Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 476 (20.5.1920)
- Date
- 1920-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang »il .i 1 'M.a.«-saBmirCT^~.-Trirr^'^Tsssrnsssss,*^ wmms,TaB5mlga,,ms7arriir- •»*m'ns=sssäsvsk\-.i--;■■ ' Aus dem Inhalt: Tschechischer Protest gegen vre beabsichtigte Auszahlung einer Dividende der Oesterr.- ungar. Dank. : Hilfe für die Wiener wissenschaftlichen Institute. Die Londoner Verhandlungen der Sowjeidelegierteü. Antisemitische Exzesse in Tesche«. lejüdtscheWelthilfskorrfereuz einberrrfen. .•-‘-y.- S i c w, üO Mar'. . . London, 19. Mai. (Iüd. Korr.-Bur.) t..t! ,{ A«S Paris wird berichtet: Das Komitee. d<r jüdischen Delegatirnen in Paris hat itt stiyer gestrisen Sitzung die .Ein-, Berufung der jüdischen WclthilsSkonserei'.; „ für den 27, Juli nach Teplitz (Tschecho- . Slowakei) .Seschlossen. "'Bald.nachdem sich der Ziölnsmus ein festes.politi- Ws Programm , geschaffenhattc. erkannte man die ZWwenhigkeit, dieses, welches ursprünglich bloß Palästina im Äuge' hatte, nach der Seite der sogenannten Gegenwartsarbeit hin zu ergänzen/ Die Zionisten wurden sich bald bewußt, daß es. im Sinne der auf die lAchäfftmg eines neuen Völljudentums gerichteten Idee tt!ege,' mit einer einseitigen und' schädlichen Galüthver- MwMg zu breÄM/welche sich in den ersten Zeiten des > politischen Zwnis'ckus behaupten zu wollen drphte, und Hs .ProürchE^ einer. .•.stöstÄben?, Aufbauarbeit in den BMtK^ziehLyv>.'Mo"HnMe der GesiDsPunft der söge-" Mnstten Gegonwartsapbeit imrner klaret hervorgehoben find - imnrer konseguenter betont, ohne daß hiebei die Arbeit für Palästina gelitten haste. Es kam der Ge- I danke zur^unerschütterlichen Gettllng, daß das IndentUm eine innere Einheit bilde und daß es darum auch widernatürlich wäre, zwischen -einem Zukunftsprogram-n und den sogenannten GcgeMvartsaufgaben eine künstliche Scheidung zu machen oder, wie es früher von verschiedenen Seiten versucht wurde, diese letztgenannten aus dem. Bereiche der zionistischen Aufgaben ausznschei-en,. Außerdem wurde man sich, immer mehr bewusst, daß diq Galuth das natürliche Reservoir für das künftige Palästina bilde und daß daher nur ein gekrciftigtes S’wbcuiunt die Errichtung der jüdischen Heimstätte gewährleisten könne. Fn der Tat hat die nationaljüdische Gegenwartsarbeit lange vor dem großen Erfolg des Zionismus von San Remo beachtenswerte Erfolge erzielt. Tie Polittsierung der südlschen Massen, die Errichtung einer politischen Plattform, die Erringung von . jüdischen Minderheitsvertretungen in den politischen und kommunalen Körperschaften, -all die vielen Aktionen . zur ökonomischen, sozialen und Kulturellen Hebung des Judentums sind das Werk der jüdischen Gegenwartsarbeit. Als nach der Beendigung des Krieges sich ein neuer Wist, unter den Völkern Europas zu regen begann und neue Staätengebilde entstWdeU. da begriffen die zionistischen Repräsentanten, datziMch dgs jüdische Volk, welches wehr als irgendein anderes dse Leiden des Krieges erduldet hatte, seine Ansprüche auf ’ die Anerkennung Nationaler Rechte erheben müsse, u,rd e8 entstand in Paris, am Sitze bet Friedenskonferenz, das Komitee der jüdischen Delegationen. Noch ist es nicht an der Zeit, die großen Leistungen dieser Körperschaft historisch zu, würdigen, aber es genügt der Hinweis, daß die Aust : nähme der die jüdischen Minderheiten berücksichtigenden Klauseln in die Friedensverträge der mitteleuropäischen Staaten ihr Werk ist. um zu erkennen, welche wertvolle und großzügige Arbeit hier für die iübtfdje Sache geleistet worden ist. Die gleiche Großzügigkeit der Aus- , fassung hat das Komitee der jüdischen Delegationen an die Behandlung der Frage des so ungeheuer notwendig! gewordenen Wiederaufbaues der jüdischen wirtschqstlichen Position im europäischen Osten gewendet. Die ' indische.^ Masse in den Ostländern befindet sich in einer weitgehenden Verelendung. Der Krieg und die Pogrome haben / ungezählte Tausende aus ihren Wohnlandern Vertrieben, die Wirtschaft untergraben und zahllosen Menschen, die bis dabin ein. wenngleich küttttnerliLes. lromlnirsisn auf (Sie ßote de$ $ekretär$ Dr. Deutsch. Wien, 19. Mai. Amtlich wird mrigeteilt: Oberst B a r,r e s. der Chef des interalliierten aeronautischen UcberwachungsnuSschnsscs, hat dem Staatssekretär für Heerwesen Dr. Deutsch folgende Antwortnote übergeben: In Erwägung des ErsuchcnZ der österreichischen Regierung in ihrer Rote vom 15. Mai 1920 habe ich die Ehre, im Nomen des interalliierten Luftfahr-UeLerwachungsttusschnsscs zu Ihrer Kenntnis zu bringen, daß ich die Fabriken und Anstalten, die während des 5trieges mit der Erzeugung hon Fl reger material beschäftigt triarcn, ermächtige, die noch verfügbaren Rohmaterialrrr unter Vorbehalt der Genehmigung butiij bic Gesandteukonferenz zu verarbeitet Der Lustfahrausschnsr wird diese Nutzbarmachung, die aus die Erzeugung von lausenden Gebrauchsgegen-' .... ständen unter Ausschluß des Kriegsmaterials uu^ be«' sonders des Megermaterials beschränkt sein MUß, über--' wachen. (Artikel 147 des Friedensvertrages von Sainv - Germain.) -\\_ : f Unter Rohlnaterial versteht der Ausschuß alle Materialien im Rohzustände' und nicht schon sä weit. Mir-' beitete Gegenstandes ycergnet sind^ bei der Ntou-- tage eines Flugzeugrd Wer eines Motors eingcsngt oder zu.deren Ausrüstung verwendet zu werden« - Was den Vorbehalt betrifft,' Witdir -stetMichd^ Regierung bezüglich des Eigentums und der BersvertUn^' des Fliegermaterials macht, bitte ich Sie, Artikel 148 des Fricdrusvertragks zunehmen) deDubep diesen Punkt klar ist. V Triest — Freihafen. Rom, 17. Mai. (Tel. der „Wr^Morgenztg/) Ans hiesigen pölLLischen Kreisen erfahrt Ihr BerichLerftatter, Latz die LLaLiemfche Regierung die Schaffuhg eines F r e i tka f e n s trt Trieft beschlossen^ habe. Die ^Triefter 'HEMWWW-. soll Hsrr . dLr ^-SreglerunK' bereits beauftragt worden fein, die Kra^e zn studieren, das beziiattche Material vorzulegen und beftimmte Vorschläge zu erstatten. Die Bestimmung TnestS znm Freihafen hängt mit den Verhandlungen zwischen Italien und Jugoslawien in Pallanza zusammen, bei denen in der Adria-Frage die Entscheidung fallen soll. Die Schaffung ei'.res Freihafens soll die durch die politische Umgestaltung bedrohte wirtschaftliche Existenz Triests geivahrleisten, da ein Freihafen für den Handel der Nachbarländer bedeutende Erleichterungen bieten mühte. Für Oestcrxeich könnte diese Frage von größten: Interesse werden. Triest war unter österreichischer Herrschaft Freihafen bis zum Jahre 1891. in welchem' Jahre^ Me^tabtr ivl das österrichisch-ungarische Zollgebiet '-rmbeWtzn^'ipvW.* Bei den letzten Verhandlungen zwischen N i tt t -uM Dr. Renner hat die italienische RHierüstg' richtuug einer österreichischen Zollexpösitnr in Triestprinzipiell zugestanden. - ' in Asten. Moskau, 19. Mai.. (Funkspruch.) Rach Meldungen aus Kleinaftr» haben arabische Trnpperr AntaAsch erobert und die fean» zösische Besatzung völlig vernichtet. Nach Meldungen von der persische« Grenze sind; 4600 persische Kosaken zum Führer der' Ne» volutionären, Kutschuk Khan, Sbergegattgen.s Die Bewegung hat bolschewikifchen Charakter«. Von der indischen Grenze wird gemeldet^ -atz in Madras und Ababad der Anfstand großen Amfang annimmk. Bei den Demonstrationen wurden viele Inder getötet. s Die Offensive der Bolschewiken. Warschau, 19. Mar. (Funkspruch.) Frontbericht vom 18. Mai: Zn der ALraine ist die Lage unverändert. Gegen den Kiew.er Brütftenkopf seht der Feind die Zusammenziehnng großer Tr nppen mengen fort. Südlich der Düna haken sich unsere Truppen nach langen und hartnäckigen Kämpfen unter dem Druck überlegener feindlicher Kräfte auf eine neue Verteidigungslinie zurückgezogen? 'jjmzzTZ’twr.vrtr-'zrx Dasein fristeten, die einzige Zuflucht zur jüdischen Wohltätigkeit übriggelassen. Man weiß, welche ungeheuren Leistungen die Judenheit in den einzelnen Ländern, namentlich in Amerika, für "die jüdischen Kriegsopfer vollbracht hat. Aber das Komitee in Paris hat erkannt, daß alle diese Arbeit Stückwerk bleiben mutz. Wern: sich nicht alle jüdischen Organisationen von Bedeutung und Mitteln an ihr beteiligen und es nicht gelingt, ein Programui aufzustellen, das nicht nur das unmittelbar Notwendige leistet, sondern auch die konstruktiven Aufgaben der Zukunft in sich begreift. Das Streben der jüdischen Delegationen nach Einberufung einer alljüdischen Welthilfskonferenz ist bisher an verschiedener: Widerständen . gescheitert. Namentlich waren es die großen amerikarrisch- «jüdischen und die europäischen Wohlfahrtskörperschl-ften, wie die „Alliance" und die „Jca", die Verwalterin des Baron Hirsch'scl)en Erbes in Paris, welche sich den: Plane der Wirtschaftskonferenz widersetzten. Nim scheint dieser Widerstand wenigstens teilweise gebrochen zu lein, da sich das Komitee entschlossen hat, an die (Shihctufuna des Kongresses zu schreiten. Die jüdische WelthilfskopferenZ wird: berufest sein, die Frage des jüdischen Wiederaufbaues von Grund' auf zu erwägen und einen weitausgreisenden Plan aus- . zuarbeiten, der den vielseitigen- Notwendigkeiten ^gerecht wird. Nicht um Alnwsen handelt es sich, soridetn stärum, die Mittel für die Schaffung einer jüdischen Produttivitat bereitzn stellen, die Frage der Emigration zu woge ln und die Mächte für das Problem des jüdischen Wjestersuf-"' baues zu interessieren. Noch weiß man. nickst/wie sich' die Lage in Osteuropa gestalten wird, tpv üM alles in Flußist, ob und/mit wÄcher^ Wanderung erfolgen wird, aber: es harrdelt' sich charuw, rechtzeitig Vorsorge .zu' .treffe«^ und, den - 'GedÄjken. 'der. konstruktiven jüdischen 'Arbeit zum herrschenden zu machen. Die Welthilfskönferenä bilhet eine iErgcinzuuz des großen zionistischen Erfolges. Denn . Palästina wirb nicht mit einem Male erbaut werden und wird nichtdas gesamte jüdische Volk umfassen können.' Aber nur ein auMhysisch und materiell gekrästigtrZ Indent»:«: wirb imstanMsein, die jüdische. Heimat zu erhü?wn nnd ihre» Fortbestand zu sichern,