Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-04-13 · Heft 440 (13.4.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 440 (13.4.1920)
Date
1920-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979518--03885-2989565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ifwl* 80 Hell« Lschecho-Slowoket: Einzeln 44 Hell« i«tsch. W. Pränumerattonspreise: BS i e tt; Am« Wh ölen in der Srttfklftott, 2. 8«irl, Tabor- Kmc 1 bis-8,- oder in einer Berschleißstrlle <TraftN:!onatlich. . Kronen Sie.— i-rteljährlich „ 60ffji Postversand kür Men und >' Oesterreich: Monatlich .. Kronen 20,- Lichrcho-Slowakei: 1 Monatlich . . -krönen V.— Vlerteljäbriich „ ' SL.- A» tschecho-jlowaNscher Währung Ungarn: Monatlich .. Kronen 80,— vierteljährlich „ 60,— Ir Ungarischer Währung -Jugoslawien: Slonatttch .. Kronen 12,- terteljährltch „ »o.- ii^j«Sv,lawischer Währung t. ix ,y$- Ai teuer Vrek SO Hrster Tschecho slowakei: Einzeln 44 Hell«HßD> M PrannmerationAhnreifel Nr. 440 Wien, Dienst den 13. April 1920 Polan . . Monatlich .. Krona« «ft#*. Vierteljährlich »- Gft#- iit polnischer Wähnütg Deutschl««d: j'. _. Monatlich '. . , 3^1^18«- Frankreich: Monatlich. . . Franl» 9*^ _ Italien: " -i Monatlich . ... Sitz« G#- Schweiz: v Monatlich. . . FraM 8^ Redaktion u.Administratio« W terr.S. Bez..Taborstr^--I Telephone: Ad«i»isttzatloA 446Redaktio» 40010. ab 6 Uhr abend» Nr. 1«Ä»1 Poftsparkasse«ko«to USOjSS^ I I—.I.I. I .II.I ..I,i#ya 2 Jahrgang den Abfall Bayerns an. ii ^Wenn die Reichsregierung nicht entsprechend handelt . Berlin, 12. April. Morr.-Bur.) Das „Berliner Tageblatt" meldet aus München: Vor seiner Abreise nach Stuttgart hielt der bayrische Ministerpräsident Dr. v. Kahr an die Führer der Münchner Einwohnerwehren eLne Ansprache, in der er unter anderem sagte: Die Lage ist überaus ernst. Was die nächsten Tage, ja Stunden bringen können, wissen wir nicht. Wir wissen aber, daß, wenn Me Reichsregierung auf unsere VorsteÄungen hin nicht entsprechend handelt, unsere Wege sich von denen des Re iches trenne «werden und mit einem Vorübergehenden Ausscheiden Bayerns aus dem Reichsverbande gerechnet werden mutz. Spät nachts-wird aus München aus amtlicher Quelle die obige Aeußerüng des bayrischen Ministerpräsidenten dementiert. . Panik an der Berliner Börse. Beschlagnahme ausländischer Wertpapiere. standes, dem man ebenso wie der Regierung den Vorwurf der Leichtfertigkeit und Unanfrichtiakeit machte. Schließlich wurde die Börse auf Beschluß des Börsevorftandes für jeden Verkehr und auch der Bevisenverkehr geschlossen. <- ' Der Mrsevorftemd tritt morgen. pormittags zu einer Beratung zusammen, um über die Wiedereröffnung der Böose und die mit den Maßnahmen der Regierung zusammenhängenden Fragen Zu beschUetzen. Berlin, 12. April. (Korr.-Bur.) Die Blätter melde«; Die im Friedensvertrag bestimmte und jetzt von der Regierung angekändi -te Durchführung der Beschlagnahme von ausländische« Merten rief an der heutigen Berliner Börse eine ungeheure Erregung hervor. Die wildesten Gerüchte durchschwirrte» die Börsensüle, so daß irgendwelche Kursfeststellrmgen unmöglich waren. Infolge der Aufregung kam es auch zu Tätlichkeiten gegen einzelne Mitglieder des Börse vor- Hölz an der böhmischen Grenze. Verhandlungen mit den tschechischen Grenzbehörden. P r a g, 12. April. (Tel.-Komp.) „28 Rijen" meldet: Den letzten Nachrichten zufolge hat der sächsische Kommunist Hölz die Absicht, «ach Böhme» einzubrechen. Zur Sicherung der Grenzen wurden drei Regimenter tschecho-slowakischer Truppen entsendet. Der tschechische Generalstab in Prag tagt in Permanenz. Der „Veeer" meldet aus Markhausen an der sächsischen Grenze: Die bewaffneten Banden des Kommunisten Hölz flüchten vor den Reichswehrtruppen nach unserer Grenze. Heute früh langte ihr Führer Hölz mit einem Trupp bewaffneter Arbeiter aus Klingenthal bei unserer G r e n z w ach e an und verhandelte mit dem Kommandanten betreffend eine Grenz Überschreitung in die Tscheche-Slowakei. Die Kommunisten boten die Uebergabe der Waffen an. Ansere Offiziere konnten den Wünschen der Kommunisten nicht entsprechen und setzten sich telephonisch mit Prag in Verbindung, um weitere Befehle zu erbitten. Sie verlangten auch rasch militärische Verstärkungen und nahmen inzwischen bei den Verhandlungen mit Hölz einen abwartenden Standpunkt ein. Das Ergebnis der Konferenzen in Rom. Italien wird den Wiederanfban Oesterreichs mit allen Mitteln unterstützen. Rom. 12. April. Die Agenzia Stefan! veröffentlicht folgende Note: Ministerpräsident Nitti und Staatskanzler Dr. Renner haben in ihren Unterredungen die politische Lage geprüft und die Uebcreinstimmung der Interessen zwischen Italien und dem neuen österreichischen Staate festgesetzt. Die italienische Regierung wünscht mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zur Arbeit an dem Wiederaufbau der Nachbarrepublik beizutragen und die wirtschaftlichen Beziehungen möglichst bald wieder herzustellen. Zu diesem Zwecke hat eine Reihe von Beratungen zwischen den Ministern für öffentliche Arbeiten und Handel sowie technischen Fachleuten der beiden Länder stattgefunden und man könnte zu Uebereinkommen über die wichtigsten Punkte gelangen. Die italienische Regierung misst dem Besuch eine hohe politische Bedeutung bei, denn er bildet den Anfang einer neuen Phase freundschaftlicher und gutnachbarlicher Beziehungen mit dem österreichischen Volke. Beschlüsse des Völkerbundrates. Paris, 12. April. (Korr.-Bur.) Der Rat' des Völkerbundes hat in seiner gestrigen vierten Sitzung das ihm angebotene Mandat über Armenien abgelehnt und die Ansicht ausgesprochen, daß ein zivilisierter Staat den Schutz übernehmen müsse. Es sei aber notwendig, vorher die militärischen und finanziellen Fragen zu regeln. Endlich hat der Völkerbund eine Persönlichkeit ernannt, die den Auftrag erhalten soll, die Verpflegung und den Rücktransport der K r i e g.sgefangenen, die sich noch in Rußland besinden. durckszuüßren.. Bsr den Wahlen in der Tschecho-Slomakei. F. 2Ö t c tt, 18. ApA. Die Provinzen der Lschecho-Slowcckei werden wärtig vom Wahlfieber geschüttelt. Der Wahltag nah^ und die Wahlbewegung hat ihren Höhepunkt erreich!^ Alle Parteien — und ihre Zahl ist nicht gerade gering haben nunmehr ihren Aufmarsch vollendet und ^wetteifern durch Zeitungen, Flugblätter, Plakate und . Versammlungen um die Gunst der Wählerschaft. Voraussagen über den mutmaßlichen Ausgang der Wvblen lassen sich schwer anstellen, da diese unter durchaus? geänderten politischen und gesetzlichen Verhältnissen stattfinden und eine bisher völlig neue Technik im Wahlverfahrenin Anwendung kommt, so daß man sich auf allerlei Uebecraschungen gefaßt machen kann. Die nativ-. nale Demokratie arbeitet mit ihrem schwersten Geschütz und' läßt wacker ihre chauvinistischen Sirenenklänge-erschallen. Daß es ihr bte Gegner nicht leicht. machen, beweist das pikante Ir.' rmezzoder Veröffentlichung von Kramarsch' Gnadengesuch an Kaiser Franz Joseph, ein Stritt, der deutl'^ uf Wählerfang berechnet ist. Bemerkenswert ist das Auftreten der Nationalsozialen oder wenigstens ihres Führers Klofc. Während dieser im alten Oesterreich sich'in nationalem Chauvinismus nicht genugtun -konnte, ist bei ihm eine völlige Wandlung, in sei rer, Politik. .. Auffassung zu verzeichnen, wobei man freilich, abwarten muß, ob diese auch nach den Wahlen Vorhalten wird. .Klofac spricht in. seinen Wahlreden offen von t beif Jrvtwendrgkeit,: Latz aus dem. tschechoslowakischen Staat eine zweite Schweiz ge-. schaffen werde. Dieses Programm müsse völlig konsequent verfolgt werden und man müsse vermeiden,. daß der. tschechische Staat eine Kopie des alten Oesterreich werde. Darum müßten Verhältnisse geschaffen.- werden, unter welchen sich alle Bürger ohne Unterschied der Nation völlig Wohl fühlen, und jeder müsse sich national gänzlich ausleben können. Auch die tschechischen Agrarier entfalten eine lebhafte Tätigkeit und das Schlagwort von der vielumstrittenen Parzellierung des großen Grundbesitzes spielt im Wahlkampf eine nicht geringe Rolle. Daß die Sozialdemokraten tschechischer und deutscher Richtung nicht müßig sind, versteht sich von selbst und es ist jedenfalls mit einer starken sozialistischen Gruppe in der künftigen Kammer zu rechnen. D'e Konstellation der deutschen Parteien ist bis auf gelegentliche Namensänderungen im wesentlichen hie gleiche ge^wben wie unter dem alten österreichischen Regime. Auf die Juden und ihre Stimmen nehmen die deutschen Parteien im allgemeinen keine Rücksicht ' und das völkische Rassenmoment wird im Wahlkampf, kräftig betont. Um sich, jedoch auch im Prager Wahl«, kreis, der eine bevorzugte Stellung einnimmt, eine hesondere Ausdehnung erhalten hat und nicht weniger als 46 Abgeordnete ins Parlament entsenden soll, eine . Position zu sichern, hat man hier, wo die letzten Reste der jüdisch-liberalen NotabelnPolitik konzentriert sind, gleichfalls nach altbewährtem deutschen Muster den Judenpunkt zurücktreten lassen und das monströse Flickwerk einer „deutsch-demokratisch-freisinnigen" Partei geschaffen, welche eine Koalition des durch da? Prager Kasinojuöentnm verstärkten Liberalismus mit den Agrariern und — Christlichsozialen darstellt und sich nicht entblodet, den jüdischen Assimilanten als Listensührer den Präget Professor Kafka, einen getauften Juden, zu präsentieren, der seinen Leuten versichert, seine Person biete die Gewähr) daß die Partei nichts gegen die Juden unttr nehmen werde! Daß dieselbe Partei auch im Brunner Wahlkreis kandidiert, wo es gleichfalls assimilatorische Großiuden zu ködern gibt, nimmt nicht weiter wunder. ' - In der Slowakei stehen im Vordergrund die autonomistische und klerikale Hlinka-Partei, welche sich ftn Kampfe gegen die zentralistische slowakische Regierungspartei befindet, die vom Minister S'röbar geführt wird. Während sich Hlinka auf die Landbevölkerung und die eingestreuten Ungarn stützt, arbeite Sröbar mehr in den Staaten und unter den Evangelischen. Charakteristisch für die ungeklärte Situation in der Slowakei ist die folgende Erscheinung: In Pteßburg kandidiert der geivesene Preßburger Zupan, der evan-, gelische Bischof Zoch, auf Srobars Regierungsprogramm. hält seinen getreuen Slotvaken slowakische Wahlreden, erläßt daneben aber auch deutsch-ungarische^ Wahlaufrufe, spricht in den auf solche Weise *>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.