Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-03-19 · Heft 416 (19.3.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 416 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979494--03667-2989323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Drei* SO Heller Tfchecho-<Sr»wak«k: Einzel» 44 Heller i. tsch.W. Prännmerationspreise: ßlenr Am« Ldhäe« w v» KDwtti»», L vezirt, Tabor» Atz 1 bi- 3, #btt in rittet Verschleißstrllc <Lrastk>: N»«atlich.. Kronen «st.— vierteljährlich ... Sv.- vkit Postversand für Vir» tut» Oefterreiä: «onatlich..Kronen »st.- „ Tichrcho-Slüwakel: M-n-tttch .. Kronen V.- vterteljänrltch „ »1.- d» tschecho-slowakisther Währung Ungar«.' >i»«qtltch .. Kronen Sv.— Vierteljährlich ,, «v^> 7 innngarischer KShrnnz Ma«atl!ch. . Kronen IS/— vi«ter jährlich - „ < »«.- 1» j ngoslaM i sch er , L LH rmtg %r* ■tl'rf'« Ureis SO Heller rhe^o-Slvwakei: Einzel« 44 Heller i. tsch. Prännmerationspruls« i T,le« ' Monatlich .. Krone« Vierteljährlich „ in polnischer Währnn« . Deutschland: Monatlich . . .. Mark S+4. ssrankreich: Monatlich . . FraniS »^4 Italien: - %. Monatlich . . . Lire » «4*1 :d' Monatlich rtmY9 . / Redaktkoten.Administratie. Wiens. Bez..Tab»rftr.L-l Telephone: Ad«i»istratiä 4I0'W, Siedaktson 4331% < ad 0 Uhr avend» Wt.lf Rr. 416 Wien» Freitag, den 19. Mürz 1S20 2. Jahrgang > VSSSSS-SS —« „!, „rmrSrnTmSlm-imlim äjiasgrr—rr—^ssrss 1 , , ir i"i' ■ 'asaasg- '■-■"g-Ti " M V - I "t ■■■■' ".r-rsa— Ertappte Betrüger v Tv. 35te«; 19. März. Da? Kilffnrgewiflen der Welt ist wach geworden ltnd protestiert gegen bie fortgesetzten Judenverfol-. -üngen in Ungarn. Der neue ungarische Ministerpräsident/mußte in .der Programmrede, mit welcher er sein Ministerium der Nationalversammlung vorstellte, rin Schreiben des Grafen Apponyi verlesen, in welchem dieser als Präsident der ungarischen Friedensdelegation dfe Verantwortung.für die eventuelle Ergebnislosigkeit seiner Bemühungen ablehnt, wenn.die „gewissen gesetz- - widrigen Erscheinungen" . fortdauern sollten. „In Erwägung der . daraus entstandenen unvorteilhaften Kritik dpr öffentlichen Zustände Ungarns in der Weltpresse hat dije. Friedensdelegation beschlossen^ - sich an die Regierung mit . der Bitte zu wenden, ohne Verzug mit allen Mitteln; und mit dem Aufwande des ganzen Gewichtes, der' Staatsgewalt. Verfügungen zu treffendamit, die Herr-, schuft der Gesetze auf der ganzen Linie ehebaldigst wieder I hergestellt werde.. Wir bitten," führte der Minister-. Präsident aus, „jedes einzelne Mitglied der Nationalasrsammlung, die ernste Lage zu' erwägen. Der wirksiche christliche nationale Kurs kann nicht ein Kurs sein, der irgendeine Konfession haßt. An dem großen Umsturz waren -99 Prozent Inden beteiligt. - Auch , der russische Bolschewismus ist eine Reaktion - des untert^cfteTt russischen Judentums, i Daraus davE aber nicht dir Folgerrmg abgeleitet werden, als ob es in Ungarn Heine ehrliä)en patriotischen Juden gäbe. Der christliche siebt auh der- Grnndwge/dMMMe mnd nW . des ^eMMon^EMjMNkW MrgangE Heft foird nicht vergessen werden.. In die Wage des Friedens kann, man aber diese Brandfackeln nicht lüneinkysrfen,Jn nüchternen ruhigen Zeiten toll diese Frage auf.Grund des Prinzips der Gleichberechtigung der Staatsbürger - gelöst, werden und vaterlandsverräterische Juden müssen die Strafe ebenso erleiden wie die vatertandsverräiorischen Ebristen. Meine schwerste Aukaabe ist es, den bitteren.Friedenskelch zu leeren.Unsere Auf-, gäbe-wird es sein, diesen bitteren Kelch vor die Nationalversammlung zu bringen. Ich bitte die Mitglieder der Nationalversammlung, stets an die schweren Friedensbedingungen zu denken und jede Parteileidenschaft beiseite zu. lasten. Die Regierung wird bei Erfüllung ihrer schweren Aufgabe stets darnach trachten, sich ihre verfassungsmäßigen Pflichten vor Augen zu halten. Es .kann sich aber ereignen, daß die Regierung in gewissen Fällen und unter gewissen Umständen die verfassungsmäßigen Formen nicht einbalten kann. In einem gegebenen Falle, der bereits sehr nahe bevorsteht, möge man die Negierung der Last der Verantwortung entheben und nachträglich den zu ratifizierenden' Gesetzentwurf annehmen. Damit helfen Sie, den steckengebliebenen Karren des Landes wieder ins Rollen zu bringen!" Der Ministerpräsident, der diese Rede gehalten hat, spekuliert allzusehr auf die Vergeßlichkeit Europas und allzusehr aus die' Ablenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit, die durch die schweren Krisen Deutschlands voll in Anspruch genommen ist. Es ist deshalb sehr notwendig, die Worte des Herrn von Simonyi auf ihren tatsächlichen Inhalt zu prüfen. An dem großen Umsturz waren die Juden Ungarns in nicht geringerem oder höherem Matze beteiligt als die Nichtjuden. In der kritischen Zeit, also im Frühfahr des vergangenen Jahres, befanden sich unter denen, die die Gestaltung der politischen Lage Ungarns zur Verzweiflung getrieben hatte, auch einige Männer jüdischer Abstammung, die aber in der Folgezeit jeden Zusammenhang mit dem Judentum, sei es als Nation oder als Konfession, in Abrede stellten, ja in ihrer amtlichen Tätigkeit gerade das Judentum wirtschaftlich auf das schwerste sündigten. Aber man braucht nur daran zu erinnern, daß die Michael Karolyi, Martin Lovaszy, Warna Buza, Barinkay, Batthyany, Fenyes, Csernyak DantuS, Pfarrer Johann Hock, Nyisztor, Garbai, Josef Cserny, die im Vordergrund der revolutionären Er eignisse standen, mit dem Judentum genau so viel zu tun haben wie der. Schöpfer des christlichen Nationalismus, Stephan Friedrich, der ja an dem Sturz des Tisza- Systems sehr aktiv mitgewirkt hat. Auch die Liste der von den Friedrichschen Henkern nach gründlicher E - LrteruNg ihrer angeblichen oder tatsächlichen Schuld hingerichteten Kommunisten wies zu einem sehr geringin Teil Juden auf. Diese Feststellung nehmen wir nur zur Kteuer der Wabrbeit vor: wir fordern aberdeck. die. Betrachtung sozialer Problemedie bei ihrer Entwicklung nur Menschen, .nicht aber deren zufällige Abstammung oder nationale Zugehörigkeit betreffen, von dem Unsinn der nationalen- und konfessionellen Klitterung freigehalten werde. Das jüdische Volk verhält sich zu Monarchismus, Sozialismus oder Kommunismus genau sä wie jedes andere Volk. Es nimmt als lebendiger Organismus zu allen aus der Not der Zeit oder aus der Zeit der Not geborenen Fratzen Stellung, verarbeitet sie seiner historisch gewordenen Struktur gemäß und versucht sie im Einklang mit seinen Notwendigkeiten zu lösen. Jede staatlich-völitische oder wirtschaftliche oder soziale Richtung zählt : jüdische ■ Bekenner. Daß in dem gepeinigten, körperlich und seelisch mißhandelten landlosen Judentum eine' besondere psychische Disposition für eine radikale Auflassung der Dinge besteht, ist nur eine natnrnotwendige Erscheinung.' Daraus ergeben sich sicherlich schwerwiegende Mißverständnisse zwischen den geistig und politisch interessierten Juden und ihrer Umgebung, deren Beseitigung wir genau so heiß anstreben, wie wir die Wurzellosigkeit unseres' mit allen Tücken der Geographie ringenden Volkes anfbeben wollen. Aber diese Lösung auf dem Weg d.es Millionenpogroms zu versuchen, -ist nichtbloß Verbrechen, sondern rettungsloser Wahnsinn: denn die Aufhebung der Rechtsgleichheit flir eine Klaffe odex-für ein Volk richtet sich, wenn einmal die Massen den Genuß der Straflosigkeit kennen gelernt : haben, gegen den Staat als Ganzes. Es-gibt kein Staatsvolk — das haben die Deutschen in Oesterreich bitter erfahren -7-!- und e§ ,gsht! keine Staatsreligion und das ihrer-eigenen Geschichte nachweisen Mffen. " Aber die Geschichtsauffassung des ungarische«, Ministerpräsidenten und die Tendenz seiner Regierung - geht dahin, jetzt die in Paris so peinlich empfundene „individuelle Aktion" gegen die Juden einznstellen unh sie dann, wenn der Friedensvertrag einmal «nterfertigt sein wird, zur Verantwortung zu ziehen; also de« Pogrom zu vertagen. Auf dieses Bestreben, das sich ganzs | deutlich ans der Rede herauslesen läßt, Weisen wir dis ganze Welt hin. Die „Wiener Morgenzeitung" darf füv ' sich das Verdienst in Anspruch nehmen, das Ausländ mit1 den Vorgängen, deren Schauplatz Ungarn war und nüH ist, vertrant gemacht zu haben. Wir kennen den Einfluß ‘ unseres Blattes, das in Paris und London gelesen wird.: und im Bewußtsein unserer Stellung erinnern-wir di« zivilisierte Welt an den- Schwindel, den die Budapest«: Horde vorbereitet. Die Ententemissionen in Ungarn sind Augenzeugen der Verbrechen gewesen, aber sie haßen sich mit den Versprechungen einer loyalen Untersuchung zu»: friedengeaeben. Die Entente selbst muß durch ihre \ eigenen Organe die Vorfälle und ihre Motive über» prüfen und wird dann zu einem für die magyarische, Regierung vernichtenden Resultat gelangen. Die jüdische. Minorität steht heute schon unter dem Schutz des Volker-, bnndes und sie kann nicht zugeben, daß ihr.Recht auf das nackte Leben. in akademischen Bestimmungen eines, Friedensvertraqes anerkannt wird, die. von keiner Macht kontrolliert und geschützt werden. Solche Bestimmungen genügen an und für sich bei Völkern, dene« , ibr Wort und ihre Unterschrift heilig ist, nicht aßer flicfl; Völkern, an deren Spitze ein Horthy, ein Csernöch Wchi, ähnliche blutbesudelte Individuenstehen, die .' .MideresMd §ks ' Bela Kun ftnd Konsorten. 1 Blutige Kämpfe in den deutschen Städten. Der Abmorsch der Landsknechte ans Berlin. Mafchinengewehrfeuer gegen dieMenge. Berlin. 18. März. Der Vertreter des Telegrap'ß-n-Ksrrespoudernburearrs berichtet r Als die Marinebrigad: Ehrhardt gegen *5 Ahr nachmittags von der Wilhelmstratze den Marsch nach D ö b e r i tz autrat, nahm die Unter den Linden augesammelte Menge geaen die Truppe eine drohende Haltung an. Als darauf Schntzbereitschaft kommandiert wurde, flüchteten die Angesammelten. In diesem Augenblicke fielen mehrere Schüsse, durch die zwei Personen schwer v e r l e H t wurden. Als sich die Truppe gegen das Vran^enßuraertor zu wieder in Bewegung setzte, drängte die Mange aufs neue nack», worauf ein vor dem B ran de nburgertor postiertes Maschinengewehr ei n e Sa lve abgab. Zahlreiche Personenbliebenschwerverletzt auf dem Platze. Gin Haftbefehl gegen Ludendorff. Berlin, 18. März. (Privat.) Spät abends verlmrtete in politischen Kreisen, dah die Reichsregierung gegen Ludendorfs eine» Ha'tbel'ehl erlassen habe. Ludendorff wird bezichtigt, der militärische Berater Kapps und der Arheber des Prrtschplanes gewesen z« fein. Er ist seit gestern ans Berlin verschWunden «nd derzeit unbekannten Aufenthaltes. Die erste Sitzung der Natiorralversammlung nach dem Putsch. Stnltgart, 18. Mtlcz. Drr geschichtsich denllvürdige Taü. o» oew Lie 'denMe, NäLtonalverlcumnIuNL in Stutt- < gart in so schwerer Zeit zusammentritt, trägt fth'ok bck seinem Aeußeren den Charakter aüßerordentlicher Bewegung Am Kunstgeböüde, wo die Bersammlirng stattsinbet, die Fahne des republikanischen Staates. ' Scharfe! Sicherheitsmaßnahmen sind getroffen. ' 3* Nc Kuppelhalle des Kunstgebäudes 'versammelten sich gegwj 4 Uhr nachmittags ungefähr 200 Mitglieder der RationalverfammlnUg, darunter drei Deutschnationale und ein Dolksparteiler. Bor, der Rednertribüne nahmen die Reichsminister Baue Müller, Ros ke, Davi d,.' ÄeN, Koch, Geßle^ G i e s b e r t s und Unterstaatssekretär M ä ß l e sowie die Beo, treter der süddeutschen Regierungen.Platz. Präsident Fehrenb ach eröffnet um ifaS Uhr die Sitzung und verliest «ine große Anzahl von.Telegramme«! der Abgeordneten, die ihr Fernbleiben entschuldige«, darunter^ auch Herren aus Berlin von der deutschen Bolkspartei.! Der Präsident schildert hieraus in kurzen Striche« die politischen Ereignisse und erklärt, i leichtfertiger sei «in« Rcvnl'ition wohl «och nievUckS lg Szene gcs:tzt worden, als der Putsch der Kapp, Lüttwitz und Genossen, tfiehr! richtig!) Unsere Feinde schienen zur Ansicht gekommen zu sein, daß es unmöglich sei, den Friedensvertrag aufrechtzuerhalten. Im Innern begann Ordnung cinznschen. Diese ruhige Entwicklung entsprach nicht dem Geiste von Menschen, welche viel vom Vaterland reden, aber ihre, persönlichen und parteipolitischen Interessen, nicht dem allgemeinen Wohl unterzuordnen versuchen. (Lebhafter Beifall.) Es ist. ein ungeheures Verbreche» am deutsche» Volk begangen worden. Wehe den Menschen, ans denm die Berbrechertateu dieser Revolution lasten. Staatspräsident Blos begrüßt die Raiionalversammlung namens der württembergischen Reg^'rung und wünscht ihren Arbeiten vollen Erfolg. V Reichskanzler Dauer: Die Regierung und bfc Nationalversammlung haben zum zweftenmal, dem Zwantz brutaler Gewalt folgend, um daS Lebe« tzx? iuuaer» deutickM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.