Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 444 (17.4.1920)
- Date
- 1920-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IflMBUEHffflfiESSMHUKff1«?*' %IRJIl9VfPpinV S , . ...... _ - ZeUee Lfchecho-Slowaker: Einzelir 44 HeNrr i. tfch. W Pranumerattonspreise Vkenr Zn«Abh»le« in »er Uxpeditio». L Bezirk, Taboriiraste 1 (if V ober in einer Berschleißstelle «Trafik : Monatlich . . Kronen siO.~ vierteljährlich ,. OO- Mtt Postversand f fir Men «nd Oesterreich: Monatlich .. Kronen S0-— . Tichecho-Slowaiei: Douatltch .. Kronen V.— vkertekjührtlch „ *1. — 5* tschrcho-slowatzscherSSSHrnng Ungarn: Monatlich .. Kronen 20.- vierteljährlich „ 60.— in »ngartfcher WSHrnnq t~JT***- ■*< rener 8i««atttch .. Krone» »S ierteljährlich ««. in jogoflawifcher SLHnmg Nr. 444 Wien» Samstag, den 17. April 1920 Urei« 80 Heller Tsu-^cho.Slowakei: Einzel» 44 Helle» i. tsch. P»anumeration»prei§«i Monatlich??*»«* f«<- Vierteljährlich ~ in d-lntsch» WtontT? Ulrnr«»«3!*!1“' Sl» monum,tT"%na» Redaktion u. 90nth((flr«fiM Wie«,L.B«z.,Ladorstr^.— reieNhoner »d«I»lDeatiaai 440sS. Nechrttio» 4»»t». ab 6A-r abe»b»Vr.iaÜiM vostsbartaffenkant» 2. Jahrgang Hilfe in der Not. —7. Wr e n, 17. Apnl. tzm Ansschtttz für Aeußeres hat gestern der Staatskanzler semen Bericht über die Nomrerse erstattet. Die Ergebnisse seiner Anstrengungen' sind recht erfreulich., Italien gibt Oesterreich zur augenblicklichen Linderung der Not einen Vorschuß von 20.000 Tonnen an Getreide und Mehl, 2000 Tonnen Kohle sowie 700 Tonnen Kohle monatlich für die Schnellzüge über Tarvis und den Brenner; es übernimmt die südtirolischen Eisenbahner fn seinen Dienst und zahlt den pensionierten Eisenbahn- Bediensteten die Miersgabe weiter.. Viel weitreichender aber find die wirtschastspolitischen Zugeständnisse Italiens. Oesterreich kann'in Triest eine Zollexpositur »reichten und Vereinbarungen mit. Triester Schiffahrtsgesellschaften treffen, die es ihm ermöglichen, auf diese maßgebenden Einfluß zu gewinnen. Dies kann in Zukunft, zur Einrichtung einer eigenen Handelsflotte für Oesterreich unter italienischer Flagge führen, was für den Rohwarenimport von großem Wert sein wird. Der Handelsverkehr wird auf Grund'des Vertrages zwischen der Monarchie und Italien dom Jahre 1906 freigegeben. Italien beteiligt sich an dem interalliierten Kredit für Oesterreich mit 100 Millionen Lire und will ferner Rohstoffe und Nahrungsmittel im Werte von 100 Millionen Lire liefern.; ^Diese Konzessionen haben eine über den Moment politische ^Bedeutung. Sie besagen, daß hergestellt ist und daß der Friedensvertrag im wirklichen Sinnedes- Friedens in Kraft gesetzt wird. Natürlich sind diese Zugeständnisse nicht um der schönen Augen des Herrn-Renner willen erfolgt, wenngleich seine Geschicklichkeit nicht ganz vergessen werden darf. Italien bwücht Absatz-flir seine Waren, es braucht einen Freund ist Mitteleuropa, es muß Triest ein wirtschaftliches Hinterland geben und es muß diesem Hinterland mit Kredit zu Hilfe kommen. Eins ergänzt das andere. Aber die Vorteile, die für Italien aus dem neuen Zustand erstehen,-bleiben an Bedeutung hinter dem Nutzen zurück, der-Oesterreich erwächst. Der Kanzler hat es als Zweck seiner Reisen nach Paris, Prag und Rom erklärt, unmittelbare Beziehungen zu den Alliietren herzüstellen. Er will diese Bemühungen nunmehr in Belgrad, Bukarest und Warschau fortsetzen. Er will rings um Oesterreich eine Atmosphäre der Freundschaft schaffen und das Wohlwollen ans dem akademischen- Stadium in das praktische Leben hinüberführen. Der Staatskanzler hat — was man nicht oft genug sagen kann — den Bann der gebrochen und hie Fäden, die er nach allen Seiten spinnt, werden sich hoffentlich zu einem starken Netz verdichten, das die uns noch bevorstehenden Stiirme überstehen kann. Daß er mit seiner Komfahrt den Bestrebungen Italiens' entgegenkommt, in Mitteleuropa einen Zweckverband zu konsolidieren und ’ sich eine Brücke nach Deutschland zu bauen, hat feiner Fahrt das gute und erfolgreiche Relief gegeben. Wir kommen ans der Rolle des Bettlers heraus und wrden zum Erwerbsmann. Das bedeutet viel, weil es der Bevölkerung Mut und Trost bringt. Seinen vielen Feinden hat der Kanzler keinen Gefallen getan. Wir werden heute und morgen in der gesamten Presse das Bestreben wahrnehmen können, das Resultatherabzusetzen. Ja, es wird sicher ausgerechnet werden, daß die „welsche Tücke" mit Hilfe des, von ihr bezahltest-Kanzlers Oesterreich wieder einen Sack über den Kopf wirst und die Unselbständigkeit der Donaurepublik benützt, um seine wirtschaftliche Hegemonie üufzubauen. Diese Argumentation hat ein Loch. Oesterreich ist zum Dasein einer Kolonie verurteilt. Es \ ist der Zwangserbe der Monarchie nickt, nur in, dem Sinne, daß es ihre Sünden büßen muß, sondern auch daß es die Vorteile der Großmachtstellung verloren hat. Die Unterzeichnung des Friedensvertrages, die ja not-- wendig war, hat ihm für lange die Handlungsfreiheit genommen und die Bestimmung seines Willens dem Druck des Auslandes ailheimgegebein Wenn aber Oesterreich eine Kolonie sein mich, dann handelt es nur richtig, wenn es seinen Nutzen dort sucht, wo es ihn findet. Der Anschluß an Deutschland ist uns durch den Friedens- Vertrag und durch die unglückliche innere Politik Deutschlands verwehrt, die Tschecho-Slowakei hat selbst nichts, was sie un§ in größerer Menge abgeben könnte, und Jugoslawien ist in schweren inneren Sorgen, die ' und im Orient hineingeraten, die seine Menfchenkräfwl sich aus der Verwirrung seines parlamentarischen Leberrs festhalten und an das Staatsbudget riesige Anforde-i erklären. Wenn nun in dieser Sachlage Italien den rungen stellen. Seine Währung ist den Stößen der all-.: wirtschaftlichen Konkurrenzkampf mit Frankreich mit gemeinen Geldkrise viel schärfer ausgesetzt als die der wertvollen Zugeständnissen'an Wien einleitet, so kann anderen Ententegenossen und seine wirtschafttühez und muß Oesterreich zugreifen. Hätte Dr. Renner die, Leistungsfähigkeit sehr in Frage gestellt. Diesen Zustand Einladung Nittis abgelehnt, so wäre das von denselben machen sich die Freunde zunutze. Amerika zieht sich ganch Elementen als Staatsverbrechen an geprangert worden, zurück, England bekommt die Hände frei zur Befestigung! die ihn heute wegen seiner Reise angreifen. ' seiner weltpolitischen Vormacht und Italien versucht es,! Italiens Haltung ist aber auch ein Zeichen fiir die das Handelsleben Mitteleuropas unter seine.Kontrolle Zerbröckelung der Entente. Frankreich ist diplomatisch zu stellen. Wenn Oesterreich dadurch Rohstoffe, Lebens-' isoliert und unter den freundlichen Augen seiner mittel, Kohle und Arbeit bekommt kann es mit dieses Nachbarn in militärische Unternehmungen in Deutschland Wandlung zufrieden sein. ‘' Die Meningen der Entente an Deutschland. Kredite rmd Rohstoffe nur bei Durchführung der Friedensbeftimmnugen. Paris, 16. April. Der englische Botschafter Lord De rby hat de« Ministerpräsidenten Miller«nd vorgeschlagen, daß die französische «nd dla englische Regierung der deutschen Regierung bekanntgebe, Latz man»»« ih^ Ke MnMe MtHWrnM^Ue^ Bersaivelk -Vertrages «nd namentlich Bestimmungen erwarte, die die Herabsetzung der Heeresstärke «nd die Zer^ störnng des Kriegsmaterials betreffen, »nd datz weiters dir alliiert«» Mächte weder eine Wiederherstellung der Militärherr« schaft noch eine anarchistische Revolution dulde« würde». Gleichzeitig solle darauf verwiesen werde«, datz die Erfüllung der Deutschland gemachte« Versprechen, betreffenden wirtschaftlichen Wiederaufüa», die internationale Kreditgewährung und die Ltefernng de^ Rohstoffe, von -er Durchführung -er Vertragsbestimmungen abhänge, derech Nichterfüllung zur Wiederaufnahme der Blockade führe« könnt«. Kapp in Schweden verhaftet. Stockholm, 16. April.' (Korr.-Bvr.) Nach einer Meldung des „Aston Tidningen" ist Kapp im Badehotel .des Bades Södertelge angehalten worden. Er war mit einem Flugzeug nach Schweden gekommen, das in Schonen landete, worauf er die Reise mit der Bahn in nördlicher Richtung nach Stockholm fort setzte. Seitens der Hotelleitung wird mitgeieilt, datz Kapp Mittwoch abends ankam und in dem Hotel unter dem Namen Doktor v. Kanitz Wohnung nahm. Heute mittags kamen zwei Detektivs aus Stockholm in Södertelge an. Der angebliche Dr. v. Kanih erklärte ihnen, wer er fei. Gegen halb 4 Uhr nachmittags begaben sich die Detel"'-? rnir Kapp im Automobil «ach Stockhobn i -. i , .. Me Franzosen ränMerr Frankfurt. Frankfurt a.M., 16. April. (ü£el.4*onip.) Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, räumen die Franzosen weiter die Stadt. Die fremden Truppen ziehen in der Richtung Wiesbaden und Mainz ad. Mehrere Schulen, die von den Franzosen belegt waren, wurden heute geräumt. Es find weiter Wachen innerhalb der Stadt eingezogen worden. Sandor gegen das ungarische Mordsystem. Budapest, 16. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der Natioimlvcrsninmlung erörterte Abgeordneter Paul Sandor des längeren die In de« frage. Es dürfe kein Unterschied gemacht werde» zwischen Jude» und Nichtjuden, sondern nur zwischen ehrlichen und vichtehrlichen Menschen. Es sei unangebracht, für die Fehler, und Vergehen einzelner die Gesamtheit verarttwortliD zu machen. Unter der Bolsch ew ikenh errschast hatte» ttrif die Inden gelitten. Die anständigen Inden weise« jefcig Gemeinschaft mit den Bolschewiken zurück. Redner be» spricht sodann die Leistungen der Juden im Kriege «tt^ verbreitet sich ausführlich über die Tätigkeit des jüdischen Kapitals in der Geschichte. Als der Redner langer als eine Stunde Aber die Judenfrage gesprochen hatte, erklärte der Präsident, erwolle die Redefreiheit keineswegs einschranken, doch bitte er den Redner, nach Möglichkeit zur Vorlage z« spreche». Sandor sagte, er wolle nur noch einige Worte hinzu« fügen. Zugleich mit den Magyaren feie« «mch schon Juden nach Ungarn gekommen. (Rufe: Journötistrnkl Lebhafte Heiterkeit.) * Daß der Kapitalismus zumeist in jüdische« Händen liege, sei darauf zurüzuführe», daßma» & Ungarn den Handel als einen Beruf zweiten Ranges -etrachte. Schließlich führt Redner noch einige Dote» Mh» wonach die Juden auch av der Gegenrevolution tätigen Anteil genommen hätten. Hierauf wird die Sitzung geschloffen. Belgien «nd Italien für die Alliierten- Kundgebung. Paris, 16. ApnI. (Havas.1 Der belgische „itfe W italienische Botschafter teilten heute vormittags de« Ministerprästdenten M i ll e r and mit, daß ihre Regierange» sich dem Schritte Englands hinstchttich einer gemeinsamen pünd->- gebung der Verbündeten bei der Berliner Reqiermiag um die voll' stöndige Durchsiihrung des FriedenSvertmges. von BkrsmlleS z» fordern, a v s ch l i e ß e n.!