Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 448 (21.4.1920)
- Date
- 1920-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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H«i« 80 Heller Uschecho-Elow akd: Einzeln 44 HeSer I* tsch. M Peim»«erairottsp«erse: Vte»r Au« «Lh-le« tu der L Br-irk, Lavor. MM t vis 8, oder in einer Berschltkßstelle <TrafiN: ««uatlich . . Krone« 20.— Vtertekjährlich „ 00- Vtit Postversand für Wien und ■ Oesterreich: Monatlich .. Kroireu 20.— S Tichecha-Llawalei: konatlrch . . &rs>ttcu 7.— ierleljührlich „ *1.— bi tschecho-slowa'.ii d: ct Wahrung '_ Vngin-n: Mouatttch .. Kronen 30.- VterteltLyrlich .. 00^- ku ungarischer Währung . Augoslatoiru: WIPRBilllO ch # IdrOfKSI «#*0 Vierteljährlich {, 30.- * ‘ ' scher — »wie SO Helle» ■ , .; Sf4«4o>e(ot»afiei: Cteitte 44 «Hto ytüMmmrttMlnriytt Monattich^^Meuek t«J PlenietjMttch - in polnischer vihrnnA^^ ch» jngojlaoischer Währung Monatlich .' .' sr«r tytmtMUii i MonatNch. . .Qfinril ■ Va«»r Ä \ Monatlich ... .«6 M»natlich7^^^ Redaktion n.«»«tnift»atlo» Wtrn,».B«z.,Lol'«rs>b>1-W Telephone: Ad»tntft«»tl«t 440SH. Redaktion 4«U», ■» 0 Uh-av Ad» HK. »»»«k Posts-arkasfenkont» UGJBt Nr. 448 Wien, Mittwoch» den 21. April 1920 2, Jahrgang Oie Inden in der europäischen Politik.! ". —d. Wien, Sl. .April. Immer drastischer tritt der gewaltige Irrtum zutage, sich so viele Politiker und Parteimänner verschiedener Nationen vqr und währendes Krieges Hingaben, daß dessen Ergebnis sich lediglich auf territoriale Veränderungen der europäischen Landkarte beschränken werde. Welch gewaltiger Irrtum, den Sieger und Besiegte heute gleichmäßig büßen und den die gesamte weißem Kasse in Zukunft noch bitteKr büßen wird, wenn sie an Zeitenwende sich nicht von jenen Idolen. lossagt., denen sie . fast durch mehr-als ein halbes Jahrhundert nachgejagt hat! Alles, was als Stutze, als unerschütterliches Fundament des alten' Europa galt, ist zertrümmert Mr.: noch. irrt Begriff, in Trümmer zu gehen, alles das, Mer, was durch Jahrzehnteols Fäta Morgana einer yeuen Zeit der Freiheit, der Völkerverbrüderung und Erlösung vom kapitalistischen Joch ‘ angekündigt und von gläubigen Gemütern geglaubt Wurde, ist als eitler' Traum zerronnen. Bitter büßen die Opfer dieser zerronnenen Illusionen, Europas 'Völker, , dies, kern Volk, aber so als das jüdische. Es leidet unter den unhaltbar gewordenen Zuständen psychisch und ökonomisch, und es leidet umsomehr, als es gleichmäßig für die morschen Perhältnisse -er Vergangenheit wie der Geg'enwart verantwortlich gemacht wird. Unser Jammer ist ein -oppelter: >Ds. ist -er Jammer unseres .eigenen. - ge- Mnigteri.'VMes und zugleich der Jgmmex der'gesamten. MsiurmmschheU ‘ '7;-.*-*■ .'' ... t-:''-.Mir.-Deutschland kämpfen Rebolution und.Könterrkdslution umdie Herrschaft/ Partikularismus und Reichseinh'eit i unsicher ist die politische und ökonomische Zukunft Preußen-Deutschlands. Nur eines ist.sicher: der Antisemitismus ist-innerhalb fast aller Parteien im Bormarsch begriffen. Menso wie'Deutschlands Zukunft ist die Rußlands und der verschiedenen Nandstaalen mit Schleiern verhüllt. Die Kämpfe zwischen den russischen Bolschewiken und .den Polen , sind keineswegs danach angetan, sich betreffs einer baldigen Konsolidierung der Verhältnissein diesen beiden Staatsgebilden sowie weiters der aus diesen Kämpfen für. die .Juden sich ergehenden traurigen Lage einer Täuschung, hinzugeben. Bon dem Ergebnis dieser Kämpfe, soweit sie überhaupt ein positives Resultat 'zeitigen sollten, , hängt unter anderen auch die Lösung der ukrainischen Frage ab. Der- .zeit scheint ein polnisch-ukrainischer Ausgleich sich dahin Vorzübereiten, daß auch mit. Hilfe Polens eine selbständige Ukraine gebildet wird, daß' aber andererseits Ostgalrzien im polnischen Staatsgebilde verbleibt. Frankreich und England/ die derzeit keine Lust besitzen, auf den Russischen, polnischen und ukrainischen Gebieten, zu intervenieren, da sie derzeit ernstere Sorgen haben, erblicken in einem solchen Kompromiß, unter den vorhandenen Kobeln das. kleinste. . / ' Ein Fortschreiten des Bolschewismus unter den Ukrainern, das sich aus neuen rüffi sch-bolschetvikrschen, Siegen über die polnischen Armeen ergeben würde, könnt/ seicht diesen ganzen sogenannten polnisch-ukrainischen Ausgleich samt manchen anderen Plänen der Entente über Bord werfen, insbesondere dann, wenn in Paris, London, Rom das herrschende Regierungssystem durch die an- Wachsenden radikalsoziolistischen Strömungen erschüttert oder auch in Asien oder Afrika die immer intensiver sich geltend machende fremdenfeindliche Bewegung eine Neuorientierung Europas erzwingen würde. Die Debatten im Londoner und Pariser Parlament und insbesondere die schweren Bedenken, die von englischen sowie französischen Parlamentariern betreffs der Friedensverträge, speziell , soweit sie Oesterreich betreffen, erhoben wurden, zeigen drastisch, daß man innerhalb weiter Volkskreise auch der Siegerstoaten erkennt, daß die bisherigen Friedensverträge die großeü europäischen Zeit- und Streitfragen'nicht gelöst haben. ' - Der Umstand, daß über die irische Hauptstadt Dublin der Ausnahmszustand verhängt wurde und in ganz Irlands der; Generalstreik tobt, sowie weiters, daß äußerst bedenkliche Nachrichten aus Indien und noch mehr aus Aegypten einlaufen, verbunden mit dem Faktum,, daß bei der letzten Nachwahl in England der Kandidat der Arbeiterpartei gewählt wurde, stimmt die weiterblickenden englischen Staatsmänner äußerst bedenklich. Der Geist der Uersöhnung. Lloyd George und Nittl einig! — Erleichterungen für Deutschland. Paris, 20. April. (Korr.-Bur.) Nach dem Son-er-erichterstatter des „Matin" steht die deutsche Frage auf der Konferenz in Sa« Newim Vordergrund. Llo y- George und Nitli haben nach dieser Nichtung hin Absichten, die einander.sehr nahe kommen. Eine non ihnen ist, daß -er Geist der Versöhnung wieder in -er Welt Gelttüng haben Müsse, was Frankreich sich zu eigen machen könne. Ihr Mittel ab^r bestehe dariy,Deuts d) toiip Erl e i ch t e r nutzen z ue r schaf f e n in bezug auf die ihm durch den Friedensvertrag auferlegte« Verpflichtungen. Das könne Frankreich nicht annahmen, da jede Erleichterung auf feine Kosten geschehe. Paris,'20. April. Pertinax, der Vertreter des ,Mcho de .Paris^ in San Remo, meldet, daß die ratung -über die Durchführung.,, des Vertrages von -Versailles als zweiter Punkt - Mf -.die Dagesord-nung. gesetzt worden sei. Vorher wüDen:<llle 'Deutschland .betreffenden-'Angelegenheiten- .formlosdürchbesprochen. Die . englischen. unp d.ie' .• italienischen, Delegierten behärrten-bei der Meinung, -aß' dül MirMaMchen stimmüngen ans einiMaß .rebttz^rk'Mrßetz, 'wie sie Deutschland zuMsteft Permö ze. Hefvalürnwendnng solle. man durch die Drohüpg der Entziehung jeder. tvkrtschaftlichen H'ilsö M erreichen, -/^.ist ti -.wünschtdaß ' diese Angelegenheit dem Völkerbund-, übertragen werde,, der seine nächsten Sitzungen -inneirkuxzem in Rom abhalten soll. ' Den dritten Punkt der Tagesordnung.bilden - die russischen Fragen. Der erste Verhanplüngspunkt,. Beratung über den türkischen Vertrag,. führte zunächst, -M .Verhandlung; über die Antwortnote an Wilson, deren Entwurf vom englischen Außenamt ausgearbeitet, worden war. Auf Anregung Lloyd Georges werden die türkischen Bevollmächtigten für den 10. Mai-nach Paris eingMden. Die türkische Frage. In San Relna haben gestern die Besprechungen. über den Friedensvertrag mit der Türkei begonnen Die Verhandlungen zeigten "die. gleiche Methode ^wie in Versailles und in- Samt-Germain. Die , Gegenvorschläge ßer Türkei wurden ab gelehnt uiid die türkischen Vertreter für den 10. Maß - nach Paris vorgeladen. Gleichzeitig wurden militärische Maßnahmen für den Fall einer türkischen Renitenz beschlossen. Die Türkei verliert nach, diesen Bestimmungen mehr als, die? Hälfte: ihrer. Einwohner. Es verbleiben ihr nur mehr neun Millionen Ottomanen, Zwei Mllionen Christen und etwa eine halbe Million Jude«. ' K 0 n st a n t in -o p e l wird im Verein mit den Meer> engen internationalisiert und unter die Ueberwachung». Englands, FrankreÄ)s und Italiens gestellt. Die A r b e r, A r m e n -i!e r And G r r e ch e n, die bisher dems Oitomänischen Reiche angelö ten, werden von dicsem-losgelüst.' Die vebkleiuerte' Türkei wirb von den Alliierteir -strengstens überwacht werden-.-Ihr Finanz^, HärchelD-, . und ' Kriegswesen kommt 'unter ühre -'-Kontrolle- '. v- - - tamien und Armenien sollen Auto nomie erhalten; . für. M K-urden werden besondere Em-r Dichtungen geplant. Einen Teil des. Gebietes S inyrna bekommt Griechenlands Der ' Amerikanische Botschafter /in. Ranr - Herv Johnson wellte .in San Remo, nahm aber, an derk- Beratungen nicht teil,, um so. die ablehnende Meinung A..-re"ikas zu manifestieren.. . . » ' ■■ Der türkische Friedensvertrag. San Remo, 20.-April. (Havas.) Amtlich wird rmtgeteilt: Der Oberste Rat hat die finanziellen Klauseln des Friedensvertrages mit der 'Türkei genehmigt, worauf er die neuen Grenzen des . Staates Armenien und die Frage des Mandats über denselben, prüfte. Sodann beschäfttgte sich der Rat mit der Frage von Datum und dem Bericht d?s Völkerbundes öder .den Schutz der Minderheiten in der Türkei. Paris, 20. April. (Korr.-Buv.) „Chicago Tnbunech erfährt, daß - der Sultan entgegen dem Vorschläge Wilsons in iKonstantmopel bclafs-.'n und die Türkei ein unabhängiger Staat unter der Leitung des Völkerbundes bleiben werde. Das Blatt versichert, daß die Verhandlungen im besten Einvernehmen vor sich geben. Die Entente gegen die Putschisten. Berlin, 20. April. lWotz.) Angesichts Der jüngst umlaufenden Gerüchte über die Möglichkeit eines « e «en Patsches haben die Regrerungen von Belgien, Frankreich, England und Itslien, die gegen jeden antidemokratischen Anschlag find, ihre Geschüftstrüger ermächtigt, dem Minister des Auswärtigen zu erkläxen, daß diese Regierungen eine deutsche Regierung, die nicht geneigt fein würde, den Friedensv ertrag lo yal anszuführen, in keiner Weise dnlden könnten.Jede WLederkehreiner revolutionären Bewegung ebenso wie jeder Wiederansbruch von Anrnhen würden nur das eine Ergebnis haben, die Matzna^nen zur Begünstigung des wirlschaftlichen Miederaufbanes nnd der Derp f l e g u tt g Deutschlands zu verzöge t n oder sogar unmöglich zu rrrächeu, wogegen andererseits die alliierten Regierungen versprochen haben, derartige M a hnahmen in Erwägung zn ziehen. Amerika nicht mehr dieselben sind wie früher, und es nicht in der Lage und auch nicht gewillt ist, sich für den preußisch-deutschen oder französischen, den. russischen oder italienischen Imperialismus zu engagieren^— --äußerst reserviert, nur auf seine ureigensten Jntereffen bedacht, gegenüber der Weiterentwicklung der politischen' Verhältnisse in Europa sich zu verhalten. >, Mehr als je neigt man in ^London einer Politik'des Gleichgewichtes der Nassen und Klassen am Kontinent zu und erblickte Diese Tatsachen in ihrer Gesamtheit machen es Engden Schwerpunkt seiner Interessen in Konstantinopel, jWi.M: Lebe,.MLüM» MMl da..MvK BMiMMM ML^Ldisn uM AsMtey, ' ' In einer solchen Politik, die auf einen endgültigen Frieden zwischen Gerrnanen, Slawen und Rornanen untereinander sowie auf,ein friedliches Zusammenwirken init den Inden im Zeichen des kulturellen und sozialen Fortschrittes gerichtet ist, liegt die einzige Möglichkeit zur. .Verhinderung neuer Kriege und Eruptionen und zuE organischen wirtschaftlichen Wiederansbau Europas. Nur. diesen Weg kann eine Zielbewusste jüdische Volkspölitik wandeln und sie muß daher alle jene unterüützen, welche, dienst Kurs verfolgen. i , > 3