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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-15 · Heft 471 (15.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 471 (15.5.1920)
Date
1920-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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föwttAHWptt»: Preki^ SO i*Utt L-checho-Glowakei: Einzel« 44 Heltee L. tsch.W steAn»«eeati«n,peeise: ~ «leKr» g»« ShbW Lr^tz«' FifrAfHoia, L Labor» tmü 1 biö 3, oder <u eurer vers«Ieitzfte«e (StafW: »»«atllch. . Krone» «rt.— KterteliStzrlich „' «O.— Nit chostvikrsand tSr Wie» vnd krvicktii^E^HAjie,» LO.- - Ti«,eA«-DlowsM: eroriotlich .. Kronen fiierteltabtll«» «t.~ vtkchecho^lowarrschrr Wähnm« Ungar«: Nonotlich .. Kronen 20.— yiertellÄrltch 60.- \i* «tgarisilnr WStznmg NttiK ,, Tfchecho-Klowakei: Einzel« 44 Helte« i.tsch.Mi . Prnnumerattsnspreif«; Inkenr--. *5 .... ' Monat«» . . 91*«, 1«*» ■» «terfeliäbr«» .,48.V ia volvis»« SBpflhtgi 1 . . . . 3J«rtfdJlÄti: '; ■? Mona««» ,.. qr**r.Wk " ' ftmifttii}?'::/, Monatlich. . i.Franktt i ÄtUltCÄ i' ■ Monatlich .*s.-| moiuututt?.**$*««* Redaktion t. Slbxtivi LSten.S.Bch.,ral>» ... «W: Teletiho»« 9*bjturM)itfltt©B 440 *«, Redaktion 40»r». ot> S Uhr adeady Srr. LSSor Poftsparkasierrkvnto lSS^SS Sir. 471 Wien, Samstag, den 15. Mai 1820 2. Jahrgang Ans dem Inhalt: Vr« EinwariKeruirqsfrage iu Amerika. Die Aaruhen irr Irland. : Konferenz der amerikanischett Zionisterk Sturmszenen im Gemeinderat. . Neuwahlen in die Kvltusgemeinde. Lonntagssahrplan der Bahnen. Rruverororirmg im Notationspaprerverbrauch. Was die „Nene Freie Presse" unterschlägt. Indischer Sport. . Ungestempelte Noten als Zahlungsmittel. Wirtschaftliche Originalberichte. Dar dem Zusammenbruch. . --. . . 1-lc. W i e u. 15. Mai. . . ' I«. dem.Zeitraum vün-1914 bis- 1919 ist das alte Eurqpa der - Romanows,.- Hvhßnzollern und «Habsburger zusammengebrochen. In: Jahre, 1920, also kurze Zelt »rach dem Friedensschlutz, steht nun auch das neue Europa vovtseinem Zusammenbruch. Aber: diesmal steht mehr auf dem Spiel als das unhaltbare Flickwerk unnatürlicher Friedensvertrüge, die nicht nur nicht bisher den euro-- päischen Frieden herbeifLhrten,-sondern vielmehr das osteuropäische/ .mitteleuropäische .und balkamsche Chaos verewigten. ' und überdies - -durch die Zerreißung der großen Wirtschastsgebiete denüppigsten Nährboden für hie soziale. Revolution schufen. Mes, was durch Jahr» zehnte das: Schibolet. der mächtigsten Regierungen, der. stcMteir Parteien bildete',, alles, was, zur Tradition. her M. diL.' Nkachi ringenden politischen /Parteien geworden die/MtzbWvMaMstMetiilnd iMMrtzebn'is,' teilweise endlich.durch die jetzige Lägtz in EuröPÜ^ widerlegt worden. Zertrümmert' sind nicht nur hie Zentralmächte und ihre Verbündeten, .soliden! auch die/ gesamten Fundamente, auf denen die Politikder Eytente-Jmverialisten bisher aufgebaut war, sind erschüstept'. Tw ästen - Programme 'dLS Konservatismus. Pseudoliheralismus und der vulgären, kleinbürgerlichen Demokratie haben in.gleichem M^be sich als rückständig erwiesen, wie jene Theorien, welche den Sozialismus mit Lew Marxismus identifizieren. Ohne diese oberste Erkenntnis, ohne vollständige Klarheit darüber, daß kein einziger Staat, keine einzige Nation, keine, einzige Partei Ursache hat, mit dem jetzigen Stande der Verhältnsse trotzaster Selbstbetänbung tatsächlich zufrieden zu sein undberuhigt in die Zukunft zu blicken, daß vielmehr alle nationalen undsozialen Lager gleichmäßig Ursache hätten, reuig , an die Brust zu-schlagen und ihre Schuld zy gestehen, ohne diese Erkenntnis gibt es keinen. Weg Vins Freie. - .; Solange, mit der Idee des GewaMaätes, mit der Nnteilung Europas in Sieger und Besiegte nicht gebrochen'wird, sondern man dem Imperialismus bedarfswerse.unter neuen.Formen, sei es in nationaler,.sei es ly. konfessioneller, sei es in ökonomischer Hinsicht huldigt uyh solange man sich nicht, zu einer großzügigen Lösung der nationalen -und' sozialen Probleme, nicht etwa bloß iyrMlropa, sondern auch in Asien, Afrika und Amerika eWM-iehi) wird ein Krieg den . anderen, eine Revolution Äe stnöere abMen. Was nützt , es, wenn eine neue ^MdenMnferenz/mnter' denselbsn . Auspizien tagen soll ' .'hishenLsLn . Friedenskonferenzen, wenn das rMisK/ pölmsche, ukrainische, türkische, adnatische, ungstpische Problem sowie der gesamtasiatische Fragenkcknplex nach denselben Grundlagen gelöst werden soll, Mie-chan die deutsche Und österreichische-Frage zu-lösen Msuchte/ Heute'gleicht'günz Europa einem Vulkan, und fast jeden Tag bringt der Draht neue Nachrichten über blutige Exzesse oder noch bevorstehende Kämpfe aus Rußland, der.Ukraine, Polen. Teschen oder Fiume. Nicht ein - Teilproblem v ist - ungelöst geblieben, : die ganzen Grundlagen der europäischen Staatenordnung wanken, die Beziehungen der einzelnen Nationen, Rassen, Konfessionen uyd Klassen zueinander sind, in Gesamteuropa Ungeklärter als je und di^ Konseguenzen dieses Zustandes hrohen umso gefährlicher,zu werden, als es in der Bevölkerung Asiens und Afrikas, immer, bedenklicher gegen die Hegemonie der weißen Rasse gärt und Amerika im Hegrisfe-steht, die Weltherrschaft an sich zu reißen und dieses Streben dnrch die^um sich greifende Hungersnot, has wirtschaftliche und politische Debacle Europas erleichtert wird. ' Wo aber in 'Europa sind auch nur die Spuren dieser Erkenntnis von der abschüssigen Bahn> auf der -der altersschwach gewordene Weltteil herahrostt/ zu merken? Hier hat man ganz andere Sorgen: Befriedigung der nationalen Rachsucht. Judenverfolgungen,- parlamentarische Mätzchen und Intrigen, Anzettelung .neuer. Ministerkrisen, kurzum lauter schöne Sachen, an denen man schon lange vor dem/Kriege' bis zum Üeberöruß genug hatte. /' ' / . Das Demagogeytuut aller Richtungen, . das die Massen, immer' von «neuem mit Brot und Spielen abspeift, in-der Tat aher mür Spiele -aufführt und ihnen das Brot in'des Wortes buchstäblichster Bedeutrtng vorenthält, konnte in solcher objektiver Betrachtung der nackten Tatsachen eine Demagogie erblicken. Jawohl, die alte Tatsache: Diebe schreien über'.Diebstahl! Umkehr und Einkehr auf der, ganzen Linie stst not« wendig!. Es ist aber eine. Gesundung per. Kultirrmeusch« heit vollständig ausgeschlossein solange, nicht allüberall die Völker vom nationalen Chauvinismus und Antisemitismus, von Nassen- und Klassenfanatismus, sich abkehren, solange nicht eine Revision der Friedensverträge stattfindet, welche die rtnnatürlichen Grenzen der Völker niederreißt, gleichzltig aber das Recht.'eines' jeden/Individuums feststellt, allüberall nicht "nur zu leben und seine. Gedanken in Wort und Schrift' aussprecherr zu können, sondern.auch.has-'natürliche- Recht auf Arbeit und sein volles- Arbeitsemkomwen verwirk»' licht. 'Dieses Recht muß ebenso in die Tat umgesetzt werdest, wie das natürliche- Recht einer jeden -nationalen oder religiösen/ Minorität in kultureller - und konfessioneller Hmsicht./. -Ohne-; Verwirklichung dieser Grundprinzips, die allerdings nur. in einem modernen Rechts?, -Kultur-, und Wirtschaftsstaat. in, die Tat umgesetzt, werden ^köMen. kann weder die Judenfrage : in ihrer Gänze ' gxlöst werden, noch gibt es eine Lösung auch nur eines' einzigen.. stMtioyalen Problems,, und am allerwenigsten eme.-Iös!mst der sozialen. Frage. > Nicht , bloß um Revision .der-voll- - komnien verpfuschten Friedensverträge kann sich, in dem gegenwärtigen, für - Europa schicksalsschweren Moment handeln, sondern um Sein oder 'Nichtsein - der alten Staatenordnung ' und - der Fortdauer , der-/,europäischen .Kultur. Verlassen nicht die/Diplomaten. und Parteimänner ihre alten Bahnen, dann -steht Europa vor .seinem Zusammenbruch. i ' Beirut. Verl i n, 14. Mai. (Mrr.-?Bur.s Der „LoHalämeiger" meldet ans Frattkfttrt: Ans Paris wird gemeldet, die Etreitkräfte dertürkischen Nationalisten haben die Mar Mär«» k ü st e erreicht. Sie b edr o h e n d e« Ei n g an g derDardä nellen sowie Schämest, w» die Engländer starke Truppenmassen znsamntengezoqen haben. Die e n q l i sch e F l o i t«« wird wahrscheinlich in den Kampf eingreifen, tun eine Gefährdung der Schiffahrt dnrch bie^ türkischen Nationalisten zu verhindern. Oeftlich von B e i r st t ist es zwischen französischen Truppen und türkischen Natiouattste» zu s ch w er e n, f ü r beeide T e i le vor ln st r e i ch e n Sta mpfen gestammen. Paris, 14. Mai. >stKorr.-Bur.> Meldungen aus Konstantinopel zufvlge hak Mustafa Kemal Pascha in Arivra eine neue Negierung gebttdet und an « die Friedenskonferenz eine Note gerichtet, in dev jede Annahme des FriedeusveptragES durch die türkisch e D el egation für nichtig erklärt wird. Erklärungen Sokolows. . ÄoNdvu, 14. Mai. (Jüd.^ Korr.^VUr,) In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des „Sunday. Observer" äußerte sich Nachum So ko low über die durch' die Entscheidung in San SRetito geschaffene Lage und über die Zukunft Palästinas. Er gab zunächst seiner großen Zufriedenheit mit der EntsMidung und besondersmit der Uebertragung des Mandats an England Ausdruck. Wir. we.cddn uns bestreben, eine nationale Heimstätte für das jüdisch2 Volk in- Palästina zu errichten. Der - erste Schritt wird-' sein, diejenigen Juden,' welche Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft werden wollen, ms Land zu bring-en: Pokolow betonte/ daß dies keine gewöhnlich-^migr«tton-,.- syrchern: 'ein^.- nationale Repa t r i i e r u n g ist. Es gilt, eine Gemeinschaft aufzubauen, deren Struktur sümtllche Berufe aufweiseu soll. „Das Wichtigste für uns'ist die Laudwirtschaft. Große Landstrecken liegenbrach/ Diese müssen wir '-für:landwirtschaftliche Kolonisation verwenden? Wir beabsichtigen - verschiedene K 0 l0 n i e n - oder -kleine . D ö r s e r zu'erbauen. Die Pläne - sind bereits fertig / Vor vierzig Jahren haben wir dieses Werk begonnen, der Erfolg ist heute rund vierzig -Kolonien, welch' in versch'edeu-cn Gegenden Palästinas, wie Oasen in der Wüste, zerstreut sind/Diese sind'Musterkolonlen Mb die bMerchsten Flecke des.-Landes. Nicht nur' für die Juden, sondern auch für die Araber warÄi - sie ein Segen. Wir hätten viel mehr leisten können-/ ' wenn die türkische Regierung uns nicht so viel Schwierigkeiten gemacht hätte. Wir ho.ffen aber, bald - ein junges, gesundes Element, ein emsiges' Volk und / begeisterte Pioniere in dieses freie Land hinein- : zubringen. -Wir haben für unsere Entwicklung Len-- selbc.. Spielraum wte jede andere britische Kolonie." - Zur Haltung der Araber sagte So-vlow folgendes,; .,Jch bedaure die letzten Unruhen, die nur das Werk einer künstlichen'und böswilligen'- Propagandg ^niger ' Extremisten wären.' arabische Dorf ist dafür nicht verantwortliche die Araber, haben in Wirkttchhrit/keine besseren Freunde als. die Juden. Dm wirklichen Araber,, die nicht unter dem Einfluß der Politi^r stehen und in der Nahe der jüdischen Kolonien leben, haben Mngst die'Wöhltaten der jüd'schen Kolonisation wahrgenormndn. Sie' wissen sehr wohl, daß die. Judennicht die Absicht haben, sie zu beunruhigen oder sie aus dem Lande zu perdrängen. Allerdings,- Palästina ist nicht Arabien. Wir hoffen, daß auch Arabien einer gedeihtichek §«.*- künft unter seinen eigenen Herrschern sich erfreuen wirk Zhr Jerusalem, ist Damaskus. Ihr Änd ist groß,- sie werden im Verlaufe der nächsten Zeit so vchl zu tun haben, daß sie keine Zeit,haben werden, auf 8is j Kvlomsäti-ou in Palästina eiferfüchtig zu

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