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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-24 · Heft 451 (24.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 451 (24.4.1920)
Date
1920-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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- VfVfPIVWLlllfllSF« STB Heller rschecho-SlswaKei: Einzeln 44 Heller ^tfch. SV PrLmmerationspeelse: Mi«»r S«m Mholeu i» der ApLiti-L^. Bezirk. Tabor- Aretz 1 «S S, »der in eine, Ä?rfe I»it P-ftv^mMSrMe» mrt Mimattich .. Kronen 20.— •. «ltzechS'Glowarel: Monnttlch .. Kronen 7 — »iertelMrkich „ 21.- flu tschecho-slstvaklscherSShnmflNo««Ntch^"?Nroueu 20.- VierteUdhrllch ,, 60.— te n»I«rischer «Shnmg Vierteliätzrltch „ 00.— i» j«go,lu»ischer Mchnmz ifllWpWf fllBl mtUm&mn TschechoSlomakei: Einzel» 44 &»«« t. sich.» PrL««merattOnchreIfE Monat«»??*&€*! LG^ Bwfes'Ä«r Monatlich Sft« sj Monatltch^^ran» *J Redaktion o. Ad«tnistr«ti«» Wten.S.Vez^Taborftr.L-- reiepboner «dminiftoattotz 440s8/^Redaktion 4«»1S. ad 6 Uhr adend» «a.A»8«I WOftfpnfffTcttlpttf# Wm Slr. 4SI Wie«, Samstag, de« 24. April 1920 Caillaux zu drei Jahren Gefängnis Paris, 23. April. (Korr.-Bur.) Der Senat als StaatsgerlchtShof hat in ferner gestrigen geheimen Sitzung über Caillaux den Schuldspruch gelMt. Der Gerichtshof sprach sich mit 213 gegen 28 Stimmen gegen die Anträge des GeneralproKurators aus, die auf den Artikeln 77 und 79 des Strafgesetzbttches beruhten, so daß also Caillaux nicht des Verbrechens des Hochverrates schuldig erklärt wurde. Indessen beschloß der Sengt mit 151 gegen 81 Stimmen die Anwendung des Artikels 78 des Strafgesetzbuches (Verkehr mit dem Feinde lm Gegensatz zu Einverständnis mit dem Feinde), der Festungshaft im Ausmaße von 5 biß 20 Jahren vorfieht, .doch erklärte sich der Gerichtshof mit, 128 gegen 110 Stimme« bei drei Stimmenthaltungen für eine Milderung der Strafe wegen mildernder Umstände. ' Paris/. 23. April. (K^rr.-Bur.) Caillaux» ist zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die von ihm verbüßte Untersüchnngshaft wird für etwa drei Viertel der Strafe angerechnet, so daß er im ganzen noch «ngefähr zwei Monate Htz verbüßen hat. Läiyaux ist anch zur Zahlung der Kosten im Betrage von ungefähr 52.009 Francs verurteilt worden. ' * ' < > , Das Urteil gegen Caillaux bedeutet eine nachträgliche moralische Niederlage der Politik des Herrn Elemenceau, der seinerzeit gegen Caillaux einen Hochverratsprozeß konstruierte, um ihn zu nerhasten und den Defaitismus W Frqykrejch bloßzustellen. Mehr als zwei Jahre wurde Caillaux in Hast, gehalten und eine hochnotpeinliche Untersuchung durchgesüh.rt, dir sich aber bei der Gerichtsvechandlung Ms nicht besonders beweiskräftig erwies. Die Verhandlung zeigte, daß Elemenceau bei der Verfolgung Cailläüx' auch persönliche'. Gründe verfolgte, und, deshalb verwarf der Staatsgerichtshof die Anklage wegfn Hochverrats. Die Konferenzen von San Remo Eine franztzfische Darstellung der Un- Pgris, 23. April. Die Agenee HavaS meldet aus San Remo, man sei in der Lage, Aufklärung über die Ursachen der Uneinigkeit zu geben, die sich in den ersten private» Unterhaltungen von Samstag zwischen den Ministerpräsidenten zeigte. Am Vormittag habe bei der ersten Begegnung M i l l e r a n d s mit L l o y d George dieser erklärt, die rationellste Lösung der Fragen, betreffend den Friedensvertrag von. Versailles, sei die, eine Konferenz nächParis einznberufen, ans der Deutschland vertreten sei. Millerand habe, ohne sich die Ungelegenheiten dieses neuen Verfahrens zu verheimlichen, erklärt, er könne ihm nur unter gewisse» Bedingungen znstimmen. Am Nachmittag bei. der Beratung der drei Ministerpräsidenten hgbe Lloyd George seinen Vorschlag wieder ausgenommen und sei von Nitti darin unterstützt worden. Beide Ministerpräsidenten hatten den Vorteil direkter Verhandlungen mit den Deutschen unterstrichen und aus das Interesse hinge» wiesen, das .es für Frankreich habe, die-Entschädigung, die von Deutschland verlangt werden könne, sofort fest», zusetzen, ohne bis 1921 zu warten, namentlich deshalb, weil man dadurch, die Mitarbeit des deutschen Volkes bei der Pussührung dess Vertrages und die B e r s ö h n u n g der beiden Volkes erlange. Milleränd habe sich alsdann dieser.Forderung formell widersetzt und ed sei ihr keine Folge gegeben worden, es .scheine mich nicht, als ob sie noch einmal gestellt worden sei. . Dies sei die Meinungsverschiedenheit, die ans den ersten Beratungen der Konferenz gelastet hätte. Die Lage scheine jetzt aufgeklärt und wirklich (?) gebessert zu sein.' . » Milleränd unbeugsam. Berlin, 23. April. (Korr.-Bur.) Die ^Vosstsche Leitung* meldet aus Rock: Miller and erklärte in einer Unterredung, Frankreich verharre auch gegenüber den neuen deutschen Noten auf der st rikte n 'Ansführung d es Friedenso ertr ag,-e s von Versailles. Ohne Haßgefühle gegen Deutschland zü hegen, könne Frankreich jedoch die gewünschte Annäherung an Deutschland nicht eher vollziehen, als bis Deutschland seinen guten Willen zeige. Deutschlands Heer. Paris» 22, Avril. (Korr.-Bur.) Dte.Agence HavaS in ldct anS San Re m o, die deutsche Nole, welche die Forderung einer A r m e e von 200000 Mann stelle, habe in Kon- ^wKch'eu lrbhastm Emdrv-t huvorgeruje^ Die »Voisische Zeitung" meldet anS London: In der Note wird unter anderem darauf hingrwiesen, daß, Wenn die bolschewikische. Initiative zu einer r e v o lu 1 i o n 8 re n Bewegung erstarken würde, diese Bewegung überall im Lande gleichzeitig nnd mit viel grovettr Krait als bisher ausbrechen würde. In diesem Falle wäre die bewilligte HerreSstmke zur Unterdrückung des Ausstandes ungenügend. : Die europäischen Grenzen der Türkei. Vevlin^ 23. April. Die ^Bossische Zeitung" meldet aus Sau Remo: Irr. der gestrigen Abendsitzung der Konfereyz wurden die europäischen Grenzen der Türkei bis zur T s ch a t a l d s ch a - L i n i e festgesetzt. Beide Thrazien wurden Griechenland zugewiesen, das nun bis zum Schwarzen Meere reicht und Adrianopel einschließt. Bulgarien erhält wirtschaftliche Rechte au der Maritza- Mündung Paris, 23. April. (Funkspruch.) „Matin* meldet aus San Nemo, daß zur DutchWrunh des Friedrnsoertrages mit der Türkei 10 Divisionen als notwendig. erachtet werden, die heute schon auf türkischem Gebiet vorhanden seien, und zwar 5 französische, 4 englische, 1 italienische und 9 griechische. 8 weitere Divlsioncn werden als notwendig erachtet iür eine alliallige Expedition nach Anaiolim. die militärischen Sachverständigen seien jedoch der Ansicht, daß die Entwaffnung der Streitkräfte Mustapha Krmals von selbst auf Grund der Besetzung Konstäutmvpels und wichtiger strategischer Punkte-KtzmasieNs eintreten. werde. ( Große amerikanische Lebensmitteltteferungen an Deutschi lau-. ,- Berlin, 23. Aprils (Wolfs.) Zwischen der Reichseinfuhrstelle und den amerikanischen Packerfirmen ist ei« neues -Abkommen über die Lieferung von Brokgetreide, Fleisch, Fett, Schckalz, Milch und anderen Waten in der Gesamthöhe von 2,75 Milliarden Mark ' zustande gekommen. Die Lieferitng der Waren beginnt sofort. Geliefert werden: 259 Millionen Kilo Brotgetreide, 45 Millionen Kilo Fleisch, 50.000 lebende Schweine, 20.000 levrnde Rinder, 25 Millionen Kilo Speck, 25 Mil» lionen Kilo Schmalz, 3 Misiionen Kilo Käse, 400.000 Kisten Milch zu je 48 Dosen, Oelfrüchte zur Herstellung von 50 Millionen Kilo Margarine, 10 Millionen Kilo Reis und.1,2 Millionen Kilo Kartosseln. ferner ist die Einfuhr größerer Mengen Heringe gesichert. Für weitere 150 Millionen Kilo Brotgetreide schweben die Kaus» perhartdlungen. 2. Jahrgang Die Schweißhunde. ' —T. Mi e«, 24 April.- ' Der Kampf gegen die Demokrcktre in Deutschland bewegt sich immer unverhüllter in dem ausgefahrenen Geleise des JpdenhaffeD. Aus Bayern, Württemberg und-auch aus Berlin, kommen Nachrichten über willkürliche Mafsenverhaftungen und Internierungen semitisch aussehender Personen, wobei auf ihre Herkunft auS Deutschland oder aus dem Osten nicht die geringste Mck« sicht genommen wird. Die kontrollos wirtschaftende Reichswehr,, die als Stütze der Republik-vor den paar Marinesoldaten und Landsknechten Kypps versagt hat. holt sich jetzt billiges Eichenlaub'Np dem Krieg gegen die Juden. Deutschland soll auf den Wrg gedrmrgt werden, den Ungarn wandelt, und in der Erreichung dieses hohen Zieles'hat man sich zunächst den-Judenpunkt als den Ort des geringsten Widerstandes ausgesucht. Die toll gewordene Meute der Reaktionäre arbeitet mit allen Mitteln daran, das ungarische Rezept den deutschen Massen mundgerecht zu machen. Hier wie in Ungarn stehen die Elemente im Vordergrund, die den Krieg herbeigeführt und verloren haben. Hier wie dort, sind es die mit der Kriegsindustrie versippten Kasten der Adeligen und der Berufsoffiziere, die sich wieder der Herrschaft bemächtigen und zunächst durch ein Loslaffen der bestialischesten Instinkte' die Atmosphäre vorbereiten wollen, in der ihre Pläne gedeihen sollen, Im Zeichen des Hakenkreuzes wird dieser, neue innere Krieg ge» S^^tzliDMen,voMfÄlen, bw Mn anderer als Maximilian Harden, den man wohl, kaum < des übertriebenen Philosemitismus' zeihen darf, in einer wuchtigen Anklage vor der Kultürwelt bringt Dieses. Treiben ist schon so gefährlich geworden,, daß es nötig ist, offen zu sprechen und die Aufmerksamkeit aller anzurufen, die sich durch das heuchlerische Geschrei der neudeutschen Zyniker leicht täuschen lassen würden. ' Man macht in Deutschland so wie anderwärts die Juden schlechterdings ftir alles verantwortlich, ohne sich sich hiebei irgendwie durch logische Einwendungen de» emflpssen zu . lassen. . Wir lesen täglich in der frech« siirnigen alldeutschen Presse, daß die Juden in gleicher Weise den Krieg gewollt und ihn abgelehnt haben; dÜ' Juden, sind die Kriegsgewinner und zugleich die Bolschewiken. Dazwischen findensich ,in all die Lügen lieblich eingebettet. Ritualmordmeldungen Und ganz abstruse Beschuldigungen, die einbr krankhaft gereizten Phantasie entspringen, > dabei aber durch raffinierte Aufmachimg leicht auf den naiven Leser aus der urteilslosen Maffy wirken, die ' sich den Glauben an die Drucker» schwärze trotz aller bösen* Erfahrungen noch bewahrt-hat. Wenn man diese Presse und die antisemitische Jlugschriftenliteratur betrachtet, so mutz man über zwei Dinge staunen: daß es wirklich Menschen gibt, die an die Mnderwertigkeit des Deutschtums so stärk glauben, daß sie es in allen,Dingen als dem jüdischen Einfluß unterworfen hinstellen, und daß es Leute gibt, die ^sür solche fchmutzstarrende Propaganda Geld opfern. Denn es kann nicht übersehen werden, daß für diesen Zweck ansehnliche Geldmittel zur Verfügung stehen, die den Invaliden und sonstigen Kriegsopfern weit bester dienen würden. Aber es ist eben der Zweck,, der diese Mittel heiligt. Das Elend soll vertieft und verbreitert, der Hatz gegen die polksfremden Juden zu einem treibenden Faktor gemacht werden,, um im Innern die alte, gott° gewollte Ordnung wieder aufrichten zu. können, bei der Adel und Grotzbürgertum zusammen an dem Fleiß des deutschen Mannes so herrlich schmarotzen konnten. Es ist natürlich nicht zu vermeiden, daß das Aus« land diese Dinge erfährt und sich auf seine Weise mit ihnen befatzt. Man weitz im Ausland, datz die reaktionären Kreise nichts so innig und herzlich ersehnen als einen neuen Krieg,/der ihnen neue schöne Kriegs» gewinne bringt, und daß sie nichts ärger fürchten als den jüdischen Scharfblick/der,.ihnen das Konzept verdirbt. Jede Versöhnlichkeit des Auslandes' ist ihnen ein Anlaß zu einer neuen Hochflut wüster Beschimpfungen und verletzender Ausfälle. Das^Ausland läßt sich solche Dinge nicht gefallen und reslliziert mit Drohungen gegen Deutschland und mit der Forderung nach Entwaffnung dieses Staates. Das ist dann wieder ein Grund-zur! antisemitischen Hetze.! Dieso Rolle ist den Juden nickst neu, aber wir wolle«! sie nicht länger dulden. Wir wollen nicht warten, bis.! eine .neue Pogromwelle auch Deutschland erfaßt und.dW^ ^eäasmmmmm sa

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