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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-10 · Heft 466 (10.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 466 (10.5.1920)
Date
1920-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CiiltjfleftttMHftH Hetia SV feiler Tschecho-Tlowecker: Einzeln 44 Heller i. tsch. Tb PrLnumerationspeeiße r Wie»: Zv« A-liölm in btt tkxp«4Mon, S. Bezirk, Labor- {tarne 1 bis oder in eiure ' Ven'chleitzftelle iTraflk,: Monatlich. . Nronen PierteljÜhrltch 60.— Mit Poftveriand f ür Wien «w» _ Ceftmeiäf: Monatlich .. Krotten 20.— * Achecho-Tlowalri: Monatlich .. Kronen ~ - Vierteljährlich .. 21.- tf.chech0'fiowakifchrrWähru«g Ungar«: Mouatlich .. Krotten 20.- Viert eijährlich „ «0.— ' in »«garifchrr Währung Aklgofiatnieu: Monatlich .. Kronen 12.— Vierteljährlich „ 86.— in jugoiiawische» Währung ' Mrtzs1rr»«pjk»r . Ureis @0 fetter Lschecho-Slo«akri: Einzel« 44 HeLer r. tsch,M PränumeratiaHtfhieeissr ' - Pule»:': - Monatlich .. Mark *•.-i Bierteljährttch » , >« voluifcher Wühnk»^ ÄntschlchS-. .-..., : Vkoaatlich .;. . »ictl S.<«| ... . . ^rmkteichr. : vronatttch . ..Zran» S.^ Stall««: "'! Movatlich . . > . Lire . Schweiz: .! Morkatlich. . . TranW L.^ Redaktion «.ÄbMtniltratio» Wien,«. Bez.,T«,d0rste^-S Lel-phone- Adwitttstratio, 4Amn. Redaktto» 4»»t0, . »b 6 Uhr adendtz Rr. lHSNj V»ftsh«raffmtö«tj- '■.’tetkfi39 Nr. 466 Wien, Montag, den 16. Mai 1920 2. Jahrgang , Das balkanisierte Europa. ~k. Wie«. 10. Mar. . Europa steht.vor ernsten.Ereignissen. Schwere Gewitterwolken' breiten sich im Osten- und Südosten des Weltteiles aus. - Der Kamps zwischen den russischen Bolschewiken-' und der polnischem!. Republik. kann, nur ' Wtig gewertet, werden im engen Zusammenhang mit ' Steiß;-, sogenannten; polnisch-ukrainischen Airs gleich,. -'der : stdKtlscheN"Entwicklung in Ungarn, Rumänien .und; Jugoslawien sowie in den einzelnen Ementestaaten. Soweit'/maw-dennicht sehr, verläßlichen Berichten /.über rnsstsW Verhältnisse tränen kann, haben in -der jüngsten Zeit dielpolnischen Armeen, gefördert rdurch. französische Wrfffen'undkFührer,: Erfolge, deren Bedeutung.sich noch Zellenwird, über die russischen Bolschewiken errungen. DiepölmschenHeere sollen Kiew bereits besetzt haben .Br^'M-.Ddeffa^7nKhdrw.- ErstereZwird dementiert, die Pestätiguntz: -Wr cketzeres ist - erst - abzuwarten. - Doch ist TcÄäche, daß als Antwort aus-; die. polnischen Siege Aemn^ neue-russische Heere unter .-Generälen aus. der Zeit dev Monarchie mobilisiert. ..-Die-Moskauer Negierung «Klärt ausdrücklich, keinen > Ociwpn. gegendas - polnische Volk, sondern nur gegen die herrschenden Klassen des Pcüentmns führen-zu wollen. ' ' ' - ' ' - ' '-Daß dieser Kamps Polens, ppc, dessen Toren der.- VolfchewiMus psteht (wie verschiedene Vorgänge in WavschaU' deutlich zeigen), kein-, leichter ist/ beweist '-auch-' heut s Umstand, daßdie -Warschauer Negierung mit. Petfiura einen sogenannten polnisch?ukrainischssn UuK-- Die heutigen vemmtraiionen Heute uachmiitags findet auf der Arngftratze die Massendemonstration der Arbeiterschaft statt. Sämtliche Fabriken schließen ihre Betriebe um 4 Ahr nachmittags, in Hietzing und Floridsdorf rsollen die Arbeiter bereits um 3 Ahr schliefien. Die Straßenbahn wird von 3 Ahr nachmittags bis 7 Ahr abends nicht Verkehren. Geschäfte, Gast- und Kaffeehäuser in der Inneren Stadt sonne in aTe« Straßen, durch die sich der Aufmarsch der Arbeiterschaft berveqt, bleiben mährend der ganzen Dauer dev Demonstration geschloffen. Die Polizei wird nur an den StraßenkreuMgenihren gewohnten Dienst zur Aufrechterhaltung des Verkehrs versehen, im übrigen aber die Sorge für den ruhigen Verlauf der Demonstration den Ordnern überlassen. Gm sozialdemokraLischer Aufruf, fordert zur strengsten/Disziplin ans und erklärt dann weiters: . „Die Komm uni sten .haben stch bei der Festsetzung von Tag und Stunde der Demonstration nach den sozialdemokratischen Beschlüssen gerichtet. Es finden also gleichzeitig zwei Demonstrationen statt. Die .. ... sWOeit^MiHiereir chird^ Es ist ja-möglich daßein- Zelye ukrainische' Führer, die schoch geraunw- Zeit einer vptzortNnistifchen... Taktik zuneigten, -.um Hw Ukraine dauernd von Rußland -unabhängig-zü-. machen und um weiteiS bolschewikischen Strömungen, und Neigungen im eigenen Volke, ein Paroli zu bieten, bereit sind, auf Ost- Midien zugunsten, der Polen zu verzichten. Anderer^ seM ist.-es sehr erklärlich, daß die Polen, die die Ausbreitung -/der bolschewikischen Revolution in Polen wie iGMcht -minderem Maße ein .ailtipolnisches,. preußischrufsisches Bündnis - im Zeichen, einer monarchistischen Nestauration befürchten, doch wenigstens einen Bundes- -genüfieu und Freundes ist. schwer, keine Satire zu schreiben. unter den Ukrainern zu finden trachten. ,.. . Män gibt sich aber in Warschau einer Täuschung " hin,: wenn iimu glaubt, daß der polnisch-russische Krieg - nur eist Krieg .gegen die. russischen Bolschewiken isst Jede andere -Regierung, die das fetzige Systmu in Rußlandstbläst, wird es nicht ruhig , hinnehmen, daß -ein' Groß' polen und ein Großrumänien auf Kosten von Millionen konnationaler, Ukrainer, die fa im Empfmdeir 'der Mehrzahl der 'Großrusserr fa doch ttac Kleinrussen sind, entstehe, abgesehen davon, daß die ukrainische Bevölkerung . Ostgaliziens, der Bukowina und Beßarabiens ihre-dergeitige Unglwderung.an Polen und Rumänien nicht für dauernd ansieht. Für alle Fälle ist man in -Warschau bestrebt, Lainan mit Deutschen und Tschechenwegen Posen und dex schlesischen Gebiete im Gegensatz sich befindet, nepe Bundesgenossen außer Frankreich zu erwerben. Als solche betrachtet man Magyaren und Ru-- ylänem -ohne sich allzusehr um den Gegensatz-zwischen diesen beiden Völkern zu kümmern. Ganz besonders gewisse sogenannte konservative Parteien des Poleniwd Magyarentums fühlen, sich, magnetisch zueinander stingezogen, da sie gemeinsame national- und klassenimperialistische Tendenzen besitzen, die vielfach auch im Antisemitismus. ihren Ausdruckfinden. Ist es etwa nur ein Zufall, daß fast zu gleicher Zeit in - Lschecho- Slowäkien, - Polen, Ungarn und nun plötzlich auch in Rmnänien gerüstet wird? In Ententekreisen steht man rnm den' gespannten Verhältnissen zwischen Tschecho- Slowakien . einerseits und Polen und Ungarn andererseits — die jüngsten Vorgänge in Teschen sind - ein usenes- Symptom dafür mit nmso größerer Besorgnis gegenüber,-als.auch die Verhältnisse am Bülkau sich von Tag zu Tag ernster gestalten. Die Lage in Jugoslawien und -Rumänien lenkt bereits die ernste Ansmerksdrnkdit der Entente auf sich. In Belgrad ruft man ben Rationalismus zu- Hilfe, um aus den schwierigen inneren wirtschaftlkchen Krisen einen Ausweg zu finden. Der italienisch-jugoslawische Gegensatz, der durch den Streit um Albanien neue Nahrung erhält, wird verschärft. Bei ' Hern Umstand, daß anch der serblsch'rnmänische Antago- WmM betreffs des. Banats«, .ebenso, wie der kraatisch- Paris, 9. Mai. (Korr.°Vur.) Nach Londoner Meldungen werde die Regierung non P a l ä st in a, das unter britisches Mandat komme, einem Ksmmiffar anvertraut werden, dem ein Beirat zur Seite stehen werde, bis eine Volksvertretung gebttdet fee. Die Zivilverwaltnng werdet im kommenden Monat der MiLitärverwaltlmg nnterstE werden. (?) Rach weiteren Meldntrge« aus London finden längs des Iordan Anfammlmrgen von Arabern statt. Max Nvrdau über die Zukunft Palästinas. - London, 'S. Mar. (Prwat.) Eintm Vertreter des sozialistischen „Daily Herold" gegenüber äußerte Dr. Max N o t b a u iidcr die nahe Zukunft Palästinas: ^Das erste, was getan werden muß, ist, der Immigration Tür und Tor zu ömien und eine halbe Million Juden nach Palästina — ich scheue das Wort nicht — hineinzupacken. Mill'vnen sehnen sich ernstlich danach, hinzngehm/ besonders die Juden' der Pogromländer. In Polen haben die Pogrome fast anfgehörtz aber unser.Volk ist einem allgemeinen Boykott ansgesetzt, der eine Gemeinschaft von vier Millionen zu erdrücken droht." „Wird ein solcher Znstronr von den. gegenwärtigen Bewohnern gerne gesehen werden?" . . „Ich glaube es. ES ist Raum genug. Bloß 12°/« des arabsichm L!Nidbesl!,'es w e st l i ch v o m I o r d a n werben jetzt serbische Gegensatz von italienischen Imperialisten ausgenützt wird, traut mau naturgemäß jetzt weniger als je in Belgrad den italimrischen Machthabern unb sucht in allein, auch in. der zunehmenden kommunistischen Bewegung, die italienische Han5 oder die der „magyarischen Oligarchie, welche mit Hilfe des Kommunismus Kroatien vom jugoslawischen Staate trennen wollen". In RumäniLn wieder wittert mem in der . steigenden bolschewikischen Propaganda die Hand der Magyaren und — Inden! So zieht es denn sowohl die Bojareir als ' auch die serbischen und .magyarischen Machthaber' bei allen ihren Gegensätzen zu einer Koalition gegen den russischen Bolschewisnms. , Fast alle Sukzessionsstaaten des alten Oesterreich- Uugarn fühlen sich eben in ihrem Bestände durch den Bolschewismirs bedroht und' Polen, Rumänen, Ungarn und Jugoslawen würden sich lchon auf. antibosschewikischer Basis einigen. Unnm nicht versÄiede.ue nationale Differenzen ein solches Bündnis, erschweren würden. kommunistische Demonstration wird relativ M sie!« sei»; die Marschrouten sind so festgelegt, daß KpeuMyge« der Zuge fast gar nicht Vorkommen, werden. Trötzhem müssen die Ordner und jeder einzelne. .Genosse mithelsm, . un) alle Zwischenfälle zu vermeiden. Die .SöMl» demokraten werden sich n i ch t p r o v o z i e re n lassen,' sie werden am besten tun, die Kommunisten überhaupt nicht z« beachten. Wenn P r o v o k a t e u r e welcher Art -- immer sich zeigen sollten, sind sie von den Otbnem z» ermahnen und, wennnotwendWizu entfernen?^ - . Die sozialdemokratische Demynstration ist als Protestkundgebung gegen.die Reaknon^ dann weiters als- Kündgebung für die KontntunaRsierung der Pochizri sowie für die sofortige. .Verwirklichung der BeWgM'» abgabe gedacht. . ' ' Die Kommunisteri - veranstalten um 5 Uhr nachmittags' eine Söllder» kundgebuüg vor dem Rathaus. Ihr Parteiorgatz HiAtete gestern heftige Angriffe gegen die. Sozialdemokraten. Dir Kommunisten erklären,, daß - sich ihre Demonstrattön aegeu die Reaktion-wendet und der Forderung nach FMaffung der politischen Häftlinge sowie nach Äh setzüü g - des» Polizeipräsidenten Schober. Nachdruck 'Mt* leihen soll. ' j --7- . . _ - V.l".: •.. mit. hur pttiriiiiyen ^Lmlüschfu ' Leute werden moderne Methobm hmeinbnnßkn.'O e.-st! r ch^ vvm '.' Jordan llegt der H a n r <1 n, ein großes Gebiet, wÄöW E von der, nomcrdisttrenden Beduinen - bewohnt und M verod<ft be- > zeichnet wird, aber in Wirküchkeit ein fruchtbares Land. ist.. Den»; dieses in unsere navonale HLimstatte embezogtk wird,' üvird- »ch - der Zeit eine Bevölkerung von mehreren Millionen hmriukomiM*' tönnru. , '. „Und die Strriiitzkerten wegen der heiligen Ställen?" „Ich hoffe, wir werden das Schlimmste dadurch tjennetböt; daß wir keinen Versuch machen, Jerusalem kolonisieren, oben, beherrschen zu wollen. Ich wünsche, unser ganzes Volk wolle dutem Standpunkt zustimmen, aber manche spreche»'mit'Verachtung von einem „Zionismus ohne Zion". In' der Tat ist stw mich Jerusalem eine Gesühlsangelegenhnt, doch die Dinge, dl« ' wirklich nottun, sind Nahrungsmittel, Kleider und Wyhnftattru.^ Morgen wird der türkische Friede überreicht. Paris, 9. Mai. Die Botschasterkonsettnz beschloß, dre. türkischen Delegation zur Antwort auf den BcrtragZentnmrk,^ der Di e n Z t a ß überreicht werden wird, eine Frist vo« einem' M.o n a t zu gewähren. \ Die Gegenwehr der Türkei. . « London, 9. Mai. (Korr.-Bur.) „Weekiy DispatchE meldet aus Konstantinopel, daß der Sult am der' Kro n p r inz u n d d i e Reg ie r un g lirr den Fall, daß die Türk ei durch den Friedensvertrag T h r a z i e n u n 0 S m y r n a verliere, mit ihrem i R ü ck t r i t t gedroht haben. Polen zum Beispiel kann es ja unter Umständen gleich-; gültig sein, ob Slowaken und Karpathorussen ztrm. tschscho-slo!vakjscheu oder ungarischen Staate gehören;am liebsten freilich war es den Warschauer .regierenden 1 Kreisen, wenn, slowakische Führer zrr ihnen körnen.«nd - auch ukrainische Politiker in ihnen Bundesgenossen: rmd.« Befreier vom fremdnationalen Joch erblickten.. Schließlich tmJ) endlich aber wird bei der hudgeLärew ' Schwäche Polens, dem' äußeren und inneren Nieder^. hrüch Ungarns, der sozialen Gärung in Jugostawiem und Rumänien, die durch das liM'ichgreifen döb-syKial-'l'' revolutionären Strömungen in Frankreich, Italien,!' England noch verstärkt wird, die Zukunft aller dieser Staätslvesen nicht einzeln von Lerr wechselnden Ministerien und parlamentarischen Majoritäten dieser^ Länder, sondern nur im engsten Zusammenhang mit deck nationalen imb sozialen Fragenkomplex GesarntenwpiK i entschieden werden. . ' " , -t

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