Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 450 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979528--03975-2989665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V Mrv-!e»»mp1ar: fnI* 80 Heller Lfchrcho-Slowakei: Einzeln 44 Helle» 1. sich. SV PrLnmnerattonspreise: W1e»r. Am» Adhokm i» der RlldEo«, Lvezirf, Tabor» ffttge 1 biS 3. öder i» einer versekiseißstelle <Trastk>: Monatlich... Kronen SO.— «ierteljShrNch „ ««.- Mtt Postnersand iür Wien und _ Oesterreich: Mopatttch .. Krone« SV.— _ ‘ Tichecho^Slowakei: Monatlich .. Kronen 7.— «terteliSvrlich „ »l.~ in tscheche-slowakischer Währung Ungar« Monatlich .. Kronen 8«.— vierteljährlich ., 0V.— In «ngarischer währnng / Jugoslawien: - „ Monatlich .. Kronen Vierteljährlich »«.- in jngchlawischer Mchrung ShttibMMtrftv r? Vrrls STB Arllrr Tschecho-Slowakei: Einzel« 44 Helles Ü tfch. W. PrLnnmeeattpMll-eers« Pole« Monatlich.. Mark!•*- vierteljährlich » 48«« ln dolnischrr wahrmg _ Frankreich: _ Monatlich... Franko 3,^ Jtalimr Monatlich . . . .Slre S^-i Schweiz: Monatlich . . . FrmikS 8.— Redaktion «. Administration >VientL.Bez..Tadorstr^—S relephon« Administration 44« »w, Redäktto» 4»8», ad 6Uhradend»91* 16901 vostsdarkafsenkanto UiiUvst Nr. 450 Wien» Freitag, den 23. April 1S2V 2. Jahrgang ■ESSV' Ein Wahlepilog. v' ' F. Wien, 23. April. ' Me Wahlen rn der Tschecho-Slowakei Haben zmm erstenmal auch der politischen Organisation des bewußten Judentums Gelegenheit gegeben, sich in großzügiger Meise an dem politischen Leben in der Republik zu beteiligen. Die endgültigen Ergebnisse per Wahlen in bas künftige Prager Parlament stehen zwar noch aus, ha die Zusammenstellung der Stimmenreste der einzelnen Parteien für die beiden folgenden Skrutimen noch eine Verschiebung in den Zahlenverhältnissen der Parteien dringen dürsten, aber es ist so gut wie sicher, daß es den „Stemmten jüdischen Parteien" in keinem Wahlkreise gelungen ist, die vorgeschriebene MinöestzM von Stimmen aufzubringen, an welche die Zählung^ aller für öle Partei abgegebenen Stimmen sämtlicher Wahlkreise geknüpft gewesen wäre. ' ' künftigen Prager Parlament wird das Judentum der Tschecho-Slowakei «licht vertreten sein. Es ist dies eine Tatsache, deren Beirüblichkeit durch keinerlei beschönigende Worte aus der Welt' zu schaffen ist, und es bleibt bedauerlich, daß eine Summe von Energräufwand, von Krastverbrauch und Opfern aller Art ohne pen erwarteten Erfolg geblieben ist. * Aber man würde in der Annahme sehr fehlgehen, daß die viele Arbeit. umsonst getan wurde. Dem bewußten Judentum in der Tschecho-Slowakei ist es nicht gelungen, die ihm ' gebührende politische Repräsentanz km ersten Ansturm zu erobern, aber der. ganze Verlauf der Wahlbewegung beweist noch, einmal, wie wertvoll diese Arbeit gewesen, ist,, wie richtig der eingeschlagene Weg war und wie nötig, es.ist, .daß diese Politik ohne Pause und mit stets wachsender Intensität sortgeführt werde. Die jüdische Negenerationsarbeit ist nie durch leichte Erfolge verwöhnt worden und sie hat noch stets gegenzwei Fronten zu kämpfen gehabt:' gegen die Feindschaft von außen und den Unverstand, die Indolenz tlnd Rückständigkeit im eigenen Lager. Wie lange krauchte es, ehe der Zionismus sich Anerkennung eroberte, die Bewegung, die in ihren Anfängen der letzte Kahal-Spießbürger mit seinem dummen Spott abtun zu können glaubte! Wie zäh -mußte das Wiener nationale Judentum unter Herzls' Führung und nachher kämpfen, ehe es ihm gelangt in den Wall Bresche zu schlagen, den sener Judentypus hütete,'den Herzl in seinem „Mansche!" verewigt hat!' Auch der jüdischen Bewegung in der Tschecho-Slowakei "ist es beschieden, den Kampf gegen die vielfachen Widerstände' weiterzuführen, bis ihm der ehrlich verdiente Sieg' zufällt. ‘ Trotz. ihrer ' äußeren ErfoHlosigkeit ist die bisher geleistete Politische Arbeit nicht ohne positive Ergebnisse geblieben. Die jüdischnattonale politische Arbeiterschöpft sich nie und nirgends in einer bloßen Mandatspolitik, und schon die Propaganda leistet - eine sehr wertvolle politische AufMru-ngs- und 'Erziehungsarbeit in den Nassen. Denn während-bet anderen Völkern das Bekenntnis zum eigenen Volkstum'.und ^eine eigene Volks- Politik zup selbstverständlichen' 'Grundlage' aller politischen Betätigung gehört,- muß der jüdische Volksgedanke m allen seinen Konsequenzen dem Bewußtsein der jüdischen Müssen, die einer politischen Führung so lange entbehrten und sich durch Dezennien als bloßes Objekt einer volksfremden Politik gebrauchen ließen, erst eingehämmert werden. So leistet jede richtig getriebene Wahlpropaganda, fern-von aller Demagogie,: auch gleichzeitig ejne nicht zu unterschätzende Erziehungsarbeit zur Politisierung per jüdischen Masse. .Wie -nötig/dies in der Tschecho-Slowakei ünd namentlch m der Slowakei gewesen ist. die geradezu als Neulandfür moderyküdistze Arbeit angesehen werden muß) Dürfte allgemein , bekannt sein, und wie erfolgreich diese Arbeit war, bewerft die sehr stattliche Zahl von. Stimmen, welche die ^Vereinigten jüdischen Parteien" auf sich vereinigen konnten. Aber damit ist die Bedentmig der Wahlarbeit keines- Wegs erschöpft. Obzwar ihr fürs erste der äußerlich sicht-, bare. Erfolg versagt geblieben ist, hat sie eines schon erzielt: das Judentum in der Tschecho-Slowakei hat als politisch und national organisiertes Gebilde die politische Plattform betreten, von der es nicht 'mehr verschwinde^ wird. ES., hat seinen Willen unzweideutig kundgetan, seine eigenen Interessen selbst zu. besorgen, und hat dokumentiert, daß es nicht länger gewillt-ist, sich als Stimmvieh für frenidnationale Interessen mißbrauchen zu lassen. Es hat vorläufig kein Mandat, aber dafür seine ganze Würde als eigenberechtgte nationale Minder- Heft wieder .erobert. Schon während der ganzen, mit Amerikanischer Miüionenkredit für Deutschland. Berlin, 22. April. (Korr.-Bm.) Die „Deutsche Allg. Ztg." meldet; Wie die „Politischen Parlamentarischen Nachrichten" ans zuverlässiger Quelle erfahren, besteht begründete Aussicht, daß ein amerikanisches Konsortium dem Deutschen Reiche einen in eineinhalb bis zwei Jahren rückzahlbaren Kredit von etwa 50 Millionen Dollars für Lebensmittel« lieferungvn zur^ Verfügung stelle« werde. 25 Millionen Gulden für Deutschland. , Hsrttrt, 22, April.. Dür „Lokal-anzeiger" meldet aus dem Haag: Die. Besprechungen bezügliche eines Vorschusses von 25 Millionen 'Gulden anDeutschland sind' abgeichlolsen. Die Äntetzeichnüng und Ratifizierung des Abkommens ist nunmehr nur noch' eine Formfrage. ' v ' . Lloyd George für die rmtLrdrüMen NatioNalitiiten. London, 22. April.. (Privat.) Der „Manchester Guardian" veröffentlicht einen'Aufruf für den Völkerbund, in dem es unter anderem heißt: Die Welt soll nicht wieder zurücksallen in die Gegensätzlichkeiten der Vorkriegszeit., Aber kein Völkerbund wird deri Frieden sichern, solanDpis unt-rdrückte Böller gibt, solange Nationen unter der wirtschaftlichen Sklaverei unmöglicher Entschädignng^- sorderungen seufzen und Menschen durch künstliche Schranken von denen getrennt werden, mit denen sie dür ch Sp r a ch e, R a s s e u n d T r a d i t i o n verbunden sind. Niemals wird es eine« sicheren Frieden geben, solange die Sieger die Kriegsbeute genießen und den Besiegten keinen anderen T^ost lassen als die dunkle Revanchehoffrmng. . * Dieser Aufruf 'ist von Gr.eh, Robert Ce eil, A s q n i t h, C l y n es und Admiral B e a t t h, aber auch, was besonders bemerkenswert ist, von Lloyd George, also dem aktiven Premierminister Englands, gezeichnet. Die Konferenz in San Nemo. Das deutsche Problem. ■ ■ San R mo, 22. April. (Havas.) Am Donnerstag ' wird die Konferenz mit der Diskussion des deutschen Problems beginnen. Die zu lösenden Fragen sind verschiedenartig und mannigfaltig. Auf militärischem Gebiete handelt es sich' um.die Frage, wie die Alliiertem Deutschland zwingen, sollen, die Entwaffnung wirksam durchzuführen. Andererseits wird der Oberste Rat auf die Frage Deutschland betreffend die. Verlängerung; der Zrfst zur Belastung regulärer Streitkräfte in der neutralen Zone längs des. rechten' Rheinufers; um drei Monats, antworten müssen. Aus wir.'schastlichem Gebiete werden vie alliierten Regierungen sich mit der. durch»' Deu'.schlands Nichterfüllung der Verpflichtungen.betreffs' der Wiedergutmachung, besonders aber betreffsde« Kohlenl'eferungen geschaffenen Lage zu befasse« haben. Es 'werden, wahrscheinlich "die Vorschläge wicher auf^- gegriffen werden, daß Frankreich den endgültige^,' Abgerundeten Gesamtbetrag der von Deutschland L« zahlenden 'Wiedergutmachung festgesetzt. Die französische, Delegation wird jedoch schwerlich einen solchen Modus; der Abfindung annehmen, der infolge unbestimmter Fassung große Nachteile haben würhe. Schließlich hathie Konferenz die^ anwendbarer Zwangsmittel zu bestimmen für den Fall, daß Deutschland sich seinen Verpflichtungen zu entziehen versuchte. Man könnte sich'in diesem Falle auf Wirtschaftliche Maßnahmen beschränken pder aber' bei ernsteren Vor». fällen militärische -Maßnahmen in Erwägung ziehet . Die Terlnng Äep Sürfici. Paris, 21. April. Für den 5. Mai ist m Paris dich Tagung einer neuen Konferenz geplant, um die formelle Redaktton der Friedensbedingungen vorzunehmen, die am 10. Mai den türkischen Delegierten, übergeben werden, sollen.^ Für die Teilung des türkischen Gebietes sollen dem „Jntransigeani" zuiolge die Grundsätze des Londoner Abkommens gelten.: Der französische Ministerpräsident bemüh<^ sich, den, fran'ösischen Standpunkt, betreffend S y r ie n u nbl, Cilicien, du ch^us tzen. Italien habe ..koloniale, Kompensationen in Afrika und gewisse Bergwerke in Kleinasien verlangt. Heute sollen die militärischen Sachverständigen gehört werden, und zwar Mar schall Fo ch und Wilson sowie italienische und japanische Generale^ solcher Heftigkeit geführten: Wahlkampagne haben sich die wohltätigen Folgen dieser Tätigkeit sichtbar ein- - gestellt. Während man sonst die Wahlkämpfe nicht ohne Beschmutzung des jüdischen Namens führen zu können glaubte, die gegnerischen Parteien einander ihren jüdi-' schen Anhang gegenseitig wie einen Schmutzfleck anzuhesten suchten und die jüdische Wählerschaft, kopsscheu geworden, zwischen 'den einzelnen Parteien Ümbergondelte und Umschau hielt, welche weniger antisemitisch gefärbt fei, jedenfalls-ab er dem Haß derer, die sie nicht wählte, neue Nahrung, bot und die Must zwischen den Völkern vertiefte, sinh diesmal die üblichen Begleiterscheinungen der Wahlen ausgeblieben und den deut-. schen Parteien ölieb nichts anderes übrig, als ihr altbekanntes Arierpro^ramm ohne neue Nuaneewbzuleiern. Wie ersprießlich diese Politik war und ist, erhellt cyn besten aus dem gekränkten Ton, in dem sich die unbelehrbare „judenliberale" Presse von Prag und Wien über das Verhalten der Juden bei den Wahlen ausläßt. Weil vie jüdische Wählerschaft zum eigenen Volke heimgefunden hat, erdreistet sich der Klüngel,, der sich von der Vorstellung nicht freimachen kann, , die ^Juden hätten einfach Ordre zu parieren, in diesem Falle von Abtrünnigen KU sprechen;- die „Neue Freie Presse" schießt,, wie immer, auch diesmal den Vogel pb und bringt es fertig, die Juden, die jüdisch gewählt haben, trotzdem und' ausdrücklich dem Deutschtum zuzuzählen, das in Prag durch einen getauften Juden vertreten werden und seine Position mit Hilfe von Antisemiten behaupten, söll! Schon an dieser Art von Gegnerschaft erkennt das Judentum in der Tschecho-Slowakei die Richtigkeit und Notwendigkeit des eingeschlagenen Weges. Der Wahlausgang hat es um eine Hoffnung betrogen, aber seinen jüdischen Mut und Willen nur gefestigt. Noch ist das Ziel nicht erreicht, aber die jüdische Plattform ist geschaffen. Die Wahlen für den Senat, die übermorgen stattfinden, werden die gesamte jüdische Wählerschaft der Tschecho-Slowakei auf ihrem Posten findevi ' Militär gegen die Türkei. Sa!« Remo, 22. April. (Havas.) Die Konferenz setzte die Prüfung des türkischen Vertrages fort. Es., wurde ein Einvernehmen über die Belastung von 2^ Divifiönen der Alliierten in der Türkei erzielt. Senfe' zelos erllärte, den A.l ierten eine Armee, von 100.000' Mann zur Verfügung zu stellen. Der Oberste Rat beschloß, den Plan der Errichtung' eines unabhängigen' Armenien angesichts der: Schwierigkeiten zu verschieben. Eine italienisch-franzA» sisch-englische Kommission wird die Möglichkeiten der Verwirklichung dieses ^Planes prüfen. Das Mandat über Armenien wird nicht beiw Völkerbünde anvertraut werden. Die Konferenz wird' eine neutrale Macht, Schweden oder NorweLen,' er^uchen,> dem armenischen Volke . bei der - 'Gründung eines freien Staates ihre Hilfe «Ngedeihen zu lasten.: Die Konferenz wird sich bemühen, Smyrna ein politisches Statut zu geben, das der muselmännischen und der griechischen Bevölkerung Rechnung tragen soll. Die o ttomanische S.taatsschuldverwaltung' wird aufgehoben und innerhalb dreier Jahre durch! eine rnternationale Kontrollkommission ersetzt. Holland übernimmt das Mandat über Armenien. Paris, 22. April. (Funkspruch.) .Petit Parisien* meldet aus San R e m o, daß das Mandat ü b er Armenien Holland werde angeboten werden. Holland hatte bereits grundsätzlich unter der Voraussetzung z u g e st i m m t, daß es die Finanzlasten des Ausbaues nicht allem zu tragen habe. Paris» 32. April. (Tcl.-Komp.) Die Mctdunge« Lett französischen P> esse aus San Remo' lassen aus ein negatives ÜügcbniS. der Konferenz ichbcßm. - Basel, 22. April. Die ukrainischen Vertreter in Rom, Paris und London haben sich in; .Aufträge ihrer! Mgierung nach San Remo. begeben« MhmM^2SSSBiäm