei ihrem Uebergang über die Dwina wurden die Sowjcttruppen von einem Noten Geschwader unterstützt. Im übrigen örtliche Kämpfe. An der Südwestfront wurde an der Mündung des Pripet in die Düna ein feindliches gepanzertes Fahrzeug versenkt. In der Gegend von Kiew keine Veränderung. In der Geaend von Wavniaka baben^ sich zu beiden Seiten der Eisenbahn Kämpfe entwickelt, die für die Noten Truppen günsttg verlaufen. London, 21. Mai. (Funkspruch.) Die Bolschewiken melden, daß sie in der Nachbarschaft der Eisenbahnlinie von Polozk nach Molodetschno und nördlich von Lepel die feindlichen Linien an einer Front von 5 0 Merlen d u rchbrochen haben. Bei ihrem Vormarsch haben die Bolschewiken Lepel und Polozk besetzt. Im Gebiet von Kiew ist die Lage-unverändert. Die Verhandlungen in Moskau und London. L o n d o n, 21. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Moskau haben die in Moskau erngetroffenen englischen A r b e i t e rd e l e g i e r t e n ihre Konferenzen mit Le nin begonnen. In Begleitung der Engländer be« finden sich auch schwedische, norwegische und amerikanische Delegierte. Z n r i ch, 21. Mai. (Tel.-Komp.) Die Schweizer Telegraphen-Insormation meldet aus London: Die bolschewikischen Handelsdelegierte n. find Souutag in London eingetroffen und habe» an den folgende» Tagen bereits Verhandlungen mit de« Wirtschaftsausschutz des Obersten Rates emgeleitet.' Unruhen in Spanien. Madrid, 21. Mai. (Havas.) Nachrichten aus amtlicher Quelle zufolge-haben sich in Bejar Ruhestörungen ereignet. Die'Menge griff die, Geschästsläden sowie einige Privathänser an,, ohne jedoch-zu plündern, lieber die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. Der Minister des Innern erklärte, die Arbeiters bewegung trage keinen söwjetistischen, sondern syndi-! kälistischen Ch'cirakter rnit revolutionären Tendenzen,- Die Sozialisten hätten sich der Bewegung angeschlosseu,, um den Kontakt mit Ivrt Masten nicht

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