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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-18 · Heft 415 (18.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 415 (18.3.1920)
Date
1920-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Meis MEV Heller Lschecho-Tlowakri: Einzel« 44 Heller L isch. W Prannmerattonspreis« r Sie»: Am» Abholen h» »er ExtzNitio«, L Bezirk. Tato». Rmß? t blk N. «der.i« eiaer Berschleißstelle (Trafik»: «mmtlich. . Kxone» LO— vtexteljiihrltch „ «O- IRIt Posttersamd fflr Slot tm) Oesterreich: fWtfturtUd) .. Krone» iO,- Tlchecho-Vlowakei: Monatlich .. Kronen V.— ViertelsÄrltt lener *?iä'.f.rV ®1.- Ich f« tschkcho-slowanscherWiiljrnng Ungarn: Monatlich .. Kronen 29.- ivterteljsthrlich „ 6Ö.~ i» nngarischcr Währung _ Jnaoflawiea: Monatlich .. Kronen LS.— «terteljährlich „ «a.— in jngsslawlscher WSHrnog M«feleNk«tpIrlV: Ureis 80 Keller MfttztÄo-Slowakei: Einzel« 44 Heller i. tsch.W.' PranumeratioNepeeise: Pole« j Monatlich .. Krone« S0«~ Biertelftilirltch „ 60«~ ia polnischer Währung Dentschland: Mönatlich . . . Mark ff.~ Frankreich: Monatlich . . Kranke Italien: ( v Monatlich v . . Lire ff.— Schweiz: > Monatlich . . . FranW Redaktion n. Administratio» Wien.». Bez..Daborstr^—ll Telephone: Admintftratto» 440?*, Redaktion 4»S»L ab 6 Uhr abend- Nr. I«3(M Postsparkassenkonto ISOuM Nr. 415 Wien, Donnerstag, den 18. Mörz 1920 2, Jahrgang l k Die zwei Fronten. - —7. Wien. 18. März. Die deutsche Notionalversammlun g wird heute in Stuttgart zusammentreten. Erst diese Sitzung wird Klarheit bringen und erkennen lassm, wie eigentlich die Machtverhaltnisse in Deutschland verteilt sind. Es ist ein Lügönnebel sondergleichen über das Reichsgebiet verbreitet worden; die beiden Negierungen bekämpfen einanderdurch die Ausstreuung der verschiedensten Meldüngen. Zu dieser Verwirrung kommt noch das Unheil des Generalstreiks, der in' die wildeste Anarchie aus? artet. Die Massen sind in Fluß gekommen und nur bei ihnen liegt'die Entscheidung. Der so reich gestaltete Wirtschaftsorganisinus Deutschlands' ist in einen Trümmerhaufen verwandelt .worden. In Berlin, in Esten, in dem industriereichen Westen, in Sachsen fließt Blut, hier und dort ist es zur Ausrufung Dort Rätediktaturen gekommen, und auch aus Berlin kommen Meldungen, wonach dortdie. Kommunisten gefechtsbereit stehen. Das haben die Janitscharen mit ihrem ^Gewaltstreich bereits .erreicht, daß-Deutschland in Wirren gestürzt ist, die heute niemand mehr übersehen kann. Am -schwierigsten-ist selbstverständlich die Situation der Mehrheitsspzivlisren. Ihre Regierung ist von dein Ausbruch der Junkerrevokte in der lächerlichsten Weise überrascht worden. Noske,- der- Inder Reichswehr, ein verläßliches Nevolutionsheer -zu besitzen meinte, ist von den Tatsachen überranntworden. Das erzeugt die bösesten Stimmungen in der Partei, die hinter der Regierung steht .und sich verraten glaubt; wo einfache Lässigköist :unh blinde. VertMWsselMtzitWxlftAs Es mag/ fern^'daß die' gierung,' die fa von dem MfmWsch chOWMikuntldütL1 ,v vorher wußte, an der Mverläßlichkeit cher. Reichswehr-, truppen gescheitert-wäre. -Äberstdann/wäre^/doch. die Regierung in Ehren gefallen rrnd nicht so . beschämend verjagt und verprügelt: ans"^ BerW cheflvhech^Dai^ Unsicherheit in Dresden, die FHrt. Wch.Wrstttzart.i md! das -Durcheinander von KomPröistitzverhanMngens Tro-- hungen, Anklagen und Bitten, der noch völlig unaufgeklärte Appell des Generäls Merker aw.Hindenburg ---'ein tragisches Bild der Ratlosigkeit und Schwäche, das schlietz-- . lich den fast" lückenlosen, Wschluß her Mehrheitssozialisten an die radikalen Elemente herbeigeführt hat,' die nun 'die Führung an sich .gerissen..- Habens-' s'.'. Die Entwicklung der-nächsten Tage wird wohl auch erkennen, lassen, - daß außer 'den sozialen Ströinimgen auch der alte' Separatismus sich mächtig zu regen beginnt. Darauf deutet die Haltung des Zentrums in Bayern, vor. allem aber die Stimnnmg im Rheinland/ wo der Plan eines Rheinbundes wieder aufgetaücht ist.. Es ist möglich, daß das. Bürgertum in der Parole „Los. von Prenßel^ einen Kristallisationspunkt suM,:ttm. sich gegen .die linkssozialistische Revolution.und. gegen die- ' von rechts: drohende Reaktion zusammenzuschließen, sei es' auch um den Preis per Rückkehr , der Wittelsbacher, die dann als Retter in der Not auftreten würden. Das würde ftür Oesterreich von unheilvoller Bedeutung werden, weil die Anschlutzfrage in einem neuen schlechteren Sinn neues Leben erhalten Die Berliner Itliiilärberrscbaft Kapp und Lüttwitz zurückgetreten. Berlin,, 17. März. (Amtlich.) Generallandschaftsdirektor Kapp ist» «m de« Frieden hrrberzufK rcn, zurMgeLreLen. Aus der» gleichen Grunde hat General von Lüttwitz.seine» Abschied eingsreicht. Der Stellvertreter des Sreichskanzrers, Schiffer, hat im Rame» der Aerchsprüsidenten de» Ahschied bewilligt und mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte. des militärischen Oberbefehlshabers den Generalmajor von S e e k t beauftragt. Das KsMpeoMH. - Berlin, 17.Wärz. (WoW Zwischen den führenden MitgLieder« der Mehrheitsparteien und den DeuLschnaL'h0na?ett sohöLe der deutschen VolkFpartei L.est--cht^.Mehe.rerpMwm^mlg-, über folgende PunktZr.:/ />- / 1. Die WahLstt zmn Nsichstag sollen ftrateftens.im Juni d. .I^^staWnden. -2, Äich - ÄZal»l- .'-des. NeichsprSsidenten erfolgt' nach Maßgabe der Neichsverfassüng vurch das-.Bs.LK.'. 3. Die alsbaldige Awbilbuna der Reichswehr wird für ersorderUch gehalten. der Kommunisten fei; Bei dieser Unterredung habe Obersts; leutnant Le n sch fLstgestellt, daß an den Meldungenübet.. Besprechungen zwischen der Kapp-Regierung und denftembetiL Missionen lein wahres Wort sei. In den letzten 24 Stunden seien zwischen 30 uM 80 .'Menschenleben — je nach amtlichen oder privaten Melduw-i gen — den Kämpfen zum Opfer gefallen. Unter 'den' Eyschossenen soll sich auch der Kommunistensührer Dr. Levy! besirrden. Die Hauptkämpse waren am Potsdamerplatz, i» Friedenau, beim Halleschen Tor und in Tegel, wo die Mengeversuchte, die Truppen in den Kanal zu dränge«^ Es sn unmöglich, sich ein klares Bild über die läge zu verschaffen. . ' ' Vor einem wütdo. Der Abfall von Tirol, Salzburg und Obcr'österreich. mit dem ja-schon lange gespielt wird, könnte, dann eines Tages zur Tatsache-werden und die Republik Oesterreich stünde als verkrüppelter Torso vor dem Nichts, beladen mit-Schulden und Verpflichtungen, die sich fiir den Einzelnen ziffernmäßig gar nicht feststellen lassen.' -; - . , Deutschland / im Zerfall, von der Niesenfanft. des Bürgerkrieges erfaßt I Die kühnsten Hoffnungen seiner Feinde gehen in Erfüllung und die Entente verstärkt ihre Kontingente am Rhein, nm - das brennende Gebälk im gegebenen Falle noch rascher und gründlicher auseinander reißen zn lassen, als dies die. hadernden Parteien^ besorgen können. Was der verlorene Weltkrieg/ was die Spartakisten nicht erreichen konnten, das haben die schwarz-weiß-roten Landsknechte zustande gebracht. Was ist des Deutschen Vaterland? Die Frage des Dichtbrs hat einen traurigen Sinn erhalten. Zwei Fronten ziehen sich durch Deutschland und die Revanche der alten-Feinde, des Reiches ist'griindlich »besorgt worden^bon denen, die sich immer als die Erhalter und Repräsentanten deutschen Wesens aufgespielt haben, das sie wieder in die Kaserne svetrcn wollten, ll^isiuniger und wahnwitziger ist noch nie das Schicksal heransaefordert worden. DPBrvlin. zurückr. , morgen abends - in' NeMn/zürrMerchartet. Bei den -Wer- , Handlungen zwischen der alten nnd der neuen' Regierung ist.dtzS ie'«I ch tgefallen.' Wie der nunmehr wieber in sein Amt zurückgeke h rte CH es d er Presse- ^abteilung -d.evWiWretjieWng'-etMrte/.'ergiVt sich^darans ,die MMerichOD Künssqnenz. - , . Der dreiiligigeReichskanzler Kapp hat heutenach- - mittags nm/6 Uhp die Reichskanzlei tz^lassenr ..Berlin, 17. März. (Amtlich.) Mit dem heutigen Tagt' "ist/.hie.- MilitärhsrrschafL, die . eine kleine Schar in Berlin ^uisz-urich'-ön versucht hat, zu'ammeiagetzrochen. Kapp und Eeiieral Lüttw itz sind von ihrem angemaßten Posten zurückgetteten. Den Overbesehlüber die in '- Berlin stationierbeut Truppen Hat auf Anordnung der Neichsregierung General '.von/ Seekt üüernoMnen^ Die S i cher u n g der-Re i chshauptst ad t übcrn hmen die der Re gier u n g treu ge b liebe ne nTei'e der S icherheit'Z tvohr Und der b/reits früher in Berlin eiupuärtierten Reichswehr. Die unter General von L ü t t w i tz cin.ma schiertcn Truppen werten f^ch la unig st,, und zwar spätestens- 'bis Donnerstag abends, aus Berlin h-e raus ge f-üh rt. Alle' ZeitnngZbesetzun-' gen,'die telephonische Zensur und die sonstigen von 'der M i l i t'.ä r d i k t a t u r aygeordne'ten. Maßnahmen werben sofort aufgehoben. Au der einmütigen entschiedenen Abwehr von Arbeiterschaft und Bürgertum ist dir MilikärdikLainr zerschellt und. das Volk ,wird die neugewonnene Freiheit für alle Zeit zu wahrere wissen. — Unterz-richneL: Preußische7St-aatsregierüng:- Hir s ch m. p. Ein pessimisttsk^er Bericht über die Lage in Berlin. ' Näiu-rin, 17. .Mürz. .Eunkspr.) „Uüiversal Service" (Wiegand) meldet aus Berlin, daß, mit dem General Merker gleichzeitig der preußische Finanzminister der Bauer-Regierung, Wolfgang' Heiste, ferner /Herr v. Berger vom Äus- - wärtigen .Amt und Oberstleutnant H esse vonr Reichswehrmimsterium als Vermittler. nach . Stuttgart abgeretst seien. Die Bedingungen der. Bauer-Negierung Rücktritt Kapps uud. Abziehung der Truppen von .Berlin — seien, zwar belanntgemacht worden,' jedoch glaube man allgemein,, daß es doch zu Verhandlungen kvnunen werde, um den Bürgerkrieg zu verhindern. Nach umgehenden Gerüchten sollen bereits Teile der Sichcrhettswehr zu den Kommuuisten übergegangen sein. Man befürchte, ' daß in Berlin der . Sowiet muSgernsen werden könnte, wenn der-Abfall de- Truppen sich, vergrößern.sollte. Der Pressechef der ^Kapp-Negierung habe den - fremden Journalisten mitaeteilt, daß Hamburg schon! m d-n./LäuLen Dorftotz der Berlin. Kommunisten l» jettein|) miSmMl es .,, 1 März^, MolffI - Die .nervöse -Sh ru. Berlin hat eine kleine Entspannung erfahren,' laugsam bekannt : geworden war, - daß Kapp - zurückge und eine Einheitsaktion gegenden drohenden KommuniSr beabsichtigt ist. An vielen Stellen der, Stadt ist. Z'.'.sammenstössen zwischen Reichswehrtruppen und Pöbel, ge^s konrmen,. die mehrere Tote und zahlreiche Verletzte ge.fordertzi hüben. Von der Albertbrücke warf die Menge einen.Ober^i leutna nt ins -Wasser, der ertrinken mußte. Jn.vev^^ schiedenen /Straßen, sind' die Geleiseanlagen und die Signals aulagen der Eisenbahn z e r st ö r t worden. Im Laufe deL: Nachmittags tauchten Gerüchte - auf^daß bewaffnete K.o«^ m u n'i.sie n. sich in den Vororten sammeln, um die ösfenö'slich en Gebäude Berlins zu stürmen und zu besetzen. AM- .Abend war. die Hauptstadt wieder in tiefes Dunkel gehüllt^ .Berlin,-17. März. Molfst) - Ueber die Zusammen^! . stösse in-. der Stadt im , Laufe des . Tages erfahren toüijnoch, daß mehrere Zivilperssnen verletzt wurden. AuS Vevschiedsnen Teilen der Stadt wirb gemeldet, ,daß die K o munisten im Südost^en und Norden Barxikudo«« . b. a n e it. ' .' Der Standpunkt der Unabhängigen. Bcrlrn, 17. März. Bon einer der Unabhängiges ftzialistischen .Partei nahestehenden Seite wird dem Vertreter des Telegraphen-Kcrrespowdenz-Bureaus e«»j; klärt, daß die von Kapp veröffentlichte angebliche ttttaftf hämsige kommunistische Ministerliste absolut unrichtig ist. Es Habe sich um einen Schachzug Kapps gehandelte um seine .-Gegner zu spalten und das Bürgertum auf seine Sxile -zu bringen.. Die Leitung der U n a b h ä n g U gen,Partet «denke an keine Rätediktatur, dir sie im Gegenteil als ein großes Unglück für Deutsch-, land anfthen Lvürde. Bon großer Wichtigkeit für di< Partei werde, ^ie Frage sein, ob ihre. Forderung nach Zurückziehung der Kruppen aus Berlin erfüllt werdo, ' > .' i Ein Aufruf der deutfchdemokratische« Part . B rlin, 17. März. Der Vorstand der dentschdem> krali/chen Partei verösfentlichr folgenden Aufruf: Da Volk hat gesiegt. Kapp und Lüttwitz sind zu Nücktritt gezwungen worden. Die Militär^ diktätur ist beseitigt. Die Führung der Truppen istj versas/ungZt.'euen Osftzie'reu anverwaut worden. Wichst aller unserer Anhänger ist es, nunmehr zur Arbeist zurückzukhren. .Wir haben bas Recht des Volkes zurück erobert. Jetzt wollen wir unsere Frauen und Kinder' vor Hunger und Elend schützest. Ans dem Boden b«$: Rechtes und der Verfassmig werden wir eine Um» bildun'g des Kabine/ts und möglichst baldige Neu» wal-l-.n terlangen.-. Wir best.'hen auf der vorsas'ungs-- müßig ststgelegten Wahl b:§ Präsidenten durch W Volk. Das Verb recken der LutickistentM den

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