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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-12 · Heft 468 (12.5.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 468 (12.5.1920)
Date
1920-05-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Morgenzeitims 12. Mai lSÄ Nr. 468 Der fall LSw. Sensationelle Erklärungen des Journalisten Nypels. - - r- ■ ■ ■ Veite 2 Men» Mittwoch ^... ' ■ ■■■-- fe-irf, ba.es gilt, bcnt Volle nicht den letzten Glauben \ti Recht tmb Gerechtigfeit zu rauben, in ihrer frevelhaften Bergctiniltignng des ihrer Macht ausgelieferten Schwächeren. Anstatt den Niur aufzubringen und alle Wenigen, die seit bem Eroberungszug der weißen Armee durch das vom Bolschewismus befreite Ungarn n lumderten FZ.'lerr dieselben Verbrechen begangen zaben. für welche die des Kommunismus Beschuldigten -n Tod oder langjährigem Kerker bestraft lversen, derklberr exemplarischen Strafe zuzuführen und dadurch >ic Ordnung herznstellen, werden die roten Verbrecher ^eult oder eingekerkert, di« weißen Verbrecher aber in ihrem verbrecherischen Treiben bestärkt und durch imtlicha WohlverhaltungSzeugnisse für das Ausland' noch begünstigt. Noch vor zwei Tagen hat Seine Durchtaucht der Herr Reichsverweser Horthh den Mut aufgebracht, einem Vertreter der Skandinavske Telegrafen- Lo;npagnie gegenüber zu^erklären, daß es niemals einen weißen Terror, niemals "eine ihre Mach.besugnis überschreitende. Brach latformation gegeben habe und daß „loenigen Uebergriffe gegen Jude» sich nur gegen ue Galizianer" gerichtet hätten, womit die einheimische Jüd^nschcrft einverstanden sei. Noch heute wagt es Horthh, zu beharreten, daß die bolschew lstchen Untaten nur von Iudr;: begangen worden seien, während doch B.'uturtule der ungarischen Gerichte das Gegenteil beweisen. Aber Unerhörteste wohl, düs sich je ein Staatsoberhaupt an Unwahrheit geleistet hat, ist es, wenn er die Vorgänge an der Budaprster Universität dem fremden Journalisten so darstellt, als..ob die Regierung die wahre Schrchpatronin der jüdischen Studenten tvstre, so sehr, daß, „weil die Regierung dem Wunsche eines' Teiles der christlichen Studenten, die jüdischen Hörer nur im Verhältnis der Zahl der Juden zur Zahl der Gesamtbevölkernng ausgenommen werden, nicht nachgeben wollte, sich dieser Bruchteil der christlichen Hörer uicht inskribieren ließ!" - . Dort, wo de Lüge so sehr zum Requisit her Regicrungskunst gehört, wie jetzt in Ungarn, kann man von einer bevorstehenden Gesundung der Verhältnisse, von einer baldigen Wiederherstellung normaler Verhältn'sse nicht sprechen. Da bemüht sich auch die ungarische Gebielsschutz i;a vorläufig noch vergeblich,, einen Proicst „ail r Nationen, Konsessirnen und Nassen^ zu organisieren; in diesen Kreis von unaufrichligen, durchaus nicht selbstlosen GejschLslsführern ungarischer Politik drang der sicherlich mutige Schrei hinein: ^,ELn Gottessriede herrsche jetzt unter uns und wie einen Belesenen und Aussä^igerg müssen wir leben von uns ausüoßen, der j-eKL Haß predigt, der mit Wort oder Tat einem.Ungarn wehe tut!" Dieser Schrei, der aus der ungarischen Volksseele kommt, wurde bei jener großen Demanftration gegen den F.i densv rtrag beim Pe.ösi-Denlmal von einem Desi'^er Szabo, der in jedem anderen Staate schon, längst politisch unmöglich gewesen wäre, mit den unflätigsten A'.'freizungen gegen die Juden beantwortet und die christlichen Studenten wollten nach der Demonstration wieder ihre eigene Judenhetze haben. Dieser, vielleicht ehrliche Jammercuf der Herren von der Gebielschutzliga wird noch immer täglich von den nach wie vor existierenden Offiziersdetachements durch. blutige Taten desavou'ext. Wenn nun unter solchen Umständen die Ententedie sicherlich harte Strafe, die fie Ungarn mit dem. F^Leleusv Ertrage auferlcgk, auch das Volk selbst büßen tä$t, so mag aus diesem Strafurteil auch der Gedanke abgeleitet werden, daß ein Volk, daß so .unreif, ist,. sich solche Führung, solche Irreführung so; lange schon ged n big gefallen läßt, wrder V.rtrauen noch Rücksicht verdient. Mit Recht hat der Oberste Rat auf den Widerspruch hingewiefen, der zwischen, dam Protest gegen ein reduziertes Söldnerheer und der Tatsache,, daß die P?gi.erung j.tzt eine Armee von 85.000 Münn - unter Waffen hält. Auch das ungarische Volk wird nur dann aus besonder Rücksichten Anspruch erheben, können, wen es durch die Duldung von Volksfeind-- Uchen Führer-, mit sich selbst nicht in Widerspruch gerät und darin verkommt. i ■ Der ungarische Friedensvertrag ’ Budapest, li. Mai. In der Antwort des Obersten Rates auf die Einwendungen Ungarns zum Friedens- Vertrag werden bezüglich der Grenzen > kleine Zugeständnisse gemacht. Die ungarischen Minoritäten in' den abgetretenen Gebieten werden unter den Schutz des Völkerbundes gestellt. Die Einwendungen bezüglich der Armee werden abgewiesen. Die Verantwortung Ungarns für die während des Bolschewismus au fremdem Vermögen verursachten Schäden bleibt aufrecht. Für die. Entscheidung strittiger Angelegenheiten privatrechtlicher Natur sind Schiedsgerichte vorgesehen, in deren Wirkungskreis auf ungarischen Vorschlag auch die Ängelegenheiten gehören, die sich, auf die Rückgabe , des. Eigentums der auf dem Gebiete der gewesenen öfterreich s'b-uugarrscheu Monarchie lebenden ungarischen .Staatsbürger beziehen. Die auf die Häfen, Wasserwege und Eisenbahnen bezüglichen Verfügungen bleiben unverändert. In der Donäukomm'ss'on wird Ungarn ft ine Vertretung haben, damit es nicht etwa aus politischen Gesichtspunkten Bestimmungen vereitle, die dem Wohl aller Interessenten bienen. Bezügl'ch Fiumes fand die Konfercr'.z, daß der Entwurf zum Friedensvertrag de« Zugang zum Meere genügend sichert., * Das „Memeerr Aandelsblad" in Amsterdam veröffentlicht in seiner Abendauspabe vom 6. Mai die folgenden sensationellen Erklärungen seines Mitarbeiters G. Nypels über .die Affäre Lö iv und seine persönliche Rolle m diesem ünerhörlen politischen Skandal» der die Mittel erkennen läßt, deren sich die magyarische Gesellschaft von heute in dem Ausrottunqsfeldzug gegen den ganzen ihr erreichbaren jüdischen Vojksstamm bedient. Aber auch die Charakterlosigkeit der jüdischen Assimilanten Budapests und die Feigheit der Wiener „R e u e n F r e i e n P r e s s e" kommen in ein unbarmherziges Licht. Herr N y p e! s enthüllt rücksichtslos den Betrug, den der getaufte Jude H o I* losy in, einem unterschobenen, obendrein noch gefälschten Interview begangen hat. M stellt, fest, daß Dr. Löw scharfe Kritik an der Gestaltung der Verhältnisse in Ungarn geübt hat, zu der et als Bürger und Mensch-berechtigt war, daß aber die untersuchende, richterlich geschulte Person durchaus den Landesverrat von dem ftetnden Zoürnalisten bestätigt haben wollte. Und das ist ein Rechtsstaat! Der Bericht öcZ"Herrn'Nh prls lautet irr wörtlicher UeSerschmig: ' Auf u'.'ßr Ersuchen stellt uns unser. Mitarbeiter G. Nypels folgenden' Bericht über' die Vorgänge in Szegediu und Budapest und die Rolle, die er dabei spielte-. ' zur Verfügung:7 „Auf dein Wege nach Ungarn wurde.mir ln Wien auf der dortigen ungarischen Gesandtschaft durch den Sekretär des Gesandten' Dr. Gratz. miigeteilt, da st ein Journalist, der früher unter anderem auch -für unsw Blatt schrieb» seit 'einiger. Zeit aber fpr ein katholi.sches Blatt in Holland arbeitete, dem ich. s ünerzeit während' der Herrschaft Belä'Kuns in Budapest begegnet und der mich nachher auch einmal in Holland besucht hätte, zufälligerweise' auf' der ungarischen Gesandtschaft meinen Paß gesehen und um meine Adr-ss-E gefragt 'hätte. Den'Sekretär fragte mich, ob ich Interesse daran ' hätte, mit diesem Kollegen zusammen'- zuköinmen, in welchem Falle er ihm meine Abrrsse geben würde. Ich fragt« den Sekretär, was dirser Kolleg«, über d«n ich in Holland sehr verschiedene Urteile gehört hätte, eigentlich für ein Mensch sei, und erhielt zur Antwort, baß ex das nicht wisse und daß er ihn nicht näher kenn ei Inzwischen ist mir klar geworden, daß dieser Kollege, der selbst Ungar oder doch Slowake ist, auf der ungarischen Gesandtschaft in -Wien Lieblind .ist und daß er sich mit dem Che f de rH re ßa b teil u ng d?r ungarischen; Gesandtschaft duzt, so daß diese Unkenntnis des Sekretärs mir jetzt sehr eigentümlich erscheint. Am nächsten Morgen besuchte mich dieser Kollege in meinem Hotel und erzählte mir unter anderem, er sei jetzt Korrespondet des „Massbode", er habe, gehört, daß Mugljeder der berüchtigten Weißen - Terror-Organisativnen der UnWrische.n Offiziere ihn ür befc . Redaktion seiner Vubapester Zeitung, des i ....... „Remßett'MagsV . - gesucht hätten, weil er im Verdacht gestanbsn hgbe, Bolschewik i s ch - k o.m p r o m i t i c c t zu sein,, und daß er sich deshalb nach Budapest begeben wolle, umtsich hobtselbst diesen Herren zur Verfügung' zu ftsNen, denn sein'Gewisten-sei rein. - - - Da ich auch in. Holland ähnliches über . , die Perfan Hollosys gehört hatte,, nahm ich Füblung mit einigen - bekannten i Journalisten iu Wien, und sowohl der allgemein geachtete.' Vorsitzende der Union der ansländischerl' Journalisten (Das ist Leopold Matt d l. Dü Red.) als auchi einer der ' angesehensten Korrespondenten eines amerikanischen Blattes haben über ihn -sehr günstige Urteile abgegeben. , >. ' Ich nahm insolgebessen das Angebot dieses Kollegen, der mir ■ ■ ■ ’ schon wahrend der Regierung Bela K»ns .durch seine Kenntnis Ungarns und des Ungarischen sehr nützlich gewesen war, gerne an, daß ich ihn, .sobald, ich nach.' Budapest kommen würde, aufsuchen mit ihm. zusammen eine mehrtägige Tournee durch Ungarn unternehmen und bei dieser. Gelegenheit die führenden ungarischen Politihssr aufsuchen möge. Ich beneidete ihn alsbald um seine prächtigen Beziehungen: Alles, was in Budapest einen Namen hat,' vom Fürstbischof bis zum jüdischenSozialisten, empfing ihn sofort, und wir hatten lange Besprechungen mit allen möglichen Staatsmännern, mit Magnaten, katholischen und protestantischen Parteiführern, . Sozialdemokraten f und Juden, Weißen. Terror-Offizieren, und Antisemitenbündlern. Bei allen diesen -Unterredungen' trat' der Kollege immer . ^als Korrespondent des „Maasbode" auf, wobei er aber kein Geheimnis 'daraus machte, daß er Ungar und Mist a.rbeiter des kasthokifchen Tagblattes „Nemz e t i Ujsag" ist. Bei dieser Gelegenheit versicherte er mir auch, baß er mir als „Handelsblad"- Korrespondenten nicht in die Quere kommen würdeda er nur über spezifisch katholische Angelegenheiten.schreiben würde. Ich hatte aber schon nach ein paar Tagen'in der politisch verpesteten und verpestendem Atmosphäre v'o n Budapest d:n Wunsch geäußert, das etMtliche Volk und das flache Land, kennen zu lernen, und da Horthh eben uach Debreczin gegangen war, um dort das von den Rumänen geräumte Gebiet feierlich wieder in Besitz zu nehmen, und ich für derlei Festlichkeiten nichts übrig hatte, so beschlossen-wir, nicht dorthin,, sondern nach dem eigentlichen uralten Herzen Ungarns, dem Bollwerk, von dem aus die' Reaktion Pela Kun bekämpft und schließlich besiegt hatte, zu gehen/ ' .... nach Szegrdin. '! Wir verwendeten einen ganzen Tag auf die sogenannte Ta Ny a, da-r Paradies der'kleinen Grundbcsttzer^ und hatten dabei Gelegenheit, mit diesen. sehr katholische,: Bauern und ' ihren Geistlichen Über verschiedene Fragen zu sprechen, unter; ansterem über die Känigsfcage, den Antisemitismus, den Weißelt Terror usw. Den Zweiten. Tag wollten wir der Gegenpartei widmen, nämlich den Sogiulisten unp den. Juden. Wir gingen jzüerst in das jüdische Verwaltungsgebäude und teilten unseren Wunsch einem der anwesenden Sekretäre mit, der uns an , den Vberrabbliner Dr. Immanuel Löw verwies. Wir begaben uns sodann in die Wohnung des Oberrabbiners, wo wir uns als Korrespondenten deS „Maasbode" .einerseits und des „Algemeen Handelsblad" andererseits vor». stellten. Mein Kollege machte auch bei dieser Gelegenheit Mit Hehl daraus, daß er Ungar setz denn der Oberrabbiner und er sprachen verschiedentlich ungarisch miteinander, / Am Nachmittag — morgens hatte er wenig Zeit gehabt hatten wir noch eine lange Unterredung mit Dr. Löw. bei der so gut wie alle für Ungarn interessanten Fragen besvrochen wurden und in der der Oberrabbiner sich sehr kritisch und skeptisch über Ungarn und die Lehensmöglichkeiten dieses Landes in der Gestalt, auf die die EriteNte eS redujziert Hatz ausließ. Dr. Löw sprach dabei so frei und offenherzig, das; ich die Unterhaltung stets als ein privat und vertraulich gedachtes Gespräch betrachtet habe. Ich will bei dieser Gelegenheit feststellen, baß mein Kollege, wahrend ich mich auf Znhören beschränkte, wiederholt und ganz offen auf dem Tische Anmerkungen machte und daß Dr. Löw sich auch einige Male weigerte, auf Fragen, die ihm gestellt wurden, Antwort zu geben. Er hat mir gegenüber bei dem herzlichen Abschied nicht über Diskretion gesprochen: Mein Kollege erzählte mlr aber später, als ich bereits a«8 dem Zimmer war, daß der Oberrabbiner ihn «ruf die Schulter geklopft und dabei gesagt habe: „WaS wir bier besvrochen haben, bleibt unter uns." Auch ohne diese Worte würde ich diese Unterredung nicht, veröffentlicht haben. Nach Budapest zurückgekehrt, habe ich in Gesprächen, niit anderen, auch Juden, nachgeforscht, ob diese verbitterte ' 'Kritik über Ungarn ein allgemeines Symptom hei densenigsn setz die seit dem Sturze des Kommunismus unter der Reaktion , zu leiden gehabt haben oder noch haben.^'Das.war das einzige, Was mich interessierte, und ich stieß'unter anderem bei Herrn Sandor Paul, dem. Führer• der Juden iirt Parlament up8 einem Freunde Dr. Löws, nicht nur auf Erstaunen, sondern astch auf Entrüstung darüber, daß ein. Rabbiner gegenüber ausländischen Journalisten so sprechen konnte. .Auf dieses Urteil wäg seine Asngst vor dg.M noch immer,hock auf« lodernden Antisemitismus nicht ohne,Einfluß gewesen sein. Am Frxitag i23. April) frütz veröffentlichte der „Nemzeti Ufsag" einen ausführlichen Artikel,, in-dem das Gespräch. Mit Dr. Löw wiedergegeben, und kommentiert wurde. Es Mar Mir ip Budapest Nur mögliche die zwei in deutscher.Sprache dort erscheinenden Blatter, ..Pester Llotid" und ..Neues Pest'er Journal", zu lesen, und ich-wußte, infolgedessen von dem ganzen Artikel im „Nemzeti Ujsag" nichts, wußte nicht einmal, daß er erschienen war. Ich'ging mit dem Kollegen vom „Maasbode", der mir n t ch t'S d a vo-nges a g t hatte,'daß et dieses ^Interview veroffent« licken Würde .oder daß er es schon, diesen Morgen veröffentlicht habe, nach dem Parlament, wo. wir Baron S z k er e n.tz i und noch eiiiige andere. Politiker' treffen sollten. Kaum waren wir in den. WaNdelgarräen Erschienest, als auch'schon einige jüdische Vorlgmentarier und Jonrnalistey auf. mich zustürmten und mich fragten, ob ick dem „Nemzeti Ujsag". ein Interview gegeben batte... Mein. Kollege..tzym.i,.?erklärte darauf, daß.er es gp s chrie.b'e.n.Halleerzählte Air, daß er die Äntertedüng mit Dr. Löw^im. „Nemzeti. Usfag" p u b l i« z.i e r t oder doch deren.Veröffentlichung veranlaßt'hcibe. ,.Ap» gesichts seiner Erklärung, daß er und rnÄt. ich dieses Interview geschrieben habe, konnte rch,' d«r ich in diesem Augenblick den Text nicht kannte, nur annehmen,"daß es jetzt für jedermann deutlich sei. baß e r und nickt ick das Interview diesem ungarischen Blatte gegeben Hobe und daß mam mich infolgedessen nur als Zeugen, der ber - der Unterredung in Szegedin anwesend warbetrachte. Erst jetzt/ ndchdem ich ist' Wien gehört habe, baß der „Nemzeti .Ujsag" dieses . Interview mit einem holl ä tt b tschen. Journalisten brächte, ist mir klar geworden, daß man. mich..doch noch für den Jntervrewgeber und meinen Kollegen ,mr für-den Sch re io er des Interviews ansah'. ' Wer' den' Artikel lieft, mutz, obwohl nur von einem holländischen Journalisten di« Rede ist, wirklich den Eindruck bekommen, daß der Kollege mich interviewt hat. Es wäre doch auch zu lächerlich, wenn ein Redakteur der „Nemzeti Ujsag" einen anderen Mitarbeiter seines eigenen Blattes interviewen würdp. Aber in diesem. Augenblick, im Parlament, konnte ich das noch nicht wissen, und dachte wirklich/daß niemand mich'für den Interviewten und infolgedessen für - denjenigen ansehen'konnte, der die Unterredung Mit D'ri Löw. in die Oeffentkichkeit gebracht hattei Ich war denn auch vollständig konsterniert und höchst - entrüstet, als iäh irst Abendblattdes „Pester Lloyd" dennoch, las, daß ich «inen Artikel,, bet für das ,Zandelsblod" geschrleberr wordeir sec, dem „Nemzeti Ujsag" zur Verfügung gestellt hätte. Ich ' sbrieb sofort ein Dementi, ' bas ber - „Pester- Llo'yd" am' nächsten Morgen veröffentlichte und in dem ich. unter anderem feststellte,'daß glücklicherweise-weder ich n o ch. d as „Han beis b la d" mit der Dcröfsentlichuntz des Interviews etwas' zu tun hattei Da ich mit dieser Beröffentlichung nichts zu tun hatte, interessierte 'es mich persönlich absolut nicht, wie der genaue Inhalt war. Nach dem, Wa8 mir darüber von allen Seiten in Fragmenten. erzählt wurde, hatte ich zur Genüge feststellen können, baß das Interview in der Absicht ge>« schrieben war, die . Rabbiner und die Juden km allgemeinen so diel tok d - möglich zn schädige». Die wenigen Politiker im ungarischen Parlament, die mir für westliche Austassungen über politischen und journalistischen Anstandzugänglich erschienen und denen gegenüber ich meine Entrüstung über die-fr Beröffentlichung Ausdruck gab, verteidigten meinen Kollegen hartnäckig und behaupteten, daß er als Ungar nicht anders habe handeln können und daß ich als Neutraler, der den ungarischen Parteikampf nicht kenne, das auch nicht beurteilen können Wir können nur froh sein, daß wir so viel lveiter von Asien und dem Palkan entfernt wohnen. AlS wir ist die Wanbelgänge des Parlamentkamen, las im\ Sitzungssaal eben ein katholischer Geist« liche'r PaS berüchtigte Interview vor. Es hieß, daß bit, den man für den Interviewten halt«, im Gebäude amwesend sei, was zur Folge hatte, daß der Führer den Juden, Sandor Pa»ll, mit einigen Journalisten hinausstürzte und nnch fragte, ob der Inhalt des Interview», richtig fei. Ich mußte natürlich zugeben,; dntz ich von dem ganze» Interview kein Wort kannte. Die Juden, die wahrscheinlich davon Überzeugt waren, daß' der Inhalt nicht wahr sein könne, und due daran gewöhstt sind, daß in Budapest Interviews gefälscht werden, baten mich so inständig und so voll Angst und hastig um mein Ehrenwort: „Ich möge ehrlich erklären, was richtig und' was Verleumdung sri," daß ich dieses Ehrenwort gab, eh« ich mir bewußt war. wie untaltisch gegen den Ober« rabhiuer diese Juden dadurch handelten« baß sie dies

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