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Wiener Morgenzeitung · 1920-04-01 · Heft 429 (1.4.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 429 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis fllO Heiler Tschecho-SLowaKei : Emzel« 44 Heller i. tfch. W. Ve8«LWerktion»preise: «i e»: Z«m Abholen . «xvetitio^ L BtM, Tabor» I s»«ße71 vir 3, o»rr in-eiue« s!verschl«rtzstrV«(Trasth: Monatlich . , Krone« »<».— VirrteijÄrlich .. --/?5 . S ' + Mit Pyfivcrsimv skr Wie» vu» - ÜesterrLichr Monatlich .. Arpne« Nchtcho.Slvwalei: Monatlich .. Kronen T.~ VietteliUfnfm .. 21.- »M tschtcho-slor.'akiicher WLt,rung Ungarn: Monatlich ,. Kronen 20,- In _, .. Krone« L»^> mitt Urei« @0 Heller ccho-Slowakei: Einzeln 44 Heller l.Mn W» Mk$%'Prälrumerationspreis»^ »4»" - - i. Polens , - ), Monatlich . Kronen K-^i Bterteijal)rltch> », 1» pMlkchrrÄStznmU .DmgchlanLr, Monatlich . . Mart I . - -Krn««ichr'./ Monatlich . . Iran! - Italien: Monatlich . . . . Lire 3.- GchwrU: Monatlich . . . ArantS »«- Rsdattto» «. Admittistrati»» Wien.S.Wech.Taborstr.l-S Telephone: Admintstratio« 440*6. Stedartton 4*31». , ab 0 l^hr avend- Nr.16801 **m****^r rzmiM •. Nr. 429 Wien, Donnerstag, den 1. April 1920 2. Jahrgang Die Ausweisungen. - ’ ' ' F. äöt Mt. •!., V,-' ' Die niederosterreichischen Behörden sind von /den bisherigen Erfolgen der Ausweisungsaktion anscheinend - rvenig befriedigt und wollen nunmehr. energische Matzimhmen zur endgültigen Durchführung dieser „Aktion" ergreifen. Das größte technische Hindernis,' die Schwierig-, feiten des Eisenbahntransports, soll behoben. werden und die Eisenbahnverwaltüng hat sich — .^so wird che-, richtet — bereit erklärt, die benötigten Eisenbahnzuge zur Verfügung zu stellen. Die berüchtigte „Abr eisend, rnachungs" soll in der Weise vollzogen / werden, daß .die zur Abreise Verfallenen zn Sammeltransporten vereinigt und mit möglichster Veschleunignng. mrs Wien abgeschoben werden. Bei der Landesregierung m ^der Herrengasse hat man besondere Eile. In derselben Zeit, da man tagtäglich Communigues über die. triste Hohlem sitrratiön ausgibt, über den Balnwerkehr in einer gerade-' zu lächerlichen Weise von heute 'auf morgen, disponiert rierden nnrtz und man jeden Augenblick von Neuem vor i: er drahenderr Einstellung steht, gibt es plötzlich, keinen /iohlen-uick Waggonmangel mehr und man stellt mit der größten 'Bereitwilligkeit' alleszur Verfügung, um die' rerbamea „Fremden" loszuwerden. . ./ ' . ... In der Frage dieser'gehässigen, ungerechten, gegen alles ungeschriebene Gesetz, sowie gegen das feierlich benegelte Wort ches FriedenZvertrages verstoßenden Verfügung. .haben , wir wiederholt unseren Standpunkt sehr, eindeutia umschrieben nnd^es ist schlechterdings unmögch. 'im. drei mm/* '''lrgu.nr.ch7 T) efs-ön - zu ^i'ckcn. -Mer" wir wollen es nickt unterlassen, noch einmal die Stimme f-ec Warnung zu erbeben und mit allem Nachdruck gegen ritte beabsichtigte Verfüglmg zn'protestieren, durch welche sich die. niederosterreichische Landesregierung, überlaste Rechtsbegr'rffe hinwegznsetzen willens ist. Man spricht von „Fremden" und meint doch-.wieder nur die polnischen Fichen. Die/ Ostjuden tzndwahxlich nicht zu ihrem Der- , .gnügen oder aus freier Wahl' nach Wjen gekommen. ..Sie si nd durch Zwangsverfügungen d'es österreichischen' Militärs, wie das liebe Vieh, in Lästwaggons zusammen-)., gepfercht, hierhergeschleppt . Wordech . aus Heimat., und Hans herausgerissen und dem.Elend der Frechde Preis«, aegebeu: Vielen von ihnen ist -es.gelringen, hier festen Fa.!' Ml fassen, für viele sorgt die brüderliche Hilfe der JUderr aus dein - Auslände-.-- -Oesterreich,, welches, unter den Folgen des. verlorenerl Krieges so schwer trggt, hat als Erbe aus seiner Niederlage auch die Juden aus dem •.Oftch mitbekommen. Den hatten Friedensvertrag vermag man nicht abzuschütteln, mit.den armen Juden ans 'datizien. kann man. leicktex fertig werden. -Das.Mittel 'st einjach: Man jagt sie hnmns».von wo man sie hierhergeschleppt hat, und -fragt nicht viel,- ob sie ckrüben im Ollen ein schützendes Dach vorsindeu. werden. Uber,dieses Wien, das selbst wich ein . Bettler von der Hand in den Rund' lebt, desseg Hilferufe dem Auslände beständig in den Ohren gellen, das die Mildtätiger^ der Neutralen und der früheren Feinde für seine verhungerten Kibder rtufruft, hat am wemgsterr das Recht, zwischen Einheimischen und Fremden.zu sondern und zu fordern, daß umn sich draußen lediglich um jenejzn kümmern habe, die im Besitz eines österreichischen ZustandigkeitZLokuments sind. Glaubt mau die Ernährungsnöte auf diese Weise cil erleichtern, hofft man die Westmächte sich fo günstig;,\v ftiutmen, indem man baßgeborene Verfügungen.trifft, welche die umgekehrtem Wirkung' Hervorrufen :- müssen^ Daß die Ernährungs-- und Wohnungsverhältnisse in irgendwie beträchtlicher Weise durch die „Abreisendmachung" erleichtert werden-könnten, ist im besten Falle eine dernagogische Phrase, ein Brockeri, den man den ungeduldig werdenden Massen hinwerfen will,, mm sich .in der bengalischen Belenchtunst des Volksretters zu 'zeigen. Daß dabeiden Pöbelinstinkten neue Nahrung zngeführt wird —das verschlagt .anscheinend auch bei den'Patentdemokratenaus der niedexösterreichischen Landesregie-. rnng nichts. Der Jude hat seit je zum Blitzableiter.gedient, warum sollen hier Herr Sever und die Seinen eine Ausnahme machen? , Dabei müssen die Herren sehr wohl wissen, daß ihre Organe nicht einmal imstande wären, diese an sich unbillige Maßnahme in den äußeren Schein eines^,gerechten Vorgehens, zu hülfen. - SHon. bei der biIhDKo^ Au-weisirngspraxis - hat.es.sich 'gezeigt, ,Iaß .denx Schiebern und.allen jenen, die über genügen^ Findig.- "keit und genügende MPel. verfügten, um^durM.L^ Maschen der Verordnung zu Müpfen, nicht ein Härchen gekrümmt wurde, während man seine ganze Wut lediglich an den armen Juden ausließ, die 'einem ehrlichen und produktiven Beruf nachgingen.. Man ' .ist rmfähig, im eigenen Hause Ordnung zu machen, sieht untätig zn, wie' der frechste. Luxlls und die sinnloseste. Prasserei sich breitmachen, während die Massen verelenden. Täglich offnen sich unter der Duldung, der Behörden neue "Vergnügungslokale, .in denen man für teures Geld alles er^ hält, was das Herz sich wünscht,'während das Volk auf Hungerrationen ' 0e^QIten. :i)trb| man möchte. den Fremdenverkehrv heben und.zittert vor der Möglichkeit, die volk-erzieherischen Rennen. könnten aufgehoben, und der Fremdenzustrom .in das nahe' Preßburg abgelenkt werden und diese-Behördyn'wagen, es, mit Maßregeln zu kommen, die-bedenkenlos in das Schicksal eines ganzen Volksteiles eingreifend Die Regierung selbst scheint) wie man zugeben muß, diesem- Treiben fernzustehen. Die Aktion geht von der Landesregierüngm aus - und . man Möchte auf -dem Rücken der Ostjuden denn darum handelt es sich -r-, die inneren - Parterenkämpfe innerhalb der Koalition anstragen. Das sozialdemokratische Programm wird — zum-wievielten Male — m die Tasche gesteckt" und der Hetzer Riehl, bekommt die Oberhand. Däß solche Verfügungen den Bestimmungen des - Fneöensvertrages zuwiderlaufen, - den einhalten zu - wollen Swatskechzler Renner wiederholt feierlich der- ' sichert hat,^ hedenkest^^ die Herren anscheinend nichts / ' Aber die. jüdische Bevölkerung ist nicht gesonnm, ruhig zuzüsehen, wie' zuungunsten ihrer, Prüder alle Menschlichkeit verletzt myd alles Recht gebeugt werden soll. Eine solche Maßnahme bedeutet für uns eine 1 Kampfansage, .und es ist.nicht unsere Schuld, wenn.wie genötigt wären, den Kampf mit allen Mitteln zu führen. Wenn , mit dieser Verfügung ernst gemacht werden, füll» so muß - das Ausland zur Hilfe gerufen werden. Wir - fordern nichts Ungebührliches und wir werden nicht' ruhen, ehe man sich in der niederösterreichischen Landesregier,mg zu europäischen. Methoden bequemt und eS als anssichtslos aufgibt,, zaristische Systeme zu kopieren, für ' die in den Weststaaten der wirklichen Demokratie kein . , Verständnis, zu finden ist. „le$!Ä üeEanNm ttl gekommen!" GsKeMMeikbeschlutz der revolMonären Betriebsräte. B e r l i a, 3i. März.. (Te!.-Komp.) In der Versammlung der revolvtionLre^ KMchWtzMS. -gege« z«h» außtaommm: Die Stunde des Handelns ist gedomme«^ Durch WritLe-r Verhandlungen'sind nnsere Genossen/iw Ruhrrevier n!icht mehr zu retten. Die GenerälVersaMmLung der BelriebsEe beschließt, daß diA ArbeiLer und)''Angestellten.'aller, Bernfe heute sofart in den Betrieben KusamMenLreLen, um den Generalstreik vorznbereiten. Eine frallzSsisHe Drahung gegen? DeuLschLand. . r -Pn r i s, 31. März. Eine Nöte der Agence Havüs besagt-: ' Entgegen der- Erklärung des 'Reichskanzlers Müller in der Nationalversammlung hat die französische Regierung . die' deutsche Besetzung des Ruhrgebietes.im Prinzip n o ch .n i ch t a n g e n o m m e n. Mnn sie jedock' von den Deutschen mit Genehmigung der französischen Regierung durchgesührt werden sollte, müßte die sich daraus ergebende Verletzung des Artikels 44 des Friedensvertrages Bürgschaften zur Folge haben, wie Besetzung gewisser Städte durch französische oder alliierte Truppen für längere oder kürzere Frist.. Wenn dagegen die deutsche Regier,mg/ neue .Streitkräfte ohne Zustimmung der fianzosrfchen'Negierung in das Ruhrgrbict entsenden zu muffen glauben sollte, würde die Tatsache allein einen f et redliche tt Akt gegenüber den Signatarmächten des Friedensvertrajfcs bilden, die das Recht Hätten, die Wirkungen dieses Aktes aufznheben. Framkreich verLietet dsn Emmarsch der Rezchs^ wehr ins Rühe^e^yt.- ''-. Paris, 'hl.. Marz. (Havas.) Ministerpräsident Millerand hat dem deutschen Geschäftsträger heute, vormittags folgendes^ Schreiben zugehen lassen: , - In Beantwortrtng Ihrer gestrigen Nöte habe ich die Ehre, Ihnen, die Bedingungen zu bestätigen, von welchen. Frankreich seine eventuelle Erlaubnis, deutsche Truppen in das Ruhrgebiet e i n rück k n zu lWn, ab. gängig macht. Diese Erlaubnis, die/eine Aufhebung der Artikel 43 und 44 des Versailler Vertrages Hilden würde, könnte nur in einer gebieterischen und offensichtlichen' Notwendigkeit ihre Ncchtscrtigung finden. . ' Die Organs der durch das Protokoll vom 21» August 1819 mit der Ueberwachung des Vertrages betrauten Kontrollkommission-Ghen mir, wie ich Sie gestern verständigt habe, dir auch^andcrweitig bestätigte bündige Ansicht znm Ausdruck gebracht, dH ein mititarisch es Eingreifen in'dieftm Gebiete im gegenwärtigen Augenbfick-u n n ü tz und .gefährlich!, wäre. Die Uw stände er)anben^.Hr ir-. deshalb-U-iHt,^gegenwärtig, aus das- Ansuchen^MeU Megierung? civZNgehen und ich kannUysolgedossen '' .- Meine ÄutworL gys die festen-Vorschläge, die Sie- 'mir^ gestern; zugeheu ließen, mv -vorhehaften. i . Zum Schlüsse lege ich Wert darauf, Sie neuerlich des aufrichtigen Wunsches der französischen Regieruug zu versichern, die Aufgabe Ihrer Regierung m jede« Maße zu erleichtern, das mit der Verteidigung der Juteressen, die uns anvertraut sind, vereiubar ist. Erü'ste Lage im JnLusLriegsbiet. Berlin, 31/ März. (Wolfs.) Die Lage rm bedroWk: rheinisch-westfälischen Industriegebiet verschlechtert M s dauernd. Die linkstadikalen Elemente in den Vollzug»« ansschüssen gewinnen an Einfluß. In der Richtung auf, WMwird geschossen^ In.Duisburg, ist vy^ der Röteu - Armee eine Million Mark aus der Reichsbank entnommen Z worden. Auf dem Wege von Berlin 'nach Men / sind' * 20 Millionen Mark innerhalb des Aufruhrgebietes i>et* * Toren gegangen.; . Kämpfe und eik. ' ■n . Berlin, 31 . März. Das „Berliner Tageblatt" meldet » ans Du s s e l d o r f: Gestern abends wurde - in der l , Gegend von Dinslaken noch gekämpft. Heute isteS> in Düsseldorf ganz ruhig. Man bentzerkt, daß die Truppeu sich auch dort von der Front zurückziehen. Sonst ist eine ' Entspannung der Lage nicht - zu bemerken. ' - Jn'Mülheim an der Ruhr dauert der General«/ streik an. Waffch, werden nicht abgeliesert. / . In E l b e r s e id ist der Generalstreik auSgebrochen,' --doch - wird der Verkehr innerhalb -der Stadt aufrecht» erhalten.- - ' Kei«e Gs^.chts. ., Berlin, 31. März. Der „IsLend" .meldet aus Esien:! "An der' Front" vor/Wesel/ist nach^hier, vorliegenden Be« richten ds'e'vGefeDsMgkeit' heuta fast ganz zum Stillstand gekommen./ , Essen>'.31. März. (WM.) In . Essen ist MeS rotzig.; Von einem Ultimatum cm Krupp ist nichts bekannt. - . - - r-w tu . . v Bersnr, 31. März. Die „Vossische Zeitung" meldet. aus Düsseldorf: In einsir,-Versammlung der. Funktionäre r: der drei^ sozialistischen, Parteien und der Düsseldorfer BeLnebMte. wnche heute rnitget'eifi, 'Haß .Äus Men ,.. Städten-des rheinisch-wWälisckenJndustriebezirt'S-heute je d re i" V e r. t t e t c rn ach it v ft-e r chn einer Kon- < serenz beim kommandierenden Genera! . und beim Minister ides Innern.-.S,e v e r i mq gereist sind. A»j i

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