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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-03 · Heft 431 (3.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 431 (3.4.1920)
Date
1920-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Heule, nach zweitausendjährigem Exil, hat die Idee der Freiheit wieder von dem ganzen jüdischen Volke Besitz ergriffen und wie groß die Schwierigkeiten auch sein mögen, wir werden sie zu überwinden wissen kraft unseres felsenfesten Willens, die furchtbare Zeit der politischen Sklaverei zu beenden und unser nationales Leben selbst zu bestimmen. Dieses Streben mag man Nationalismus nennen. Es ist's nicht, wenigstens nicht in der häßlichen Bedeutung, die man sonst dem Worte Nationalismus beizulegen gezwungen ist. Wir wollen die Freiheit für uns.' die Sicherung der nationalen Zukunft unserer Kinder; der Nationalismus im landläufigen Sinne ist Haß und Unterdrückung anderer. Unsere Arbeit aber wird immer von der Erinnerung an die Jahrhunderte begleitet sein, da wir Sklaven waren in Aegypten. Land und Freiheit verlangen wir und e» gibt niemanden, der unser Recht darauf bestreiten kan«. Wir wissen wohl, daß wir auf die Unterstützung der anderen Völker angewiesen sind, und wir sind bejfor eingedenk, daß auch in Zukunft tausendfältige Beziehungen zwischen uns uno unseren heutigen Wohn-' ländern bestehen werden. Die Pflege dieser Beziehung«' wird uns sehr am Herzen liegen, weil wir ja tausend' Erinnerungen und das Andenken unserer Vorfahre« hier zurücklassen. Aber unsere eigene Zukunft wolle»' und werden wir selbst bauen, unsere Freihett werde» wirerringen. Wir hoffen, daß sich dann der Haft gegen unser Volk abbauen und einer gerechten und freundschaftlichen Würdigung der kulturelle« Krästr des jüdischen Volkes weichen wird, deren Freimachun» der ganzen Menschheit dienen wird. i;;.!•** Polnische Vorschläge. W a r sch k tt 2. April. (Privat.) Der Minister für Reichere» P 0 t e k in Erwiderung auMie Note der russischen Sowjetregierung an de» ruffifcheH Autzenminister Tschitscherln die Mitteilung gelangen lasse«, daß di» polnische Regierung ans dem Standpunkt verharre, daß di« Friedenovrrhand» lnngen in B 0 r i s 0 w stattfinden müsse«. Die polnische Regierung hat «ach reiflichen ErwSgnnge» die Fordern»» der Sowjetregierung, sofort an der ganze« Front de« Waffenstillstand eintrrte» zu lasse«, a b g e l e h n t. Die polnische Regierung ist aber bereit, die militärischen Operationen»»» ganze» Bereiche des Brückenkopfes Borisow während der Dauer der Frieden». Verhandlungen e i n z u si e l l e n. Bl.Mge Kämpfe zwischen Reichswehr und der Roten Armee. - Aus dem Inhalt: Nihtun Sokolow : DIE ALTE HAGADAH AdolfBohm:PASSAHUNDNATIONALFONDS Jaltas Löwy: UND MOSES SPRACH . Otto AbeiesZWEI PASSAHLIEDER SamuelRappaport: ELIAHU HA-NABI , «Ür Wi-E- TRAUERSCHIFF Maiz . Fleischet,: DER ERBE Koorad Matil: JÜDISCHE FEIERTAGSLIEDER Qiaiim Bloch : DREI PASSAH-GESCHICHTEN VOM RUZHINER Hugo Zuckermaim: SEDER IM GHETTO Bruno Frei: DAS KINDERDORF IN BAUM¬ GARTEN ■ Ernst Müller : „UM DIE EWIGKEIT* Jakob Krausz: DER PROPHET ELIAHU IM JÜDISCHEN VOLKSLEBEN S. Meisele: ABARBANEL Df. Sanel Beer: JÜDISCHE FESTE Unser Recht —7. W i e«, 3. April. -Die individuelle Freiheit ist die Voraussetzung der polüischen Freiheit. Sie ist Selbstzweck. Niemand soll fremdem Willen untertan sein und jeder hat seine bestiylmte Rechtssphäre, auf deren Wahrung er vollen AnsMch-hat. MW«? ergibt.sich dynn die. Verpflichtung, arenzyga. und Eiirordnung nDMMe^sttzcklichMgaui-'' s^H'Hölksgememschast Wi;t.- Her soziale Staats hat die Aufgabe,bas -Recht'-oes .'einzelnen zu schützen, gleichzeitig aber auch , die Wahrungder Interessen aller harmonisch in.der-Form, der Rechtspflege, der Ueherwächüng der öffentlichen Ordnung und der Perwaltung M,.besorgen. Er tut dies im Gegensatz zu dem ObrigkeWtaat durch die Bestellung der , gewählten VertMelwmänner des Volkes, denen die , Aufgabe zufällt, meHflichten der Bürger zueinander und zur Gemeinschaft in Einklang zu heilten und den Zeiterfordernissen entsprechend' zu regeln. Das Volk wird dadurch im Mje der Entwicklung zuefner Individualität, deren BxzieMngen zu den anderen nationalen Individualitäten W der Form einer Organisation der Welt sich apwickeln, innerhalb deren wieder jedem'Volk eine uWrjetzliche RechtssMre gesichert sein muß. Dieser Mchtsbegriff, der . aus der Anerkennung menschlicher OMtzlnschastsgruppen als. national in sich geschlossene EWöilen nnt dem. 'Bewußtsein, gleicher Geschichte und gleichen Sttebens erfließt., ist das Selbstbestimmungsrecht des Volkes/ seine Arbeit,, sein Vermögen pur sich sellsil-zil widmen, seinegeistige, wirtschaftliche und kulturelle. Entmicklüng nach. den.eigenen, selbstgegebenen sMctzen.' zu. vollziehen. Denn in. dem Zwang, nach fHj!tzen.^orschriftcn zu leben, aus fremden Mühlen zu jMU,'liegt der Begriff einttMraverel. die .jedes zum . MMßsein seiner Würde g^laMe .Volk viel schwerer empfindet als die materielle Hörigkeit der antiken Sklaverei. Auch im Völkerleben muffen die Grundgesetze der gegenseitigen.Bedachtnahme und Achtung gelten, weil nur auf ihnen die politische Freiheit ruht, deren Verletzung zu so schweren Katastrophen führt, wie wir -sie seit sechs Jahren miterleben. - Auch da? jüdische Volk hat den Anspruch auf Sicherung seiner. Rechtssphäre und Anerkennung seiner ngsipnalen Individualität auf Grund seiner Existenz, dieren.mehrtauftndjährige. Geschichte von Unglimpf und Verfolgung durchsetzt ist. Aber auch auf Grund seiner Mstärbeit'. an der Organisation der Menschheit, seiner großen geistigen Fähigkeiten und seines vor aller Welt bekundeten Willens, die gemeinsame Geschichte in seinem Geiste so rtzu setzen. Wir verlangen dies. Und für diesen Anspruch, den wir nicht erst heute erheben, brauchen wir.nicht erst die akademische Zustimmung der, anderen Völker. ' Das jüdische Volk ist von der wundersamen Persönlichkeit Moses, dessen Riesenfigur an der Schwelle der Geschichte ausragt, zum Bewußtsein seiner Zusammengehörigkeit erwecktworden und tat sofort den erstell Schritt, in die politische Freiheit. Es legte eines Tages die Arbeit nieder und wandte sich der Heimat ju. Der Freiheitsgedänke ging wie eine Feuer° fautc, vor ihm her und half ihm, die Schwierigkeiten fett WMeluvaudl'ruüa und' der Landuickme m über¬ ML u st er, 2. April. (Wolfs.) Dem militärischen Lagebericht ist folgendes zu entnehmen: Bei Wesel griff der Gegner vorgestern abends in der Stärke von etwa 15V Mann an der Straße Dinslaken-Friedrichsfelde an und wurde unter schweren Verlusten abgewiesen. Der Brückenkopf Lei Hünxe wurde gehalten. Dorten wurde vorgestern abends von bolschewikifcher Artillerie heftig beschossen. Die Stadtverwaltung bittet dringend um sofortigen militärischen Schutz. An der Lippe wurden während der Nacht und beim Morgengrauen die 6. und 7. Sprengung vereitelt« Die Lippebrücke südlich von Haltern wurde nach heftigem Kampfe genommen. Der Gegner verlor etwa 80 Tote. Die Straßenbrücke südlich von Haltern wurde durch Sprengung leicht beschädigt. Die Eisenbahnbrücke. ist imbeschödigt. In Recklinghausen haben die Aufrübrer nachmittags das Postamt gestürmt und mit d granaten furchtbare Zerstörungen angerichtet. ES wurden alle Postbeamten mobilisiert, um das dort lagernde Gold zu bewachen, da mit einem zweiten Angriff gerechnet wird. Das Landraisamt wurde ebenfalls angegriffen. Es wird von den Beamten und Mitgliedern der Einwohnerwehr verteidigt. Bei Bölkum gab der Gegner dauernd heftiges Maschineugcwehrfener ab. Er sprengte die Brücke beim Bahnbos. Daraufhin wurde der Ort gestern von uns genommen. Die Eisenbahnlinie Unna-Hamm soll am Kreuzungspunkt Dortmund—Welver gesprengt sein. In Iserlohn wird die Diktatur des Proletariats von einer Minderheit ausgcübt, die Geiseln ansgehoben hat. Aehnliche Zustände herrschen in Westig, Hemer, Aoßwinkel und Fröndenberg. Ende des GeneralstreiLs im Anhrgediet. Effen, 2. April. (Wolff.) Die Vollversammlung der Vollzugsräte hat beschloffen, den Generalstreik für das gesamte I n d u st r i e g e b i e t 6« fzuh eb ew Sie wird sofort die Arbeiterschaft wieder zum Kampfe aufrufen, wenn die Regierung nicht ihre,' durch die Vereinbarungen in Bielefeld und Münster übernommenen Verpflichtungen erfüllt, insbesondere wenn es ihr nicht gelingen sollte, einer Truppe»», bewegung gegen das Ruhrgebiet Einhalt zu gebieten. Die Vollversammlung spricht weiters den proletarischen Truppen ihre höchste Anerkennung für ihre^ Taten aus und verspricht, für die Unterstützung dev. Hinterbliebenen der gefallenen Kämpfer und der Berkl:>u nach besten Kräften Sorge zu tragen. In einer Erklärung des Zentralrates heißt es unter anderem: Das Bielefelder Abkommen schließt die v o!le Autorität der Beh örde« ein, die nach dem Gesetz und nach den Vorschriften ihres Amtes walten: infolgedessen hat selbst die Kontrolle der Behörden durch die Arbeiter- und Vollzugsrätv nur recht geringen Wert geübt. Die Arbeiter- und Vollzugsräte müffen von den Arbeitern nicht mit erhalten, sondern auch ausgebaut und befestigt werden. Münster, 1. April, Dn ^Westfälische Merkur* melbet. daß auf Grund der BerHandlungen Mischen dem Reichskommiffar und Min-ster des Innern Srveriug und den Vertretern a»S de« Rnhrrevier der Waffe n st i l l st a n d, -eziehungSweist btc; Teunin dcr Waffmabgade bis zum 3. d. M. v e 11 8 n ß t e t worden ist. Das Blatt rrfäh'l dazu auS zuveiläisigrr Omlle. däß. d:e Militär m a ch t ütnrall dort, wo P l ü u d r r u.u g * * pMsind'k oder A n g r.i \ f e erfolgen, volle Freiu t u« Mhweu der militärilLen Overaüone« bade. .

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