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Wiener Morgenzeitung · 1920-05-01 · Heft 458 (1.5.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 458 (1.5.1920)
Date
1920-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M«r»le»e«Vlae: Urei« SO fWles i: ei»)tln 4t Hetzer i. tsch. W Prärmmerationspreise MMASLL str«tz I bl»», oder iv kirrer BersÄMM- <F»-asik>: «orratli» . . Kronea «««- D!k^-ljShr«ch . Mit Poffversitud Men ü»> Monatlich .. ttroricn 20.- Tiihecho-Vlotoakei: «r-Aatlich . . Kronen «iMiakirrich . .. tatschrchir.fl,wakIscherWSkinllr5 :X U«ö#nc ,. Monatlich .. Kronen. SV.- «lerteliLhrlich .. «y.- tre «ngarisLer Wützrung äugoflawtm: Monatlich .. Kronen 13.— »tetteljahrlich j-: i» inß»,lawUcher DStzrusg ' Gimr!eo»mplo^r . " Uxek 80 Seilte Tschechoslowakei: Eiazü« 44 HMer r. flch. S^ . PrSaumeratfotzs rener mm*ma?'Uai«rt _ rvsm«*#*1: ... Lentschlarr-i.. Monatlich ... Mark S.H ■7 ^raakreich; r ’ Monatlich ... FränkG &*>M' _ Stall«:; Monatlich . . . .Ltra«^' TÄäokri,: Monatlich... Fra»» «H ZSWAKÄ- MVZ°LL«Z! ob 9 Uhr edendS Ne.lSSÄ PoMparkaffeakont» ILY.M Nr. 458 Wien, Samstags den 1. Mai 1920 2. Jahrgang Das große Maul. ^.■ t Wi e n. 1. Mm. v i Die österreichische Nationalversammlung hat gestern We Art - JEndebatte- -geführt.' Ter' Abgeordnete Mttckevhafte-sich mit Erfolg bemüht, vor Lem Hause die Ustiversitätsskandale der., irregeleiteten -deutschen--Jugend fHeMchäMos' darZustellen. Nach .ihm. prrMen die aMÄnHMeien HtMmg Üehmen. Das Öbertzäüpk der christlichsozialen Därteik der - Abgeordnete Kunschak, entwickelte den Standpunkt seiner-Fraktion-in einer Weise, die jeden ^Freitnd 'Oesterreichs mit Verzweiflung erfüllen' - der- .kulturellen-^ 'und ' intellektuellen NMsMdigkeit des Vertreters einer-Weltanschauung/ die der lJHatskanglsv'Dr. - Nenner - einmal als den - christlichen SoMliZiNüs^bezeichnet' -hat. - vDäs -deutsche "VqV tiv Oesterreich -ist' tieftrank: wie - k-raMes -W 'zeigt diese Rödd des Künschäk. Vor'allemihr ^on. '/,Die> Heimat - dtzpAüd'ett '-ist!-Lev -Boden,' wo sein Hafer wächst, und 'ist ' eOchur, solange Hafer emgebrachtwerden kann." „'Die Heuschrecken, dieein■ Land nicht eher verlassen/ als- bis -!?s kahlgefresscn ist." „Stadtplage", landfremde Leute", „MabhinaMandidaten", ,,bie ganze Mischpoche".., Dasfind noch die harmloseren. Ausdrücke, die dieser" Kunschak gebrauchte.. . . . l$ic KutzeyscäaeM ein MchWH 'kompliziertes'Mo- - HyiC Sesfen/AüshGun.g, Klärung, sind, Bereitstellung zu lhxe^ Lösung sicherlich diel Pcsih.e erforderst, Die mannigtzeiteri^plÄ^^hie^hr^i^ Jahres), .geywinsam -Mit dmr WiriJvölkern üb?r' die Jstdensmg'e zu sprechen, Mißverständnisse 'zu beseitigen,. Schadenäbzustellen, deren -Vorhandensein .'wir selbst, zugMn' Dd.-'MLMHebM qii^: derstWMeflösigLeist-.'ünd, Machftosigkert^ des' jüdischen Volkes.'als nationaler JndivMalität' erklarens Wir gehen .niemals' einer solchen D^LMpNxgM, dem Wege, aber wenn, dem Abgeordneten SftMr,' der' sich" über das Thema gestellt, hat, in einer solchen. Meise erwidert? .wird von dem. Führer einest großen Teiles.des' deutschen Volkes, dann müssen.'wir. doch? unserer' Umgebung das tiefste Beileid - dazu aussprachen, daß siä gerade einen solchen Mann mit ihrem Verträü'en beehrt hast Was hat dieser Kunschak' über das Judentum zu sagen, dem "die europäischen Groß, mstchte gerade jetzt ihre Achtung erweisen, indem sie . ihm zu seinem-alten-Vaterland verhelfen? Er reißt das .Maul-auf und schreit mit ganzer Lun gerrkrast: „Darr Jud,.darr Jud!" Und so oft er dieses Wort aussprichst tönt-ihm,' wie das. stenographische Protokoll mitteilst Zustinnnung! und Beifall entgegen. Das istwirklich der/- .Aufdruck' der. Seele des - deutschen Volkes, Oesterreich. -Das Um.;'und Auf ferner» Pofttik - ist.- ..cha-xr-- Jud.", ' alle, seine .Leiden und Gebrechen fielst es.- nur in der Existenz des . Judentums . begründet. Die wirtschaftliche Isolierung des Staates, die-als Folge des verlorenen, von gnten Christen prokla-. nWrten' Krieges 'aus einem' härtest ^Friedensvertrag re-' suklW, vergiftet das ganze Volksleben, treibt die' Masten in die Städte;, eine unvernünftige und gottdeMstene.FiiianzpoWk hält dm Handel unter der Zermalmenden Wucht, der Zentralen nieder;' ein' hemmrmgs-. loser pölltischer Radikalismus, der aus fünfjähriger Vor-' bitterung seine Kräfte zieht, experimentiert' an dem' wirtschaftlichen'Gefüge des Staates und bricht bald hier, bald dopt.. einen /Tragbalken heraus. Diese schweren Der- Wüstungen^des Krieges könnten .in langwieriger, ge° dstldiger Arbeit wieder.urbar'/gemacht werden. Dazu HMrf/'eS'' des? ZüsmnmenwirkenS. Mer . lebendigen und orbeitsfreudigen Kräfte,' dazü/mützte mau' alle? heranziehen, die irgendetwas z'um Bauen der neuen Ordnung beitragen wollen. Man müßte vor allem eine gewisse Einheitlichkeit der Bevölkerung im Streben nach neuem Schaffen Herstellen. ~ Das könnte^nur durch eine weitausschauende..und bedächtige Politik angebahnt werden und'jeder einzelne in rüesem -Staate, besoners aber jeher, Lest an verantchortticher Stelle, steht, müßte sich dessen bewußt sein, daß, alles Negative, alles,! was die Unterschiede zwischen den Klassen und Schichten noch: schärfer hervortreten ließe, pennieden-werden muß. Die besten Kopfe der Siegerstaaten arbeiten fieberhaft daran, das Unglück einzndammen, den Haß -ans der.Weltzu entfernen und den Wesi für die Versohnung freizumachen. ' Wir sehen, wie Ml Las Mitleid Hr Desterrei'ch »in. England, in Italien, UstUmerika sowie'.in den neutralen Staaten regt .und Die ungarische Schande. Die italienischen Sozialisten Lber das Land der Kerker und des Offiziers« rankrittertnm«. Die KorrcspondeuZ Herzog meldet: Die italienischen Deputierten Alceste della S e tst und Arturio Bella deröffentlicheu eins Antwort an die ungarische Regierung, in der es unter'anderem heißt: Die Ursache des.plötzlichen Verbotes, die Kerker zu besuchen, lag trotz der ursprünglich erteilten Zustinnnung in dem UmstMde,. daß die, Untersuchung der italienischen Deputierten Nlii voller ObjekLivitat, jedoch mit Festigkeit geführt wurde, , um die Wahrheit feftzustellen. Es ergab sich unter anderem, daß. der größte Teil der Internierten n o ch. st t e t nm ü! v er hör t w Ur d e, o bwohl sie fich schon^vstele Monate in Haj-; w a s k e r L e fi ü ben.' Hundert Bergarbeiter sind lediglich wegen Teilnahme. an einem. Streik iniernierst Die- WicnWen .Deputierten' konnten sich nrrch von dem F o r t L e st e h c n. i r r e g ular er Forma L i o n e n unter dem'Kommando von Offizieren überzeugen. Die ungarische Mgieritng zögerte insbesondere zur Erteilung der Erlaubnis, d!e Kellerräume der Hotel- Britama, Gellert. Palace-Hote! usw. zu besuchen, i« denen von den Brachialsormationen i« vollkommen un>: gesetzlicher Weise Personen festgehalten wer-: den. In diesen Kellern waren vorübergehend sogarzwei italrenische Soldateu etngekerkert. ■ Der nngarische Ministerpräsident Simonhi»Sem»- dam hat die Verpflichtung aus sich genommen, das': Schicksal aller, in einem am 19. April überreichten Memorandum bezeichneten Personen festzustellen. Die Italienischen Deputierten hoffen,^ daß die e n g l i s ch e u D e l e gierte n, welche devmÄhst Üngarw besuche»: werden, in die Lage kommen werden, frei mit den Jvternierten und Eingekerkerten zu verkehren. - > (Man wird den englischen. Delegierten Potem^ ' 'rische Dörfer zeigen.'And, wenn sie schäftet sehest,, ihr« - Tätigkeit rechtzeitig.unmöglich machen. 'HorthiMnsarst. verträgt, die Wahrheit nicht. Die Red.) ' HebensMtttsl urrd Stohstosie für . Paris, 30. April. In der. gestrigen, unter dem Vorsitz Sir John Breadburys äbgehaltenen Sitzung der internationalen Kommission, die sich mit der Kreditgewährung an. die notleidenden Staaten -Mitteleuropas, darunter in e c|t e r Li nie an ^O^e'st HWäftigtz gab der österreichische Delegierte Ministerialrat Grünberger eine ausführliche Darstellung - der derzeitigen Ernährungslage Oesterreichs und legte eine Liste der unentbehrlichsten Lebensmittel vor, an deren Beschaffung zunächst ge- - dacht ryerden müsse. Die anwesenden Vertreter. der -zwölf alliierten und neutralen Länder, die sich an!der Kreditgewährung beteiligen,- nahmen diese Ausführungen' mit wohlwollendem Interesse zur Kenntnis. und beschlössen, in den späteren Besprechungen gemeinsam mit den österreichischen Delegierten festzustellen, welche Lebensmittel von den einzelnen Staaten a n O e st e r reich auf K r e d i t g e l-i e f e 11 werden könnten.. Hieran schloß sich; eine Diskussion über drein O esterreich in erster Linie benötigten Rohstoff e, die prinzipiellen. Charater trug. Die Entsöe'.dung über die Einzelheiten der Rohftofflieserungen wird.erst nach direkter Fühlungnahme mit der österreichischen.Regierung und im engsten Emvernehmen mit der Wiener Sektion bfö Reparativus»? kymmrssion MtroffenMerdeN. '. .. : / . .. v:. - ' ''' ' - '' -'/r V: Eine deutsche Kourmlssion in Moskau. Kopenhagen, 90. AprU. (Tel.-Komp.) Dem lettifchsn Pretzburean zufolge ist em« deutsche Kommission in Moskau ci « $ etr o ff c«,uw sich dort über di« Möglichkeit der Ausnahme der Handels beziehungen zwischen Deutschland und Sowjet« rußland zu informiere«. Mohilew von den Pole« genommen. War sch a «, 30. April. (Havas.). Amtlich! wird gemeldet, daß die polnischen Truppen M o h i l e w in der Ukraine genommen habend Die 12. Solschewikische Armee sei nahez» vernichtet, ihre Trümmer fliehen nacht Osten und Südosten. 13.V0V Volfchewiken seien gefangengenommeu und viel Kriegaa material erbeutet Morden. politische Me auslöst. Die Abhängigkeit Oesterreichs vom Ausland, die sich Tag für Tag zeigt,, müßte auto°- matisch die Wiener Politik dazu zwingen,, Freunde-zu suchen und. sich Vertrauen zu erwerben. . Aber dieses deutsche Volk, dessen Zeitungen die bitterste Klage über die Vergewaltigung des Deutschtums in -der Tschecha- Slowakei oder irgendwo anders anstimmen, ist in die Politik des Hasses, der Gewalt und der brutalsten Rohheit hineingeraten. Das Budapester Mordsystenr sperrt täglich außer Juden auch Deutsche in die Lkerker; aber weil es eben die Juden drangsaliert, ist es zum politischen Ideal der Partei geworden, als deren Sprecher gestern der Kunschak aufgetreterr ist. Den Raubzng aufgehetzter Studenten in, eine Speiseänstatt nennt er „die Tat junger, begeisterungsfähiger Leute". In Hajmäsker. verkommen neben. Juden auch Deutsche im Konzentrationslager. Kunschak verlangt dieselbe Einrichtung' für> die Ostjuden. Die nennt er und die Juden überhaupt meint er> Er erinnert sich nicht daran, daß dieselben deutschnationalen Studenten, die heute vor der Universität jüdische Mädchen attackieren und in einer Frühstücksstube Tellep. Zerschlagen, nqch knapp vor dem Kriege die christliche Studentenschaft terrorisiert und blutig mißhandelt haben. Die jüdischen Soldaten sind zu Tmisenden in den! Schützengräben zugrunde gegangen, man hat sie in Przemysl den stürnienden Russen entgegengetrieben und in Italien in die Maschinengewehre geführt, in dem be- . wußten oder nr^bewußten Bestreben, die Zahl der Inden ■- . ein bißchen zu verringern. Sie, haken, wie. man öaS hkeo fo nennt, den Heldentod gefunden. Aber der Kunschak' beschimpft diese Toten.-In Lemberg haben die OftMder« die Volksgenossen Kunschaks unter Lebensgefahr in ihreM. . Wohnungen vor den Russen versteckt, und gar mancher» der heute vor der Universität-gegen einen ÖstjydM dio Hand hebt, war im Kriege froh und glücklich, »prd in. einem alten Kaftan durch die Straßen irgenWneß russischen Etappenstadt schleichen konnte., Das amenka» msche Judentum will sich in hochherziger Meise an dem Heimtransport der Kriegsgefangenen beteiligen, die dem Pölke Kunschaks angehören. Aber Kunschak steht astf der Tribüne und schreit den ganzen Inhalt der Politik des christlichen Sozialismus in die Wett:, .„Därt..ZW Darr Jud!" - Das war der Hauptredner. Was nach ihm der G^yßdeutsche Ursin. dieses arme Schäf im Wolfspelz, hervor- ' stotterte, -ist.'nicht,erwähnenswert. Er. giltbei seinen eigenen Leuten nichts. Und was sein Parteigenosse, ^.dee in den weitesten Kreisen unbekanüte Pauly, von einem Zettel abläs, wollen wir auch nur streifen. Er hat his. .erschreckliche Tatsache konstatiert, daß man' in Oester«! reich drei jüdische Bürgerschuldirektyren habe... .Wir. halten uns dabei nicht lange auf;, es war uns nur dqrüm zu tun, vot der Melt zu zeigen, in welcher Ärt der Mhrer des christlich gerichteten deutschen Volkes, .der berufene Sprecher eines so großen Teiles der Bevölkerüna. hie Pflichten - seiner Stellung auffaßt. . . <

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