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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-25 · Heft 452 (25.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 452 (25.4.1920)
Date
1920-04-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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April 1920 2. Jahrgang Infolge einer heute in Kraft tretenden amtliche« Verordnung bezSglich EinfchrLnknng des Papieroerbrauches der Zeitungen auf die Dauer No« einer Woche erscheint die hentige Nummer in reduziertem Ausmaße. Sa» Nemo. . F. Wien, 25. April. Die Vertreter der europäischen alliierten Mächte Haben sich nach längerer Unterbrechung wieder am gemeinsamen Beratungstisch zusammengefunden, um das so gründlich festgefahrene Schiff des europäischen Friedenswerkes -flottzumachen zu versuchen. Im Vordergrund dev Erörterungen steht die Frage, wie Deutschland zur Einhaltung seiner vertraglichen Verpflichtungen genötigt werden soll, und schon aus den bisherigen Meldungen ist ersichtlich, wie gering in diesem Punkte die Uebereinstimmnng zwischen Frankreich einerseits und England und Italien andererseits ist, so daß die Verhandlungen nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten verlaufen dürften. Die Verschwörung der Kapp-Leute und ihre unerfreulichen Folgeerscheinungen haben wieder einmal die Gefahr aufgezeigt, welche sür^den Weltfrieden besteht, so lange dev deutschen Reaktion die Giftzßhne nichtvollends ausgebrochen werden. Und ' als . des ^deutMwMlWO -DMOWM^HWWche -Militarismus wieder?in die Halme geschossen, der nW-:H yrehr : auf seinem , Scheine besteht. Frankreichs Sprecher Millerand ist bekanntlich in der Frage Deutschlands Mr die scharfe Tonart, während die Vertreter' Englands und Italiens ein gewisses Entgegenkommen zeigen, das auf der in den beiden Staaten langsam anfdämmernden Einsicht beruht, daß es vielfach die Härten des Fritzdensvertrages sind, welche, den Putschismus in Deutschland fordern. Die bisherigen Ergebnisse der Friedensvtzrträge und der allgemeine Zustand, den Liese mitgeschäffen haben, beweisen mit erschreckender Deutlichkeit, wie unvollständig und reformbedürftig das Friedenswerk ist und wie sich der'Fehler rächt,, daß man unter dem Druck einer allerdings - nicht wegzuleugnendön Realität die klaren und einheitlichen Richtlinien, wie sie namentlich Wilson aus- . stellte, zugunsten verschiedener Sonderinteressen verlassen hat. Die Durchbrechung der großzügigen und einheitlichen Gesichtspunkte hat eine Fülle von Unruhe über die Welt gebrächt, die noch immer in Waffen starrt und stets von neuem erschüttert wird. Dies zeigt sich auch in der Adria-Frage, deren Lösung noch immer nicht 'erfolgt ist und m der sich Italien und Jugoslawien noch immer^als Gegner gegenüberstehen. Namentlich durch den Streit um Fiume werden die Gemüter stets aufs neue erhitzt und es ist schwer, die beide Seiten befriedigende Formel zu finden. Italien kann schwerlich mehr zurück. Man hat dort während des Krieges die Befreiung der unerlösten Provinzen zum Feldgeschrei erhoben und entgegen den Wünschen der früheren österreichisch-italienischen Sozialisten, welche die Jnternätionalisierung von Triests als beste Lösung forderten, diese Stadt Italien einverlerbt. Und man hat bald erkannt, daß dieser dereinst blühende Hasen zum Niedergang verurteilt wäre, wenn seine wirtschaftliche Existenz nicht durch den Besitz von Fiume gesichert würde. Es ist nun möglich, und verschiedene Nachrichten der letzten Zeit scheinen darauf hinzudeuten, daß die jugoslawische Regierung bereit? wäre, gegen entsprechende 'Kompensationen an der albanischen Küste — namentlich kommt hiebei Skutari in Betracht — auf den Besitz von Fiume zu verzichten. Aber auch durch diese' Lösung dürste die Schaffung von konsolidierten Verhältnissen im Südslawenreiche schwerlich angebahnt werden, dessen innerer Aufbau noch sehr vieles wünschen läßt. Denn die alten Gegensätze zwischen Serben 'und Kroaten bestehen nach wie vor und der alte Antagonismus, der nach dem Zusammenbruch des alten Oesterreich einigermaßen zurücktrat, ist längst wieder aufgelebt. Zur Zell des italienischen Angrspfs auf Dalmatien gab es keine Armee zur Verteidigung und die Sorbenpolitiker in Kroatien konnlen den Kroaten Reicht begreiflich machen, daß Dalmatien nur durch einen Anschluß an Serbien gerettet werden könne. Erst etliche Monate nach dem Umsturz ent- Mosü-n sich Me Kroaten. MM. Peter„daL. Köniatum Entwaffnung §an ffeilio. IV i. — Direkte Besprechungen mtt dem; deutschen Vertreter. ®än$i t mi, 24.April.(Havas.) Millerand und Lloyd George hatte« heute vormiLLcZS eine zweistündige Besprechung, die ein sehr e r s p r i e tz l i ch e s Erg e b « i S zeitigte. Ueber folgende Frage« fcheiuen die Seiden Negierunisn zu einer Einigung gelangt z« sein: Entwaffnung D entschlands, W^iedergutmachungen nnd Aktions» gemeinschaft zwischen d e n A l l i i e r t e n. Die Vereinbarungen solle« dem Oberste» Rat morgen unterbreitet perve::. Die Alliierten stnitzentschloffer^ so schnell alS möglich die Ab schützn»g des B e« trages jener Summe vorzunehmen, die von Deutschland als Wiedergntmachn«g verlangt werde. Die denLsche R gierung wird ermächtigt werden, diesbezüglich Anregnnged' durch einen ihrer Vertreter zu machen,, der später von den Alliierten z« direkten Besprechungen berufen, werden w i rd, die wahrscheinlich in Brüssel stattfinden dürften. Der. Eindruck in französischen Kreisen ist befriedigend. Mit M N in Robert Cectl an der Spitze eines parlamentarischen Komitees. London, 24. April. (Privat.) Die Vorgänge in Jerusalem und ihre Begleitumstände sowie die zweideutige Haltung der britischen Verwaltungsbeamten in Palästina haben in sämtlichen politischen Kreisen die tiefste Erregung hervorgerufen. Allgemein ist die Ansicht, daß das P r e st i g e Englands aus dem Spiele steht, wenn es nicht in Palästina unverzüglich Ordnung schafft und seinem den Zionisten gegebenen feierlichen Versprechen mit allem Nachdruck Geltung verschlisst. Dieser Auffassung entspricht die Resolution, welche in einer dom Exekutivkomitee und de» Mitgliedern der parlamentarischen Gruppe der Arbeiterpartei und der Trade Unions abgehaltenen Konferenz beschlossen wurde und in welcher an dir Regierung die Forderung gestellt wird, die Festlegung der Zukunft Palästinas und die Uebertragnng des Mandats an Großbritannien zu beschleunigen, damit die Wiederherstellung Palästinas als nationaljüdische Heimstätte ohne Verzug durchgeführt werden könne. Vorgestern fand auch eine Versammlung statt, an welcher zahlreiche..Mitglieder der beiden Häuser teil- »ahmen, nm > zu den Ereignissen in Palästina Stellung über Kroatien anzubiöten, und heute müssen sie sehen, daß sie politisch nichts erreicht haben und unter serbischer Hegemonie stehen. Dieser bestehende Gegensatz wird nun durch die ewige Fiume-Frage bedeutend verstärkt und die Kroaten werfen den Serben vor, daß sie in. der Ädria-Fräge zu wenig energisch austreten. Diese s-ehen in der Tat keinen Grund, sich der Kroaten wegen allzusehr zu exponieren, und nichts läge ihnen -ferner, nls wegen dieser einen Krieg mit Italien anzufangen, da.für Me. serbischen Interessen der Besitz der albanischen Küste mit Skutari viel wichtiger als das kroatische Fiume wäre. Dies wissen, die Kroaten allzugut. So zeigt sich zwischen denbeiden verwandten Völkern ein recht intensiver Haß und es besteht die Gefahr, daß die Gegensätze durch' eine Lösung der Adria-Frage, welche einseitig bloß das serbische Interesse befriedigte, eine große Stärkung erfahren könnten. < Dieses Verhältnis zwischen den beiden. Völkern findet naturgemäß in der gesamten innerpolitischen Lage seinen Ausdruck. So ist die Armee fast völlig serbisch, weil die. Rekrutierungen in den früher zur Monarchie gehörigen Gebieten ein fast gänzlich negatives Ergebnis gezeitigt haben. Es konnten bisher keine Kammerwahlen abLeLMenwerdem, so„daß,M Las Parlament, bis Leute zu nehmen und die vo« England «unmehr einzvschlagende Politik zu besprechen. Es wurde« dringliche Maßnahmen beschlossen, mit deren Herbeiführung ei« aus Mitgliedern aller Parteien bestehendes Komitee betraut wurde. Zum Präsidenten dieses Komitees wurde einstimmig Lord Robert Ceei.l gewählt. ' * In einem „Zionismus und San Remo" betitelte» Leitartikel des „Daily Herald" legt John Langd«« Dav ies das Interesse dar, welches gerade die Arbeiter* Parteien an der Ordnung der Dinge in Palästina i« zionistischen Sinne haben, da das zionistische Ideal de« Aufbau eines sozialen Werkes von hervorragender Bedeutung darstelle.- Der Artikel schließt mtt der Erklärung, daß die Arbeiterparteien mit Sau Remo klare, unzweideutige Worte reden und fordern müssen, daß die gemachten.Zusicherungen eingehalte» werde«, dass eine so wichtige Angelegenheit des Fortschritts nicht durch die Zwiespältigkeiten in der äußeren Politik er» schüttert werde. Die Arbeiterpartei dürfe aber auch nicht zugeben, daß etwa die englische Regierung selbst oder ihre Beamten einem solche« Versuch hinderlich sei«. aus ehemaligen Abgeordneten zusammensetzt, die auf alle Parteien nach einem bestimmten Schlüssel verteilt sind, Und da weder die zentralistischen Demokraten noch die autonomistischen Radikalen eine richtige Mehrheit besitzen, ist. das Parlament dauernd arbeitsunfähig. Wirklich freie Wahlen müßten unter solchen Verhältnissen die Idee der Reichseinheit stark in Mitleidenschaft ziehen und das ohnedies schwache Gefüge.des Staates, lockern. Per Bauernführer Radic, der ein Jahr ohne Untersuchung in Hast saß und, kaum freigelasien, seine antiserbische Propaganda wieder aufnahm, die mtt seiner neuerlichen Verhaftung ein rasches Ende nahm, hat einen starken Anhang, und da die Bauern in Jugoslawien ein ausschlaggebendes Element sind und du 'Klssrikalen einer Vereinigung absolut gegnerisch gegen- Überstehen, wäre es nicht einmal ausgeschlossen, daß er dieser Propaganda gelänge, die bisher so wenig fest« Einheit zu zerreißen. All diese Umstände kommen bei der Lösung der.verwickelten Adria-Frage in Betriacht uni. als eme wirkliche Lösung wird nur jene gelten dürfe«, welche vermeidet, neuen Zündstoff in einen Teil Europas zu tragen. Ein besonderes Interesse auf der Konferenz vo« San/Remo wendet sich der tüxkMey Frage Achgy V ■I

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