Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 421 (24.3.1920)
- Date
- 1920-03-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Preis SO Heller kschecho-Slowakei: Einzeln 44 Heller ¥.!sch. W. ffrLnmnerattovspreise r Sie»: Aitm Abtzalea tu. der htzedition. L vrzirk»' Labor» Litze 1 bi- 3, oder In einer ä VerschletßsteVe<Lrafiku Monatlich . . Kronen ««».— Kieeteljährttch .. 60.- Bit Poftversand kür Wien nnd ' Otstrrreich; vountlich .. Kranen L0.- Tichkchö-Slöwakei: Nouatli' " s Unser»: Namvtttch. «Krone» Lv.- »terteljährlich 60.- > I» nngerischrr Währung N-Datk^.^Kepnen LS- Sierleljährltch „ »«.- tn jugoslawischer WSH Preis SO Heller * Tschechoslowakei: Einzel« 44 Heller i.tsch.BA» PrännmerationspreisG nmg J£L Pelen: Monatlich .. Krane» 26— Vierteljährlich », 66— in polnischer DLhrnn» Deutschland: Monatlich ... Marl 8— Frankreich: Monatlich . . Arantt 8— Italien: Monatlich .... Lire 3— Schweiz: Monatlich. . . Krank- S.— - Redaktion n.Admiuistratlo» v Wtek?.E.Bl.'z.»Taborstr.1-S Telephone: Administrativ» 44« «->, Redaktion 43319« ab 0 Uhr abend« Str. 1«»6« Postsparkassenkonto! 50.688 Nr. 421 Wien» Mittwoch» den 24. Mörz 1926 2. Jahrgang £m Wieder Krieg. . .. y, Wien, .21. Miirz. ' W wirweiter gemordet. In Deutschland hat sich ier kommunistische Vollzugsrat als Gweralstab erklärt ind teilt Mit, daß die Rote Armee, deren Vormarsch aus Wesel rm Gänge ist, am Samstag das Mühlheimer ^orPS Schulz geschlagen hat, wobei Gefangene gemacht vurden. Was mit diesen geschehen ist, wird - allerdings licht gemeldet. Im Osten haben die Bolschewiken den rllgemeinen Angriff auf Polen begonnen und auch von wrt kommen, Generalstqbsberichte. Polen verlangt die Krenzen von 1772, das ist also Kurland, das südliche Livland. Litäuen, Weißrußland, Wolhynien- und Podoiiev sowie ein Stück der Ukraine. Die Antwort Russlands ist die'Offensive in dem Kotmeer der Polesie fegen Pölen, das außerdem an seiner Südwestgrenze nit der tschechischen Expansion zu tun hat, die ebenso vie Polen Anspruch auf das deutsche Schlesien erhebt, kluf dem Balkan sind Türken und Griechen, in Kleintsien Türken und Ententetruppen in schwere Kämpfe »erwirkest. Möglicherweise wird auch noch in den afghanischen Bergen, in Turkestan und in Sibirien im kamen irgend einer erlösenden Doktrin gemordet. Und ms alles im zweiten Jahr der Friedensberatungen. Die Moralität wird, wie Seume sang, zum Possenspiel md die Gerechtigkeit zu einer Grille, die in Philosophenjchädel fiel. Die Machtgläubigen,' die Geist und Seele üs - Illusionen weltfremder Träumer - achselzuckend abmn, werden in Pen Vorgängen von heute nur die Be- "'^gung Mtzri Verwerfung der ideellen' Kräfte erbstcken. kenMt. daß diese Zustände doch eben nur ein Beweis rafürsind, daß die Menschheit nach einer Idee sucht, liedas. Tvpzum. Friedenöffnet, e -': Alle'Macht und Mechanik, die in den Händen der kntente vereinigt ist, genügt trotz' ihrer Ueberfülle nicht jichr, die Friedensberträge zu verteidigen,- am wenigsten Mx,. sie mit dem Gedanken des Friedens überhaupt in Zusammenhang zu bringen, der nach dex völkerrechtlichem Definition den Gegensatz von Krieg und Streit »«deutet. Kein anderer als Kant, auf den sich die alldeutschen Kriegshetzer so gerne berufen, ist in' seiner Schrift ..Zum ewigen Frieden" für die republikanische »der; repräsentative Verfassung, eingetreten, die verhindern soll, daß ohne Zustimmung der Bürger ein Krieg beschlossen wird; und gerade Kant hat dem Föderalismus freier Staaten dasi Wort geredet, der, Unterstützt durch ein Weltbürgerrecht, einen Bund des allgemeinen Friedens schaffen solle. Hier und? in den Christen des englischen Gelehrten Bentham, bei Lessing und den französischen Enzyklopädisten findet sich schon die Grundidee des Völkerbundes, die setzt Amerika der litten Weltalls Rettung angeboten hat. Nichts kann heute mehr darüber hinwegtäuschen, daß die Völkersolidarität - allein, die rascheste und schleunigste Flucht fei ihren Schatten, dem vorschreitenden Unheil Halt gelten - kann. Es ist zur Genüge bewiesen, daß ‘ der Krieg -nicht der Vater der Dinge oder der große Zucht- 'meister der Menschheit ist, die er von jeder Menschlichkeit «nHernt und Unter'das Kriegsgesetz stellt, dessen Einzel- Bestimmungen nur Tod Brand und Plünderung sind. Der Krieg ist eine wütende Bestie, deren Appetit im Essen wächst, und es ist gleichgültig, ob sie von den Hchergen einer monarchistischen Ländergier oder von den Bekeunern irgendeiner Heilslehre von der Kette gelassen'wird. Die Methodik bleibt immer die gleiche und Her Appell an die Waffe ist nur .das unverschämte Eingeständnis ' politischer Ideenlosigkeit. Der gewöhnliche hausbackene Verstand kann es nicht dikksehew daß die Fragen, um die es im Völkerleben geHi,'sticht mit weniger Gewalt gelöst werden können, fe' sind doch nichts anderes als Fragen, die sich aus dem. Pebeneinanderleben ergeben. Wenn man um jeden Gärtenzaun, um ein ausgeliehenes Buch einander gleich die -Köpfe einschlägt, dann kann die Menschheit ruhig den sofortigen Tod alles Lebens beschließen. Und die Tatsachen des Weltkrieges, seine Anfänge und Beweggründe lehren, daß es sich um nichts anderes gehandelt hat. Wäre der österreichisch-serbische Streit nicht von einem Schiedsgericht unbefangener Männer federleicht gelöst worden? Aber die Welt war in dem Gedanken verrannt, daß das ..Siegen" ein Nrinftinkt der Menschheit sei. Nun kehrt ihr Weg wieder zurück. Die mach- Ligen' SwatSlenker der Sieger wissen nicht aus, nicht Kkr. Werk «ÄMLN delnMUM.der Völker, die jeder Bevormundung müde sind und die Kopfzahl nicht als Maßstab der Weltgeltung aufgefaßt wissen wollen. Die Entente mag ihnen mst ihren Armeen drohen oder sie an alte im Blut vermorschte Verträge, erinnern — das Völkerleben geht seine eigene Straße und der Egoismus der Massen kümmert sich um solche Warnungen nicht mehr. Man hat auf dieser und auf jener Seite die Instinkte gerufen und sie vor den Wagen der Sieger spannen wollen. Aber der Vorspann hat seinen eigene«' Willen und ist zum Bewußtsein seiner Kraft gelängt,) die er jetzt zum Schrecken aller Welt in der Zerstörung zeigt. Nach den Generalstäben der Kriegsstaaten sprechen jetzt die Generalstäve der Roten Armeen. Es ist hoch an oer Zeit, daß man zum Gedanken der Völkersolidarität znrückkehrt, sonst bleibt von dieser Welt überhaupt nichts mehr übrig. 5s.sss mam WWMlMUMN m MiMSche gegen das Mrgediel. Berlin» 28. März. (Privat.) Die Regierung hat deschloffe«, gegen die Rute Armee im Ruhrgebiet 50.V0S Mann Reichswehrtruppen anfznbiete«. Dies« Truppen, durchwegs zuverlässige Formationen, find ans Süddentschland dereit» im Anmarsche. Das von der Rotem Armee besetzte Gebiet wird zuerst von de» Regierungstruppen zerniert werden »nd falls sich die Verhandlungen, den innere» Frieden wieder herznstellen, zerschlagen, erfolgt der Vormarsch. B e r l i n» 23. März. (Privat.) Ans dem Rnhrgebiet wird gemeldet, Latz di«! Roten Truppen bedeutenden Znlans erhalte«. Ihre Zahl wird bereits ans; 100.00S Mann geschätzt. __ . ’ - ,• ' •_ — ■YjZr' :i:r : ■* : Vor der GefämIdemlMVN - des Kabinetts. BiLdunA einer Arbeiterregierung. — 'vreuwählen am 6. Juni. B e r l i n, 23. März. Heute nachmittags ist die Frage einer Gesamtde mi ssion des Kabinetts wieder in den Vordergrund gerecht. Nach einer Msldrmg, die der „Vorwärts" in seiner heutigen Exlräansgabe veröffentiicht, s ch w e b e n B e r h a n d l« n g e n zur Bildung einer Arbeiterr e g i t x ii n g, in der sämtliche gervsrZfchasLlichen Richlnngen Vertreten sein sollen. Der Rufftritt der jetzigen Negierung werde innerhalb 24 Stünden erwartet. Wie der „Vorwärts^ meldet, habe der Aeltestsnansschnst der Nationalversammlung als Ter min für Hc Neuw ah l e n den 6. I u n i in Vorschlag gebracht. Die Absage des Generalstreiks durch die Unabhängigen. Berlin^ 23. März. In den heute nachts zwischen den Mehrheitsso^alisten und den Anabhan^igen geführten Verhandlungen, in denen sich dis Unabhängigen sch l i e tzlich einverstanden erklärten, eine Proklamation sür den sofortigen Abbruch des General st reiks zu unterzeichnen, wurde «eben der bereits emeldeten Umgestaltung der Sicherheitswehr durch Heranziehung von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern auch vereinbart» daß hie Truppen von den S t ratze n Berlins mit Ausnahme des Regiernngs-. Viertels abgezogen werden. München, 23. März. Me „Münchner Post" meldet ans Berlin, bei der Neubildung des Reichskabrnetts würden wahrscheinlich Reichskanzler Bauet, Minister M ü l l e r und vom Zentrum Minister' G i e s b c r t s' ihre Ministerposten beibehalten. Kerne Einmischung der Entenee. Amsterdam, 23. März. Premierminister Lloyd George erwiderte im Unterhaus auf eine Anfrage, ' die Zusammensetzung der Regierung in Deutschland gehe allein das deutsche Volk etwas an. Die Alliierten seien jedoch verpflichtet, darauf zu sehen, daß ohne Rücksicht! bawnf, tvelche Negierung in Deutschland gebildet wird, der Frjedensvertrag von diesem. Lande erfüllt werde, Die Wirren im Reich. Aufhebung der Standgerichte. — Die fparta«j kiftischen Kriegsberichte. — Die Revotutionär« auf dem Vormarsch. — Haftbefehle ge-e»! Kay>^ Luden>orff und Zagow. . > . Berlin,'22. März. Der Reichspräsident hat di«.sofortige, Aufhebung der Standgerichte angeordnet. - Der E s s e n e r Vollzugsrat teilt mit: Das gesamt» Industriegebiet ist in den Händen der revolutionäres Arbeiter. Die Rote Armee,, die mindestens 50.000 bis-- 60.000 Mann stark ist, befindet sich in siegreichem Vormarsch auf Wesel, wo sich die letzten Reichswehrtruppen festgesetzt, haben. — Der linke Flügel der Front der Roten. Armee erstreckt sich von Dinslaken über Holten Nach Dorsten. Auf diesem Frontteil finden gegenwärtig, heftige Kämpfe statt. — In Straßburg ist heute früh der Generalstreik ausgebrochen. — Die Reichswehr^ truppen in Gotha haben bei den Kämpfen bishetz 10 Tote, 34. Verwundete und-9 Vermißte. Die Verlust» der aufständischen Arbeiter belaufen sich auf übe^ 1000 Mann. -7- Walsum und Dorsten sind von der Roten Armee genommen worden, wobei 900 Gefangene gemacht wurden. Der allgemeine Vormarsch vollzieht W in' der Richtung auf Wesel. In der Nähe von Holten wurde, ein von Münster in das Industriegebiet entsandter Panzerzug zum Stehen gebracht. Auf dem Frontabschnitt zwischen Dorsten und Dortmund. herxslht Ruhe. Die allgemeine militärische Lage ist für die revolutionären Truppen günstig. j Haftbefehle und Steckbriefe sind gegen folgend« Personen veranlaßt: Ludendorff. Kapp, von Jagow, Papst, Bauer- Martin Schiele und B r e d e r i ck. — Wie verlautet, ist es zwischen der Regierung,. den Mehrheitsparteien und den Unabhängigen heute in der Frage des Abbruches des Streikes zu einer Verständigung gekommen. — In der. Provinz wird fast überall schon gearbeitet, auch in den Orten, wo die Räteherrschaft sich hat durchsetzen können. Int großen und ganzen hat die. politische Lage ein« E n t- 's p a n n u n g erfahren, wenn auch die Erregung. nodjl geraume Zeit.nachwirken dürste. Im Reichstagsgcbäude fanden? heute Sitzungen der einzelnen Fraktionen statt. .Es heißt, daß nur einzelne Portefeuilles neuen Männern anvertrant werden sollen. Unter den Namen nennt man Direktor C u n o w, den Nachfolger. Ballins in der Leitung der Hapag, fiir den Posten des Reichsfinanzministers. An die Stelle Noskes. soll, ein Mitglied der demokratischen. Partei treten. Es besteht die Absicht, daß die Regierung in einer der nächsten Sitzungen der Nationalversammlung eine Erklärung abgibt. worin die bevorstehende Durchführung gewisse«, seitens der Arbeiter gestellter Wünsche wird, 1