Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 416 (19.3.1920)
- Date
- 1920-03-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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&Ue V Wen, Freü-, k V ■■ | ■ —„-r-—ffiT-.-.«,r«v-am~onv-- » In einer Entschließung werden dir Landes- und Staats- Regierung anfgefordert, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß das Verbot des Anschlusses an Deutsch- ^andaufgehoben werde. Erhöhung der Abg^ordnetendiLten ans 45.090 Kronen. Staatskanzler Dr. Renner hat gestern nachmittags im Finanz- und Budgetausschnh den Vorschlag erstattet, die Abgrordnetendiäten mit den Einkünften der ledigen Beamten der fünften Rangsklasse gleichzustellen. Die Diäten würden in diesem «Üöfit jährlich zirka K 15.000.— betragen. Telegramme. AuLizronistische Quertreiverere«. , LÄnbou, 16. März, (Privat.) Bei den seinerzeit grmeldcten Ueberfälleu arabisch er Räuber auf die Kolonie Me LH u la und die benachbarte Siedlung Tel- Chai, welche beide in der französischen Okkupationszone liegen, gab es auf jüdischer Seite sechs Tote, darunt'r den bekannten KaviLän Tr um selb er. In' Jerusalem fanden zwei antizionisti.che Demonstrationen statt, die offenbar von außerhalb veranlaßt waren, um die kommende Entscheidung in der Mandatsfrage zu beeinflussen- Ihre Bedeutung wird in einem Teil der Presse mit einer völlig durchsichtigen Tendenz sehr stark übertrieben. Die englische Politik, die sich stuf die Deklaration Balfvurs stützt, bleibt natürlich völlig ungeändert. Das gleiche gilt für den bereits gemeldeten Beschluß a?wi'ser Kreise in Damaskus, Emir Feisul zum König von Syrien, Palästina, dem Libanon und Mesopotamien auszurufen,, dem höchstens die Bedeutung einer nationalistisch-arabischen Demonstration zukvmmt. . Weizrnamr und Nupprn nach Palästina adgereist. Trieft, 15. Marz. (Privat.). Prof. Dr. W e i zmann ist. mit dem Lloyd-Dampfer c I o lt ü n„ in Begleitung von Dr. R u p p i n nach Palästina zu einem vierwöchentlichen Aufenthalt abgereist. Er wird sich zunächst einige Tage in Kairo zur Besprechung aktueller Fragen aufhcllten. Auch der Pariser Professor Andre S p i r e hat sich mit demselben Dampfer nach Jerusalem begeben. Ansnahrnszrrstand im Gebiet von Lnblin und Radom. Warschau, 16. März. (Privat.) Ueber Verfügung des Ministeriums des Innern wurde in Lnblin samt dem Lubliner, Pulawyer. und Cholmer Kreis, ferner in Radom samrL dem Rodvmer und Kvnster Kreis der A u s n a h m s z u st a n d bis zum 2. Mat verhängt. Diese Verfügung steht mit den Streiks inddiesen Gegenden, besonders dem Ei'enbahnerstrerk, in Zusammenhang. Diese Teilstreiks sind noch immer nicht ganz erloschen. Der russische Froutbericht. Moskau, 18. März. (Funkspruch.) Frontbericht vom 17. März. An der Nordfront wurde die Stadt Kurgjewskaj r, 80 Werst westlich von Kem, von den Rottruppen besetzt. Längs der Eisenbahn wurden in den letzten Tagen 2 Panzerwagen mit 9 Geschützen und 8 Maschinengewehren, ferner 1700 Gewehre,. 38 Güterwagen mit Kriegsmaterial, 69 Lokomotiven und beträchtliche Vorräte aller Art erbeutet. An der Westfront wurde vie Station Wasiljewrtschi, 35 Werst westlich von Rieschitza, erobert. Zwischen Bobruisk und Modhr wurde die Beresina von den Rottruppen überschritten. An der Südwestfront heftige Kämpfe südöstlich von Nowa Uschitza. An der Kaukasusfront haben'die Rottruppen nach Kämpfen die Linie 65 Werst nordöstlich von Ekaterrnodor erreicht. Am Kuban wurde die Station Tiflrtzkaja besetzt. Im Gebiete von Stawropol haben die Rottruppen mehrere Ortschaften 40 Werst westlich und südlich von Stawropol beseht. Nowrnomysl an der Wladikaukasbahn, Pjatigorhk und Mineralrrh Wodh wurden beseht. Georgrejwsk fiel vorgestern in unsere Hand. Ost- und Turkestanfront ohne Veränderung. Die Botschafterkonferenz. Paris, 20. März. HaviZ.) Di'Botschafterkori- ' » renz desrhäflil'te sich mit dm Vorgängen in D e u t s chl a n d. Sodann setztr sie die Prüfung der Abändcrunpsanträgr jum ungarischen Frredensvertrage fort und nahm die Berichte des Ausschusses an. Der Völkerbundvertrag in Amerika gefährdet. Washington, 18. Minz. tFunlspruch.) Präsident Wilson lehnt auch dm nmm, vom Senat mit 58 gegen 26 Summen angenommenen Vorbehalt zum AlNkri 1ü des Volkerbundverträges ab. D'e magyarische Gefahr. Prag, 18. März. (Korr.'Bur.) „Narodni Politika" veröffentlicht einen Artikel über die maZhansche Gefahr, zu deren Niederhaltung sich die Tschechö-Slowaker, Jugoslawien, Rumänien und Oesterreich vereinigen sollten. Angesichts dieses geschlossenen Ringes mutzten die Magyaren ihre Aspirationen aufgeben. Die Ententestaaten. bis auf Italien, hätten kein unmittelbares Interesse an der Pazifizierung Mitteleuropas. Das müßten die mitteleuropäischen Staaten selbst besorgen. Besonders die Tschecho-Slowakei sei daran interessiert und deshalb sollte die Anregung zu einer gemeinsamen Aktion von Prag ousaeden. Wir dürfen nicht warten, Mi-s.'' v.r Auif"'. u.. ..r Oberste Rat. dessen Mit.' Wiener Morgenzeitnnff 19. Marz 192® .... , »,, -m > »> kt 416 Elngesendet. Brillanten, Platin, Münzen Perlen .Uhren, falsche Zähne, alle Sübergegenstände verkaufen Sie am besten direkt dem fuweller und Goldarbeiter 8. Holzapfel Wien. VI., MariafiiPerstrasse 79 oder Werkstätte: I., WoUzeile 17/13. «♦» ZahlthÖchstePrsiae.d&ftiralceaeVer&rbottung Bankhaus £onis Tanks | teilt höflichst mit, dass ihr neues Bureau sich nunmehr | I., Börsegasse 14 °°» I (Ecke Schottenring), Mezzanin, befindet | Telephon Nr. 14233, 13874, 5727/IV Politik das Leben und die Kultur macht, sonder« um^ gekehrt. In einem schwungvollen Schlußwort fetzte Jwk Jehu d a die Erwartungen auseinander, die Palästina tu die Galuth und namentlich in . die Jugend der Galuth fetzt, welche auch diesen Erwartungen gerecht zu werden verspricht, indem sie sich durch die Erlernung der hebräischen Sprache und durch die praktische Betätigung in der Landwirtschaft und im Handwerk schon hier für Palästina vorbereitete Mit einem Appell an die Versammlung sowie an die zionistische Organisation, diese» Bestrebungen die weitgehendste Förderung angedeihen zu lassen, schloß die cinbruM. volle Versammlung. _ glieder das türkische Problem weit mehr interessiert, als Ungarn, etwas unternimmt. Handeln wir selbst! Wir wollen den Frieden und die wirtschaftliche Arbeit! Kabinettskrise in Rumänien. . Bukarest» 18. Mar^ (Dacia.) Infolge der Opposition der liberalen, der konservativen und der vragressMchen Partei ist das Kabinett Vajda zurückgetrettn- Der König hat die Demission angenommen, obwohl Ministerpräsident Dr. Bajda im Interesse des Landes noch in Paris weilt und den General AverrScu nu* der Bildung einer neuen Reglnung betraut. ' Wie verlautet, dürste auch das Parlament aufgelöst werden» Tagesbericht. Verteilung von 5Heibtttt*£ftii<&£tt durch die amerikanische Kinderhilfsaktion. 60.000 Garnituren für Sesterreich. Die amerikanische Kinderhilisaktion hat rhr WohlfahriS* Programm neuerdings erweitert. Sie verteilt mm' Kleidungsstücke an die bedüriiige Jugend; als erster Allsieiluu)sort in Wie» war die Schale. XVII., Pezzlgaffe SS. in Aussicht genommen worden "dort wurden 1500 Kinder beteilt), zunächst folgten d:e Schulen XIV., Tadlergaffe 16 (1000 Kinder), XV., Friedrichplatz, AmtshauS (600 Kinder), XIX., Rußwaldgaffe 2 (800 Kinder). Derzeit gelangen Lederfchühe und Wallst r ü m p f r zur Bette lung. Später werden Mäntel ausgegeben, deren Herstellung noch nicht vollendet ist. Für die Verteilung gelten folgende Richtlinien: An der Auswahl der Bedürftigen sind die Schulen, die großen Füriorgeorganisationen «sw. beteiligt. Die Anmeldebogen sind vom Schulleiter und Vertreter der El'-ernichasi gesertigt. Die nun begonnene Ausgabe der Kleidungsstücke wird Tausende von bedürftigen Kindern versorgen. Die amerikanische Kinderhllfsakiivn wird verte len: In Wren 24.000, in Nrederösterreich 9000, in Oberosterrrich 5000, in Säl bmg 1250, in Tnol 2500, in Vorarlberg 1250, in Karn «1 2000, in Steiermark 5000, zusammen 50.000 ©amitar nt. In Betracht kommen vor allein jene Kinder, die an der amerikanischen Auskpcisung teilnehmen, besonderaber d:e bedauernswerten Kriegerwaisen. * Eine hebrMschs Massenversammlung des »»Hapoel Hazal^. Die vom hiesigen ,Hapsel Hazair" für Mittwoch in den „Bayrischen Hof" einberufene Versammlung brachte eine wohltuende Abwechslung in den Lauf des hiesigen zionistischen Lebens in der letzten Zeit. Ern dichtgedrängtes Publikum füllte noch vor anberaumter Stunde den großen Saal und lauschte dann mit gespannter.Aufmerksamkeit den hebräischen Reden der palestineil fischen Gaste. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Dr. Tart «lower, sprach alS erster der durch seine verschiedenen Aufsätze und Briefe auS Palästina auch im Westen bekannte Arbeiterführer A. D. Gorbon. Eine patriarchalische Gestalt in der schlichten Kleidung eines Arbeiters, übte er sowohl durch die Fülle seiner Gedanken als auch durch sein Temperament einen mächtigen Eindruck auf die Versammlung. Nach einem „Gruß aus Palästina" entwickelte er seine bekannten Ideen über' die Bedeutung der physischen Arbeit für die Regeneration des7 jüdischen Volkes. Er wies auch auf die enge Beziehung zwischen dem Leben und dem Schaffen hin, welch letzteres' die Menschen vevsöhnt und zu derem gegenseitigen Verstehen beiträgt. Ueber die landwirtschaftlichen Möglichkeiten einer jüdischen Massensieblung in Palästina sprach' Elieser Joffe, ein Fachmann auf diesem Gebiete, worauf'Herr L. Lewins 0 h » aus Odessa in einer anfeuernden jiddischen Ansprache au, die Bedeutung der Bolkskraft und des Selbstvertrauens für den Aufbau Palästinas hinwies. Der bekannte hebräische Schriftsteller Jakob Rabinowicz schilderte die gegenwärtig« politische und kulturelle! Lage im Lande. Er betonte, daß es neben der eigentlichen politischen Frage, die eine Frage der allgemeinen zionistischen Politik ist, noch eine zweite gibt," nämlich die der munizipalen Verwaltung, auf welchem Gebiete unabhängig von der großen Politik Bedeutendes bereits geleistet wurde und täglich geleistet wird. Auch in kultureller Hinsicht wurde bereits Großes geleistet und durch die Verbindung der hebräischen Kultur mit dem Leben Palästinas entstehen auf diesem Gebiet« täglich und stündlich fast unbcnierkt neue Schöpfungen, welche ihrerseits auch auf t die Politik zurückwirken müsseu, da bekanntlich nicht die Die Kohlenkrise. Die Einläufe aus Oberfchlesien sind in starkem Sinken, die Zustände in Deutschland sind «och immer' ungeklärt, wodurch die Gefahr für Wien permanente bleibt und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Kohlenzuschübe aus Deutschland in einigen Tagen schon ganz auSbleiben. Für das Gas- und Elektrizitätswerk rückt dadurch die Gefahr neuer Betriebseinschr änkungen in bedenkliche Nähe. Im Staatsamt für Handel werbe« diesbezüglich unausgesetzt Beratungen Über eventuelle neue Sparmaßnahmen gepflogen. Ein Beschluß ist vorläufig noch nicht gefaßt worden. Es muß, wie von amtlicher Seite versichert totrb* immer auf die Entwicklung der Dinge in Deutschlmck hingewiesen werden. Natürlich steht die Frage.- der Wiederaufnahme des vollen Personenve rkeyrech im Vordergrund der Beratungen. Wie an amtlicher/Stelle versichert wird, müssen noch zwei bis drei Tage die Eisläufe «-gewartet werden. Sind die ZuschÜbe günstig, domf dürfte die Bahnsperre sofort aufgehoben werden. 24Miklinnen entloLt. Der Borsekommiffar Anton Weinderger in Bnda» Pest, Kaiser WUHelmftratze 91, erstattete die Anzeige, daß in den Abendstunden des 10. d. ein Mann in Leutnantsuniform» der sich Dr. Paul Ivanyi»KobaeS genannt habe, in De- , gleitung eines Zivilisten und eines Soldaten in seiner Wohnung erschienen sei. Der Leutnant sagte, er habe die Bücher WeinbergerS zu prüfen, da er. wegen Valutaschmuggels angezeigt sei. Weinberge zeigte seine Bücher und die Valuta« ' kaffe. Hierauf ging der Leutnant mit seiner Begleitung fort, nachdem er erklärt hatte, datz er vom Agordetachement entsendet worden sei. MS Weinberger um 11 Uhr nachts auq seinem Klub heimkehrte, traf er wieder den Leutnant im Vorzimmer seiner Wohnung. Er . erklärte nun, er muffe sämtliche Gelder beschlagnahmen. Wetnberger folgte ihm 24,114.947 Kronen, dann eine halbe Million in fremder Valuta, so Sokyl- und Romanow-Rubel, rumänische Lei, Lire und Mark aus. Mit der Riesensumme verschwand dev Leutnant seinem Begleiter. Am 11. d. M. früh erfuhr der geprellte Kaufmaim, datz das Agordetachement schon aufgelöst sei, datz es aber bei ihm einen Leutnant Dr. Paul Jvanyi-KovacL ni^t gegeben habe. Tttmuktttöfe Berfam«r«ng itt Sktdolfshst«. Gestern abends fand in der Märzstraße eine vom' Bürger- und Ständerat etnberufene Versammlung statt. Die Kom munisten erklärten den Einberusern, die Abhaltung der Versammlung nur dann zu „gestatten", wenn bei dieser keine „reaktionäre Propaganda" betrieben werde. Lehrer Hö nr gsberger besprach die wirtschaftlichen Verhältnisse der Festangestellten. Hierauf verlangte das Mitglied des KreisarbeiterrateS, Kommunist- F i a l a, die Bewaffnung des Proletariats, sowie die vollständige Sozialisierung. Sodann ergriff Stadtrat Haider das Wort und sagten unten anderem: Die christliche Bevölkerung wirb sich in der freien Republik unter keiner Bedingung das Recht der freien. Meinungsäußerung rauben lassen. Ebenso muß die Pauschalverdächtigung, daß alle Bürger Schieber und Gauner - seien, mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Wenn Sie Schieber und Schleichhändler suchen, so haben Sie jedenfalls nicht den richtigen Bezirk hierzu gewählt, denn die Schieber, Schleichhändler und Gauner, von denen Herr Fiala sprach, sind nicht'im 14.. sondern im zweiten Bezirk zu finden. Als Redner bie^BeHeiunF des Volkes aus der das ganze Wirtschaftsleben fchädigenoen jüdischen Knechtschaft forderte, entstand ein großer Tumult, der auch zu Handgreiflichkeiten, aber nicht zu Tätlichkeiten führte. Unter diesen tumultuösen Szenen wurde die Versammlung geschlossen und das Versammlungslokal von der Polizei geräumt. * Herr Stabtrat Haider sollte llüger sein nnd das Schtebertum nicht ausschließlich der Leopoldstadt und den Juden in die Schuhe „schieben". Sonst wird man ihm. die gutchrtstlichen Kornwucherer, die mit reinarischen Schleichhändlern vollgepfropften Eisenbahnzüge, die aus Grazund Händlern vollgepfropften Eismbahnzüge, die aus Graz und Linz kommen, und die der Plusmacheret sehr ergebenen Urwiener Greisler unter die Nase reiben müssen. .„.a. -. Die EinreiseLewirligung für de« Aufenih ü in Wie«. Krakau, 18. März. l^Poln. Stimmen.) Dir Krakauer Handels- und Gewerbekammer hat sich an das Mlmsterium für Industrie und Handel mit dem Ersuche» gewendet, eS möge bei der österreichrschen Regierune m der Finge der E'mrnsebewllligung nach Wir« intervenieren, da diese Bestimmung den kaufmänn schev Btlfehr zwichc» Pole» nnd Wien r« sehr lästiger Wei-e erschwere. * Moritz Benedikt gestorben. Gestern um halb 12 Uhr nachts ist hier der Herausgeber unb Chefredakteur der »Neuen Freien Preffe*, Hett Moritz Benedikt, nach kurzer Krankheit im 71. Lebensjahre gestorben. Benedikt trat im Jahre 1872 in die Redaktion der „Neuen Freien Presse" ein, wprde im Jahre 1881 Chefredakteur nnd jeit 1903 Herausgeber und Besitzer des Blattes»