Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 464 (8.5.1920)
- Date
- 1920-05-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seil« 2 /Wien, Wamsrag _Wiener MoegenZertkug 8. Mai 1920_ Nr. 464 Können. In einer Resolution werden deshalb die alliierten Negierungen aufgefordert," einen internationalen Ausschuß einzusehen, in dem auch Amerika und die Neutralen vertreten sein sollen, urn die Frage der Valuta, der Kreditbeschaffung, der Transporte, der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohmaterialien sowie die Frage der Arbeitsbedingungen zu erörtern. Der Ausschuß möge auch .ein internationales Abkommen über die Schulden der Alliierten rmd der Mittelmächte vordereiten. damit auf praktische Weise die gegenwärtigen Schwierigkeiten beseitigt werden könnten. Die Konferenz befaßte sich auch mit der Teuerungskrise und nahm einstimmig einen Beschluß an,, von der internationalen Entente zu verlangen, daß sie Schritte tue. um den vom Kriege am schwersten heimgesuchten Ländern in weitestgehendem Maße finanzielle und wirtschaftliche Hilfe angedeihen zu lassen. Die Konferenz nahm ferner einen Antrag an, der die unbedingte Notwendigkeit betont, sofort internationale Lustoerbindungen einzurichten. PolitifcheRrmdschau. Die Einigkeit der Juden in Palästina. In einem Artikel, der einen Epilog zu den traurigen Vorgängen in Jerusalem darstellt, führt Dr. Klausner, in der Jerusalemer „Haarez" aus, es sei notwendig, daß die gesamte Welt zur Kenntnis nehme, daß, während die arabischen Rädelsführer und ihre', Presse ein ganzes Jahr lang eine von Gehässigkeit erfüllte Agitation gegen die Juden fiihrten und sich dabei der widrigsten Mittel bedienten, während dieser ganzen Zeit von seiten der Juden kein hartes Wort gegen die Araber gefallen ist. Im Gegenteil, die Juden suchten immer Frieden zu stiften und zu erhalten. Andererseits sei es aber auch notwendig, daß die Araber Zur Kenntnis nehmen, daß die Juden in Palästina hinter sich die Unterstützung eines Vrerzehnmilllonenvoltes haben, das nicht geneigt sein kann, einen Pogrom in.Jerusalem stillschweigend hinzunehmen. Es sei aber wichtig, daß. die ^Araber, nunmehr die Ueberzeugung gewinnen, daß das jüdische Volk nicht eingeschüchtert, aber sicherlich nicht besiegt werden kann durch Mord und Plünderung und,daß die Versuche jener Nationen, die die Ausrottung der. Juden planten, mit Unheil für jene geendet haben. Dr. Klausner weist schließlich darauf hin, daß sich unter den Opfern der Ueberfälle Mitglieder aller Gruppen und Richtungen:, Sephardim, Aschkenasim, Jeremiten, Orthodoxe und Radikale befinden und daß die Juden in Palästina geeinigt der ihnen drohenden Gefahr gegenüberstehen würden, da jede Schwäche, die sich durch eine Uneinigkeit verraten würde, katastrophal werden müßte. 'Das Judentum werde und müsse mit vereinigter und erhöhter Energie an die Arbeit in Palästina schreiten. IabotwSky und seine Richter. The London Jnvish Correspondence Bureau melket:, Uut^r dem Titel „Leutnant Jaöotinskh" veröffentlicht der „Manchester Guardian" vom 3. Mai einen Artikel, in welchem er zur Verurteilung Jabotinkhs und zur spater erfolgten Aenderung des.Urteils in scharfen und schonungslosen Worten Stellung nimmt. Nach einer kurzen Schilderung der Tätigkeit Jabo'.inskhs während des Krieges, in weicher er als der „jüdische Gartbaldt" charakterisiert wird, führt das Blatt wörtlich aus: „Dies ist der Mann, welcher nach den letzten Unruhen in Jerusalem zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteil wurde. Soweit es sich jetzt feststellen läßt, hat er sich nichts anderes zuschulden kommen lassen, als eine Wehr für die jüdische Bevölkerung, der die Behörden —.was bemerkenswert ist — den Schutz versagten, organisiert zu haben. Es gab natürlich von allen Seiten einen starken Protest, so daß dis Strafe zu einem I a h r g e w ö h n l ich en Kr r ke rs reduziert wurde. Der gewaltige Unterschied zwischen. diesen Mot Urteilen ist an und für sich schon eine recht offene kundige Blamage des Militärgerichtes, das das erste Urteil fällte.Damit kann aber die Sache nicht abgetan sein . . . Die antijüdischen Ausschreitungen,hielten drei Tage lang an. Mehr als zweihundert Juden wurden verwundet, jüdische Frauen vergewaltigt und jüdisches HHab und Get geplündert. Und während dieser ganzen Zeit unterließen es die Behörden, die schon, vorher gewarnt wurden, den Juden den nötigsten Schutz zu gewähren. Ist es denn ein Wunder, daß sie zur Notwehr griffen? Ist es denn so schrecklich, daß mancher vielleicht nach Waffen gesucht hat? Würde es überraschen, wenn sie diese zur eigenen Verteidigung benützt hätten? Es ist notwendig, daß mehr Einzelheiten ans Tageslicht kommen, um düsen Fall richtig beurteilen zu: können. Es sieht aber ganz bestimmt so aus, als ob es am Ende notwendig wäre, die militärischen Be- Hörden, welche für die Jerusalemer Zwischenfälle' verantwortlich sind, gleich Jaboiinsky in den Anktagezustand zu Vers-tzen. Vielleicht würden dann ohne besondere Mühe ihre..Plätze wechselst. Die jüdischen Friede ns ge richte in Palästina. Me »Zionist Bulletin* vom 21. Apnl 1920 uiitteiU, wurde der jüdische Friedengerichtshos Mi'chpat hasckalom) mrch den folgenden Zrckularbefehl des - obersten Gerichlsosfiziels, srr Vorgesetzter sämil'cher Gerichtshöfe des Landes ist, m se neu ZnMonen amtlich besiaÜLt : «Sir.smd berrcktiat. f ä.m.t.I i ch e. Urteile von S ch i e d § r i ch t tx «, die vv« beide» streitenden Parteien emvernehmllch gewählt würden, zu vollzichrn, ebenso dir Urteile des jüdischen F r i e d e n 8 *• gerichtShofeS s el b st, im Falle der Vollzug von einer Partei beantragt wird. Nicht befugt sind Sie zrtm Urte'lsvollzuge dann, wenn cs nicht erwiesen ist, daß der Fall dem FriedensgerkchrSho! oder den Schiedsrichtern mit Zustimmung beider Parteien vörgelrgt worden ist. Diese Zustimmung der Parteien muß durch eme Urknnde verbärgt sein, dir non beiden Parteien zu unterzeichnen ist.* Das Komitee der jüdischen Delegationen an Minister Benesch. Das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz, welches die ständige Vertretung der jüdischen Nationalrüte der einzelnen Staaten bildet und dessen Tätigkeit die Aufnahme der die jüdischen Minderheiten berücksichtigenden Klauseln in die Friedensverträge zu banken ist, richtete folgende Zuschrift an. den Minister des Auswärtigen der Lschecho-flowakischen;fe publik Dr. Bene sch: „Herr Minister! .Der. Jüdische Ratio naleat in der ' tschecho-slowakischen Republik hat uns mitgeteilt, daß die tschecho-sbowakische Regierung in dem Motiverrbericht zur Verfassung die jüdische Nationalität anerkannt und in der Nationalversammlung durchgesetzt hat, daß diese Anerkennung gutgeheißen wurde. Gestatten Sie uns. Ihnen zu sagen, Mit welch lebhafter Befriedigung wir dieses Ereignis be-; grüßen, das wir als einen Beweis großen Verständnisses für die nationalen Bestrebungen werten. Wenn ein Land, in welchem die nationalen Problems zu den, verwickeltsten gehören und wo sie ganze Wissenschaftszweige herpor ge rufen haben, diese Probleme iw Geiste der G e re ch tig kei t löst, so trägt es zur .Eintracht der .Nationen und zu ihrem harmonischen Zusammenleben, bsi. Wir. hatten immer große Sympathien für dih Sache öer^ Befreiung anderer Völker, ebenso wie .für unsere eigene. Als die tschechs-slowakische Nation nach.langen Leiden endlich die Freiheit erblickte,. freuten wir uns doppelt über diesen, historischen Umschwung, einerseits für die tschecho-slowalifche Nation und auch deshalb, :weil. es ein Erfolg unsLbes eigenen Ideals war. .. - ,'y . i , - Mit Freude, konstatieren wir, daß die, tschechoslowakische Regierung aus der Freiheit ihrer Ration hie Konsequenz für die Freiheit anderer Rationen gezogen hat.'' Es ist uns eine angenehme Pflicht, Ihnen die MmpfindurMN mitDteflen, welche uns bei.. dieser. Gelegenheit erfüllen, und'wir bitten Sie, Herr Minister, die Versicherung" 'unserer achtungsvollen Ergebenheit enlgegenzimehmerr. Gez. Nah um So ko low, Präsident." Der amerikanisch-jüdische Kongreß für den 6. Juni eitifceritfen. Ans einer in Nrw-Norl sta'tgefundenen Konferenz jüdischer Organisationm des ganzen Landes unter Beteiligung von gegen hundert Delegierten, du 2 Millionen Inden vertraten, wmde beschlossen, daß der jüdische Kongreß für dm 6. Juni nach 'Philadelphia ein berufen werde, wo ^permanent tagen soll. . _ Das Los der jüdischen Studenten ans Ungarn. Äus Budapest wird uns geschrieben: Furchtbar ist das Los der jüdischen Studenten, die chauvinistischer Haß von den Lehrstätteü ihres Landes vertrieben hat und sie noch übe« die .Grenze hinaus verfolgt. Es liegen hier untrügliche Beweise dafür vor, baß die „Erwachenden Ungarn" mit ihren' ch ristlich sozialen und alldeutschen Kommilitonen an Oefchrreich und Deutschland in engster Fühlung stehen und mit ihnen zusamcken einen Ring bilden, um die Juden aus den mitteleuropäischen Hochschulen zu verdrängen. Dieser Aktion kommen sowohl in Oesterreich wie auch in Deutschland die Hochschulleilürrgen ins-oferne entgegen, als. sie von den ausländischen Hochschulen sogenannte politische Äohlverhaltungszeugnisse verlangen,, von denen sie von vorneherein wissen, daß sie in Ungarn für Juden nicht zu haben sind. Bezeichnend hiefür ist ein Aufruf des Rektors der Gudapeste'r' Universität, in dem er die um ihr Abgangszeugnis ansuchenden Hörer dararff ausmerksam machte daß sie sich an deutschen Universitäten nur auf Grund der Studienbewilligung des dortigen Unterrichtsmffllsters und einer zu diesem Zwecke zu verlangenden Ausenthaltsbewilligung inskribieren lassen können. Zur Erlangung einer solchen. Bewilligung muß erst ein Empfehlungsschreiben des ungarischen UnterrichtsminifterS eingeholt werden, in der» versichert wird, daß der Betreffende mit der bolschewikischen Bewegung in keinerlei Verbinoung stand. Diese Empfehlungsbriefe werden auf Grund des Beschlusses des Universitätssenates, der noch immer unter dem Drucke der studentischen Brckchiälsormat'?onen steht, dem Unterrichtsministerium zur Beurteilung unterbreitet. Ein Sprachenstreit in Kanada. Der „Times"-Korresp>ondent in Toronto berichtet über «jneit Sprachenstreit, der zwischen den französischen und englischen Siedlern in Kanada entstanden ist und täglich an Heftigkeit zunimmt. So kämpft, die französich sprechende Bevölkerung von Ontario mit allen Mitteln, um die englische Sprache aus den öffentlichen Schulen zu verdrängen. In den westlichen Provinzen, wo es eine vielsprachig Bevöllemna hüt, ergeben sich noch, größere Schwierigkeiten wegen der Festsetzung einer offiziellen Unterrichtssprache. Am schwierigsten gestaltet« sich die Lage in den alten Provinzen mit ihren Einwanderern aus aller Herren Ländern, von denen jede Gruppe ihre eigene Sprache mitbrachte. So hdhen zum Beispiel die Juden für sich dieselben Förderungen gestellt wie die Franzosen gegenüber der englischen Unterrichtssprache. Diese Sprachenkonflikte haben in den Einwandererbezirven von Manitoba zur Schließung von Schulen geführt, west die Bevölkerung den obligatorischen Unterricht in englischer Sprache ablehnte. Bevorstehende Rekonstruktion des polnischen Ministeriums. Warschau, 7. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") In den Kreisen des Landtages wird die Frage eine« Rekonstruktiön des Kabinetts lebhaft erörtert. Es handelt sich wieder einmal darum, die Landtagsmehrheit zu sichern, welche durch den Rücktritt Grabskis als Obmann der Kommission für äußere Angelegenseiten und die damit deklarierte Opposition derNational--- bemokrgten in den Fragen der äußeren Politik arg brüchig. geworden ist. Das erste Opfer dürfte der Außenminister Patek sein, dessen Rücktritt von der Opposition verlangt wird: Schon vor längerer Zeit ‘ hat eine lebhafte Pteßkcrmpagne 'gegen ihn eingesetzt, die nun anscheinend ihr Ziel erreichen dürfte. An seine Stelle soll dev jetzige Vizeminister des Aeußern. Herr Dombski treten. Vizeminister des Aeußern dürsten )er polnische Gesandte -in Prag, Herr Pilz, und der Sozialdemokrat Daszyüski werden. Die Kandidatur Pilz' begegnet freilich starker Gegnerschaft auf der Seite >er Linksparteien, welche eine Kattdrdätur des Redakteurs der „Nowa Reforma",, Herrn Srokowski, propagieren. Dieser hat seinerzeit seine schriftstellerisch« Karriere mit Novellen aus dem ukrainischen Volksleben begonnen,' er dürfte Wohl deshalb als der geeignet», Mann für die Lösung, des ukrainischen Problems am» gesehem. werdet). . Wie übrigens die „Gäzeta Warszawska" versichert, . wollen die Linksparteien auch versuchen, den Finanzminister G c a b sk i über Bord zu werfen und an sein« Stelle den Sozialdemokraten D i a m a n d zu setzen. Besonders die Bauernpartei bemüht sich, eine Teilnahnie d^r Sozialdemokraten an der Regierung zu erreichen. In der Sozialdemokratie sind jedoch die 'Meinungen geteilt. Eigentlich ist außer den beiden „Mittifterkandidatenf. Daszynski und Diamand, deren politische. Vergangenheit und Gegenwart gute „mini- , sterielle"i Aspekien erweckt, im sozialdemokratischen Klub niemand so ' recht für eine ' „Ministrable" sozialdemokratische Polittt begeiPrt. Bemerkt zu werden verdient, daß die Vollsparjeii wieder Herrn P a d e r.e w s k i (diesmal als Ministe« des Aeußern) zu lancieren versucht. Vorläufig dauert der Händel hinter den Kulissen fort; von einer Absicht programmatischer Aenderungen in der Politik ist. nichM zu merken. Inland. Reichsschutzbnnd der Handelsvertreter Dentsch» österreichs. Am 80. April hat eine Dcpmation des Verbandes beim Staalskanster Dr. Renner vorgeiprvchen, der gegenüber dm Wünschen der Agentenschaft iube^ug aus Verabschiedung des Handelsagenlcngesetzes unter.Bchnhung der Agenlenschast «eiteügehendes Interesse zeigte. Ebenso Staatssekretär Zerbiß welcher sech nach den Wünschen und Beschwerde» des Agevtev standeS erkundigte und die Schaffung einer Handelsagtn tenf tttiimcr zur rcstiofen Ausschaltung deSSchirberwmS sowie die Zuweisung ausländischer Kunden an bodenständige Vertreter nach englischrm Muster zusagte. Margaiue irr Wien. Paris, 7. Mai. (Korr.-Bur.) Deputierter M a r g a i n e, der Verichterstatter über den Friedensvertrag von Saint-Germain. ist gestern abends von hier nach Wien abgeceist und' trifft in Men am Samstag den 8. d. M. mit dem Onentexpreßzug ein. Oberösterreichischer Landtag. Gegen die Sommerszeit. — Fremd«»zi«merahg»be. < Linz» 7. Mai. (Korr.-B»r.) Auf Gmnd eines DringlichkeitSantrageS aller Parteien wurde btc Aufhebung der Sommerzeit ab 15. Mar nahezu «i n st t m m i fi befchlvssen. Landeshauptmann Hauser verwies darauf, daß die Entnue dre Sommerzeit wegen der Kohlenersparniste verlange. Die Redner sämtlicher Parteien wiesen jedoch auf die große» Schäden der Sommerzeit für bic landwirtschaftlichen Arbeiter und zahlreiche Betriebe hin, denen gegenüber die Behauptung der KohienersparniS nicht mS Gewicht lalle. Uedrigens feien auch schon einzelne Staaten der Entente selbst von der Sommerzeit abgekommen. wie zum Beisveel Italien und die Tschecho-Slowakei. In allen drei Lesungen wurde «in Gesetz heschlöffen, welches eine Fremdenzimmeradgabe einführt. Alle Gemeinden des Landes sind berechtigt, von den Personen» welche Zimmer oder Wohnungen zwecks vorübergehender Benützung vermieten. eine Abgabe für dir Vermietung de» Zimmers ober der Wohnung ,m Höchstausmaß von 30 Prozent ernzuhederr. Mohnräume, welche mehr als vier Monate von einen und demselben Mieter dewohut werden, unterliegen dem Gesetz, nicht, < K