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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-20 · Heft 447 (20.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 447 (20.4.1920)
Date
1920-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ü«t* so Heller kfchecho-SlowMri: Einzel« 44 Heller i. tfrh.w pränumerationL^reiser »t««: Aam Mhoktt iu -er " Mtiö*, S. Bezirk, Ta-»» *e 1 bis 3, oder in ein« . .-rstzleiMlle «Trafik): «vnattich . . Kronen SV.— vterteljiihrltch ,. «vlitt Postversand kür Dirn «>v> Oesterreich: Skonatktch .. Kronen so.— Tichrcho-Siowakel: Monatlich .. Kronen V«— vierteljährlich 21.- Ntschechs-slowarlsckerWLhkUitS dinaarni!>onotU» ttrm,eu Sv.- terteljLhrlich ,, 60.— to «Syrischer WSHrung ■ gchGaslawien: mM0n >. Stamett BteMtfiShf«« . a«.- I« Qfttra* teuer vvn|U99vwiyi9ri Urels 80 Keller Tschecho-Slowakei r Einzel» «^ Hetter i.«ch. PrLn»«eeatio« Pole»: «onattich .. ftet) lf <BimdiotiU( w is d, latsch« wikh rmrg. __ , rentschKatzr .. \ MonatUch . . . Ra« WM _ ssrankrrt ch: < Monattich. . .Frau« »-Z Natten: Schweiz: . . .Fr, „ . Natten: Monattich . . . . Lire Monatlich ranrS Rebakttonn.Admtnrr . Wtea,«.Vrz.,Tab0rstr^- TeleNhonei SHtavriftratta» 44vstL. Redaktion 46SIW ab 6 Lhr a»eadS,Rr.Ach66D Postfparrafsevkonto 9t*. 447 im Wien, Dienstag, den 2V. April 1V20 2. Jahrgang Oie jüdische» Stimme« bei den Wahle«. . ' Rach den bis zur Stunde .(12 Uhr nachts) vorliegenden Meldungen wurden für diö Jüdischnationalm stbgegeben: In - Prag 8879 Stimmen, Brünn- 2645, Karlsbad '1801, Mährisch-Ostrau 3824, Ungarisch- Hrcchisch 2810, Preßburg 3190, Igläu 2032, Znaim '425, Proßmtz 375.' f i ' ‘ Die JÄtschnatjonalen kommen in Prag ins zweite Bkrutimüm. - ' ' Zur Erklärung des Wahlvorganges sei bemerkt:. tötttd} der tschechischen Wahlordnung hat sich der Wähler nicht^sur Personen, sondern für die Kandidatenliste -einer ovliÜscheH. Partei zu entscheiden und er muß nach dem Prinzip der gebundenen Listen die von ihm gewählte Lisch dihne jede Aender-ung in die Urne werfen. Es gibt ein dreifaches Skrutinium. Im ersten Skrutinium Md - die G samtzahl aller abgegebenen gü t'g^n stimmen durch die Anzahl-der auf den Wahlkreis ent- , fälsenden Mandate dividiert, wodurch nnan die WahlzäW eühält. Dann werden die Stimmen der einzelnen zahl der einzelnen Partei enthalte» ist, soötel MaWaE eittsallerr ans die-betreffende Partei. Da Stimmenreste übrigbleiben und nach der Absicht des Gesetzgebers nicht verloren gehen sollet wird.' in Prag ein zweites und ln werterer Folge ein drittes Skrutinium erfolgen. "' .Das Verfahren für bas zweite Skrutinium ist folgendes: Die Gesamtzahl der gültigen Stimmenreste ans.der ganzen Republik wird durch die um li/s verniehrto Zahl der unerledigt gebliebenen Mandate d'.vidiert, wodurch man die Wahlzahl für das zweite Skruti'jriuin erhält. Hat eine Partei im ersten Skrutinium irgendwo ein Mandat oder 20.000 Stimmen in einem Wahlkreis erhalten, so werden ihre Stimmreste aus der ganzen Republik durch die neue Wahlzahl dividiert. Der Quotient gibt dann die Zahl der Mandate an, die diese Partei im zweiten Skrutinium erringt. Wenn auch nach dem zweiten Skrutinium nicht alle Mandate erledigt sind, folgt ein drittes. In diesem werden die Mandate auf die Partien 'nach der Rangordnung ihrer größten Stimmreste verteilt. Die bisherigen Wahlresuliate. Prag, 19. April. (Tschecho-slow. Preßbur.) Bis 8t Uhr abends waren die Wahlresultate aus 15 Wahlbezirken bekannt. Von den dort zu wählenden 222 Abgeordneten waren 153 gewählt. Bon den tschechischen Parteien erhielten die Sozialdemokraten 44, die Nationalsozialisten 17, die Agrarier 21, die Bolkspmtei 14, die Nationaldemokraten 12, bis Gewerbetreibenden 1 und die Modracek-Partei 1 Mandat, instzesamt 110 Mandate. Don den deutschen Parteien erhielten die Sozialdemokraten 23, die Chriftlichsozialen 4, der Bund der Landwirte 6, die deutsch-demokratische- Freiheitspartei 2 und die deutsche Wahlgemeinschast 8, . insgesamt 43 Mandate.! Unter den Gewählten befindet sich Ministerpräsident T u s a r, Minister des Aeußrrn Dr. Benes ch, Eisenbahnminister Franke, Dr. Kramarsch, Udrzal und Buriv al. Deutscherseits wurden Dr. Ludwig C z ech, Alois Baerak, Budig, Seliger, Dr. Lodgman und M a y e r gewählt. Das Abendblatt des „Bravo £lbu* gibt folgende tufammenstellung des künftigen Wahlergebnisses: s ch e ch e n: 62 Sozialdemokraten, 23 Nationalsozialisten, 35 Agrarier, 40 Klerikale, ,s 18 Nationaldemokraten, 4 Gewerbetreibende» 2 Anhänger Modraeeks, 1 Mandat der Partei der kleinen Landwirte sowie 4 Sibirische Legionäre, Deutsche: 36 Sozialdemokraten und 36 Bürgerliche. Außerdem wurden 4 magyarische, S o^tal d emo Kröten, gewählt. Die bisherige« Führer gewählt. i Prag. 19. April. Im Prager Wahlbezirk wurde» 866.385 Stimmen abgegeben. Die Zahl der Abgeordneten beträgt 45, die Wahlzahl ist 19.243. Die.Nationaldemokraten haben 143.435 Stimmen auf sich vereinigt und damit 7 Mandate.exreicht.' Gewählt wurden: Dr. Kramarsch, . Frau Purkyntz, Beverka, Navratil, Sis, Masek und Brocka. Die tschecho-slowakischen Sozialisten erhielten 147.477 , Stimmen und damit 7 Mandate. Gewählt wurden: Dr. Benes,. Striberiry, Frau Zemm, Spatny, Kurival, Tucny, Frau Landa und Hryzbis. Die klerikale. Volkspartei vereinigte auf sich 71.903 Stimmen und erhielt 3 Mandate. Gewählt wurden: Dr. Mäz-aitee, Myslivee und Adamovsky. Die Modracek-Partei erhielt 21.671 Stimmen. Auf sie entfiel 1' Mandat. Gewählt wurde Modraeek. Auf die Sozialdemokraten entfielen 256.418 Stimmen mit 13 Mandaten. Gewählt wurden: Nemec, Tusar, Dr. Meißner, Frau. Maly, Tayerle, Doktor Winter, :Dousil, Johanis, Hauser,. Srba, Novak, Koudelka und Ulrich. Pie Parte", det'Gewerbetreibenden sch echo-slowakische» Landwirte vereinigte 129,007 Stimmen auf sich und erhielt 6 Mandate. Gewählt wurden: Svehla, Maschek, Prokupek, Vrany, Srdinko und Kremen. . Bei den anderen Parteien kommt es zum Skrutinium, und zwar bei den Jüdischnationalen (8879 Stimmen), den deutschen Sozialdemokraten (4804 Stimmen), den Häuslern (10.088 Stimmen), den deutschen Freisinnigen Parteien (18.119 Stimmen) und der Choc-Partei (1961 Stimmen). 6 Mandate sind noch, nicht besetzt. Für das zweite Skrutinium bleiben den Natiönaldemokraten 18.664, der Dolkspartei 14.144, den Sozialdemokraten 6129, den Gewerbetreibenden 12.560 und der republikanischen Partei 13.489 Stimmen. Wettere Teilrefrrttate. i, 19. April. Im Prager Wahlkreis haben die tschechischen Sozialdemokraten von 45 besetzenden Mandaten 13, die tschechischen Sozialisten 8, die Natiönaldemokraten .7, die Agrarier 6, die Klerikalen 3 und die Gewerbepartei und die Modracek- Partei je ein Mandat erhalten. Die Deutschen haben vorläufig kein Mandat; die Wahlzisf-r im Prager Wahlkreis beträgt 19.253. Die deutschdemokratische Freiheitspartei erhielt 13.261, die deutschen Sozialdemokraten erhielten 3237. Im Wahlkreis B ö h m i s ch - L e i p a ist das Ergebnis folgendes: Deutsche Sozialdemokraten 5, Bund der Landwirte 2, deutsche Wahlgemeinschaft 3, Christlichsoziale ein Mandat. Im Wahlkreis Laun wurden Dr. Lodgman und Seliger gewählt. Die deutsche Wahlgemeinschaft erhielt ein, die deutschen Sozialdemokraten 3 und die tschechischen Sozialdemokraten 5 Mandate. Im Wahlkreis Brünn erhielten die tschechischen Nationalsozialisten '1, die tschechischen Sozialdemokraten 3, die deutschen Sozialdemokraten 1, die Klertikalen 3, die Agrarier 1, die Natiönaldemokraten 1. die deutschdemvkratische Freiheitspartei 2 Mandate. Im Wahlkreis U n g a r is ch - H r a d i f ch erhielten die tschechischen Sozialdemokraten 2,. die Klerikalen 2, die Agrarier 1 Mandat. > Ays dem Wahlkreis Mührisch-O st rau liegt folgendes vorläufiges Ergebnis vor: . Tschechische Sozialdemokraten 3, deutsche Sozialdemokraten 1, deutsche Wahlgemeinschaft 2, Klerikale >1 Mandat. r * Im Wahlkreis Königgrätz erhielten die tsc^- chischen Sozialdemokraten 3, die Agrarier 3,. die Klerikalen 1 und die tschechischen Nationalsozialistew 1 Mandat. ' > Im Wahlkreis Pardubitz erhielten die tsche- WLÄM Soüialdtzmo.lraten & Ms tew. 3t dk tj&fc chischen Nationalsozialisten 1 Und die Klerikalen Mandat; fünf Mandate sind noch unbesetzt. Qm Wahlkreis Olmütz erhielten die tschechischen Sozialdemokraten 3, die Klerikalen 3, die Agrari« A und die Natiönaldemokraten l Malidat. | Im Wahlkreis Jglau entfielen auf die tsih^th^ fchen Sozialdemokraten, Klerikalen und Agrarier s 1 Mandat, auf d e Christlich sozialen 2 Mandate; vier! Mandate sind unbesetzt.! >. Die Wahlergebnisse in Preßd«vg. Preßburg» 19. April. (Privat.) Die abgegrbcnm Stiwmi» >n Stadt Preßburg verteilen sich wie folgt: -K roh a «, Partei 4704, vecemigte jüdische Parteien 3! 90, Hliv^^attei }07$j rschecho-slowakische Soziaidcmokratm 8V71, RationMoMste« 2020, vereinigte uvgaruch-deutsche Chriülichfoziale 73.90^ iNvPtW demokraten tb.ssZ und kleine Landw rte 168. D« MtzMWi Mische Landbevölkerung har durchaus jüdisch gewätzL Tschechische Preffeftinnne«. . Prag, 19. April. (Korr.-Bur.) »Pravo Ltdu" HM hi» unaufhallsame Fvrtschreiten der Sozialdemokraten W <»»' konstatiert weiters, daß die Wahlöffenstve der Rationaldemskvatch bloß zu einer Stmkung des Klerikalismus geführt have./ Diih größte Ueberraschung feien die Erfolge der SozialdeMokraten « der Slowakei, wo sie die führende Partei geworden frieo. . Schuld ohne Sühne,; W i e «, 90. Apr L Der Prozeß gegen den Feldzeugmeifter LjvbÄ^ hat das Drama der Krtegszeit wieder einmal vor unD entrollt.- Der, Mann hat ein Dutzend Soldaten und Zivh* Mten, die der Spionage ober DefeÄion vttdäME' Wenen, hangen oder erschießen Hssen- Gr /E HG Generalstab auferzogen wordett, ln einer KörtzdrschM also, die ihren Mitgliedern außer einer hohen allgö« meinen und Spezialausbildung noch die Tugenhe« de^ Selbstdisziplin und der geschlossenen Männlichkeit fcefc bringen sollte. So hat man uns das nämlich imme^ erzählt, und der Mann in dem siaschengrünen RockgW jedermann als die Verkörperung der unter allen Umständen sich durchsetzenden Selbstandigkett und Geistegegenwart. Nun haben wir ja im Krieg von der erste« Stunde an die Tätigkeit dieser Herren mitangesehe«^ und wenn wir auch — immer als prinzipiellewiffflß des Krieges — wissen, daß Generäle vor allem (RLE brauchen, so haben wir doch über ihre Fähigkeiten ümih ein Urteil bilden können. Von der durchaus verfehlpe« Mobilmachung angefangen bis . zur Kapitulctticms Przemysls und bis zu der furchtbaren Piave-Katastroph« haben wir gesehen, daß diese Leute für ihr HantztoM überhaupt nicht vorgebildet, waren, und daß > n«G stümperhaften Gesellen Macht über Leben und Xöh iijm' Bürgern gegeben hatte, deren jeder einzelne ein volleres Mitglied sogar der militaristisch begeisterte« Gesellschaft jener Tage war als der Hochmut'.. Gerwralstäbler. Das Vaterland war das Reservoir, aus dem ma» 'schöpfte; die Bevölkerung eine Kanaille, gut genug, m« an irgendeiner Frontstelle „eingesetzt" zu werden; M Regimenter waren Material, das „im gegnerischen Feirer zur^ Schlacke ausbrannte"; Patriotismus war vorschriftsmäßiges Absingen des Gott erhalte und ansonsten Kuschen zu allen Frechheiten der säbelbewehrte« Kadettenschulzöglinge, zu allem Wüten der zu Götter« avancierten Regimentsärzte und Auditore. Der MiliLir» dienst, der doch nach Ansicht jener Kreise höchste Sh« sein sollte, wurde zur Strafe des EinrückendmachenS, das sich in unsere Zeit noch in der gegensätzlichen Fornr des Abreisendmachens erhalten hat. Männer der Arbeit^ des Erwerbes würden, statt für das Vaterland z« kämpfen, zu Offiziersdienern herabgewürdigt, die de« Hund der Mattresse des Herrn Oberleutnants spaziere« führen mußten. Aber immerhin: der Generalstäbler mit seinem Napoleonsblick blieb der Träger des allgemeinen Vertrauens. Man verfluchte den Krieg; da aber nun einmal Kriegszeit war und man an den Gegner denken mußte, versuchte man, sich die Begriffe der ge-' stürmten Vorstellungen, der Rochade und des Loslösens vom Feind'verständlich zu machen. Wir hatten ja die? Generalstäbler? . r Nun ist ja zuzugeben, daß auch ein unfähiger^ schlecht oder gar nicht vorgebildeter Mann nicht für Fehler verantwortlich gemacht werden darf, die nicht er verschuldet hat,' sondern nur das System^ dessen freiwilliger Diener er war. Aber was man auch von eine« solchen General verlangen darf, ist doch das eine, daß er wenigstens Mann ist, daß er nach wohlerwogen^^

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