Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 424 (27.3.1920)
- Date
- 1920-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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N-rr-min . : Einzeln 44 Hellev i. tf*. -7tk. P»S»»»«r«ttrvnsp^rse r;ie»r K«» »dhple« iird« veikr» ^abor. 1 ttS 3» svrr i» einer rschleißstelle «Trasikt: Konatlich., . ktronen 20.— VMüiiWllch „ «ö.- Rit Postversand für Wien nnd . Oesterreich: •f?9gpOU|>.,.. ..Kronen ^0.-. *V 7 Lichecho-Slowatti: NoNatM».. Kronen “.—• Vierteijvtzxlich " * ■■ %t.~ tf stchech»«sri»wattscher Währung N»»«tt1»^8rone« SO — vieirtrlj-hrltch ., «O.- i» «»-«rischer «Dtznms Wiener ^v»H»^MRDdWW»M»WMch Resls 80 Heller Hfch?H $■ «lewnkel: Einzeln 44 .Helle« i.tjsch..W^ P vän unieraV«M»P«>Iß« viettelsichrttch „ »«.- ta jv-osilatvischer SLhrnng 91«. 424 Wien, Samstag» den 27. März 1920 9*4 P«k«r Monatlich .. Krone» _ , Dierreljährltch * #fc-» in Polnischer fD8|t—| renischlnntz: ' - . i Monorlich . . . Mar» «A grankreich: , . . % Monatlich . . . Arank» *4 Italien: _ n» Monatlich . . . . Lire »o-i Monatlich/! £«*4 Redaktion «. Administrott»» Wie«.». Ve,.,radorftr.L-U Telephone: Udmintstratto« 440''". Redaktion 4»»1», ob O Uh, adend» 9lt. 1WW Postsparkaffenkonto 150.»» 2. Jahrgang Neue Nkchtungen in der inte«- > nationalen Politik. Bo« unserem römischen KorrrspondenteN. / Noch vor einem halben. Jahre schien die internationale Lage Italiens außerordentlich schwierig. Die sich ^nausziehende adriatische Frage, der vollständige Banke-! rott der ersten italienischen Friedensdelegatiön, der Mangel an Vertrauen zwischen den Verbündeten, die ) Übermäßige finanzielle Last hatten die Situation so be- I ^enüich gemacht, daß es eine Unmöglichkeit schien, rasch einen Ausweg zu finden und ernste Konsequenzen zu vermeiden.. Die nationalistischen Strömungen bewegten ßch immer offener in der Richtungdie Kriegsverbün» lieten zu verlassen und sich der „alten Liebe" zuzuvenden; drohend zeichnete sich der Schatten eines neuen! Krieges an dem politischen Horizonte; die Besetzung der \ Stadt Fiume durch d'Annunzio schien weitgehende Zsolgezr auch in der inneren Politik zu zeitigen. - Mau munkelte vielfach von einem Marsch nach Nom", und Hner militärischen Diktatur. Die Äuflöjung des. Parlamentes und die Neuwahlen haben, aber die Verhältnisse Mieder geklärt, dem Fiumeunternehmen die Gefahr genommen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß das öffeutsiche Interesse sich nicht auf die Fragen der neuen italienischen Grenzen beschränkt, sondern viel.weiter und Mer geht und die ganze durch den! „falschen -Frieden" zefchaßfene Situation verurteilt, während die Kleinlichen pqfttischen Verschwörungen in . römischen Kaffeehäusern beginnen und endigen...' Die, Rettung ‘ ist weder in' dstr. Müntz' oder GtSrkuny'.Hes..HKMW.ffes/-zü' FränckMch kM.'England, weder ini Kriege 'Mit^JugoflawiM noch ' im Bundnisse mit Deutschland, zu suchen. Die schwierige Lage-.Italiens ist letzten Endes eine Folge der verkehrten internationalen Politik, und, nur.in' ihrer radikalen. Umbildung liegt der richtige Weg., 'D'aS. war die klare Stimme, mit welcher das .Land -aus den Wahlurnen sprach und diese Stimme verstand Nitti richtig zu interpretieren. Somit war die Alternative, in welche Italien durch das unschlüssige und prinzipienlose Verhalten der ersten Delegation gestellt wurde,/ umgangen und Italiens Politik aus dem eügen Rahmen der beschränkten Kombinationen und Machinationen in das weite Feld der Demokratisierung der internationalen Verhältnisse geführt. ' , Es wäre ein Irrtum, Italiens Enttäuschung nur arts eigennützigen Motiven erklären zu wollen. Sicher fühlen sich die Italiener besonders dadurch verletzt, daß dje Losung der adriatischen Frage auf immer neue Schwierigkeiten stoßt und daß die Wilsonschen Prinzipien, die bei anderen Anlassen so oft außer acht gelaffen wurden, in ihrer ganzen. Reinheit auf Italien und nur auf Italien angewendet werden sollen. Aber den größten Steil dieser Kriegsenttäuschung ' stellen neben den wirt- Maftlichen auch ideelle Motive dar. Wenn Italien die / Kraft gefunden hat, den langen Krieg, auf den es eigentlich gar nicht vorbereitet.war, mit seinen schmerzlichen - Niederlagen, mit seinen riesigen Geld- und Menschenopfern auszuhalten, so dankt es dies hauptsächlich den Idealisten, die die nrazzinischen Ideale verfolgten. ■ Die erste internationale Frage, in welcher Italien sich von seinen- Verbündeten getrennt fühlte, war die' Äuslieferungsfrage. Die italienische Presse war fast einstimmig itz ihrer Mißbilligung der Politik Frankreichs, oas sie. .fortwährend zur Mäßigung mahnte, und wenn Hkse Angelegenheit friedlich gelöst werden konnte, so ist . das/vielleicht zum größten Teil dem festen Verhaften her italienischen Delegation, deren Arbeiten jetzt durch Nitti mit viel mehr Geschick geführt werden, zu danken. ... Mit .voller Klarheit aber ist. die Selbständigkeit der neuen italienischen Politik in bezug auf das russische Problem zur Geltung gekommen. Die Notwendigkeit, die Beziehungen mit Sowietrußland anzuknüpfen und alle konterrevolutionären Versuche fallen zu lassen, ist jetzt zum Gemeinplatz geworden, insbesondere nachdem der Sieg der Roten Armee über die Freiwilligen nicht mehr angezweifelt werden kann. Wenn aber diese Erkenntnis sich in Frankreich noch immer nicht durchsetzt und wenn Lloyd George zu allen möglichen Maskierungen .Zuflucht suchen muß, ist in Italien kaum eine Partei -oder ein Politiker oder eine Zeitung vorhanden, die nicht die Friedenspolitik unterstützt hätte. Alles ist darin einig: man muß mit Rußland so bald als möglich Frieden schließen, man muß den kleinen Völkern an der russischen Grenze klar und deutlich zu verstehen geben, daß sie in ihren Kriegsuntern.ehulung.en auf. keinerlei Hilfe rechnen könnenman darf nicht noch ein- 1 mal das unglückliche Experiment mit zaristischen Generalen versuchen. In allen Parteilagern herrscht die Ueberzeugung, daß — wenn auch nicht unmittelbar, io jedenfalls in naher Zukunft — die Eröffnung der russischen Grenzen eine Erleichterung der wirtschaftlichen Lage herbeiführen wird, und während die Sozialisten sich anschicken, sofort Kommissionen 'nach Rußland zu schicken (und zu diesem Zwecke reist Abgeordneter Bombacr nach Kopenhagen, um-mit Litwinow in Fühlung zu treten), rüsten sich die Genossenschaften zur Aufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen, um nicht die russischen Waren aus zweiter Hand nehmen zu müffen. In dieser Frage hat. Italien auch verstanden, die allgemeine Politik der Verbündeten zu beeinflussen. In -dieser Weise versucht Italien, manchmal noch nicht ganz entschlossen und wie tastend, neue Wetze in internationalen Fragen zu finden, die seinen deMokra-" tischen Traditionen mehr entsprechen und das Land schneller von der schweren Kriegserbschaft befreien - sollten. Wenn diese neue Richtung energisch weiter geführt wird — wofür alle Anzeichen sprechen — so kann sich Italien zu einem führenden Faktor im neuen demo-, kratischen Europa entwickeln. Segen A MMMion. Französische Protestkundgebung. . Paris, 26. März. (Korr.-Bnr.) „Humanitc" berichtet, -atz der Seine- Verhand gestern eine große sozialistische Kundgebung gegen die Weltreaktion veranstaLLeLe. Ans der Reihe der Redner ist Paul Louis hervorzüheben, der über die deutsche Revolution sprach» die den Beweis erbracht; habe, daß keine Regierung dem Generalstreik widerstehen könne. Mareell Cachin befaßte sich besonders mit der Politik gegenüber, Rußland.' - ' " ' Schließlich Mptestierten einige Redner auch gegen die von der n « g a r isch eveilhten Graus a M keiten. , Das Gesamtkabinett zurüchgetreten. B e r l i n, 26. März. (Molff.) Das Gesamt, kahlnett ist z u r'ü dt <$ c tt c t c n* Die für heute lmberarrmte Sitzung d r Natronasversammlung wurde abo-asaqt. Der Reichspräsident hat noch Keine Entscheidung darüber getroffen. wenn er mit der Neubildung des Kabinetts betrauen wird. Berlin, 26. März. Die Blättcr fübrrn den.Rückt'.bi der RncbSngüruVlg ,iü das V rba'ren der Dnnokracen der (Herr Ecklärung, sich mik Schwer sol d.niich zu erklären,.zu:ück. Die r e c h e i i"' g dt der. Meinung Ausdiuck, daß. im H «blick daniuß bntl. d>e demokracische Partei sich weigere, die achl Punkte an ncrknmen, d e Frage de: B ldung einer A r d e .r t e rregier«« g wieder in den Vordergrund trete. Ein Kabinett der repAbLikanischen Verteidigung. Berlin, 26. März. (Tel.-Komp.). Durch den Rücktritt des Gesamtkabinetts ist die schon unverhältnismäßig lange dauernde Kabinettskrise in ein neues Stadium getreten. Klarer sind die Verhältnisse jedoch nicht geworden. ' Den tatsächlichen Anlaß zum Rücktritt des Kabinetts hat wohl die Schrfferfrage gegeben. Die Demokraten wiesen.die Forderung der Gewerkschaften nach Ausschaltung des Vizekanzlers Schiffer zurück und drohten mit der Zurückziehung ihrer I Parteimitglieder aus dem Kabinett, was -die Sprengung der Koalition zur Folge gehabt hätte. Die Gewerkschaften rnachten daraufhin dem Reichskanzler Bauer' den Vorschlag, cm Kabinett der Mehrheitssozialisten, Unabhängigen unb Zentrum zu bilden. Diese Möglichkeit hat jedoch Bauer, dem „Berliner Tageblatt" zufolge, zurückgewiesen, und in der Erkenntnis der Unhaltbarkeit der Situation dem Reichskanzler sein Portefeuille zur Verfügung gestellt. Es ist jetzt unverkennbar, daß der Ruck nach links im neuen Kabinett ausschlaggebend fein wird.- Die Mehrheitssozialisten wünschen, wie der „Vorwärts" heute schreibt, ein Kabinett der republikanischen Verteidigung, ein Kampfkabinett gegen rechts. Dieser Standpunkt wird bei den Unabhängigen nicht ohne Freude begrüßt werden, und -eine Linksregierung hat um so mehr Aussicht, als die Demokraten sich nach wie vor weigern, die. 9 Punkte der Gewerkschaften anzuerkennen. Eine MinisterUste. Das „Berliner Tageblatt" nennt bereirs oce t» der sozialdemokratischen Fraktionssitzung erwähnten tommenden Männer, unter ihnen auch Demokraten. Als Außenminister l wird Graf Brockdorff-Nanjzau genannt, Rmchslauzler. Bauer soll das Arbeitsministerium übernehmen; falls ep ablehnt, würdemanan den Gewerkfchäftsführer^ Legren herantreten. Rohert Schmidt dürfte das Reichswirtschaftsministerium beibehalten. Das Reichswehrministerium will man 1 einem republikanischen General übertragen, man' nennt, die Namen des Generals Leffler und des Generäls Reinhardt. Von demokratischer Seite dürfte Wiederaufbauminister G e.ßl er aufgefordert werden, sein Amt weiter zu bekleiden, desgleichen der Innenminister K o ch. Vom Zentrum dürfte G i e s b e r t s als Reichspostminister bleiben und der badische Finanzminister Dr. Wirth das Reichsfinanzministerium übernehmen. Bor dem Nircktritt des preußischen Ministeriums. Auch im preußischen Ministerium steht eine Krise bevor, hier sind gleichfalls durchgreifende Aenderungen, sogar der gesamte Rücktritt, des Kabinetts, zu erwarten. , Berlin, 26, März. (Privat.) Wie bestimmt der* lautet, soll die Kabinettskrise morgen beendet sein. Der Mehrhcitssoziälist Hermann Müller dürfte mit der Bildung des Kabinetts betraut werden. England ge en die weitere Entsendung den Rei^sw"hrt»'upven nach dern RuhrgHhiet. Paris, 26. März. (Korr.-Vur.) Das ..Journal" meldet, daß der Meinungsaustausch der alliierten Mächte betreffend die deutschen Truppensendungen nach dem Ruhrgebiet zn einem befriedigenden Ergebnis geführt hätte. Auf daS . Ver» langen Deutschlands, die bereits', im Ruhrgebiet befindliche« 40.000 Mann durch neue Truppen in der- Stärke' von 60.000 Mann zu vermehren, hätte Millerand den Gegen» Vorschlag gemacht, zur Garantie wahrend der - Anwesenheit deutscher Truppen in der neutralen Zone, Frankfurt o. M. mit alliiertkn. Truppen zu besetzen. - Gestern soll - nun die englische Regierung entschieden haben, die-deutsche Truppen» Verstärkung in der neutralen Zone sei überflüssig und sogar für die Verhandlungen, die von der Bersiner Regierung mit den Kommunisten des Ruhrgebietes eingeleitet wurden, schädlich. Das Erscheinen neuer Truppen könnte eher de« Konflikt verschärfen, als zu einer günstigen Austragung bringen. , Die Lage im deutschen Industriegebiet «vch immer kriti'ch. ' Münster» 26. Mär^. lTel.«Komp.) Die Lage i« J»> bufhieflcbict hat sich ftu gestern verschärft. Während dw «eiü« Aktionsausschüsse dem B elcscldrr Abkommen zustimmtrn, zeigt eß sich, daß sie die Masten nicht mehr in der Häud habe«. Di« Kämpfe sind nicht eingestellt, sondern dauern ununterbrochen sorg' Jn-D o r t g, n-n d-wurde gestern e r n t u t der G e « st rerk verkündet. Getüchlweise vrttauikt, d«ß - AHw tauieudr von bewasturten Ärbeueru m du Aickwpg A'Ü- >r- .ibii 'Ctl .?ic ■■iä ,in;mc sec . .üü-- , ein . Hger .nbc “ uns ■ — licht öic ider. -nntl ■ dcc Au i, ' ffe«. Pie