Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 454 (27.4.1920)
- Date
- 1920-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang Der Beschluß der Friedenskonferenz. > L o n d o«, 26. April. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung") Alle Meldungen anS Sa« Nemo sümmrn darin übevern, datz der Beschluß der Friedenskonferenz die Inkorporation d er y a I f o u r-D xklaration in d e n Friede nsvertra g mit der Türkei bestimmt, demnach wird P a l L st i rr a di e n a t i o n a l e H ei m st a L t e für die Juden werden. Die Rechte der Araber solle« volle B erürksichtignng finden. Das Mandat l brr Palästina erMtt England, welches mit diesem Mandat auch die Aufgabe übernommen hat, den Entwürfet n e t V e r f a s s« n g f ü r P a l S st i n a auszuarbeiten, welche die Artikel betreffend die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Inden im Sinne der VaLfonr-ErklSrung enthalten soll. Äer Schuif der religiösen Gemeinschaften» der vor dem Kriege von Frankreich ansgeübt wurde, wird nunmehr den Konsulaten der be -effenden Gemeinschaften selbst anvertraut werde«. Auch die Frage der B e w a ch u n g d e r h e i l L g e n P L a tz e wird in kürzester Zeit geregelt werden. Die Franziskaner-OrdensdL sc r haben an die Friedenskonferenz das Separatanfnchen gerichtet» daß zur Aeberprüfung ihr v An elegenheit, die wiederholt der Ausgangspunkt von Mißhelligkeiten zwischen b t r. ein z.el« e n ch ristl iche« Rite n gewesen ist, eine Spezialkommisston einbesetzt werde. . ' * . Gur^ Jestfitzrk'Ng in LdNÄö«.^ . 95. April. (Privat.) Unmittelbar nach dem An -te Arbeit! der Nachricht ^Kons2rn^,Li; ans S an Rem o, daß die zionistischen Wünsche ' befriedgt chpsM^ersÄniüjeIteu?M.'bsthstl London anwesettdemÄUiK. :■ 3l' >hchr^-»sv -zr^iiNschen- ^Leitüng: die BamtsnschaDund. P N''-ehkr der engli'ch-zianjsti'fchen Federation zu einer Fc' Herr Gold.b er'g exöffnete mit einer hebraiich n 'Ansprache, unh verkündete, die Friedenskonferenz. dou San Remo habeam LI: April öas^ Recht des jüdi-l ch m Volkes auf Polästirra anerkannt. Die Balfoursche L:.Esarativn werde ein Teil des.Friedensvertrages. Der fr ’ - sei gHimureU/für. welchen der Zionismus zwanzig i 4>te; geörbeifet-rund. MS^ 'Mische,- Volk zwanzig Jahrh! ..dorie ZekfolglusgLn rütö Mogrome erlitten Habe, ohne jemals den Glauben an seine Wiedererneuerung Zu wer-!i- 'em Die setzten Wochen und Monate waten unerträg' ' lich. die ukrainischen Pogrome folgten die Exzesse Ir H erusalepu.- Uber bicjc .lpcrtfr Me^ Schmerzen vor der iicHöndett Wiedergeburt. Der Redner gedenkt Herzls (die ^rsachnklimg erhebt sich) und.dankt Weizmann-und der"v. Mmen vereint in die Geschichte eingehen jr..L:n wie die, Namen von Esra und Nehemia. Uss't nächster 'Redner^^ sprach Dr. N o r d.a n. Er er» k'tnete ferne Ansprache' mit einem Zitat äüs der ^a:s:islaise:. ,.Le four'de gloire est arrive." Heute, am" S t. Avril, öeaimre dch's /.weiteHapitel der Geschichte/ deren' Riffel am 2. Nonember j917 anheLe. Wir stehen noch an k“ ^cbwelle n.nseres Landes. Aber wir sind schon'vor dem Fiicnfv. und .sagen der Welt, 'wir ^werden unser eigenes - ^' schick ansg'rstalten .znm eigenen Ruhm. und zum Sogen der Menschheit. Diese bedurfte niemals mehr eines MuüerZ, Has' Gerecl. '^kcit und Liebe lehrt. Unsere eigene Vesreinng bedeutet die Errichtung eines Musterstaates für bh Mt; ' ' '' Fei w c l erklärte: Jm^ Sturme der Gefühle, welche der bischrinbe Mom.m.l in uns erweckt, sehen wir rüch blickend Pild des gewesenen. ZioyiZmus. welcher bishdr nnr ein Weg wart Das Ziel ist nunmehr erreicht. Von der ganzen Welt vexlacht, hat eine Jdealistengruppe Mühen, Ärdeiten und Enltänschüngen auf sich genommen und trotz des in den letzten Jahrzehnten ge« Häuften Leids sein Ziel nie aus dem Augen verloren. Wir stöhlen uns aufs tiefste vereint mit dem ganzen jüdischen Volke und griißen den Tag der Befreiung des jüdischen Volkes und Landes. , ' ■ / Josef Cowcn drückte die Dankbarkeit des jüdischen Volkes für die Mächte und die Entschlossenheit zu eigener .Arbeit aus..; A ' Der soeben aus Jerissalem eingetroffene Alexander Go)dstein berichtets über die^ heroische Haltung-der palästinensischen Judenheit, die wahrend-der Exzesse.vollkommen geeint und tapfer war. Die Jnöenhet im Lande war derart organisiert, daß kein Angriff gewogt wurde, auch m jüdischen Diertel^on Jerusalem-nicht. Die Angriffe gingen nur von einer kleinen arabischen Gruppe aus, und wurden von'der arabischen Bevölkerung weder gebilligt noch nnterstiitzt. Die jüdische Haltung einschlietzlich des alten Jischuw war be wundernZwert. Nach der Verhastung von Jabotmsktz be- [ werden. gann man Unterfchrrften und Solidaritätserklärungen zu sammeln und Tausende von -Unterschriften'aus den Kreisen des alten Jischuw liefen ein, nachdem Ober« rabbiner Kuk das Schreiben mir Sabbat ^erlaubt hatte. Dis jüdische Denkschrift an dieMiftsHe Verwaltung, dse '.Müsendd^ofl^Vi^rschr^Mn^^'MMMklärtp/MeUnter«, zeichneten'fördertet die gleiche Behandlung wie Jabotinsky,- da sie nur aus Mangel an Waffen nicht gleich ihm an der Selbstwehr teilgenommen hätten. Der Heroismus .und die' Entschlossenheit derjüdischen Bvölkerung sei denkwürdig und für die Zükunftbeispielgebend. Schönfeld (Misrachi) betonte die Einheit des Zionismus, welcher in Gefahr und Kampf keine Parteien kenne, upd driickte die Hoffnung aus, daß der Wiederaufbau des jüdischen Heims den prophetischen Geist wieder lebendig machen werde. Tie Versammlung sandte Glückwunschtelegramme an Weizmann, Sokolow, Herbert Samuel, Brandejs, den Waad-Hasinani,- die Zionist Commission und an Jabotinsky ab. D?e Valkonr-Dekraratton. Die von der Friedenskonferenz in San Remo zur Äufnhme in den' Friedensvertrag bestimmte P a lfour- Deklaration vom 2. November 1916 ist an Lord R o t h s ch i ld gerichtet und lautet: „Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei Klarheit darüber herrschen mutz, datz nichts ge-, tan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehendernichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte. Ich bitte Sie, diese Erklärung zur Kenntnis der Zionistischem Föderation zu bringen." Endgültig entschiede^ ... San Rem0» 26. Llpnl. (Reuter.) Es ist e« dgültig entschieden, datz England das Mandat über Mesopotamien und Palast i n a, Frankreich das Mandat über Syrien erhalten wird. Präsident Wilson ist ersucht worden, als Schiedsrichter für die Festsetzung der armenischen Grenze zu fnngieren. Berlin, 26. April. (Korr.-Bur.) Die „Voffische Zsitung^ meldet aus San Remo: Der Oberste Rat prüfte gestern die Frage Palästinas. Die ^Grenz. bestimmung ist noch Gegenstand französtsch-err^lischer Verhandlungen. England will sich die Quellen des Jordan- und des Litani- Fluffes eingliedern, die die Franzose» für Syrien gefordert haben. England verpflichtet sich, dem Völkerbund einen Statutenentwurk zur Genehmigung eckrznreicheu. Den Wünschen der Juden nach Srl'affung einer nationalen Vertretung soll entsprechend den bekannte» englischen Vorschlägen Rechnung getragen F. W i e n, 27. Avril. Palästina ist unferl Zur selben Stunde vielleicht, während wir an dieser Stelle Worte der Besorgnis.' äußerten und auf die -ringende Notwendigkeit hm« wiesen, daß in der Frage über die Zukunft Palästtnas eine unverzügliche Entscheidung falle, haben die Vertreter der Großmächte in San Remo den Beschluß gefaßt, die Erklärung Valfours, welche dem jüdischenVolk ein nationales Heim in Palästina verbürgt,, in de» Friedensvertrag mit der Türkei aufzunehmen, Daß Mandat über Palästina wird an England übertragen, welches die entsprechenden Bestimmungen vorbereite» soll, die die Schaffung-eines nationalen H^ims für. da-, jüdische Volk in Palästina ermöglichen sollen. In einem Augenblick der höchsten Spannung, in einem Moment, da der Schmerz und die Entrüstung lebendig sind übep die beklagenswerten Ausschreitungen von Jerusalem und das frevelhaft vergossene jüdische Blut, kommt dük Entscheidung, welche dem zweitausendjährigen jüdisch« Wandervolk eine Heimat gibt. Der Ahasver-Fluch tee Heimatlosigkeit soll von uns genommen werden und daälteste ' unter den europäischen Kulturvölkern soll fest« Boden unter seine Füße erhalten und ein schützend« Dach über sein Haupt. Unser Recht, historisch urch lebendig zugleich »nd heiliger als irgendein Rechts anspruch der Völker, ist anerkannt und verbriest worden und erhält seine Ko^ifizieruuq selbst taf Friedensvertrag mit der Türkei, in welchem eS ein«! ' integrierenden Bestandteil bilden wird. In einem Rügen»! blick her Nationalen Not, da viele unserer Pest«7 zweifelnde Sorge um unser Volksschicksal zu befall«/ drohte, beginnt die Mauer einzustürzen, die uns voD Erez Israel, trennte.' Während die jüdischen Masten is» Osten unter tausendfachem Druck seufzen und sie Voßj und Elend und ein permanent gewordener Pogrom fo«> droht, während hier in Zentraleuropa blutigster Hast gegen das Judentum wütet, flammt mit plötzlicher Hells« der Hoffnungsstrahl auf, der immer und immer bürste eine zweitausendjährige Leidensnacht unseren Weg durchs die Galuth erhellte. Tausende von jungen, mutigen unG zukunftsfrohen jüdischen Kräften, welche bereit sind, W ganzes Sein und Wollen der palästinensischen Heimatzu weihen und deren Ungeduld aufs höchste gestiegen ist. werden vielleicht nicht mehr allzu lange zu wart« brauchen. Wir treten in ' eine neue Epoche unser«, Volksgeschichte ein.' Das jüdische Volk, seit je gewohnt, als Spielball in der Hand der Mächtigen, als Blitz- . ableiter für atavistische Volksinstmkte zu dienen, ta$ Volk, dem bisher eine lediglich passive Rolle im Volk«» leben zugedacht zu sein schien, rafft, sich auf zu nationaler Aktivität und schickt sich an, als gleichberechtigte- Mitglied unter die Völker zu treten. Noch läßt sich heute nicht bestimmen, auch nicht einmal annähernd sagen, wie rasch'und mit welcher' Intensität der Prozeß der Einwanderung nach Palästina verlaufen wird, und fürs erste zumindest wird die überwiegende Mehrheit unseres Volkes ihr Dasein in der Galuth fortsetzen müssen, aber wir sind nicht mehr' heimatlos. Wir hören auf. die zersplitterten Teile eines zerrissenen Volksorganismus zu sein und werden wie Kolonien, die sich nach dem einen Zentralpunkt einer Heimat orientieren. Wir sind nicht mehr heimatlos und' unser nationaler Fortbestand ist gesichert. Es wird an uns liegen, nicht nur den realen, sondern noch viel mehr den geistigen Zusammenhang mit demkünftigen jüdischen Zentrum aufs intensivste auszugestalten. Unser ganzes Leben in der Diaspora soll durch die eine Tatsache des jüdischen Palästina von Grund autz umgestaltet werden,' die ganze Galuth erhält einen Zentralpunkt im Zentrum. . Die Folgen des BeschlusteS der Friedenskonferenz können jetzt noch nicht in gllen ihren Konsequenzen beleuchtet werden. Ihr Segen, soll nicht nur unserem Volk, sondern der ganzen Menschheit zugute kommen: indem wir eine eigene Scholle unter die Füße bekommen, ev» wacht unser Volk von der Gebundenheit zur Produktivität. Der fange geknebelte jüdische Genius wird frei zu eigengesetzlicher Gestaltung. Wir haben der Menschheit Großes und Unvergängliches gegeben: ihre Religion'unsittliche Auffassung ht sie aus jüdischem Born geschöpft, ihre, sozialen Errungenschaften sind altes jüdisches Erbgut. Aber die Menschheit hat uns unsere Gaben miß Undank gelohnt, sie hat uns das Helotenschicksal deul ewigen Fremdlings bereites unseten Mtzlerisch« Vüüh- WtM nriüiiriii«