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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-02 · Heft 430 (2.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 430 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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r Itüif SO Hrürv rschechs-Slowaker: Ey»»eln 44 Heller i. tsch. M- PrLvNWerattonspreise: vte»r Kou Wtzsle» in kn NüMtiv«. L VÄrr, Tabor. V««ß« i biS 3» over in riner BerschkeiOielle <Lrafik>: - Bko«atl1ch. . throne» rv.— ierteljährlich OO.r Btt Postversavd für Me« »itk Oesterttichr Monntttch . . Krönen SV.— ' TicheHo-Esswakei: Vionatlich. . Kronen vlerteltiibrrich 1 „ \ In tschecho-sllttvakrschn DShruns Ungar«: Vtovatttch . . Kronen 20.- vierteljührlich .. ««.— in «ngartscher WSHr»ng rrner a Urris STB Srürx ä Tschecho-Slowakei: Einzel« 44 Heller i.1fch. W. Prävumerationspreife: Pole«: Monatlich .. Krone« 20*- VierteljahrlÜh „ Wr< in -olvlscher SÄrnng Drußchlavd: Monatlich . . l. Marl N.— Frankreich: Monatlich . . Fraaw 3*.-- 3taHe#:‘ , Monatlich . . . Lire Schweiz: Monatlich . . . Sxiimrs S.— Redaktiona.AL«ittiitrati«»! Wten.L.Bez..Tabor'ftr.1-» Teledhoner AdmiutstraNo» 4 Redaktion 4»SlV, ab 6 Uhr abend» Nr. 10S0L Postlparkafsenkonto lSS^W Uj Nr. 430 Wien, Freitag, den 2. April 1S20 2. Jahrgang Die östliche und südöstliche Gefahr.; —k. W t t .it, 2. April. Die täglich akuter werdende» gesamteuropäische Krise, deren Folgen sich bereits auch in Asien, Afrika und Amerika immer mehr geltend machen, kann nur dann richtig beurteilt werden, wenn man die engen Zusammenhänge/ die zwischen den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen der einzelnen Staaten bestehen, stets im kluge behält. Besonders die neuen Krisen, die im Osten und. Südösten Europas entweder schon zutage treten »her.basd zutage tretön werden, können nicht ohne die sich immer mehr geltend machenden Gegensätze zwischen den Enterftemächten, die Undurchführbarkeit der von ihnen nach längen Mühen zustande gekommenen Friedensoerträge ^sowie ohne Berücksichtigung der Ausbreitung d« bolschewikischen Bewegung (unbeschadet der verschiedenen Wandlungen auch außerhalb Europas)verstanden werden.' Die Friedensdertrage mit Deutschland und Oesterreich wären bei der Schwierigkeit, sie durchzuführen, nur unter der' Voraussetzung möglicherweise realisierbar gewesen,' wenn" wenigstens innerhalb jener Kreise, denen sie ihre Geburt, verdanken, Einigkeit und die Energie, sie um jeden Preis durchzuführen, geherrscht hätten - und wenn weiters aus Grund dieser Friedensoerträge eine-Aera des Völkerfriedens und des wirtschgftüchen Mieheraufbaues Europas begonnen Hütte. bereits den Friedensverträgmft-Deütschland verworfen und ist m Begriffe, dasselbe betreffs Oesterreichs zu tun, sympathisiert mit der irländischen Bewegung gegen England, mit den Südslawen gegen Italien, ist im übrigen der ganzen europäischen Wirren überdrüssig und konzentriert seine ganze Aufmerksamkeit - aus seinen Rivalen Japan, soweit es nicht durch die bolschewikrsche Bewegung in Anspruch genommen ist; England wieder, hat weder die Absicht, sich für den französischen oder italienischen Imperialismus noch für einen russischen oder preußischen Zarismus, zu erhitzen, sondern es ist ausschließlich von der Sorge beherrscht, daß die nationdlseparatistrschen Bestrebungen in Irland, Indien ünd Aegypten sich durch ein Bündnis mit den Bolschewiken komplizieren könnten, eine Gefahr, die auch Frankreich und.Italien in.seinen asiatischen sowie 'afrikanischen Kolonialgebieten droht. Hierfür mehren, sich stets die Beweise. Man kann nicht ungestraft das Selbstbestimmungsrecht der. Völker in Mitteleuropa-—wo es übrigens nicht zur Geltung kam — proklamieren und in Osteuropa und am BaÄan sowie i.n den eigenen-Staats-, gebieten Europas - und der - anderen . Weltteile jrrit Füßen j-treten. Das müßten sich, in gleichem Maße diejenigen .vor Augen hasten,-welche gegen die Revision der > Friedensveiträge Stellung ' nehmen, als auch jene, welche aus dem Geist dieser.Friedensverträge nicht die richtigen Konsequenzen fürdie Pflichten sämtlicher Regie-' rungen aller Staaten gegenüber allen Völkern der Erde ziehen wollen.! » > > . . . - > Nichts! kann den Bolschewisnms. so fördern als die Tatsache,:.daßnicht nur.die sozial Unterdrückten, sondern auch die national Unterdrückten in-Polen wie. in der Ukraine, in. Jugoslawien wie in Rumänien, in der Türkei wie in der gesäurten mohammedanischen Welt in ihm ihr Heil und ihren Bundesgenossen erblicken. Wenn die polnische,' jugoslawische und ruinänische Regierung nicht , energisch dem innerhalb, ihrer Staatswesen um sich ^greifenden ‘ Chauvinismus und Antisemitismus ein Paroli bietet und ihre ganze' Krafd auf soziale Reformarbeit nicht baldigst konzentriert,' dann darf sie sich nicht wundern, wenn in diesen Stggten genau so wie in Italien und, wie die neuesten Nachrichten zeigen, auch in verschiedenen asiatischen Staaken die radikalsozialistischei Bewegung an Boden gewinnt. Dafür, .wie es jetzt wieder infolge des radikalsozialistischen Wahlsieges in Agram und anderen kroatischen Städten geschieht, nur die Juden verantwortlich zu machen .und' die Konsequenzen der wirtschaftlichen Not — unter der die breiten Schichten des'jüdischen Volkes in erster Linie leiden — zur antrsewitisHen'Propaganda zu verwerten, wie es die Chauvinisten sämtlicher Völker tun, heißt sich und andere über. Ine wahrm Verhältnisse in Europa zu täuschen. Du Rationalisten und viele Internationalisten häben den Nationalstaat nicht mir als das einzige ZNMet'zur Lösung der nationalen Frage, sondern auch als Vorbedingung der 'Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der besitzlosen Schichten allüberall hrstgestellt. Das Experiment ist überall gescheitert, -die Völker-stehen einander-feindlicher als-je gegenüber,' . nicht nur in Europa! Auch die ganze mohammedanische -Welt sowie weiters die gelbe und schwarze Rasse sinh in Gärung begriffen; sie haben nicht. - umsonst für die "sogenannte „Völkerfreiheit" in Europa gekämpft und präsentieren nun ihre Rechnung- Soll Europa unter solchen Umständen nicht in ein dauerndes Chaos versinken^ soll es nicht vollständig zum Sklaven des amerikanischen Kapitalismus werden und nicht in.weiterer Folge neuen, nationalen sowie sozialen Umwälzungen entgegentreiben, dann müssen alle Regierungen und sämtliche Parteien ihre Programme-auf. Grund der Erfahrungen der letzten Jahre revidieren. .Glaubt man aber — das gilt vor: allem in Polen und Rumänien sowie in Jugoslawien — auf Grund der. bischer zur Anwendung gebrachten Methoden des drohenden sozialen Umsturzes Herr zu werden oder ihm durch gesteigerten Chauvinismus und Antisemitismus ein Paroli zu bieten, dann wird man im Gegenteil der sozialen Revolution die Wege ebnen. . - Die Arbeiterschaft nimmt das Bielefelder Abkommen an B e r l i 1. April. Die „Bssstsche Zeitung" meldet aus Düsseldorf: Die Konferenz, an welcher dir Delegierten der Vollzugsräte und der drei sozialistis scheu Pürteien des Zudustriegebietes teilnahmen» hat sich auf folgender Grundlage geeinigH: Die Reichsregierung hat die Straffreiheit entsprechend dem Bielefelder ULkömmen his auf den 2. April, 12 Ahr mittags, verlängert. Wenn dis dahi^ dem Bielefelder Abkommen AachgekoMmerr wird und die Regierung die GDpikheit hat, daß ihm üderall Folge geleistet wird, schreitet Ütin Wiiitiit - . V - . : - ... Die Konferenz in Munster hat auf dieser Grundlage die re st lose' Ans nähme des Dielefelder Abkommens durchgesetzt nnd wird durch einen entsprechenden'Aufruf an der Front der Kampftruppen zu veranlassen suchen, diesem Beschluß nachzukommen. Für die Durchführung des Abkommens foAen die jetzt bestehenden Ortswehren verwendet werden. Die Trnppenverschiebnngen nach dem Ruhrrevier sind eingestellt. Die Entscheidung über den Generalstreik. E s s e n, 1. April. (Tel.-Komp.) D ie « stag nachmittags um 3 Uhr findet hier eine Vollversammlung aller Vollzugsräte des Industriegebietes statt, um Mer die Beendigung des G e n e t* a t st r e i k s zu beschließen. Entspannung im Arrhrgsbiet. 1? Äprif. (Del.-Komp.) An zuständiger-- S::'.lsL wird Üb'er,,di2 Situation im Rnhrrevier. mitgeftilt: Im dlgemeinen ist eine Entspannung eingetreten.' Es gestanden zwei Mißverständnisse, die die Lage kompliftert haben. Zunächst waren die Aufständischen 'im' Rühr gebiet -vonder falschen Meinung be^ fangen, daß General Walters ein Mann Kapps sei. Di?se Idee mußte erst langsam beseitigt werden, was dadurch ermöglicht wurde, daß S.evering, ein außerordentlich geschickter Parlamentarier, als Unterhändler ryit Vollmachten entsendet wurde, die über das rein Militärische hinausgingen, so daß die Verhandlungen auf politisches Gebiet geleiiet wurden. Infolgedessen ist auch das Einrücken der Truppen in das Rnhrgebiet. am Dienstag unterblieben und es wirdnur an eine Besetzung gedacht. Tatsächlich ist der Widerstand der Aufständischen nicht groß, was darauf hindentet, daß eine-einheitliche Leitung auf der Gegenseite fehlt. Eine zweite Verwirrung ist in der F^-age des Besetzungsrechtes der neutralen Zone durch deutsche Truppen. Di' . deutsche Regierung hatte bekanntlich angenommen, daß ihr hierzu voll den Alliierten die-Erlaubnis erteilt rvorden sei. In Wirklichkeit wurde dieses 'Recht von der Ent-etlbe jedoch nur zugestanden, wenn dir Notwendigkeit einer solchen Besetzung nachgewiesen würde. Es sind mm uou atz dEutfcheu Regierung Schritte unter no m nie n worden, um der^Entente diese Notwendigkeit zu beweisen, die darin eintreten würde, wenn nicht irr der allernächsten Zeit eine gütliche '^tnigung mit de.r Ailfftarrdischen zustande käme. In Münster ist heute eine Konferenz der Regirrungsvertreter'und der Arüeitcrverrreter unter Vorsitz S e v e r i n g s zu einem A b l o m tn e n gelangt, das die WieLerüerstellung des Friedens int Ruhrgeptzet in umnittell'L'e Nähe rückt. Die Reichsregierung . Hab die Straffreiheit entsprechend dem BielefelderAblornruen bis zum 2. April mittags verlängert. Die Konferenz hat ferner die restlose Einhaltung des, - Birleselber Abkomnrens durchgesrtzt. und wird durch, einen entsprechenden Aufruf an' der Front die Kampftruppen zu veranlassen suchen, diesem Beschluß -nachzukommen. » . - Berlin, 1. April. Die noch' ungeklärte Lage?-im* Rnhrgebiet wird, wie das ,Derliney Tageblatt" melhet^? durch die stark voneinander abweichenden' Ansichten''der Reichsregierung und der preußischen gekennzeichnet. Diei> Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, ',daß.'.diez^/'- schlossene Bewegung als solche völlig zufammengebroDw ist und daß nur noch einzelne, Banden, gegen die Arbeiter selbst -Front machen, in verschi-ÄenM;- Gegenden ihr. Unwesen treiben..-., ’ ‘i' .Im Gegensatz hierzu stehen die vom preußischen Staatskommissariat für, - öffentliche Ordnung. gemachten- Mitteilungen? Darnach ip die Lage im R'ührgebiep als' äußerst e rn stanzusehen und man steht, .'falls? nicht energisch gegen die bewaffneten Radikalen. eingegriffen wird, vor einer Katastrophe. Das preußisch-^' Staatskommisfariat glaubt,- daß nur mft Hilfe m i li< tar is cher Ma ch tm11tel eine Niederschlagung d-rs- Ausruhrs zü erwarten sei. - Berlin, 1. Mpril. Der „Abend" meldet mt$ Barmen: Der Aktionsausschuß hat heute morgens^ die Arbeiterschaft aufgefordert, den Generalstreik zubrechen. . ■-* Weirers meldet dasselbe Blatt aus E lb e r f e-Id^ daß wilde Abteilungen der Roten Truppen in der vergangenen Nacht das Rathaus besetzt und die' Gewalt, an sich gerissen haben..Die. Mitglieder des aus-den. dreie -sozialistischen Parteien zusammengesetzten Aktionsausschusses fiud verhaftet worden. Prinz Joachim von Preutze« entllaftet. Berlin,-1. April. (Wolfs.) Vorn Neichswehrgruppen-, kottnnando I wird mitgeteilt: Durch Entscheidung des! Rcichswehrmilitärgerichtes ist die Schutzhaft'über Prinzen Joachim Albrecht von Preußen aufg«-> hoben und der Prinzaus. der Schutzhast entlassen worden ■ ' .'S : -‘ M' 4W- S'M -iS vm w v ■M P - ' r" M M M IM' ■ M4' :S * -f 4

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