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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-19 · Heft 475 (19.5.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 475 (19.5.1920)
Date
1920-05-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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47S ^ien. Mittwoch Wietter MorgenzeiLuug -----—-:- 19, Müi 1920 /Seite 3; i-4' — Telegramme. ■■ v-- ' f Der Senat gegen Wilson. Annahme-er FrjedensresoLutrorr. gsaels» 18. Mai, Die Blatter melden ans Washington' dir Senat habe nunmehr mit '43 Stimmen gegen 38 die Kammerresolntwn, die den Frieden § zu st a n d mit Deutsch land und 'O est err ei ch berstellt, an g e- » o nt tü e nr gleichivohl stade dieser Beschluß 4rür den Chärcllttt einer Detaonstration, da das Veto desPräfidenten Wüson gewiß sd wid Nach dem Veto ein ZweidrNtelmajorikät erforderlich Ware. Die Resolution sei von den politischen Gegnern Wilions in dev Absicht beschlossen worden, dem Präsidenten allein die Verantwortung für die Förtietzung des Kriegszustandes, wenn auch nur dem Namen nach, -uzuschieben. Die Debatte sei sehr erbittert gewesen. Vün beiden Parteien seien Angriffe gegen Wils o n gerichtet worden. Man stabe ihn aut o kratifch er Absichten und dir M i ßa ch't u tt g d e r R e ch t.e d es Kongresses beschuldigt. Di« Anhänger Wilsons, teilten mit, der Präsident "werde " nach Einlegung seines Vetos den FnedersSbertrag neuerlich dem Senate vorlegen und um dtsM Ratifizierung bitten. Es stehe aber fest, daß "der /Senat es ablehnen werde, sich mit der Vorlage vor den November" Wahlen M befassen. - Das Vermögen des Exzaren von Bulgarien in England konfisziert. > Paris,. 18.' Mai- (Kort.-Bur.) Dem ^Petit Paristen^ wird aus London gemeldet, daß das in England hmterlegie Vermögen des Cxzars F e t d r n a n d von Bulgarien m der Höh/ von l&O.ÖÖO Pfund vor einigen Monate« von den englischen Gerichten fcts britischen Krone zugesprochen worden sei. Der Exzar habe nun durch-seinen Rechtsvertreter das Recht der britischen Kröne rngesochtcn. Zur Zeit des Gerichtsbeschlusses sei der Exzar nicht N)?hr an der Spitze deS bulgarischen..Staates gestanden. Er hahe türch niemals seine Herrscherrechte.despotlsch auSgeübt. und . man ky»Ne chm daher nicht dafür zur Verantwortung ziehcn, daß fein Voll gemeinsame Sache nnt den Zentralmächten gemacht habe. Die Vermögenswerte stammten von seiner Mmter, .einer Tochter Louis Wllipvs, und könnten daher nicht als bulgarisches Eigentum liqnldiert werden. Das Gericht hat sich, dem Blatte zufolge, die Prüfung der Argumente Vorbehalten. Die Urteilsjällung wird später erfolgen. Aufdeckung einer revolutionären Organisation. Paris, 18. Mai. Wie das „Journal" mittcilt, glaubt der Untersuchungsrichter, üuf Grund von beschlagnahmten Papieren, einer rev vlutionären Organisation zpr Errichtung einer Sowjeteepublik auf der Spur zu sein. An dieser Organiftttion sollen das Komitee der dritten Internationale von Moskau, die kommunistische Partei und die kommunistische Föderation' der Sowjets beteiligt sein. Der Untersuchungsrichter glaube, daß eine Anzahl führender Persönlichkeiten dieser drei Gruppen an der Entfesselung des Eisenbahnerstreiks nicht, unbeteiligt sei. Auf Gtüttd dieser Enthüllung seien die gemeldeten Verhaftungen erfolgt." Unter den Verhafteten befinden sich der Sekretär ’ der Sowjetföderation Lebourg, der Literaturprofessor Ch auv elan und der Geschäftsführer der „Vre Ouvrrvre" °lt i tn b 11 g 11 Die Türkei will nicht nnterfchreibe». taag, 18. Mai. (Tel>Komp.) Laut Berichten onstantinopel ist es wahrscheinlich, das sich die Regierung weigern werde, den Frieden zu unterzeichnen. Die britischen Arbeiterdelegierten in Moskay. Moskau, 18. Mar. (Funkspruch.) Die Delegierten der britischen Arbeitergewerkschaften sind gestern in Moskau a n g e k o m ni e n und von den Volkskommissaren empfangen worden. Im Bahnhof waren. Ehrenwachen ausgestellt; eme unacheure Menschenmenge mit roten Bannem hatte sich zur Begrüßung der Gäste ungesunden. Nhbrnch der russisch-lettischen Verhandlungen. . Kpakay, 18. Mar. (Meldung der ^Poln. Stimmen") Der Warschauer Korresvondent des „Czas" berichtet: 'Wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, haben sich'die in Moskau geführten rüssisch-lertischen FriedenSvechanVluitgert z e r s ch l a g e« und sind p l ö tz l ich a b g e b r o ch e N worden. Man nimmt an, daß die polnischen Gieße die Haltung der lettischen Re-. giemng beeinflußt.^haben. Grüttduug einer neuen rnsfischen Republik. Moskau, 18. Mai. (Funkspruch.) Die Sowjetregierung hat die Gründung einer demokratischen Republik im fernen Osten zwischen dem Baikalsee und dem .Stillen Ozean zur Kenntnis genommen. .Der Volkskommissar des Aeußern hat der Regierung der neuen! Republik mitgeteilt, daß Sowjetrußland sie anerkenne und bereit sei, sogleich offiziell die. diplomatischen Beziehungen aufzunehmen, um wirtschaftliche und ] politische Abkommen abzufchließen. Verhandlungen. zwischen der neuen Regierung und der japanischen Regierung wetzen Abziehung der japanischen Truppen aus Ostsibirien und Räumung der Tschita-Front sind irn Gange. Die Verbindung zwischen der neuen Republik und dem Amur-Gebiet ist hergestellt. Äie englische Unterstützung für Polen. - AAfterdüm, 18. mi (Kort.-Bür.) Wie der „Telegrüasaus London Meldet, erklärte Bonar Law im Unterhaus in Erwiderung auf mehrere Anftagett: Als im Oktober vorigen Jahres die russischen Grenzstaaten einen Angrig der rnUchen RäterMerung Der „Kluge Kaufmann“ inseriert mit Erfolg in unserer vom Sönntag den 23. ä, M. mit der inseriert mit Erfolg in unserer S])e&ialrubr£& s Export-Import welche in bedeutend verstärkter Auflage als Propaganda-Nummer erscheint und in grosser Auflage nach P o len, Xscbeclio-Slowakei, Jugoslawien,Bukowina etc. etc« versendet wird. Normaler Tarif Inserate werden entgegen genommen: In unserer Administration, II., Taborstrasse 1 sowie von allen AnnoncemExpeditfonen. Auf Wunsch Details durch unsere Vertreter oder telephonisch (Nr. 44-0-38). 4se befürchteten, ersuchte die polnische Regierung um Unterstützung bei der englischen Regiemng. Diese konnte aber keine finanzielle Hilfe leisten, bot jedoch Polen einen Vorrat des überzähligen Kriegsmaterials unter der Bedingung an, daß es auf polnische Rechnung befördert werde.. Irgendeine andere Bedingung wurde an die Lieferung nicht geknüpft, Einstein geht nach Leyden? Haag, 18. Mast (Tel.-Komp.) Wie der „Nieuwe Courant" meldet,' wird an ELeyd e n e r Universität ei« Lehrstuhl für Professor Einstein geschaffen. Der große Schöpfer der Relativitätstheorie verlaßt also, angewidert von den Pöbeleie» der deutschen akademischen Jugend, die Berliner Universität. Nachwahlen in Belgien. Brüssel, 18. Mai. (Tel.°Kornp.) Die Nachwahlen in den belgischen Senat, hatten folgendes Ergebnis: 92 Katholiken, 38 Liberale und 21. Sozialisten. Die Abstimmung in Oberschlefien. Frankfurt, 8. Mai. (Tel.-Komp.) Der römische Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung" meldet : Frankreich habe versucht, die Abstimmung in Oberschlesien über den Vertragstermin hinauszuschieben, doch sei diese Absicht am Widerstande Italiens gescheitert. ArbeiLslosendemonstration in Berlin. Berlin, 18. Mai. (Korr.-Bur.) Heute mittags veranstalteten A r b e its l 0 se einen Dempnstrationszug im Regierungtzviertes. Es würden Fahnen «nd^ Schilder mit der Aufschrift „Gebt INS Arbeit" getragen. Die Ruhe wurde nirgends gestört. ' Tagesbericht. Rauvmordversuch in Baumgarte«. < Das Opfer eines Raub Mord Versuches wurde gestern die 58jährige Private Jofefine.Hellebrand, die in Hietzing, Zehetnergasse 14 wohnhaft ist. Sie wurde, von ihrer ' Untermieterin und deren Geliebten überfallen und mit dSr Hacke derart zu-, gerichtet, daß ihr Leben in Gefahr schwebt. Wir erfahren über den Fall folgende Einzelheiten: Mau HeMbrand hat im Hanse Zehetnergasse 14 eine aus Zinrmer und Küche bestehende Wohnung inne. Sie lebt in den ärmlichsten Verhältnissen und nimM, NM ihr Leben zu fristest, Untermieter auf. Seit etwa vier Wochen wohnte nun ein junges Mädchen bei ihr, bas sich als „Rosa Pichler" gemeldet hatte. Gestern früh gegen 7 Uhr kam nun der Geliebte der angeblichen Rosa ^Pichler rn die Wohnung und hielt sich' dort bis gegen 12 Uhr Mittags ans. Dann entfernte er sich mit seiner Geliebten, um zum Mittagnrahl zu gehen. Um etwa 2 Uhr nachmittags kehrten beidL in die Wohnung zurück, in der sie Frau Hellebrand allein antrafen. Sie hielten sich im Zimmer der Frau, ans und sprachen nriteinander. Er brachte das Gespräch' auf einen seinerzeit bk« Fraü Hellebrand verübten' Diebstahl und rneinte int Gespräch, daß der Dieb falls er auch erwischt werde, nicht viel zu befürchten habe. Frau Hell?brand fisl diese Aeußernng auf. Als sich die Frarr plötzlich nmwendete, stürzte der Geliebte der Pichler mit einem Male ans sie zu, packte, sie nnb' warf sie aus den Divan. Del Mann steckte ihr einen Knebel in den Mund. Zu gleicher Zeit sah sie mit schwindenden Sinnen, wie ihr das Mädchen Hals, Arme und Beine mit R e b s ch n ü r e n z u s ch n ü r t e. Das letzte, das sie noch wahrnahm, war die Aufforderung des Mannes, die Holz hacke, die in der Küche lehnte, herbeizubrittgen. Sie hörte Schritte und fühlte i- , Hiebe gegen ihren Kopf und dann verlor sie das Bewußtsein. Blüt rann ihr über Kopf und Gesicht, und sie lag hilflos auf dem Divan. Noch einmal erwachte sie zum Bewußtsein; und da hörte sie, wie das Mädchen dem Manne Mitteilung machte, wo die W e r t s a ch e n der Frau zu finden seien. Dann veriarck sie tvieder in UewrcktlosiMit. : Schließlich erwachte (fe doch allmählich zum Lsbe«! und es gelang ihr, die Arme bis Lnm Mund zu hebest und mit den Zähnen die Knöpfe an den Fesseln dep Arme zu lösen. Dann nahm sie de» Knebelaus dem Mund und Lo^relte die Beine von den Strickest lunbi rief rem Hilfe^ Hausleute eilten herbei. Die Tür. wurde aewaltsain geßlfnet und die Eintvetenden fanden Mt v^^au blutüberströmt und Mit fürchterlichen Wnstdew am Kopse auf. Die Freiwillige Rettungsbobonne voM Roten Kreuz Unte'r-St.. Beit entsandte einen HiW- Mg. Der Arzt stellte'bei Frau Hellebrastd nicht weniger als mindestens -. ■ :' " ' zehn Hiebwunden hm Kopse ' j fest. Die lieber falle ne wurde dannins AÄochusspital gebracht. Das Polizeikommissariat Hietzittg. wurde abends von dem gräßlichen Verbrechen in KenntUiÄ geseM. In der Wohnung herrschte eine fürchDrlichq. Unordnung. Soweit bisher ' festgestellt werden konnbr> fehlen: Eine goldene Herrenuhr, eine silberne Herrett- Uhr, eiste Uhrkette^ zwei .Paar goldene Wrgehättge, drei Ringe, eine goDene Halsbette, ein Paar go-ldeno Manschettenknöpse, ein Ueberzieher und ein Paar sttziia Frauenschuhe. Das flüchtige Paar.hat uach' der Tat? die Wohnung von außen versperrt Und die. jSchlÜsset mitgenommen. - - - f , j .Auf dem Tische m öer/Wohmmg wurden auch die kleinen Fetzen einer Zerrissenen Photographie gesundem Es war dies ein Gruppenbild, ans dem auch die angebliche Rosa Pichler-dargestellt ist» Das Paar hat das Bild zerrissen, um der Behörde keine Handhabe zur Verfolgung zu , liefern; 'offenbar wollten beide auch die Schnitzel mitnehmen, haben sie aber vergesien. Die Erhebungen zur Ausforschung des Paares, sind, - eingeleitet. - 1 . Große Legate zugunsten des Jüdischen Nationalfonds. Dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds ist, wie bereits gemeldet, die Mitteilung zugekommen, daß der. verstorbene Mitinhaber der bekünntLn Teefirma Wissotzky, Herr G otz (M 0 s k a u) dem Jüdischen Naüonalfonds ein Legat von 50.000 Pfund Sterling testamentarisch hinterlassen hat. Femer werden dem Jüdischen Nationalsonds demnächst weitere zirka 25.000 Pfund Sterling aus einem fällig gewordenen Testamertt zufließen. Diese Zuwendung ist ein Vermächtnis des verstorbenen Herm Loui« Rosenblum in Brighton. Von seinem aus über 32.000 englische Pfund sich belaufenden Vermögen hat Herr Rosenblum 1000 Pfund Sterling zugunstm der in Jerusalem zu errichtendm hebräischen Universität hinterlassen. Sein Wohnhaus und seinen Bodenbesitz hat er für ein jüdisches Waisenhaus bestimmt, in dem Hebräisch gesprochen werden soll. Der Rest seines Bermögetts fällt dem Jüdischen Nationalsonds für B 0 d e n ka u f und für die Ansiedlung der Familienmitglieder des Verstorbenen in Palästina zu. Zwei weitere L e g a t e in Höhe von mehreren 10.000 Lire (italienische) find vor einigen Wochen in Florenz und in Triest dem Jüdischen Nationalsonds hinterlassen worden. < Die Kleid ersstend err der amerikanischen Kinder - hilfsaktio«. . 3n9§€fötfit 100.000 Garnitnren für Oesterreich. . Die amerikanische Kindtthilssaktion setzt in diesem Mönatt die im März begonnene Verteilung von Kleidungsstücken föri Wien und Niederösterreich haben den größten Teil der Spende» schon erhalten, so werden nun «och 33.000 Mäntel, 23.128 Schuhe fstr kleine Kinder und Knaben größeren Alters Md 31.240 Strümpfe zugewiesen. Die Verteilung wird durch die Landeskommissariad der amerikanischen Kinderhilfsaktionen nach denselben Pedingunger vor sich gehen, wie die erste Ausgabe; auch die Winterkleidungsstücke wttden sofort ausgegeben werden. Insgesamt wnrhe» nn^ werden durch die amerikanische Kinderhilfsaktion 100.060 Gatnn turrn der bedürstigemJugend geschenkweise überlassen. . Aus der Polizeichronik. Kürzlich wurde über die Verhaftung einer Daube von Fälschern berichtet, der ein großer Teil der Falsch« stempelung der Banknoten zu 1000 Kronen zur Last fiel. Unter den Beschuldigten befindet sich., auch der 25jährige Handelsangestellte Meier Sch euer m ann. Auf Grund der bestimmten Angabe des Scheuermann, daß der 28jährige Gemischtwarenhändler Rudolf Kaufmann, zu Gänserndorf geboren, 2. Bezirk, Czerniügasse 7 wohnhaft, ont 21; v. M. in Gegenwart des Scheuermann einem Manne 40 oder 60'ungestempeltt Banknoten zu je 1000 Krotten zur Falschstempelung übergeben habe, wurde Kaufmann am 17. b. M. betu Landes gerecht eing-eliefert. Der Verdacht gegen den histtun un« bescholtenen Kaufmann gründet sich nur auf die Ve." schuldigung des .ScheuerMann. p: Dem Chauffeur Gustav Pro ch a s k a wurde gestern nachmittags vor dem Wohnhaus das Auto Ä VI 9 im Werte von einer h'v I b e n Million Kronen angeblich durch zwei Männer gestohlen. Der eine Mann soll einen Zwicker tragen, der andere glatt rasiert fein. ' w. - ' ' t: i Die 66jährige Private Johanna Kafka ist gesteell aus unbekannter Ursache aus einem Fenster ihrer im /drittM Me deA Lr, §2 .der #1* 67030

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