Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 467 (11.5.1920)
- Date
- 1920-05-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Stk. 4S7 SSien, Dicnsiag täfimez Morgeiizeitmg 11. Mai 1923 6dl« S LiLeraLur u.Wissenschaft. Di- UbteilMg sur orrsnLalische Thracherr arr der SLrützbuvger AniversttLt. Aus Paris' wird brrickttt.däv der Pariser Prvsefivr für vsientaltsche-Plnlologre Schram L:e v r vom Unten ichtSmin»fi« mitM'er ErrjÄtunA nner Ableiluntz» für onentalische Sprachen und Me Literatur an der re ko li sti vierten-.fränzöfischen UNiv'rsttat inStraßb u r-g-beiraut wurde. - , Sylvan Levi hat eme gew sse traurige Berühmtheit erlangt. Cr ist der Aisrimlalionsjude. derW.irmanuyd Sokolow bet ihrem Empfang vor der FrirdcnLkön erem in den Rücken fiel. Die drei KoMarsteü Bibelrr der Welt sind rm British Museum London, m der Bilitioth^gne Nationale m Paris und in dem- Kloster Bclern bei Lifiabop. Die m. London ist ein Manuskript, das von Alcuw und seinen ,SÄ.ülern geschrieben und Karl dem Großen an seinem Krönungstage M Jahre 8«'0 überrricht wurden In den Drechrgerfahren duetrs Jahrhunderts gehörte diese Bibel einem Privatier rn Basel, der- »re derfrarttösstcken Reglemna für 4200 « Franks anbot. Schlttßlikh wurde sie für den. verhältnismäßig . geringen .Preis - von 760 Pr'nud Slerlmg verkauft. In ferner, zierlicher Schrift geichrreden, ist die Bibel überreich an drächtgen Vignetten und Arabesken. Die Kavürlüberschriften - svwik s Manche Namen sind überall mit Goldduchstaben. ausgesührt. Erne .20 Zentimeter hohe MamSlel, von Silber umgeben, zeigt an einer SieÜe eme Lampe, dre zur Häl'tr mit heiligem Oel gefüllt ist. ... An errrer anderen stelle find d'e Figuren Mose und Aaron , ui der Tracht des 8. Jahrhunderts ' dargrfiellt und man verünntet. daß.Moses Karl..den Großen, Aaron Alcuin bedeute. Emr genaue Beschreibung dieser Bibel befindet sich in ^Gentlemans Magazine-, Bol. 6, >886,' und rn der ^KdUvIbögvo univorLollo st .Revue suisse“, T. 63. Die Pariser 'Bibel erschien 1527/ mar auf Belebt des-Kardinals Nmenez gedruckt und .dem,' Papst Leo X. gewidmet. Mns der, drei auf Velinpapier gedruckten Exemplare wurde. 1769 eincm Engländer .'für -.12.000 Francs verkauft. Dieses- Exemplar wurde im Jahre 1840 Löüis Phrirpv voll Frankreich geschenkt und gelangte-später, -an seine fitz ge Stelle. Die dritte: Belemer Bibel, dre .chahrschernlich aus dem 14. Jahrhundert stammt, bestehend aus neun Fol'.vbanden, ist, auf Pergament gefchnebeu, Bon - Junot- 1807 geraubt, kam sie nach Paris., Madame Junot verlangte, als Portugal die Bibel -urircklariien wollte, 150.000 Franks. Ludwig XV1Ü. schenkte sie indessen, nachdem sie nrrhrere Tage drim.portngiesischeu Gesandten in PmiZ ausgestellt wär, aus Gnade der portugiesischen Regrerung zurück. ''*W» dien jüdische» Katakomhrn. Aus dem Nachlaß Nikolaus M ri l l e r s, des 1912 verstorbenen Professors für altchdistlrche Knust an der Berliner UmvnfM, gibt jetzt sein Schüler, d^r griechische Forscher Dr. NrkoS %. B r e s. die Ergebnisse von Müllers Ausgrabung Ser indischen Katakombe am M o n t e v e r d e zu Rom heraus. Diese Katakombe ist der älteste der bis fetztW' Abendlände bekannt'' gewordetttu jüdischen Friedhöfe und hat für die Geschichte der römischen Jude« eine noch ' chöhere. Bedeutung a!S die. christlichen Kamkomben für die.' /Geschichte de§ stadtrömischen Christentums, über das m auch andere Ouekten vorhanden find. Jörr rnschrrftWen Denkmäler stammen zeitlich a«S dem ersten dis Vrerren'Jahr-. hundert m. Chr.-. und werfen ein reiches Licht nicht nur-auf dre Judenaemrind^m der ew'gen Stadt, sündern auÄ auf das-Dia-" sPora-JudmtyÄ der tönüfchi'n' Kaiserzeik rche> bauvt. Jnderp ste uns mt seine» religiösen Gedanken und Gebräuchen "de'armtmachrn, erhellen sie zugleich einen Teil des retrgions- und kuliupgeschichtlichen.Hrntergrnn-eS des Urchristentums. Dre weit übew wrrgerwe Mehrzahl der 185 Denkmäler rst griechisch beschrieben. > eme Mrndrrhett lateimsch'; emrge 'iven-ge haben arrmäische oder hebräische Zeilen. Wie sprachlich, so sind die Inschriften .'auch valaogrophtsch hochinteressant. Errdlich darf nrgn den »konogräphischxn und kulturgeschichtlichen Weit der Bilöwexkc hervorheben, dl« »n etiter Zahl von etwa W Stücken zumeist Machen GottrSdienst and fronimen Brauch »vider'spngestr. Der, größte Teil. dcr 1H'Glücke .kam -bei. der.Ansgraburra..zutage, die Müller 'nur' Untersiützirng der »Gesellschaft zur'Forderung der Wissmschaftd»s IirdentumZ- 13V1—-1506 aus geführt hat. Bühne und Kunst. Volksoper. '! . * „MefistofeleV ' ■. Oper von Drrigo BoilLo. / , 1 . r>>. .öoiVS. „M^chhist-ophetrs^ nimmt Luren pesonheven Rang-' tn 8er..italienischen OpernliteraLuv -ein. > Es-.chst eine'/cheiltveise ' Wiedergututtichnntz dessen, tvas- .^er^ G-ouMdsche.Geist am deutschen.Sinn des Fatrst-StMes' Atzsündigt Hüt.-Bvito, der Literat unter den Musikern,-, -hat die scher rnythtsche. Gröste'des 'Gvethoschen' WevLes viel tiefeti-ersaszt als jener andere B^rtreter -lat-nniMsv- 5p,ultur'. Er sieht.i'm Faust Möglichkeiten, musikalischer Gestaltung ungefähr so, wie sie Berlioz. gesHei: hat. Aber eben darum hätte' er-vielte'cht Berlioz folgen'und sich auf den Konzertsaal beschränken sollen. -Seine' sMischen Bilder sind' nicht.' mit dramatischer Log'jk, aneinänbergeketlet.. Es sind, bestenfalls Szenen ^iues Oratoriums im Kostüm. Und. die - Kühle dieser. KW--- gattnnI-'tegt sich allgemach trotz'-mancher the-aterm'cißigen' Auspoitschnng, der. Leidenschasteri auf .diese geöanksu--- beschwcrte Atnsik. '. . ', Die-Handlung derßOpcr. ist dem Deutscher auch vhne Textbuch .verständlich. .Der PwloR im, Himmel VMet Bprsp.lel-ünä»Schluß wobei das „Getöse des .Lichtes'^ als dynamischer Höhepmrkt verwertet wird'. Wir'folgen dann einer ziemlich wortgetreuen Wormpilationdes 'Faust-- Textes, , die bas, Gvetchen-Drama. 'nebst der Blocksberge Heue uttd ber.klassischen Wachürgisnächt auf die Büßüe .MngLk7'KänM. Ache', erhält, eine leichter verstandjliche'' Mytiviemtutz. Er,betet „Führe-uns nicht in Bersnchun'g"'!U.H l Has 'entscheidet - 'dsn "'Gläg /über "die ,'Hölle.' San ft aher ysrd'sich' der Kompsriist' vor philosophischen .Gegen ständ,Lfi"'duüchäilZ 'nicht Zurück^ezögen, ja, .es' ist auf' fallend, wie er so oft Bühnenprobleme verrnachlässigt nird sich reinen Gedankenspielen überläßt. - Begreiflich, Last diese Oper ch<-i der Uraufführung giiatt. churchfiel. Erst später besann man sich auf 'die schönen Nöllen,'die'fü enthält? und die. ihr dauerndes tzbühueMbien stcheru. - Iü ^De.'ttschlond gelaugte - dann tgartafflgi 8kWWvr»m -'/-V T&JXav aBa<oaa«Ä« Sondervorstellung art der Neuen wiener Sühne 6»L (Ein ij^tfaUsb »»n S.3ß. üiBßijoja ' MrchL vv» Dr. Hsn» VLl - . 7088 '• - Seerim an «V Tee ffts hass« ist Thteeier* u bet' R. läutil, /. .Rofntiuvtwiiy.irss SS m»M«g?gaEwirw?wwM»m-mawiBg5WK«Kiiroa^ Effl JÜDISCHER 5ITTEHR0SAH Soeben erschienen: JAKOB FINGERMANN ROMAN Sreis gebunden 5U. 12— Zu beziehen durch alle i'Buchhandlungen KOMMMNUI, Fleiscimarkt 1 eine vom Komponisten, besorgte Bearbeitung zur Aufjührung urrd eroberte sich von Hamburg aus zahlreiche Bühnen. Die Italiener haben sie nun wieder nach Wien gebracht und man muß ihnen, Dank'dafür wissen, daß sie uns Gelegenheit gabsn> das in seiner Art vereinzelte Werk kennen ■ zu lernen. Esentschädigt für pr-nche / Schw.yche-kMnM^MWHP. istänge edurch /einzelne, 'vc-n'leide:.schaf'l',ch2r'Wärme'''dürchglühte Episode^ wie die LieleZfzenen Faust—Gre 'chen und -Faust—Helena, durch das klug gesteigerte .Hexenbacchanal und zahlreiche charakterist'sche Arien des'^vielbeschäftigten Titelhelden. Es ist eine Art italienischer.' Lortzing, ein wenig veraltet, aber ehrlich und geöiegeu. Giorgio de. La ns c -o i sang den Mephistomit schöner ChaMteris ierung,' aber' zu geringer Tiefengewalt. Für diese Nolle'scheint ein'Baß-von übermenschlichen Qualitäten vonnöten Zn sein. Michele Fl eta. als Faust enthüllte .achtungswertc Schönh-iten. seines 'Tenors. Sehr zufriedenstellerrd war die Leistung dev Bctbcu Soprane Rina D Ä n a t i und Eva M an g-ili. Ein neuer Dirigent - Edoardo G r anal li holte sich einen starken' Erfolg. Er ist ein.ernster''Künstler ohne Pose und voll wirklicher, aüsoPfernttgLvoÜer Hingebung an das Werk. Die Sympathierr des. Publikums waren bald auf seinem Seite und blieben ihnr treu. Man dankte ihm überaus .lebhaft für. die Arbeit, die er mit der schwierigen Einstudierung des neuen Werkes mit fremdem Orchester und , Chor geleistet hatte. Dr. K.. M. - - Die alteü jAdifcherr GPiele. Bon S. Meisels. Ein regelrechtes -jüdisches' '■ Theater' hat es , bis ur Las - neunzehnte Jahrhundert nicht gegeben. In den jüdischen Geschichts- und" LiteratutbüchLrn ist nichts enthalten, was ans die Existenz einer jüdischen Bühne hin.weist. Die. dürftigen Quellen, die etwas über diesen.Gegenstand mitteilen, besagen nur. das; im dritten Jahrhundert nach der Zerstörung Jerusalems unter deu Juden eine völlige, Entfremdung vorn Theater cingetreten sei und, baß, in den Zeiten der Gevnim in Vabylorr alljährlich ' am Purünfeft ein „H a m a n - Spiel" ausgeführt zu. »perden pflegte, wobei 'Hamau-Puppen auf tziuein Scheite.ryaufcn verbrannt wurden. Weder in Spanien, noch in Frankreich, »och iit Italien, hat cS eine jüdische Bühne gegeben. Nur, in Deulschland, wo die ersten Anfänge zur Schaffung einer jüdisch-deutschen Literatrrr gernackit worden sind, entstanden anfangs des achtzehnten Jahrhunderts einige Komödien in jüdifch-dLUtscher Mundart, die itr mehreren Großstädten, wie in Frankfurt am Main, Hamburg nslv., zur Aufführung gelangten. Cs waren Zumeist Karnevals- Possen, Hanswurst laden, in d enen Pickcl'hcrm-g die Hauptfigur bildete. " ' . Im Jahre 1710 erschien in Franffurt am Main ein Theaterstück, „D ic Ve r kau f uu g Joses.S", das einen gewissew' Bro.rmcknn aus' Limburg als luutrnaßlichcn Verfasser nennt. Dieses Srück wurde von jüdischen Wanderstudcnten, Veih -hantidrasch'-Vachurim, aus Homburg und Prag „mit anßcrördentlichem Aufwand von Dekorationen, Maschinerien und sonstigen .szenische»' Effekten" aufgefuhrt. Ein „Achaschtverosch'Spiel" siel sogar einer strengen „Theater" Zensur" .zum Opfer. Diese. Theaterzensur übte kein geriugrrer -ni* de'.-'Bl>rstand. den 'Frnntfurtcr füdischcu Grmn'nd-'I er untexsagte die Arlsführung und ließ die gebrückten Exemplärj verbrennen. (Aus welchen Gründen das geschah, ob aus religiösen oder Politischen, darüber schweigt sich die Gemen»di> - chrouik aus.) - Dagegen wurde in Prag öfterdie „Actio Ester mit ^Ächaschwerosch" von den Schülern des berühmten Rabbi David/Oppenheimer „auf einem ordentlichen Theatrum mit ' Trourpetcn und anderen Instrumenten" aufgesührt. - Bv» sonders, zahlreich tvrrerr die zur Aufführung a»n Purim- - fest bestimmten „Purirnscherze", von denen die „Actio ‘ von König David und Goliath" und ,^Hamans Testament - und ToL" die bekauniesten sind. ' Alle diese Stücke, die teils in belustigender, teils in - belehrender Form Begebenheiten aus der biblischen- und jüdischen Geschichte behandelten, haben im Gherto desOstens - wenig Ari klang gesunden. Sie wurden dort wenig gelesen, selten oder fast gar nicht aufgesührt. Volkstümlich im eigentlichen, Sinne wurden nur zwei Spiele, die für gewöhnlich' auf fliegenoen Bühnen in den Häusern der Reichen am Purimabend zur Aufführung gelangten, nämlich: das : „Achaschwercsch-Spie!" und das ,.Josef-S'vie.l". Eines dieser in jiddischLr Sprache ab gefaßten Spiele, das Achaschwerosch- - Spiel, ist in mehreren Bearbeitungen vorhanden und wurde auch mehrfach als Beitrag zur jüdischen Volkskunde oder als literarische Seltenheit in deutscher Schrift gedruckt und unter dem Titel .-.Purim-Spiel" herausgegeben. Auch sonst - wird bei den Jud-ir des Westens und in den Geschichtsbüchern - der indischen Literatur das Achaschwerosch-Spiel schlechltveg PnrirnsvieL gena?tt'.-t. Demgegenüber sei sestgestellt, das; im - Ghetto dies-: Bezeichnrnig nur als Sammelname für eine veftiminie Literaturgattnng gebränchlich ist. DaS Ghetto icnmte nur das Achaschwerosch-Spiel oder das Josef-Spiel und nannte auch die Darsteller demgemäß - Achaschwewsch-' Spieler oder Joses-Spieler. Vom „Purim-Spiel" im'„westlichen" Sinne war im Ghetto nir die Rede, obgleich beide Stücke am Purimfest von „Behelfern" (Supplenten ift ben Chedarim) aufgesührt zn werden pflegten. j-, . ' Erwähnenswert ist, daß das Josef^Spiel bei den Uhrltof juden viel beliebter und volkstümlicher ' war als das' - Achaschwcrvsch-Spiel, ungeachtet seiner Aktualität am. Purim») fest.. Das Josef-Spiel wor -sozusagen das Kassenstückp das' l sahen und hörten sie gerne. Der alte Vater' Jakob - der keusche Josef, die rvaffengetoaltigen Brüder Simon und'/ Levr. und der kleine Benjamin standen offenbar ihrem & Herzen näher als der Tölpel auf dem Throne, Achaschwewsch'».. ». und der am Galgen baumelnd« Haman, ja selbst als. Mardochar, der Sühn JairZ, und di« „grünlich" «m» mutige Esther. DrS Jofaf-Spicl sagte ihnen vielleicht, iruch' D deshalb mehr zu, weil es im Grunde ein sehr ernstes beinahe schon rührseliges und vor allem ein belehrendes Stück war, wahrend das Achaschwerofch-Spiel mit seinen faden Witzen doch' eigentlich nichts bot, was aufheiternd und belehrend zugleich hätte wirken können. Das Josef- ° , Spiel enthält in der Tat einige Szenen und Bilder, die recht,'eindrucksvoll und zum Teil sogar dramatisch wirksam sind. -Der unbekannte Verfasser dieses Spieles -verrät im- ' mallcher ' Beziehung ein gewisses dramatisches ' Talent, mur ~ wird er mit AristotaleL' Poetik nicht sonderlich vertrauk gewesen sein. Er dichtete darauf los„ ohne sich den Teufel . um Regel»! und einen geordneten Szencsrbarr z»r kümmern^ Ir» einern Punkte zeigte er sich kühner als Goeths. Der deutsche Dichterfürst, der in Weimar auch Theaters-,.. . direktor war. hat lretanntlich gegen das Auftreten eines» Hurrdes auf der Bühne in schärfster Weise Stellung genommen. Der ,Dichter" deZ Josesi-SpielS dagegen läßt einen 1 leibhaftigeil Wolf von dem Erzvater Jakob erscheinen. -Die. Sache trügt sich nämlich svlgenderinaßen zu: Nachdem man deru alteu Jakob das blutgetränkte Asrinslkleid Josefs übet» r bringt, mit den Worten: „Haler nv, hak'thonrth bincha hi im' lv" („Sieh' nachob es der Rock deines Sohnes ist oder nicht?") . Trmerkwürdigerweise wird dieser Satz irn Joses- -! Spiel nicht jiddisch, joudern hebräisch gesprochen — jammert > »Md wehllagt Jakob: „Enr böses Tier hat ihn gefressen, > ein reißend Tier hat. Josef zeriss-en." Er befiehlt darauf seinen Söhnen, dieses reißende Tier zu fangen und vop ihn. zu bringen, welcher Auftrag denn auch prompt aus- . geführt wird. Der böse W-olf erscheurt und Vater Jakob> schleudert ihn» alle geschriebenen und urrgeschriebenen Flüche an den Kops. Das böse Tier fleht voll Ehrfurcht und voll Mitleid vor denn schmarzdurchwülstten Vater; es rünunt sehe demütig die Flüche in E,npsang und tritt zerknirscht ab» wie ein re»üger Sünder. Der Anfang der Mendelssohufchen Epoche bedeutet das.. Ende der jüdisch-deiltschen Literatur in Deutschland. Die Jude»» in Deutschland beginnen das reine Hochdeutsch zu sprechen und ihre jüdischen Werke in reindeutscher Schrift- * spräche avzufassett. Dafür entwickelt sich in den slawischen' Landern eine polnisch-jüdisch-deutsche oder, wie man sie zu- - treffend nennt, eine jiddische Literatur. Im neunzehnten' - Jährhimdert erwacht -die jüdisch-deutsche Literatur in Polen .und 'Rußland zu neneni Leben. Gedichtfarnurlungen, Er- " zählungen, Novellen, Romane erscheinen in nicht geringer Anzahl auf dern Bücherniarkt, batunier auch einige mehraktige.. Theaterstücke, die zunächst ausschließlich zur Lektüre bestimmt sind.'. ■ .Dl.'. Ettlin gar schreibt ein Theaterstück: „Serkele"; Abrahain Bär Gottlober eine dreiattige Kmnödi'e: „Das Deckinch oder zwei Hochzeiten in einer Nacht"; ein Ungenannter läßt ein Stück ■ drucken: ,Ae.b Chaimel, der. .. Kozen .(R«rck)e), ein learer in vir alten", in-dessen Bor- : rede der Verfasser das Theaterstück' als außerordentlich t' nützliche Lektüre anpraijt und wünscht, „eS soln das bichle- . ala linder leimen". Ein ariderer Schriftsteller macht sogar, den kühnen TersnM, ein MosoS-Drama mit sieben „Vorstellungen'' Zn dichten. Dieses Drama trägt den kuriosen. -Titel: „Moses oder das besreiüng der ifraetiten in egiptcn, gemacht durch Schlomo Badcheu." Die Ursachen, daß nirgends das Bedürfnis nach einer, st^zfi'-ich siih'sche»! Bül»ne. l»!N'han.1-c»r N'a.»', sind fehl zal'l"