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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-04 · Heft 432 (4.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 432 (4.4.1920)
Date
1920-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ara«© Nedaktiovn.Admlnkftratton Wte«.«.Be,..rah»rftr.>l-» Telephon« Adwinistrnti«, 4-tt» > . Redaltlon 4»8t». ab G Uhr abend» Sir. 10801 Postwarlasfentonto UHUS» Wien, Sonntag, den 4. April 1920 2. Jahrgang Unterm Hakenkreuz. W i e n, 4. April. Naös dem. Zusammenbruch der deutschen Armee strebten Millionen nach Hause, um in friedlicher Arbeit kn neu» Lyben zu beginnen. Aber nicht alle suchten pNd icküren diesen Weg. Es blieben viele, die es einfach: sticht fassen konnten, datz die kriegerische Herrlichkeit zu' O§e ist. Tausende von Berufsoffizieren und langfienenden Unteroffizieren verspürten weder die Lust Wh die Kraft, die Uniform auszüziehen und die Waffen tzegzulegen, und zu ihnen gesellten sich Viele der Jungen, tzrAhe von -er Schule weg in die Armee kommandiert pdrden.welche in der Welt der Waffen und des organisttrten Mordens mannbar geworden waren/ ohne die zstelt des Friedens und der Arbeit kennen und lieben Arteten. Während alles andere abströmte und sich im Wiche verlief, - felicbeit btefc/ trb’öi0 und frrrchtsam zu» Dich/beisammen, ein waffenstarrender Haufen, mit welchem, weder die eigenen Führer noch auch die schwache stöügebackene republikanische Negierung vorerst etwas astzufangen wußten. Es wurde von allen Seiten wie. eine^Erlosung begrüßt, als die Unruhen an der deutschpanischen Grenze unh in den.Ostseeprovinzen des alten Aküßland Gelegenheitboten.die Reste, der wilhelminischen Armee dorthin abzuschieben. Man. ließ die unbequemen Söldner - gern ziehen/ gab ihnen die ehrenden Titel /.Schützer, der . Grenzen des Vaterlandes" und ..Ver- HMMl" DWIWvielDM,WnWÜ -xie^lBaltikume^'.öegaNn nun..ein frisch-fröhliches, ungebündenes Herrenleben. Im Verein mit der gegenrevolutionären russischen Armee,, dem Abschaum der zaristischen Horden,.raubten und plünderten sie.die Oft», feeprovfnzen aus) undhausten-wie Feinde in den oftdeutschen Gefilden. . Die waren Herren im wahrsten Sinne des Wortes, we/che hie Befehle der „Judenregierung", wie sie die Berliner Regierung beständig nannten, hohnlachend- Hurückwiesen und nur die Sendungen an Sold, Lebensmjtteln. und Munition entgegennahmen. Und Berlin schickte reichlich und oft, um ihnen das Leben fern vom Sitze der Reichsregierung möglichst. angenehm zu gestalten. So ging's geraume Zeit, bis das Machtwort der Entente die Räumung der Ostseeprovinzen und damit die Rückkehr der Paltikümer nach Berlin und. Umgebung bewirkte. Die rauhen Landsknechte rückten ein, mit fchwarz-weiß-roten Fahnen, daß Hakenkreuz auf den Helmen.' Sie hatten.sich das Kreuz mit den abgebogenen Kalken, als Abzeichen erwählt,' und es ist heute düs Symbol, einer' bestimmten Geistesrichtung' in Deutschland geworden. Mit schlecht verhehlter Freude begrüßten dje Anhänger des alten preußischen Regimes den Einzug der gewalttätigen Stützen der monarchischen Ordnung. Die Schwerindustriellen, die reaktionären Bureaukraten, die pensionierten Generäle' und die nach rückwärts geschobenen, kleinlaut gewordenen Junker scharten sich hinter den reisigen Kreuzträgern zusammen - und schoben sie rasch vor,' gegen die —Juden und die „JudenrogiLrung"t Unter der Patronanz der Baltikumer setzte in Deutschland nunmehr eine Judenhetze ein, wie sie vordem als unmöglich-gegolten hätte. In Zeitungen und Versammlungen wird , heute im Reiche der Judenpogrom als einziges Mittel zur Wiederaufrichtung' Deutschlands gepriesen und Judenprügeleien sind zur alltäglichen Erscheinung geworden. Auf allen Straßen-: ecken: prangt das Hakenkreuz, Bürger, Studenten, Frauen und Mädchen heften es an die Brust. Wie die Kreuzfahrer und die Schwarzen Hundert in Rußland vor Wrtzn Judenschlächtereien das Kreuz nahmen, so nimmt: -bas antisemitische. Alldeutschland das Hakenkreuz; . V"- Das Hakenkreuz bedeutet aber. nicht nur Brutalität, sondern^ auch vodenlose, abgrundtiefe Feigheit.. Zu feig sind-diese.traurigen Helden, ihre wahren Absichten laut -Uszurufen. Sie trauen: sich nicht, . die Parole „Hoch Hohenzollern" offen auszugeben, sie schielen nach, den muhen Arbeiterfäusten und brüllen „Nieder mit den Juden!" In der Jndenhehe soll dgs Volk zur Reaktion erzogen werden. Hat es erst Judenblnt gerochen und sich auf Kosten der Juden an Mord und Raub gewöhnt, bann kann es auch gegen die anderen, gegen die „Genossen und Werkzeuge der Inden", losgelassen werden. Wie weiland der Zar in Petersburg, so rechnen heute die Lüttwitze und Ludendorff in Berlin und München.. Ob sie das Endziel erreichen, ob sie da? alte monarchische Militaristische Preußen wieder aufrichten werden^ fei velagemngsMtaM in Dänemark. Berlin. 3. April. (Korr.-Vur.) Das ,8-Uhr-Abcndblatt" meldet ans Basel vom 3. d. M.: „Pretzinsormation" erfahrt ans Kopenhagen - Minister» Präsident Liebe hat die königliche Ermächtigung zur Verhängung des Belagerungszustandes über Dänemark erhalten. Die Radikalen und die Syndikalisten haben für die Osterfeiertage Massenversammlungen im ganzen Reich einberuse«. Die Polizei hat zwei geh eime Druckereien ausgehoben, in denen Proklamationen für die Ausrufung der Rätediktur mit dem DatM »om 6. April gedruckt wurden. MEichsWchr im Ruhrgebiet eingerückt. Wichtige Stützpunkte den Rottruppen entrissen. Düsse Ld o r f, 3. April. (Wolff.)- Wie von znWndiMr Seite nritgeteilt wird, sind die Reichswehrtrnppen heute nachmittags ' i n D u i s hn.x g-> e i nj-c r ü A t. ■ BerN«,' 3. ÄprR - Mständiger 1 stelle wird mitgeteilt: Dui s b urg» Herne, R t ck l in g h a u f e n und Ober hau f e n sind bereits durch die Reichswehr e n L f e tz L worden. Berlin» 3. April. (Wolff.) In Bochum, L a u e n b u r g, H e i l i g e n h a u s und anderen belgischen Orten wurden die Waffen abgegeben. Bei Essen und in der Umgebung von Esten wird durch die Flüchtenden großer Terror ausgeübt. Die Reichswehr hat O b e r h a ü s e n besetzt. Der Vollzugsrat ist g e f l o h e n. Aus Herne find die Roten Truppen hinter den Rhein-Herne-Kanal zurückge- . gangen. Berlin, 3. April. (Korr.-Bur.) Uever die Gestuntlage im Ruhrrcvier melden mehrere Abendblätter, daß die Arbeitswilligen auch heute gewaltsam am Einfahren verhindert worden seien. Die Nahrungsmittelzufuhr stockt fast vollständig und infolge des Proteststreiks der Eisenbahner liegt der Berkehr im Industriegebiet still. Dinslaken sei von Neichswehrtruppen besetzt. In Hamborn werde schwer gekämpft; auch Artillerie greife in den Kampf ein. Man hofft, heute noch Duisburg zu entsetzen. I« Duisburg haben Plünderungen von Läden stattgefunde«. Nach'; Berichten aus Münster habe in einer, großen Anzahl Von Orten die Wafsenabgabe stattgesnnden, doch sei «och i immer über die Hälfte der Waffen, m den HLnden der. Angehörigen der Noten Armee. . - Wie der „V o r w ä r t s" berichtet, haben im Lanfe . der heutigen Nacht radikale Kreise in Esse« eine«: Muen GenxraUrefk;ausgerufen und teilweise durch Be^, Waffncte die Stillegung der' Betriebe erzwungen» )' Die „F r e i h e f t" meldet ans Düsseldorf unter demheutigen: In Düffeldorf,: in, Mülheim, Gclsenkirche« und einigen kleineren Orten scheint, der Mob die Gewalt an sich gerissen zu haben. >. - - Die „Einleitung der Rätediktatur". B e 11 {itp 3. April. In einer gestern stattgefundenen Generalversammlung des Bezirks» Verbandes Berlin der Unabhängigen Partei hielten C r i s p i t n und D ä ti m i g Reden über die politische Lage, in denen sie eine sozialistische Regierung mit entscheidendem Einfluß der Unabhängige« forderten und unter einem bestimmte« Kräfteverhältnis anerkannten, datz die sozialistische Regierung ein Zwifchenstadiu« sei; aber auch fie könne der M i t w i r k n n g d er Rät e nicht entbehren. Eine solche Regierung könne die Einleitnng der Räted i k t a t u r bilde«. BneriKa und Russland. Keine Teilnahme an der Untersuchungskommisfion. Paris, 3. April. (Korr.-Bur.) Wie die Blätter aus Washington berichten, hat die amerikanische Regierung in ihrer Antwort auf die Einladung des Rates des Völkerbundes Vertreterin die U nt ersu ch u n gs ko m Mission für. Rutz l and zu e nts ende«, mitgeteilt, datz es ihr unmöglich sei, der Einladung Folge zu leisten. Das Staatsdepartement gibt gleichzeitig bekannt, daß die Bereinigten Staaten bei der Konferenz in San Remo nicht vertreten sein werden. dahingestellt. Aber daß sie ihr ftivoles Spiel mit den Juden nicht ungestraft weiterspielen werden, ist sicher. Die Zeiten sind vorüber, da die Juden sich scheu bücken und drücken, da sie ergeben dulden Wichten, wenn bestialische Kreirzträger bllltdürstend einherstürmten. Das jüdische Volk von heute wird sich zur Wehre sehen und die ganze gesittete Menschheit zu Gericht rufen. Es wird seine ganze Kraft und seinen ganzen Einfluß anfbieten, um mit den alldeutschen Hetzern abznrechnen. Das mögen sich die Drahtzieher der Reaktion im Reiche drüben gesagt sein lassen, aber auch ihre Gesinnungsgenossen in Oesterreich. Schon hat die Seuche nbergegriffen, schon prangt in Wien rmd anderen Städten auf Plakaten das Hakenkreuz. Und unter dem Hakenkreuz wird gleitznerisch versichert, daß man nicht die Rückkehr der „Reaktion", auch nicht die Rückkehr der „Habsbirrger" wünscht, sondern nur durch Vertilgung der Jl«den das Vaterland retten will. Daß die Verfasser der Pogrowaufrnfe die Rückkehr der Habsburger nicht wünschen, ist sogar sicher, denn sie beziehen ihre geistigen und materiellen Mittel von der hohenzollerisch gesinnten prerrßischen- Schwerindustrie. Aber ebenso sicher ist. daß sie daran verzweifeln,' tm offenen Kamps ihr Ziel zu erreichen, und unter dem : Vorwände des ausschließlichen Kampfes gegen;die Inden der Freiheit an den Leib wollen. Die österreichischen Inden werden dieses Spiel nicht schweigend über 'E ergehen Lasten. J > '*«. —. „ ti. 48

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