Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 414 (17.3.1920)
- Date
- 1920-03-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dene 6 Wien. Mittwoch v Die Fvtzbaüwettfpiele des Sonntags. Am kommruden Zonntag wcrdm die Mclsiersckafls'virle m all-n Klaffen soitzffrtzt. In der I. Kläffe treffen zusammen: W. A. C.—Amateure!Pra!rr), Simmering—Wacker lRmnwkg). Admrra-Svorcklub FloridsdorO. Blenna-F. A. C (DornbichX RudolfSbügel- W. A. F. (Favoriten'. Ravld- Henha (Rndplishügrl). In der il, Klaffe finden folgend«' Me stettchaf'Sspiele statt: Svottuennde -Offmark. Hakoah—Errcket iPrattr), Slovan—Blue Srar f^roter , Vorwärts—Gennania tSekiweckiai). ^iVö Smr-Oberst. Beit iStlakrmaX O. S. C.—Donaustadt (Ottakrings Sturm --R. A. C. (Favoriten). Der NiederosierreiLiiche Cup. Dirke Korckurren?^ ist nllnmchr bis jnv drittvorleptcn enitnbf gediehen. Die zwcirklafficun Dreine halten sich diesmal sehr brao. denn neben fünf e: Massigen Konkurrenten ^liapid. Am'teure, Sftottclub. Floridsdorf und Rudst'«shiigel' ffnd noch die Zw utkl^ rügen Hakoad Auffdon lmd Srmm :m D itbewerb. Eure halbwegs günfficre Auslosung vsrausge'rt-l. köt.nrn üch eventuell noch zwer Mannschaften ui die Vorichllli-'runde durclisämpien. In England find schon ott Nveitcka'sige Mannschaften in die Schlichrunde gekommen und yrdrn sogar schon dm Cn> gewonnen. SleulingSmeisterschafL im Ringe«. Bei den am Sonntaa :m Klnbheim des" Wiener Svortttubs, XVl.. Rotzer» gaffe 6. statiffudendm Ne; llngßmeisterscha'ten nn Ringen starten oom Spo'-rklub Hakoah die Ringer Hiibrch, Koch und Terchner. Die MikgLltdcr haben pr'ßzise 1 lU)c uachmitwas bei der Ab» wägung anweimd zu lern, da sonst die SraUbercch.ignng verloren geht. Die MctffcrschaitSlämpie beginnen um l tthr 30 Minuten. Der KispeV AthloLikai Ct.rb» der zn Ostern in Wen gegen d'.e Hakoab rind den Wiener Sportllub Wetnviele mrstragt. steht in der ungarischen Meiüerfchatt an »werter Stelle. Am Sonntag schlug er den bekannten F, T- C. 2 : l. Beginn der dänischen LeichtatlftetiKzeiL. Die dänische Waldlaunnt, die bereits durch enngc Traimngslause in den Ve-emen vo-bneuet war. wu de jetzt durch den sogenannten Kasttuplauf eröffnet. Super über die zirka 8 K lormter lange Strecke MicU AU ert Andersen» Sparta in 20:!Ä vor Axel Jcnfen'-Odense in 29:46. Dam. der bekannt» Meffterlcinßr, wurde nur Sechster. Im Maunichastswettbewerd siegte gleichfalls Sparta- Kopenhagen nnt 25 Punkten gegen den Arbeiter» Sportklub. _ GerichLsssal. Die Vieh Geschäfte des T-eaLersekretZrs. Der angebliche Theaterselretär ^fgnaz Straßnoff 5ak eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich und einen Teil seines Lebens im Kerker verbracht. Seine letzte Strafe m der Dauer von fünf Jahren verbüßte er im Jahre 1914. Trotzdem er seiner Eigentumsgesährlichkeit wegen hon Wien ■ beständig abgeschafft ist, kehrte er im Vorjahre hierher zurück, angeblich, um für seinen Bruder, der Direktor des Nattonalcheaters in Arad sein soll, das Aufführungsrecht für Ope» retten zu erwerben. Er bezeichnete sich als Theatersekretär und trat unter dem falschen Namen eines Grafen Szendrei orrf. Straßnoff machte hier die Bekanntschaft des Sekretärs d?r niederöst'erreichischen Landeseinkaufsstelle, Alfred A l t- «a a n n, erzäblte von seinen Gütern in Ungarn und machte sich;u Viehliefernngen für das Land Niederosterreich erböüa. doch müsse ihm vorher ein Vorschuß in der Höhe von ' 50.000 bis ÖO.OOQ Kronen bewilligt werden. Dem Sekretär Iltmann kam die Sache bedenklich vor und er verständigte die Volizei, welche Straßnoff längst als Hochstapler, Falschspieler und Dieb kannte und seine Verhaftung berankatzte, Tm Zuge der Untersuchung kam zutage, daß Straßnoff unter Jen ganz gleichen Angaben dem Wiener Kaufmann Simon?■ I e i? di m a n n einen Betrag von 10.000 Kronen herauszelockt hatte. Gestern hatte sich Ignaz Straßnoff vor dem Schwurgericht unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Doktor Kämpf wegen Betruges zu verantworten. Die Anklage' vertrat Staatsanwalt Dr. Hardegg. Der Beschuldigte gav das Tatsächliche zu, wollte aber glauben machen, daß er sich im Falle Fleischmann - wirklich um die Viehlieferungen ficmüfir habe. Die ihm eingehändigien 10.000 Kronen habe i fr allerdings für sich verwendet. j Die Geschwornen bejahten die Schuldfrogen, worauf der Gerichtshof den Angeklagten Ignaz Straßnoff zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilte. Außer- I dem wurde gegen ihn die -Landesverweisung nach ‘ Verbüßung der Strafe ausgesprochen. , Noblesse obli^s» Eine unangenehme Wendung für einen Angeklagte» Nahm gestern beim Bezirksgerichte Josefstadt ' eine Ve'r- Handlung über eine Ehrenbcleiöigungsklage, welche die PripäHe - Leopoldine Krisch gegen den Bahnkommissär Ignaz Kubelka erhoben hatte. Wie in der Klage ausgesührt wurde, hatte die , Klägerin vor fünfzehn Jahren mit dem Angeklagten ein Verhältnis, dem zwei Kinder, entsprangen, von denen eines noch am Leben ist. Die Klägerin hat > gegen ihren eheinaligen Freund eine Klage auf Zahlung von Alimenten sowie auf Rückzahlung der von ihr für bas Kind aelcisteten Auslagen angestrengt. Der Gatte der Klägerin erhiell vom Angeklagten' einen Brief, in welchem dieser unter anderem schrieb, daß er, wenn seine Frau die Zivilklage nicht zurückziehen werde, bei der' Verhandlung derartige Tatsachen gegen die-Klägerin Vorbringen werde, daß sie cingesperrt werden nrüßte. Der Angeklagte schrish ferner;, baß die Klägerin ihn seinerzeit bestohlen habe, daß sie auch versucht habe, einen verpönten Eingriff zu begehen, und daß sie überhaupt sehr viel am Gewissen habe. Wegen des Inhaltes di.-ses Brieses erhob die Klägerin gegen Kubelka die Ehrenü^leiöigungsllage, über die Lestern verhqndekt wurde. Der Angeklagte bot einen Wahrheitsbeweis an, der mißlang. Der Richter beschloß, den Akt der Staatsanwaltschaft wegen vorliegenden Verdachtes des Verbrechens der Erpressung abzütreten. Eine Klage der Habs^urg-Lothringschen GüL'vdirektiott. Das Zivillandesgericht verhandelte gestern über eine Klage der Habs burg-Lothringschen Güterb i t c f 11 o n in ülsbrunn gegen den Produkteuhäudler Richard Schi merze! in Wien wegen der Lieferung von 7 Waggons Irrckerrüben. Schimeczek verweigerte die Uebernähme, beziehungsweise die Bezahlung, weil die GütKrdirektion den zulässigen Höchstpreis überschritten habe. Der Richter vertagte die Verhandlung, um das Gutachten brr P.reiK- <*'*m KuzipAütli e ejoruüolen. H Lvrener Arorgenzerrun^ BeyKtzung aufgelesenSr Fahrscheine -— kein . BetrW. llebereiilstinmumg mit der Judikatur der Wehrzähl der Berichte hat gestern das Brzirlsgericht DropvldstM entschieden, daß die Benützung ansgelesener gültiger Fahrschein« nicht als. Betrug zn ahndcht ästauch heixden derzeitigen hohen Fahrpreisen nicht.' Der Hilfsarbeiter.Franz Wollmann, der gestern wegen Betruges durch Beniltzüttst ettieT» ausgelesenen Fahrkarte angeklagt war, verantwortete sich'dahin, er habe bei der Ferdinandsbrücke eßw aus cliwm Tramwahwaggon ansgestiegene Frau ersucht, ihm ihre Fahrkarte, die si« wegwerfen wollte, zrcr Weiterbenützuug zu ühergeben, >vas auch geschähen fsi. Bel den hohen Fahrpeelseit zahlt sich das schon aus und ein Betrug sei öS, nicht, weil dis Umsteigkarte noch gültig war. Der Richter sprach den Angeklagten frei und hob in der Begründung hervordirS sei kein Betrug, weil weder «ine Schädigung der Straßcrrbahn,- «o.ch ein« ^chadigungsabsicht desjenigen vsrliegt, der die «ttrfgelrssne gültiga Urnstsigkart« benützt. - Der Äolkswiri. Ewe Krone -- 2.5IÜ CenttMes. Gestern stellte sich.in Zürich . dir Lstermchrfche Krvne auf . . . . . 9.50 lst.D' am Ib. Wlar^ dir tschechische Krone ans . » . . . «8.90.6.40 am 15. Märzf dir Mark aus . . . : ... . . 7.35 (6.35 am 15. Minzf Die chemische Jndostrie in der Tschecho- , Slowstzel. . (Bon uyserem Br'sinn-r d.-G.-Berichterstatter.) Die Berhältniffe der tschecho-flowatischen chemischen In* dustrie sind ebensowenig übersichtlich wie die der übrigen ProduktionSzweige, weil sie. wie die anderen, von der Kohlenfrage und der Beschaffung der Rohstoffe abhängen. Wenn sich auch in jüngster die Zufuhren an Äcchle etwas regelmäßiger einstelltsn (Einreihung des Äestomitzer SodawerkrS in die Äohlenklaffe A), so ist für die chemische Industrie noch lange, nicht alleS getan, die Kohlenfrdge endlich in günstigem Sinne zu lösen, und «S wäre dringend zu.wünschen, daß der Staat alle jene Fabriken« die chemische Produkte erzeugend auf die ganze Industriezweig« angewiesen sind, reichlicher mit Kohle beliefere, :da die Kehlonzuschübe unzulängliche sind. - WaS nun vorerst, die bedeutendste Fabrikation dieser Branche dia Sodaerzeugung in der tschecho-slo« wgkischen ' Republik anlangt, hat sich deren Lage bis heute nicht gerade in günstigem Sinne geändert.^ Neben, dem Kohlenmangel macht sich hier.vornehmlich , der herrschende Salzmang el unangenehm fühlbar. Da die tschecho-flowakrsche Nepubkik bekanntlich über.. eiyene Sälzlager^ nicht verfügt, müssen ausländische Hilfsquellen. herantzezo^n^werden, doch sind die Zuweisungen aus dem Auslandq'ganz und gar. unzulänglich und es ist wegen, der^ Lransportschwiexigkeiten leider auch keicke Aussicht aus eine baldige Besserung zu er« : warten. (Die im KvmpcnsationZwege von Ebensee gelieferten! Sodamengen sind, nicht üMiäh'ernd in der Lage, den heimischen i Bedarf zu befriedigen.) <^älz ist nun aber eines her wichtigsten Rohmaterialien der Sodafabxikation, auf dessen Vorhaydensein überhaupt die ganze chemische Industrie und mit ihr andere wichtige Produktionszweige beruhen. Sy ist durch! die infolge Salzmäng'elS eingetretene Einstellung der Soda-! lieftrungen an die^ Glasfabriken die Erzeugung dieses so! wichtigen Industriezweiges fast gänzlich unterbunden'. Mer! auch ui der Textilindustrie nimmt der Mangel an s Ammoniaksoda, das' in sämtlichen Stadien der Verarbeitung von Textilmaterialien (sowohl beim Maschen her \ Rohware als auch beim Waschen der Wolle) eine Hauptrolle spielt, bedenkliche Formen an. So leidet speziell die Brunner Kammgarnspinnerei beständig unter Sodamangel, was besonders jene Betriebe hart trrfft, die auf das Waschen der Wolle angewiesen sind. > Neben der Sodafabrikation ist hauptsächlich die Schwefelsäurefavrikation wegen mangelnder Rohstoffe (Pyrit) in ihren Erzeugnissen gelähmt. Diese Industrie beschäftigte sich vor dem Kriege zum grüßten Teil mit der Verarbeitung spanischer und portugiesischer Rohmaterialien. Nach Einstellung der Zuftchren während des Krieges und auch infolge der ungünstigen Valuta und der schwlvngen Tronsportherhältnisse iDurchfuhrerlaubniS) konnten diese aus, ländischen Rohstoffe nickt mehr in genügender Menge bezogen werden. Ava aber die Tschecho-Slowakei nur ganz gering, fügige eigene Pyritlagee besitzt, und durch das Verhältnis zu Ungarn, das über bedeutendere, wenn auch minderwertige Pyritmongen verfügt (mit denen man sich' im Kriege zur. Not behelfen mußte), sich auch von dort nicht mehr versorgen kann, da die Rohstisfe nicht mehr in genügendem Maße zu beschaffen sind, ist, natürlich die Schwefelsäureerzeugung außerordentlich erschwert.' Dies drückt sich am deutlichsten in der ungeheuren Preissteigerung aus. Während der letzte Friedenspreis öSprozentiger Schwefelsäure pro 100 Kilogramm 8 bis 9 Kronen betrug, stellt si^ heute der Preis von 100 Kilogramm auf ungefähr 100 tschechische Krone» So. befindet sich dieser Produktionszweig in siner äußerst schwierigen , Situation und es kann schon in der nächsten Zeit zu langandauernden Berriebseinstell^ngeu kommen. . Bekanntlich ist aber Schwefelsäure der Ausgangspunkt 'für archere wichtige Produkte. So wird Sulfat, Haupt» .sächlich in der Glaöfabrikation, benötigt, die als eine der exportfähigsten Jndiistrien des tschccho-slwakischen Staatefür die gesamte VEstrirtschaft von großer Bedeutung ist. Sulfat, auf kristallisiertes Glaubersalz umgearbcitet» wird vornehmlich in der B a u m w o l l i n d u st r r e verwendet (Mangel an Schwefelsäure wirkt also letzten Endes auf diesem Wege puckiteilig auf hie Textiliudustrte). Pol ^Sulfatmangel sind aber auch anders chemische Fabrikationen in ihren Erzeugnissen schwer geschädigt: so wird zum Bei» spiel aus Glauvers-üz Sc§\toe|elnatrjuin.tzergestellt, hsH 17. Aray 192E Nr. 414 in der Textilindustrie (Färberei) und' LederfaLrikation (hi« zum Quellen und Enthaaren der Häute) verwendet wird Dieser Artikel ist secner für die Wasserylasfabrikation vor» größter BedöUtüng, da er bei dem herrschenden Fettmange' zum Füllen und Se'fen dient. (Wasserglas/ das sich im Krieg« im Gegensatz zu der früher herrschenden Meinung als da! einzig wextbolle Ersatzmittel für Seife erwiesen hat, ist heut« infolge des riesigen Fettmangels ein außerordentlich begehrter Rohstoff für die Seifenerzeugung geworden. Es ist jedoch» wie erwähnt, an Sooa und Sulfat gebunden und steht und fällt mit' diesen Rol-stoffen.) Weiter spielt die Schwefel« säure bei der Superphosphaterzeugüng eine wich« tige Rolle, die für die durch die langen Kriegsjahre vernachlässigten, bollkomwen' auSgesogenen Bödetr von besonderer Wichtigkeit ist. Mit der Schwefelsäure- und Gulfaterzeugung in Zusasn menhang steht die Salz säure prob uktlou die vornehmlich'für die Eisenindustrie (zum Beizen der Eise»' bleche) und in der Emailfobrikation von großer Bedeutung Ist Letzterer Produktionszweig benötigt auch Borax io nicht unbeträchtlichen Mengen. Dieser Stoff war im Kriege nicht erhältlich, da das Rohmaterial (Mineral Borax) nur io Argentrnien und Kleinasien gewonnen wurde, und diese beideo bedeutenden Lagerstätten ausschließlich in den Händen einer' großen englischen Firma lägen. Wohl beginnt jetzt (in/ geringem Umfang allerdings) die Verfrachtung des Borax vov, England,,tzöch sind die Preise derart hoch, daß an eine Der», Wendung dieses fo wichtigen Stoffes nur in bescheideneck. Formen gedacht wexden kann. .. C h i l i s a l p et er, der raffiniert 'iu der Enrailittdusttre und Selcherei diel verwendet wird, ist als Förderer dev Bodenprpduktiei.ät einer der allerwichligsteu Artikelünseree gesamten Bolkswirischast. Im Kriege mußten die von früher Her. vorhandenen Porräte gänzlich der Kriegsindustrie zue Verfügung gestellt werden. Wenn 'wohl durch. die Gewiwnung pes•£ u st st i ckstoffes eine Ersahniöglichkeit geschaffen wurde, so ist dies in 'der Tfchecho-Slowaker . im GegenfaK zu den nordischen Länder» (Norwegen, Schweden), /wo 'riesige' Masserlräste -zur Versügnng stehen» nur in v«> hältnismäßig beschränktem Maße für die Landwirtschaft von Bedeutung, -da bei uns die Wasserkraft zum allergrößten Teile durch dies so schwer.zu beschässende Kohle ersetzt werden,muß. - Reichsdeutschen'Blättcrstimme.n zufolge'hat die künstliche Stickst o ffi'n dustrie "Deüt schlands» die vov allem sür^ ganz Europa von. dLr größten Bedeutung ist,- in der letzten Zeit eine erhebliche Stärkung, erfahren. Wenn dem Ehilisalpeter trotz der hohen GesLehnirgskoiteu des Luststickstofses-. das deutsche 'Absatzgebiet, das vor dem Kriege ungefähr } ein D ittel der Gesamtproduktion aufnahm, angesichts' des schlechten Balutastandes augenblicklich verschlössen ist, so ist auch ernstlich zu bezweifeln, ob Chilisalpeter auch 'nach Besserung dev Valuta wieder in Be* irächtlichen Mengen in Deutschland wird eingeführt werden können. Vielmehr muß die Tatsache intz Tuge, gefaßt werden, daß die deuische Sttcksiossindüstrie nicht allein, den heimische« ' Bedarf vollkommen decken wird, sondern daß ihr noch. ein. bedeutender. Ueberschuß für den Außenhandel übrig bleiben wird. Sicherlich lvird die künstliche Stickstoffindüstrie den Absatz, an Chilisalpeter auch auf-den außerdeutschen Märkten beeinjlussen und es wird dieser Artikel. künftighin mit einer schärfen Konkurrenz auf allen Weltrnärkten z« rechnen haben, was insbesondere für das große und zukunftssreiche Absatzgebiet für . Stickstosfprodukte, die Vereinigtm Staaten, gilt, wo belanntlich in den letzten Jühren gewaltige Anlagen für die Erzeugung von Lnftstickftofs geschafft« .wurden. Zuletzt sei der F a r b st o f f e gedacht. ’ Farvwaren, deren Erzeugung infolge der kürzsichtigen österreichischen Zollvoliftr im. alten Staate nicht eingesührt worden War, käme« früher von den alles beherrschenden deutschen Fabriken. Gegen« wä<tig befinden sich von den großen Anilinfarbenfabrike« Deutschlands die Favbiverle vormals Meister ZueiuS «nd Büttning in Höchst am Mai)» und die Badische Anilin- und Sodasabrik in LudwigShäfsn in den Händen der Entente und müssen ihre Erzeugnisse teils freiwillig, teils gezwungen an Frankreich. und England äbljefem. (Nur so ist der heute bereits ungeheure Betrag der an die Eutente ge« - zahlten Kriegsentschädigung zu erttärent) Die übrigen großen deutschen Farhensabrik-n, Wie Kasseler und Comp, in' Frankfurt '.wn. Main, die Farbwerk vormals Fr. Bayer und Camp, in Elberfeld und in Leverkusen am Rhein und hiß Aktiengesellschaft für Auilinfabrikaie in Berlin, die seit Monaten wegen Kohlenmangels feiern mußten, haben «ach jüngst «ingetrofsenen.Moldungen ihr« Betriebe wieder allmählich wieder aufnehmen können. Die Kohle fehlt ja dieser Jndustrje nicht bloß als reiner Betriebsstoff, sondern, bedeutet fttr^diesvn Produktionszweig auch ein überaus wichtige- Rohrnatertal, da die Farben ausschließlich auS den . Kohlenderivaten (das sind die Rückstände, die sich bei der trockenen Destillation der Steinkohle ergeben) gewonnen werden. Der Rohmaterial-(Kvhlen-)mangel bewirkt natürlich dia gänzlich unzulängliche Deckung des deutschen Bedarfes, weshalb der tscheeho-slowaklschen Textilindustrie, die aus hie deutsche« Farbstoffe unbedingt angewiesen ist, diese so notwendige« Rohmaterialien säst yollkonrmen sshlench Außerdem könne« Farbstoffe wegen der Schwierigkeiten dar Devisenzentrale nm in äußerst beschränktem Maß« eingesührt werden. Aus diese» Gründen erhellt die Preissteigerung der ausländischen Farbstoffe um 100 Prozent im November vorigen Jahre- und di« neuerlichs bedeutend« Erhöhung der Farbstoffpreifs «m 300 bis 400 Prozent im vergangenen Monate, die wesentlich mit dem Umstande zusanimenhängt, daß sich die deutsche« Farbenfabriken ihre Erzeugnisse von letzt ab nicht mehr in Mark, sonbeen nur ln Schnitzer Valuta bezahle» lasse, wollen, yo stellt sich heute «in Farbstoff, de« vor de« Kriäge 8 Mark kostete, bei unS auf 800 bis 400 tschecho, (lowalischa fttexttt. Me erwähnt, ist «Sen fa Uedwch «ß