Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 419 (22.3.1920)
- Date
- 1920-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang 150 Todesopfer. V;, Leipzig, 22. März. (Wolfs.) Das Zeitfreiwilligen- Mi«e«t mit ,nr geringe» Reichswehrzuteilungen hält j»ßch wie vor de« inneren Stadtteil. Eine gemischte Stoß- Ateidmg stieß gepem über die Barrikaden gegen das D , l k S h a u S, den Sitz der gegnerischen Kampfleitung, ßßr. Dieser wurde nach Artillerievorbereitung im S tu rm genommen und ging in Flammen aus. Eine imdere Sturmabteilung stürmte die Barrikaden im Norde» dkr Stttzt,i»de«brsetzten inneren Stadtteil und den ^ßrenzMden ÄebieM bis zur Albertstraße und dem steichägericht. ' Die Verluste im Lolkshause betragen 5 Tote und tg Schwerverwundete, 50 Gefangene wurden gemacht. - Im Laufe der Abendwurden vom Mob fchehrere Gebäude in der Gegend der Plang- Pntzerstraße «Brand gesteckt und die Feuerwehr durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer am RettungSw«k verhindert. Im Laufe der Abends fanden starke Plünderungen in den Leben-mittellagern im Vagerhof statt. Leip z kg, 22. März. (Priv-Tel.) Nach- Ae« fich von sämtliche» Volksversammlungen nnr zehn für die Fortsetzung des Kampfes «»»gesprochen hatten, wurde der Generalstreik »-gebrochen. Bei de« Kämpfe» in Leipzig gab e» 1 S O Todesopfer. Der Mob steckte zahlreiche Gebäude in Brand uud plünderte auch in viele» Teilen der Stadt, jn»bef»ndere Lebensmittel. tvle Unabhängigen gegen die Abmachungen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften. Standrechtliche Urteile. ' Berlin, 21. März. (Privat.) Die gestern erstttgt« Einigung zwischen Regierung und Gewerkschaften wird von den Unabhängi gen nicht anerkannt. Wie Unabhängigen fordern unbedingt die Entwaffnung der gesamten Reichswehr und die Vetvaffnung der gesamten organisierten ArLeiirrschaft. Sie begründen dieses Verlangen damit, baß im Falle von Kämpfen der Janhagel mit Waffen, -ersehen sei, während die Arbeiter schutzlos dastünden, tzn ddr Reichswehr könnten die Arbeiter keinen Schutz Erblicken. Trotz dieser erneuten Proklamierung des Streiks hurch die. Unabhängigen sieht die Regierung, wie heute nachmittags versichert wird, die Lage nicht hoffnungslos än- Sie rechnet damit, daß die mchrheitssozialistischen Arbeiter morgen wieder in die Betriebe zurückkehren ^nd daß ein Teilstreik der Unabhängigen in, seiner Dauer und Wirksamkeit von vorne herein begrenzt ieü Die Richtigkeit dieser Anschauung angenommen, bleibt aber nicht zu verkennen, daß der Militärputsch btn unabhängigen Sozialdemokraten in der letzten Woche eine gewaltige Steigerung in der Zahl ihrer Anhänger gebracht hat. Ferner fällt bis Tat- . fache ins Gewicht» daß der linke Flügel der Unabhängigen die nächsten Tagen fühlbar machen werben. Vielleicht findet die für heute abends anberaumte Kabinettssitzung — auch Reichspräsident Ebert» Außenminister Müller und. Reichspostminister Gisberts sind bereits nach Berlin unterwegs — irgend ein« Möglichkeit, um mit den Unabhängigen zu einer Verständigung zu gelangen. Die Hoffnung ist jedoch gering. In Westfalen befindet sich alles in den Händen des Proletariates. Trotzdem ist Oberbürgermeister Kuno aus H a a g e n in Westfalen in Berlin eingetroffen, um; die Regierung. zu bitten, von der Entsendung von Reichswehrtruppen ab zu sehen, da die Arbeiter sich. in die Verwaltungsangelegenheiten nicht einmengen, soicherH^ für Ruhe, und Oirdrrung -sorgen.^ Die Lage int Reiche gebessert. In den Nachmittagsstunden bezeichnet die Regierung die Lage im Reiche als gebessert. Nur in Gotha (Thüringen) ist es zu schweren Kämpfen gekommen, die zahlreiche Todesopfer gefordert haben. Auch die Situation im Regierungsbezirc Merseburg ist ernst. Inzwischen bleiben in Berlin ganze Stadtteile ohne Licht und Wasser. Die Stadt/liegt auch heute abends in tiefer Finsternis. Außer der Stadtbahn gibt es noch immer kein Verkehrsmittel. Straßen- und Untergrundbahner stehen, abgesehen vom allgemeinen Streik, noch in einem Ta r i f st r e i k. Die Buchdrucker scheinen geneigt, die Arbeit wieder aufzunehmen, doch steht auch dieses nicht fest. Zu bedauerlichen Vorfällen ist es in der vergangenen Nacht in Adlershof bei Berlin gekommen. Die dortigen Arbeiter hatten die Zeitfreiwilligen entwaffnet. Reichswehr rückte ein und es entspann sich ein Kampf, bei dem 30 Arbei er getötet wurden. 24 Arbeiter wurden von den Truppen an. die Wand gestellt und Iandrechtlich erschossen Dieses Geschehnis hat zur Verschärfung der augenblicklichen Situation wesentlich beigetragen. I n Augenblick ist es in der Stadt ruhig. Zum Schutze Berums sind nach dem Ab-ug der Baltikumtruppen gestern abends die Reichswehrbrigaden 13 unb 15 eingerückt. Dagegen ist in Leipzig der Generalstreik abgeblasen. In 39 Versammlungen beschlossen die Arbeiter, nachdem' die Reichswehrttrigade 39 e nmarschiert und die Stadt besetzt hatte, die Arbeit wieder aufzunehmen. In .Dresden herrscht Ruhe. In Chemnitz, das in den Händen der Arbeiter ist, wird wieder gearbeitet. Erfurt ist noch in der Gewalt der Unabhängigen und Kommunisten. Verschärft hat fich die Lage in Hamburg, wo die Unabhängigen neuerdings zum Generalstreik aufrufen. Kampfe ln den Berliner Vororten. Berlin, 21. März. Vereinzelt kam es zu kleineren Schießereien, die sich bis in die frühen Morgenstunden fortsetzlen. Ans den äußeren Teilen der Stadt nördlich der S^ree hörte man in der Nacht mehrmals Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Zwischen 2 und 3 Uhr früh sehr heftiges Minen¬ oder Handgranatenfener. ES soll sich hiebei um i einen Zusammenstoß zwischen Tcupven und bewaffneten I Arbeitern in der Gegend der Bockbrnnerei handeln, \ wobei eS zahlreiche Tote und Verwundete V reinig"«?, m't dev K mmumst n zogen hat. Das sind Umstände, die sich l gegeben habe, j Gerüchtweise verlautet, daß Spandau, wo ftcfi in den l das Gros der bewaffneten Arbeiter und die Waffenarbeiler Fortdauer der Kämpfe in Deutschland. — Kein Rücktritt der Negierung. Be rlln, 22. MSrz. (Privat.) Die heute verbreiteten Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt der Reichsregierung werde« in informierte« Kreise« at» »»wahr bezeichnet. PÜlndernnge« in Leipzig Sv i befinden, von Reichswehrtruppen völlig zer niert sein soll. Die -systematischenDurchsuchungen de», in Betracht kommende» Stadtviertel nach Waffe» solle«! heute früh begonnen werden. r In Breslau hat der sozialistische Ausschuß be schlossen, den Generalstreik abzubrechen,-sich obei Vorbehalten, ihn wieder aufzunehmen. wenn die Truppe»' in die Stadt zurückkehren und den Frieden stören sollten^ In Königsberg wurden der Hauptschristleiter der »Ostpreußischen Zeitung* Eduard Kenkel sowie dessen Stellvertreter Paul Sohr und der für die innere Politik verantwortliche Schriftleiter Professor Rahn i» Haft genommen, wie verlautet, unter dem Verdacht des« Hochverrates. Die Lage in Halte hat sich bedeutenp verschlechtert. Während des gestrigen Tages und in der Nacht kam es zwischen bewaffneten Arbeitern und den Truppen zu lebhaften Feuergefechten. Die Stadt Halle soll von den Arbeitern ein geschlossen sein- Bei Ammendorf zwischen Mer^eblwst. und" Halle fanden zwischen den Truppen und. Arveitew- Kämpfe statt. Auch in H.a l l e ist es m der: letzten Nacht zu lebhaften Feuergefechten gekommen. Die.TrupPrnl. halten einige Hauptgebäude der Stadt besetzt." Per- Generalstreik dauert an. Sie aus Boch n m gemeldet wird, haben.- in - RucklingSbausen heute schwere Kämpfe eingesetzt, icut;benett auch Artillerie teilnahm. r:r s' Buhe itt Berlin. — BeM«» 22. Marz. Die Nacht ist ruhig pManferr/. Die allgemeine Lage hat keine wesentliche ÄenderunA erfahren. Berlin, 22. März. Am Moniag früh waren, wie man erwartet hatte, in Berlin noch keine Zeitungen er< schienen. Die Gas- und Wassernot'besteht noch weiter .in dem. größten Teile der Reichsbauptstadt. Der Stadtbahnverkehrs dagegen scheint heute wieder recht lebhaft zu sein. Urber den Umfang der Wiederaufnahme der Arbeit in der Industrie wird man erst im Laufe des Tages einen Ueberblick gewinnen können.! Für die Fortdauer des Generalstreiks. Berlin» 21. März. Wie der Vertreter des Tel«'» graphen-Korrespondenz-BureüuS erfährt, soll; die - A b-i st i m mung in den gestern stattgefundenen zahlreiche«' Versammlungen der Unabhängigen zum grvßteH Teil gegen die A uf h eb u n g d e s G e n era lst r e l k s ausgefallen sein. In den heute stattfindende» B.triebsversammlungen sollen, wie cs heißt, Betriebsrätst gewählt und ein Roter Vollzugsausschuß eingesetzt Werdens Der Tag ist im allgemeinen ruhig verlaufen. DaS Regierungsviertel bleibt weiter militärisch b e s e tz t. . Die Aufhebung des Generalstreiks macht sich bisher kaum bemerkbar. Der Stadtbahn- und Vor» orteverkehr ist zwar ausgenommen worden, doch werden die. Züge nur ganz unregelmäßig ab gelassen. - Es wird berichtet, daß noch immer in den äußeren Stadtteilen auf die Züge geschossen wird. Auch der Fernverlehr ist nur in unvollkommener Weise wieder ausgenommen worden. Sehr empfindlich leidet dieLeden.smittel zu fuhr unter der Fortdauer des Streiks. Die Gaserzeugung ruht vollkommen.. Wasser sann nur einzelnen Stadtteilen ^ugemhrt werden. Die Slreiklage ist gänzlich ungeklärt. Während die Generalkommission der Gewertschaftm nach der mit.den Abgeordneten der Mchrheitsparlc-ien erfolgten Einigung die Einstellung des Generalstreiks proklamiert; hat, welchem Beschlüsse sich die sozialdemokratische Partei anschloß, verharrt die zum größten Teil ar-S Mitgliedern der unabhängigen iozialdemol r a 1 i s ch e n P a r > e t bestehende Ge» eralstreikleitung auf der Fortsetzung d e s S t r e i k s un^ fordert, daß die heute in den einzelnen Gebieten gewählten Obmänner morgen in einer Vollversammlung über den Abburch oder über die Fortführung des Streiks entscheiden sollen. Was die Spartakisten S«t rheinisch westfälische» Revier fordern. H".agen, 22. März. (Privat.) In einer hier abgehalienen Kvnse'euz der sozialdemokratischen.Partei des ^ndtts'ricbL-»rr''s. an der 120 Verirrter ans den - Kreisen Elbrrfe^''Lärmen. Haagen, Hamm. Dorturund^