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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-20 · Heft 417 (20.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 417 (20.3.1920)
Date
1920-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frank- , Nednktionn.AdmintSratio» Wien.«.Äez.,Ta-orftpi1-7K Telephone: Administration 440 Redaktion - 4*810,; ab 6 Uhr abend« Re. t«»0» Poftipanikisenkpnto UMS Nr. 417 Wie«, Samstag, den 20. Mürz 1920 2. Jahrgang Der Jüdische Nationalfonds. , Don Adolf Böhm. - In wenigen Wochen wird aller Voraussicht nach dtch Mandat für Palästina erteilt sein und das jüdische Volk vor.der Aufgabe stehen, sich die Heimstätte in Erez W»el durch-eigene Kraft zu bauen. Schwierige kolomsaiorischei Probleme werden zu lösen sein. Hierbei wird dem Jüdischen Nationalfonds die allerwichtigste Nolle zufallen. Er tritt nicht, unvorbereitet an sie heran. Seit dem.' Jahre 1908 arbeitet er in Palästina. Nationalisier ' mflg des Bodens und Nattonalisierung der Arbeit ist kitte Parole dabei gewesen. . . Nationalisierung des Bodens: Dieses Prinzip ist olM allem Anfang an das Grundlegende für die ziouistische Bewegung gewesen. Ausschaltung jeder Bodenjp^kuldtion, Zugänglichmachung des Bodens für jeden Arbeitswilligen, Heimfall des nicht durch Arbeit entstandenen Wertzuwachses an die Gemeinschaft, Besrinl- E -mng der Größe, der jedem Siedler zuzuteilenden vodenflache, Verhinderung der Bildung von Großgrund- Oberlettung der Produttion und dadurch gewährkistete gesunde sozialem Verhältnisse werden die Folgen der Durchführung dieses Prinzips sein. . ^Nattonalisierung der Arbeit." Soll Palästina ein Wisches Land werden,, dann.muß die Arbeit durch Juden verrichtet werden. Die Nationalfon dsfarnren sind seit 1968 nach dem Plane ihres Gründers Dr. Nuppin Ausbildungsstätten für jüdische landwirtschaftliche Aröefter. In diesen Farmen wurden sie geschuft, um dann, rrchift. in - Genossenschaften züsammengefchlossen, die,, schwierige Arbeit der ersten Okkupation auf allen neu glattsten Bodenstücken zu verrichten oder in Pachtzenossenschaften Natiopalfondsboden zu bewirtschaften; aber schließlich durch immer stärkeres Eindringen in die bestehenden Kolonien das jüdische arbeitende Element in diesen zu verstärken. Die jüdischen Arbeiter haben auch einem Hauptanteil an der Hebräisierung Palästinas. Während-in aller Welt der Landarbeiter den kulturell am üefstien stehenden Typus darstellt,- sind die jüdischen in' Erez Israel eine geistige Elite, sie erfüllen neben ihrer, schweren Arbeit auch eine hohe Kulturmission. Jüdjfche. Arbeit aus jüdischem Volksboden, wie sie der Jüdische.Nationalfonds ermöglicht hat, ist für den künftigen Aufbau das - Hauptprinzip, durch das allein die nationalen und sozialen Ziele des Zionismus verwirklicht werden können. Soll der-Jüdische Nationalfonds die ihm zugedachte Aufgabe in vollem Ausmaße erfüllen, soll die jüdische Kolonisation in Palästina ausschließlich auf Volksboden and durch jüdischeArbeit durchgoführt werden, dann muß er »her die gewaltigen Mittel verfügen können, die nötig sind, um-jederzeit allen käuflichen Boden für sich zu erwerben. Wohl besitzt er ein vom Hauptbüreäu im Haag trefflich ausgebautes Sammelnetz, das sich über die ganze Erde '■ erstreckt, wohl sind seine . Eingänge in einem rapiden Wachstum begriffen, aber was bisher geschehen ist, hatte nuti vorbereitenden Charakter, weil die neue Situation, dieein Arbeiten des Jüdischen Nationalfonds in allergrößtem Stil erfordert, noch nicht eingetreten war. Wenn der Jüdische Nationalfonds im .letzten Jahre fünfeinhalb Millionen Franks und eine Million Rubel sammeln . kannte, so . ist .das gewiß eine stattliche Leistung. Sie bedeutet aber nichts im Vergleich zu den Mitteln, die er nunmehr aufbringen muß, um seiner Aufgabe zu genügend Die Lettung veranschlagt den nächsten Bedarf des Jüdischen Nationalfonds auf fünf Millionen Pfund. ' Diese Summe mag klein oder groß erscheinen, je nachdem man sie an den Aufgaben, die der Jüdische Natioüalfoyds jetzt zu erfüllen haben wird oder an seinen bisherigen Eingängen mißt; sie muß jedenfalls zustandegebrächt werden. Sie beträgt auf den Kopf der vierzehneinhalh Millionen Juden der Welt nur sieben Schillinge, ihre' Aufbringung ist deshalb durchaus im Bereich der Nützlichkeit und hängt nur von der Energie der Sammler, wie von dem Verständnis des Volkes ab. Es gut'deshalb die Mobilisierung aller Kräfte, die Konzentrierung aller Energien auf dieses Ziel. In allen Ländern der Welt werden in kurzem Tagungen der Nationalfondskommissäre stattfinden, die den großen Sammelfeldzug vorbereiten sollen. In Oesterreich ist eine solche Konferenz für den 28. März angeseht. Alle Mittel zur Erzielung eines großen Erfolges werden auf ihr beraten werden, erzielt kann er aber nur dann werden, wenn das jüdische Volk sich'über die Bedeutung, welche dem Rationalfonds in diesem Momente zukommt, völlig klar sein wird. Deshalb mutz es aufs deutlichste ausgesprochen werden: Die Erringung des Mandates, die wir den zionistischen Führern verdanken, ist nur die Eröffnung eines Weges. Die Sicherung der'nationalen und sozialen Ziele der jüdischen Nenaissancebewegung hängt : einzig und allein von der Opferwilligkeit und der Arbeitsfreude des jüdischen Volkes ab. Die. Führer haben , ihre, historische Aufgabe glänzend gelöst, das.Volk, dem sie die Schlüssel zu seiner Selbstbefreiung übergeben, darf und wird nicht versagen. In allen Ländern bereiten sich Tausende von Chaluzim unter großen Entbehrungen für die schwere Landarbeit in Erez Israel vor, sie bilden ein Reserveheer, das aufzubrechen bereit ist. Hat datz jüdische Dott diese Plo- . niere, deren Zahl ständig wächst, aufbringen können, so wird es auch die viel geringere Leistung, die. Mittel für den Boden, auf dem sie arbeiten können, vollbringen. Geulath haaraz! Befreiung! des Bodens! Diese Zu, kunstshoffnung soll nun Wirklichkeit werden durch den, nationalen. Volksschatz, den Jüdischen Nationalfonds. Jeder Jude wird jetzt und auch weiterhin für ihn nach ‘ allen Kräften steuern. Geld zu geben, das ist das geringste Opfer, das von ihm verlangt werden kann, insbesondere wenn er es gibt, um seinem Volke, dessen Teil er ist> den Boden zu erwerben, auf dem es endlich frei wird leben' können. Die Zionistische Leitung erwartet, daß jeder > Jude dem Nationalfonds gegenüber seine Pflicht tut.- m MiMvier in den Men der Berlin, 18. März. (Privat.) Aus dem Nuhrrevier eingelaufenr MeLdungerr daß 40.000 Mann gut ausgerüstete Kommunisten das ganze Industriegebiet besetzt Haben. Bochum, Mühlheim und Essen von KoMMrmistenbesetzt. > p::t, DiLLkommUMstische. Bewegung im W'u h vr e v t ekuttt) in Q£ ff err nimmt zu. B o ch n m und M ü h t jh eim sind Zentren der kommunistischen Bewegung. Alle drei Städte befinden sich im JQ e f i tz eher K o in m u n i ft e n. E s? e n at sich heutr mittags der bewaffneten Arbeiterschaft nach heftigen Kr'impfän ergeben. Die beiderseitigen Verluste in den aeftrigen Und heutigen Kämpfen werden auf 308 Tote geschätzt. Weder Kredite .moch Lebens mittel. Erklärungen der engli/chen und amerikanische« Gesrhäftsträger. Berlin, 19. März. Wie der Vertreter des Teregrayhsn-Korrespondenzbureaus von zustänLigsr Seite er^Airr> erschien heute nachmittags der englische Geschäftsträger Lord K i l m a n n o ck beim V'z^ttanzler Aeichsminifter Schiffer und ^ab die Erklärung ab, dätz England Deutschland weder Kredite gewähren noch Lebensmittel werde liefern können, so lange die Ordnung nicht her gestellt sei. Dr amerikanische Geschäftsträg e r hat eine gleiche Erklärung seitens seiner st rung in Aussicht gestellt. Noske bleibt! Stuttgart, 19. März. (Wolff.) Die sozialdsmvkrati'che Fraktion der Nationalversammlung bat in einer heute vormittags abgehaltenen Sitzung nach einge ender Aus» spräche ge en wenige Stimmen beschlossen, datz der Reichswehrminister Noske auf ihren dringenden Wünsch auf seinem Posten zu verbleiben habe. in Berlin. '<£5 tolrb weiter ^schoss'n. Berlin, it>. März. (Wolfs.) MS gegen Mittag zwei Panzerautomobile mit Rrtchswehrsoldaten den Alexanderplatz passieren wollten, wurden sie von der tausendlöpsigen Menge angehalten und belästigt. Die Soldaten eröffneten sofort Maschincngewehrfeuer, wodurch eine größere Anzahl von Personen getötet oder verwundet wurde. In Alt-Schöneherg wurden neun Offiziere ermordet. Infolge des Streiks macht sich überall Kohlenmangel bemerkbar. Die Moabiter Wache meldet: Gestern spät nachmittags wurden 12 Angehörige der Tiergartcnwmpanie des Schubkordokis Großberlin. Offiziere und Mannschaften, auf dem Kaiser Wichelmplatz in Schöneberg vom Pöbel mit Messern, Dolchen und Gummiknütteln niedergemetzelt. Sie wurden auf dem Autolnobil vom Pöbel niedergemacht. Der sich daran anschließende Kampf zwischen , Sicherheitsbeamten und dem Pöbel wurde zugunste« bn; Sicherheitsbeamten entschieden. , ’ ' ' Nene Kämpfe 1« BeMn.)^ Berlin, 19. März. (Privat.) Getzen ÄhM kam es beim Lehrter Bahnhof zu heftigen Kämpfen zwischen den Truppen und Spartakisten. Es gab" zahlreiche Tote und Verwundete. '■ Sbert noch nicht i« Berlin? Berlin, 19. März. (Tel.-Komp.) Wie hier gerüchtweise verlautet, soll sich Ebert in Berlin befinden. Wir erfahren über zuverlässig, daß dieses Gerücht den Tatsachen nicht entspricht. ' Nach einer dem Vertreter «des Telegraphen- Korrespondenzbureaus von kompetenter Stelle zuge^ kommenen Mitteilung fahren die Mitglieder der Reichsregierung voraussichtlich am Montag aus Stuttgart nach Berlin zurück. Der Reichsmimster des Aeüßern Müller trifft bereits morgen in Berlin ein. 7 ^^rhandlnngen mit den Gewerkschaften. V rlin. 19. Marz. Heute, fanden den ganzen ME über im Staatsmin!sterium Verhandlungen mit :dr« Gewerkschaften unter Führung Legiens^ statt. Die Verhan'. lungen dauern noch an. Die Gewerkichaftze» verlangen die B e w a f f n u n g der Arbeiterschaft -und Teilna j-.^e ihrer Delegier!en am Reich kabi:'.ett.> AZerdM die Fvr erungen an -enommen, so sinh die Gewerkschaften bereit, Mon.ag die Arbeit wieder an/Mnehmen. > Die Aburteilung der Putschisten. Berlin, 19. März. Die soz'aldemokrati'che Fraktion der Nationalversa.nmlung hat be chlossen, die Regierung aufzufordern, 1. beim Reichsgericht ein Zentralvölks-' gericht einzur'chten, das sofort sämtliche Mit», g lieber der Kapp schon Regierung ab Urteilt, 2. in den sechz Haup bezirken Deutschlands sechs'weitem Volk g rich e ein-ur ch en, um die örtlichen Haupt» Verschwörer der Kappregi rung ab'uur^itzn, 3. di« schleunige Be r rn ö g e n s b e s ch la g n ahm e der. Leute der Käppregi rung anzuordnen, 4. ein abgekärzies Verfahren für das Bolksgericht einznführen. Eine Milliarde Dollar für Deutschland. Amsterdam, 19. März. (Korr.-Bur.) Wie der „Telegcaaf" aus London meldet,, sieht der im amerikanischen Repräsentantenhaus eingebrachte Gesetzentwurf betreffend den an Deutschland zu gewährenden Lebensmittel- und Rohstoffkredit von einer Milliarde Dollar vor, daß das beschlagnahmte Vermögen deutscher Unter» tauen. abzüglich der Entschädiglingsansprüche amerikanischer Bürger als Sicherheit für die Anleihe verwendet werde, * ’ \ ff i i i

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