Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 443 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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,WEMkN°L- ‘ ' 'MSiK'Mi.MdMs' — - -— --—---------- - - wmfationen ern. Sie Mm in den vergangenen Monaten treue und hingebungsvolle Aufklärungsarbeit geleistet und wir sehen mit großem Vertrauen dem Renltat ihrer Anstrengungen entgegen. Die Judenschaft w Tschecho-Slowakei kann aris dem Beispiel der Diener nationalen Judenschaft erkennen, daß das offene md männliche Eintreten für die Forderungen der 'igenen Nation von den anderen Völkern verstanden und zeschätzt wird. Das nationale Judentum in Wien hat n der kurzen Zeit seiner Organisation und seiner Vertretung auf der öffentlichen Tribüne dank der Ent- 'chlossenheit und Umsicht seiner Führer dem jüdischen. Hamen Ehre und Respekt verschafft. In der Tschechoslowakei haben die Führer des nationalen Judentums üe Anerkennung des jüdischen Volkes durchgesetzt und dadurch ein fruchtbares Beispiel für ihre Volksgenossen n anderen Staaten gegeben. Wir wünschen vom Herzen )en Sieg der jüdischen Sache am Sonntag, der ein Sieg *>e£ jüdischen Volkes sein wird. PMtischs Wrmdschau. Die Fotderimgen des jüdischen Volkes betreffend Palästina. ^ie Eingabe der Jüdischen Delegation in Paris an die Das «Bulletin der jüdischen Delegation bei der Friedens» konferenz" mit dem Sitze Ln Paris veröffentlicht in , der Ausgabe vom 30. März den Wortlaut der Eingabe, welche sie Delegation unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen über die Türkei der Friedensdelegation überreicht hat. Diese Eingabe, datiertvom 6. Februar 1920, ist angesichts der jüngsten Vorgänge in Palästina von besonderem Interesse. Die Eingabe lautet in deutscher Uebersehung: An tzhre Exzellenzen, die Herren Präsidenten und Delegierten der Friedenskonferenz. Das Komitee der Jüdischen Delegationen Lei der Friedenskonferenz, welche namens der verschiedenen untsr- Mchneten Organisationen handelt und zwölf Millionen Inden vertritt, hat die Ehre, an die Friedenskonferenz die Bitte zu richten, die hrstorischen Bestrebungen und Forderungen des jüdischen Volkes, betreffend Palästina, ,an» verkennen, die erforderlichere Maßnahmen zu treffen, damit der souveräne Besitz Palästinas an den Völkerbund übertragen und zur Verwaltung dieses Landes Großbritannien als Mandatar oder Kommrssär des Völkerbundes delegiert werde. Unter diesem Mandat oder unter dieser Verwaltung müßten in Palästina politische, administrative und wirt- 'chaftüche Bedingungen geschaffen werden, welche Garanten für die Etablierung einer n a t i o n a l j ü d r s ch e » H e i Nr ft Ktt'e in di es ern Lande mit dem Endziel der Schaffung eines autonomen Staates bieteN. ES rjt hiebei' selbstverständlich, daß nichts, unternommen werden dürfte, was Vorurteile gegen die bürgerlichen und religiösen! Rechte der in Palästina bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften oder gegen die politische Stellung erzeugen könnte, in deren Genuß die Juden in anderen Ländern stehen. Ebenso selbstverständlich ist. daß in Palästina immer'und für sämtliche Religionen volle Freiheit der Betätigung der religiösen Kulte herrschen, daß schließlich zwischen den Bewohnern des'Landes aus religiösen oder Rassengründen hinsichtlich der politischen ",nd bürgerlichen Rechte keine Unterschiede gemacht werden." Anfrage im englischen Parlament Über die ungarischen Greuel. Die Schandtaten, welche seit dem wsißen' Umsturz in Ungarn gegen bii Juden begangen wurden, sind jüngst Gegenstand zweier Interpellationen im englischen Parlament gewesen. 1 Der, Deputiert? Mr. Headley richtete an den Gehilfen des Ministers des Aeußern die Anfrage, ob chm bekannt fti, daß am 16. November 1919 Leutnant Hajo s, der Kommandant von Kesckemet. 120 jüdische Bürger mitten in der Nacht unter dem Vorwand, sie zur Arbeit zu schicken, aus ihren Bitten holen ließ, und daß diese 120 Juden in den Jrgavanytwald geschleppt und dort sämtlich erschlagen wurden; ferner, ob es dem Minister bekannt sei, daß Leutnant Hajos sich in Budapest auf freiem Fuße befinde und ob der Minister über den geschilderten Vorfall Erhebungen durchführen lassen wolle. Mr. Harms worth erwiderte: „Ich habe über, den Vorfall leineiM Informationen erhalten. Wenn mir der geehrte Deputierte die Quelle, auS der er die Nachricht hat. nennen und die Einzelheiten angeben will, werde ich die Möglichkeit haben, zu erwägen, ob ich über den Vorfall einen Bericht beim britischen Kommissionär in Budapest einfocden soll." Eine zweite Interpellation brachte der Deputierte Mr. Alfred Davis ein, ob der Regierung bekannt sei, daß am 15. Dezember 1919 im Walds bei Ghör die Leichen von sieben Juden gefunden wurden? ferner, ob der Ministor eine Untersuchung aipordnen wolle, wer die Urheber di'ser grausamen Mctztat seien. Das Prager Kasl'-ro-Deutschtrrm als Wahlrverßer. Aus Prag wird uns geschrieben: Mittwoch den 7. d. M. hielt der gelauste Jude Prostssor Kafka, der Kandida: der aus Liberalen, jüdischen Assimitanleu. Agrariern und Ehcistlichsozialen zusammengesetzten Ernste Putschgefahr. Berlik, 15. April. (Korr.-Dür.) Wie die Blatter melden, wird die Putschgefahr noch immer als * c ft v ernst bezeichnet, doch scheint man in Begrerungskreisen sicher und Herr der Lage zu sein. Aus Potnitter« gehen nur vereinzelte Nachrichten über das Auftreten von Kleineren Gruppen ein, die sich meistens aus ehemaligen Valtikumern zusammensetzen. Heute nachts war das Viertel um das Regierungsgedaude von Sicherheitspolizei abaefverrt, doch wurde die Absperrung um rv A^r vormittags aufgehoben. Auch bis amtlichen Nachrichten aus Schlesien lauten sehr beruhigend. .cheutschdemokratischrn Freihe'.tsparKi" im Prager Deutschen Hause feine Programmrede. Dabei fand es der Redner für gut, gegen die „Bereinigten jüdischen Partien" zu polemisieren und von ,^eutschfpvechenden Juden" zu ' sprechen, die sich als „Avantgarde de- Zionismus mißbrauchen lassen", statt der deutschen Sache treue Gefolgschaft zu leisten. Ihm erwiderte. Dr. Max B r vd für die Vereinigten jüdischen Parteien, welcher ausführte: Das Programm des Verbandes der jüdischen Parteien umfaßt den Schutz aller berechtigten kulturellen Mi^o'.'ftäts'örberungen. An'her Erhaltung des Prager Deutschen Theate's habe ich mind<ftens ebensoviel Interesse wie die Herren Erben, Fanta und andere- Unterzeichner deutsch-jüdischer Aufrufe — schon deshalb, weil meine Stücke da gespielt werden. Als Abgeordneter würde ich es für meine Pflicht halten, für das kulturell so wertvolle Recht der Prager'deutschsprechenden J'.rden auf ihre Sprache in Schule, Vereinen,'Presse, Theater und so fort cinzutreten. Nur den'Mißbrauch der Sprache zu politischen Hcmonstrationszwecken mache ich nicht mij-, da ich den nationalen Chauvinismus in jeder Gestalt verabscheue. Dies erkläre ich nicht nur im Sirenen Ramm, sondern tm Namen meiner Partei. Mir wollen Linen demokratischen Staat mit ehrlichem Schutz aller MinoritäLskulturen. Als Juden und als Menschen kämpsen wie für das Ideal dcrHRerechtigkeit. Redner k.i isiert hierauf die Liste der Deutschhemokratcn für das Abkeoednetenhaus. Die deutschen Parteien entdecken zur Zeit der Wahl ift„Wahlverwandtschaft" mit den I"den. Welchen Wist des Antisemitismus aber die deutsche Delegation nachher betätigen wird, das wissen wir aus dem Wiener Parlament. .Die Deutschdemotraten,'ein oder zwei Mann, werden aus dem deutschen Block keine philoftmitische Kö perfchaft machen können. Zum Schluß erklärt Dr. Brod die aus-; gestreuten Gerüchte über mangelnde Wahlaussicht seiner Partei für unwahr. 1 Inland. Sin ‘5t nt an das Staatsawt für Bolksgesrrndheit. Bon De. Sanrl Beer. Im StsalSamt für Bolksernährung wirb derzeit mit den Vertretern der wirtschaftlichen Organisation der Aerzte Über einen neuen Entwurf bezüglich der Berechtigung ztir Ausübung der ärztlichen Praxis in Oesterreich verhandelt. Eine Gruppe von Aerzte», die d-r herrschenden Partei nahesteht, scheint den Leiter des VolksgesuNdheitsamtss, den ebenfalls der Partet fest verschriebenen Nniverfitätsprofessor Tandler, zu Maßregeln v-rleiwn zir wolleiz, die eine« großen Teil der, gegenwärtig notleidenden Aerzte in die größten Berlegekrhetten bringen würden. ES besteht nämlich die Absicht, di--Ausübung dev ärztlichen Praxis nur denen zu gestatten, die sich mit einem österreichischen Diplom und dem Zustandigkeitsdekret einer deutschösterLeichi- ,'chen Gemeinde au sw eisen könnten. Dagegen wäre nun im allgewemen insoweit nichts einzuwendott> wenn es sich darum'handelte, ausländische Aerzte, mit Rücksicht auf die etgrue Ueherzahl, für d ie Zukunft in Oesterreich von der Ausübung der Praxis abzuhalten. Worauf es aber ankommt, ist der Umstand, daß die neue Verordnung, dm «ü ckw i r k e n d e A t a f t haben soll, Hs deutfchösterreichifchr Gtoatszugehörigkei t, die durch Ablegung der StaatsbürgerschaftSerklSrung erworben wurde, nicht Syerkennen wird.. wäryr viele derzeit prattizirtenbe Aerzte — wieder txäfs es meistens jüdische Aerzte — gezwungen, ihre Praxis nie de r zule g en. Wenn man bi-denkt, wieviel österreichische Aerzte gerade in* den verschiedene» Kurorts» der Tschecho-Slywakei und in.br« jetzt italienischen Gebieten praktizieren,. so wich man begreifen, welch ungeheuren Nachteil die zu erlassenbs Verordnung gerade für unsere Aerzte bringen würde. Denn die anderen Länder, insbesondere die umgebenden Nationalstaaten, werden sofort zu Berge l t n n 6 s Nl a b rege l» greifr», und sa werden wir nicht nur keine Aerzte expyrtirreu, (welche Rottvendigkeit sich aus dem Ueberschuß an Aerzten ergibt)^ sondern noch tm Ausland praktizierende deutsche rhrD hinzubekommen. Wirb die herrschende. Partei hie.Verantwortung aus sich nehme» können, der österreichischest Ärzteschaft de »Welt markt gesperrt zu hoben, dr» diksp unbedingt besonders für die jüngeren braucht, einzig und allein, um den deutschnationalen, ansisemttischen Hetzern zu Gefalle zu sein, deren Streben sich ohne Rücksicht auf die AllgemeiniOpHTwäT ... fsütfä fitteteffcn — an Um erfolg tätigt, gilt paar jüdisch«"' Aerzte um das Brot ihrer kärglichen Praxis gebracht fil fjabtn? '*■ Gerade diese neue Berordnnng wäre für uns« »rmest^ Land die überflüssigste und müßte unter dem Druck der Sukzessionsstaaten — bald zurückgestellt werden. Habens sich doch sogar die Aerzte in Deutschland gegen den Anzugs der Kollegen aus Oesterreich energisch gewehrt. Rur Oesterretch Hat tznteref,e an der Ab-! Wanderung van Aerzten. Wozu also diese zweischneidige Verordnung- ES ist überhaupt fraglich, ob bür Regierung nach dem Frieden-Vertrag derzeit die Aurübnng der Praxis einem Arzt aberkennen kan«, da doch jeder e« Jahr nach der Ratisizierung die Staatsbürgerschaft optieren, kann, was doch nicht heißen soll, daß trotz österreichischer^ Staatsbürgerschaftserklärung einem Menschen die Ausübuutz seines Berufes hier unmöglich gemacht werde» dürft». . Ich könnte den Herren tm StaatSamt für V»Mgesundheit, wenn sie ein Feld der Detätigüng brauche», gerne andere Arbeitsgebiete empfehlen. Der Herr 'Unterstaatssrkretär sollte sich lieber um die Unterbringung d« Mangeljeder Staatsvorsorgen massenhaft hinsiechenden und hdrsterbende» tuberkulösen Kinder kümmern, für dis trotz! unsrer Rotlage etwageschehen könnt» und müßt», tza ft» von den AuslanbSaktionen zurückgestellt werde». ES sollte, für die zu Krüppeln Heranwachsende rachitische Jugend für! genügend Lebertran gesorgt werde«, man fokltedar Augen«! merk ans die Bereitstellung der wichtigsten Medikamenö»' in den Apotheken richten und darauf sehen, daß die zu-! gewiesenen Heilmittel nicht an andere Staate» weiter-, geschoben werden. Also gibt edankbares Betätigung-feld! genug. Mit dem Fabrizieve» von Gesetze« ist ttüjHMj Hetair ... Die Ankunft Dr. Nenners. Staatzkanzler Dr. Renner ist gestern früh' aNSj Italien in Wie» einzetroffen. Den Vertreter« der Prffsej gegenüber äußerte sich der Staatskanzler, daß der^ Empfang und di« Aufnahme unserer Mission i« Italien^ überaus freundlich und herzlich war und daß im italienischen Volke allrr Kriegshaß erstorben fti. Auß-rrrdent--! lrch feierlich und würdig war der Empfang beim Papst< Abgeordneter Dr. Bauer hat den Ausschuß fite Aeußeres für heute, 10 Uhr vormittags, zur Gntgegsn-' nähme des Berichtes des Staatskanzlers einberufen.^ In der heutigen Vollsitzung der Nat onalversammlung^ wird die Romre'se des Staatskanzlers nich t den Gegenstand der Erörterung bilde«, sondern erst b-mmendrn Dienstag im Laufe der Budgetdebatte. Gestern hjett auch die Christlichsoziale V-ereinigung eine kurze ratnng ah, in der Pie aktuellen politischen Fragen erörtert wurde». Die Beratungen werden fortgesetzt^ Die Getreidehetvirtschaftuttg. Die Wirtschaftskommission beim Staatsamt für BoMernährung fetzte gestern die Beratungen bei dem Punkte Getreidebewirtfchaftttng fort. Nachstehende vom Komitee vorgefchlagmen Richtlinien, betreffend die Getreidebewirtfchaftung der Ernte 1920/31, wurden nach einer längeren Debatte angenommen. Der gesamte Getreideüberschuß ist von ve« Landwirten für die Versorgung der Nichtselbstpersorgex. abzuliefern. Dagegen soll aber der Bedarf der Landwirte an Betriebsmitteln und VcharfSgegenständen im Austauschwege ausreichend gedeckt werden. Unter Getreideübrrschuß sind jene Mngen zu verstehen, die den Landwirt nach D«ckuung seines eigenen Bedarfes, der von ihm zu leist:«nden Deputate und Naturalleistungen erübrigt. Die Getreideaufüringung ist unter weitestgehender Mitwirkung der landwirtschaftlichen Genoss schäften durchs führen, in deren Mge auch die Ausgabe der AuKtauschtnaren an die Landwirte zu erfolgen hat. Es ist anzustrebon, daß zwischen dem Preise für batz' Getreide und jene« der Austauschartikel eine den Frbedensvrrhattnissen niözlichst entsprechende PreiSrelatian hergestellt wird. Zu diesem. Zwecke ist ein Austauschverkehr unter weitestgehender Heranziehung der landwirtschaftlichen G-'"d,'ser.sch^ft-en zu organisieren. Die Bereitstellung der Austauschartikel erfolgt in der bisherigen Art, teils durch die Landwirte stelle, teils durch die landwirtschaftliche Warenverbehrsstelle. Die Feststellung der Ueberschutzmenge erfolgt vorläufig im Frühjahr nnd endgültig unmittelbar nach der Ernte. Der Ue.bernahmSpreis ist so z« Lestimmen, daß zunächst ein Mindestpreis festgescht, Verlautbari und sofort nach Ablieferung ausbezahlt wird. Der enp^ gültige GtreideübexnahmSpreis wird im F.ühjahr 1931 festgesetzt, wobei der Landwirtschaft zugebilligt wird, daß dl« allfällige Erhöhung her .ProduktivnS» Und BetriebS^ste» nach Act der gleitenden Zulage berücksichtigt wird. Eine sich dadurch ergebende Difsevenz wird W Frühjahr 1921 nachgezahlt. Die StaatSämter für Volksernährung und Landwirtschaft haben Vorsorge zu treffen, daß 'Benzin und Druschkohle mit anfangs Just in ausreichender Menge der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird- Auf Grund dlesrr Richtlinien wird vom Staatsamte der Entwurf für das Gesetz über die Getreidebewirtschaftunz im Jahre 1930/21 auSgeatbeitet werde«. Dem Komitee, beztehungsweise dem Plenum her Wirtschastskommtsslion, wird noch Gelegenheit gegeben werden, sich zu diesem Entwürfe zu äutze»t.