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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-17 · Heft 414 (17.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 414 (17.3.1920)
Date
1920-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I N«ka WO HrU« Ufchecho-Slowaftet: Einzeln 44 Heller i. ffch. W. prauumerRttonspreise: - Ate«: Am« Abhole« in'der WebMo«, L Bezirk, Tobor» tyrtftc 1 W8 8, oder in einer Lerschleißsteve <Trastk>: Mnnatlich. . Krone« «».- ivierteliährlkch 00- «tt PostversLNd '«r Wien und Oesterreich: Movotlich .. Krone« »O.— __ richecho-Slowakei: Monatlich .. Krone« V.— «r-rt-ljÄrlich „ »I.- i» tschecho-skowakischer Währung Monatlich^Krönr« SO.— »tertelMrltch 00^» t» Ungarischer WShrnag «onatlN'^ÜÄone« 12.— »tortei jährlich „ »«.- i» jn-osLoischer WSHnmg »rener M»f<r-»e«pr«bt* Ureis S» Keller Lfchcchs Slowakei: Einzeln 44 Heller i.tfch.L> Pränumerationepeeiße _ Pole«: Monatlich .. Krone« *0* Vier,eljalrr,ich „ . 0«M i« polnischer Diihn«, _ Deutschland: V M-natttch ... Steel * ffraakrelch: " v Monatlich . . Frau» 8^ Monatlich Sir» djt , Monatlich Redaktion «.Armin...-- Wien.S.Bez..Taborftk.1-s Telephon« Hldmteistratkotz 440 Redaktion 4»»r» ad 0 «h» adend» Skd. 10»« P»stsparkaff«nk»»to lSMM Nr. 414 Wien. Mittwoch, den 17. Mürz 1920 2. Jahrgang Die Mörzstürme in Deutschland —7. W i e Nr 17. März. Der Berliner Narrensturm löst sich in schweren inneren Kämpfen. Die Regierung Ebert-Bauer hat ihre Autorität behauptet, der Generalstreik dauert fort und hat nebst blutigen Kämpfen in Dortmund und Leipzig auch die schmerzliche Ironie gebracht, daß an verschiedenen Orten der Zwillingsbruder der militaristischen x Reaktion, der gewalttätige Kommunismus, sein Haupt erhoben hat. Kapp wird zurücktreten, nachdem ihn General Grüner, der im Krieg wegen seiner liberalen Anschauungen von Lndendorff aus dem Amt des Verkehrskommandänten entfernt wurde, in einem Telegramm an Hindenburg als ,unmöglich und gefährlich bezeichnet hatte. Der Putsch steht vor dem Zusalnmenbruch, aber der Schaden, den er angerichtet hat, ist wirtschaftlich wie politisch kaum zu übersehen. Durch den " Generalstreik ist die Rückkehr zur Produktion, die gerade in der letzten Zeit hoffnungsvolle Ansätze gezeigt hatte, unterbrochen worden, sind breite Volksschichten in ihrem Erwerbsleben gestört und das Verkehrswesen in ' Unordnung gebracht worden. Politisch hat die Revolte doS Deutsche Reich abermals in die traurige Situation gebracht, Drohungen des Auslandes anhören zu müssen. -Die Entschlossenheit aber, mit der das deutsche Volk sich gegen den alldeutschen Wahnsinn zur Wehr gesetzt hat, muß auch das feindliche Ausland darüber belehren, daß es hoch, an der Zeit wäre, durch eine vernunftgemäße Abänderung der Friedensverträge der um die Zukunft ringenden Demokratie Deutschlands zu Hil.se zu kommen. Da^Londoner sozialistische Blatt „Daily Herald". hezeichuet tzttüde heraus die MödsinnM Politik der Alliierten" als Urheber -dep Berliner Ereignisse^ und „Daily News" legt gleichfalls den Alliierten die Schuld bei. Daß die nationalistische Presse Frankreichs die bewaffnete Intervention der Alliierten verlangt, war zu ^erwarten, aber bis enAische Regierung führt eine sehr ruhige Sprache und will, zunächst die weitere Entwicklung in Deutschland abwarten. Für die reaktionären Elemente aller Staaten ist also im Augenblick kein Grund zu hochgespannten Hoffnungen, auch wenn aus diesen Kreisen die Ansicht kolportiert wird, daß zwischen Kapp-Lüttwih und den russischen Monarchisten ein Zusammenhang bestehe, der die Uebereinstimmung der freiheitsfeindlichen Meinungen zu Taten verwerten will. , Die beherrschende Position der Sowietregierung schließt solch Abenteuerlichkeiten aus. Daß man in Budapest jubelt, ist selbstverständlich, und Herr Horthy.soll bereits, einen diplomatischen' Vertreter nach Berlin entsendet haben.- Aber, -lese Blüten werden nicht reifen.-. v. ' Die Folgerungen, die sich aus der heutigen Lage in Deutschland ergeben, sind nicht..sehr kompliziert.. Es scheint, daß der Wunsch nach.Neuwahlen zur National- Versammlung ziemlich weit. verbreitet ist. Wenn noch vyr kurzem angenommen werden .konnte, daß eine starke reaktionäre Bewegung, bestehe, die bev Neuwahlen zu einer.Einschränkung des demokratischen. Arbeitsgebietes führen könnte, so ist heute eine derartige Furcht wenig begründet. Der Verlaus der. Eteignisse beweist,' daß die Verfassungsmäßigkeit fest gegründet ist und auch durch einen militärischen Handstreich nicht ausgehoben werden kann. Die Isolierung, der Negierung ist nicht .gelungen und Süddeutschltznd, wohin sich die Blicke der Rechtsparteien hoffnungsvoll richteten, hatsichauf keine Experimente eingelassen,^ die letzten Endes nur das Ergebnis gehabt hätten, daß die französischen Truppen über. die geöffneten Rhe'mbrücken nach dem. Osten Marschiert wären. Die Besonnenheit der Münchener Politik hat dies verhindert und die unheilvollsten Auswirkungen des neupreußischen Attentats Hintertrieben. Je rascher die Urheber der Berliner Verrücktheiten verschwinden, um so besser wird es für Deutschland sein. Tenn die Geister,! die der Generalstreik gerufen hat, die Demagogie der andvren Seite, lassen. sich nicht so leicht bannen und eine Fortdauer der heutigen Wirren würde den Traum aller Annexionisten jenseits der Vogesen erfüllen, daß Deutschland atowisiert würde und als politische Individualität aushöre, zu existieren . / Die große Schuld der deutschen Demokratie ist die Zauderpolitik gegenüber den baltischen Truppen gewesen. Sie hat es verabsäumt, diese rechtzeitig zu entwaffnen. ja. sie hat sich sogar ihrer zum Kampf gegen die Linksradikalen bedient. Sie hat eS geduldet, daß diese unterschiedlichen Brigaden und Divisionen, die den Krieg, als. Handwerk betreiben, sich als Herren aufsplelten und vom Reden und Drohen schließlich zur Tat übergingen. Solange, diese bewaffneten Banden nicht der Macht und Suggestion ihrer Führer entzogen werden, kann eine Beruhigung nicht erreicht werden. Diese verführten und verhetzten Soldaten sind bis zum Jahre 1914 ruhige Bürger gewesen. Das Gebot.der wilhelminischen Welteroberer hat sie aus der. Bahn geworfen und ihnen in fünf Krieg sjahren, die sie in . alle Welt führten, - jeden Zusammenhang mit dem bürgerlichen, geordneten Erwerbsleben geraubt. Diesen Uebelstand zu beseitigen, wird eine sehr wichtige Aufgabe der deutschen Gesellschaft in der'nächsten Zeit sein. Es ist allerdings durch die Entwicklung der letzten Stunden fraglich geworden, ob das deutsche Volk noch dazu wird Gelegenheit.haben, solchen Forderungen zu' entsprechen. Der Kommunismus breitet sich' aus und steht allenthalben im blutigen Kampf um die Grundlähen der Gesellschaft. Es handelt sich im, Augenblick nicht mehr um die Frage, ob das Regierungssystem Deutschlands monarchisch oder sozialistisch sein soll. Die Frage, die jetzt besteht, liegt vielmehr darin, ob Deutschland noch die innere Kraft hat, sich als Einheitsstaat zu behaupten. Der Bürgerkrieg ist aufgeflammt. Wie sein Ende sein wird, ist nicht'abzusehen.'Als weltpolitischer Faktor aber besteht Deutschland nicht mehr. Es ist nur mehr ein Rechenobjekt der französischen Revancherechnung, die ihre letzten und geheimsten' Hoffnungen erfüllt sieht. Ihre Freude darüber ist natürlich trügerisch. Geht Deutschland zugrunde — und es sielst ganz so aus, .als ob dieser Märzenstürm den Untergang bringt — so ist nicht allem Frankreich verloren. Sondern qmi Europa. ' . . Mandl bericktfqt. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Wien, 13. ■ März 1920. An die Redaktion der „Wiener Morgenzeitung", Wien. Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes fordere ich die Aufnahme folgender Berichtigung in der nächsten oder zweitnächsten Nummer der „Wiener Morgenzeitimg", und zwar sowohl .hinsichtlich des Ortes' der Einreihung als auch hinsichtlich der Buchstabenlettern gastz in derselben Weise, in der in Nr. 404 der „Wiener Morgenzeitung" vom Sonntag den 7. Mäiy 1920 auf der ersten Seite der Artikel „Die Lakaien der Magyaren" abgedruckt war. Es ist unwahr, daß ich seinerzeit von der „Vosstscheu Zeitung" öffentlich beseitigt werden mußte. Wahr ist, daß ich niemals von der „Vossischeu Zeitung" öffentlich beseitigt wurde. Wahr ist, daß.ich aus „Ersparungsrucksichren" .seinerzett quartaliter per 31. Dezember 1914 mittels rekommandierten Schreibens vom Verlage Ullstein gekündigt, gleichzeitig aber auch zur ferneren Mitarbeft an der „Vossischen Zeitung" eingeladen wurde. — Leopold Mandl. - Wir hatten geschrieben, daß sich die „Bosfise V Zeitung" öffentlich des Herrn Mandl entledigen muß Aber mit dem § 19 kann man bekanntlich berichtigt,&• daß die Sonne scheint. — Die Red. . ' in . Kapp vor. dem. Zrrsirrmttsnbrrrch. Ber 1in, 16. März, 8 Uhr abends. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Situation der Putschregierung verschlimmert sich von Stunde zu Stunde. Nur mehr Ostelbien, das.vom Reich abgeschnittcn ist und nur telegraphisch mit Berlin verkehrt, sicht zu ihr. Mitteldeutschland, ganz Süddeutschland, die Nhe'mlande und Hamburg sind auf.Seite der alten Negierung. Kapp befindet sich noch im'Reichskanzlergebäude, doch dürfte er noch heute.abtreten. . . General Merker ist-abgesetzt worden. Die Kompromißverhandlnngen dauern fort/ In S a cf) f c n sind Heft i g.e 5k ä m P f e zwischen der.Reichswehr-und den Kommunisten im Gange. Vielfach gehen Kommunisten und Ätonarchiflen gemeinsam gegen die Negierung Ebert vor. . In W il h e l m s h a v e n wurden die Putschtruppen von Arbeitern und Reichswehr entwaffnet., Das Zentrum hat sich geschlossen aus die Seite Eberts gestellt. .... Zu Berlin ist abends Ruhe eingetrcten, die Straßen sind dunkel und still. Die Bevölkerung ist in gedrückter Stimmung. ' Der Abmarsch der baltischen Truppen ist noch nicht angeordnct worden. ... der Anabhängigen. Nauen, 16. März. (Funkspruch.) . ^„Universal Service" (Wiegand) meldet ans Berlin, daß sich die Lage insofern kläre, als ein Kampf zwischen der Ebert- und der Berliner Negierung-und den Radikalen als «nverweidlich angrschew werde. Die Unabhängigen bekämen in stets wachsender Zahl Anhänger und wenn nicht schnell eine Losung gefunden werde, seien das ChaoS und der Bürgerkrieg unvermeidlich. Die Unabhängigen hatten einen neuen Aufruf erlassen, worin sie zum Generalstreik auch gegen die Regierung Ebert ansfordern, die genau so wenig rechtmäßig sei wie die Berliner, und nur Zeichen ihrer Feigheit gegeben habe. Sächsische und bayrische Truppen im Anmarsch gegen Berlin? Berlin, 16. März. Eirc von.der RcichSregiernng entsandtes Flugzeug kreiste heute zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags^ber Berlin und warf über der Stadt eine Proklamation ab. Es soll darin mitgeteilt werden, daß die sächsischen und bayrischen Ncgimentcr treu bei der Regierung stehen, gesammelt werden nnd im Anmarsch ans Berlin . seien. Das Flugzeug wukdc heftig mit Maschinengewehren und Gewehren, jedoch erfolglosbeschossen. Die Hamburger GegenrevoluttonLre entmaff«et Frankfurt, 16. März. Das Wagnerbureau meldet aus Han bürg: Das Gebiet von Groß-Hamburg ist in der Gewalt der alten Regierung. Die Truppe» iU Altona, die bisher unter dem Kommando der neue« Negierung standen, haben ihre Offiziere abgesetzt und entwaffnet und sich dem Kommando der alten dersäfs'rnBm".f.'igcn R.^ierung unterstellt. Die andere« Offiziere wurden in Schutzhaft genommen. De« Blatter« zufolge hat ein Blutvergießen anscheinend nicht stattgesunde«. Stüttgarter Meldung iib^r dis Lage im Aeichi Frankfurt, 16. März. Das WagnerVureau meldete ans Stuttgart: Auf telegraphisches Ersuchen des Reichs Ministers des Innern um Berichterstattung, ist von samt, lichen wichtigen Landesregierungen die Nachricht ei», gegangen, daß sie treu zur Verfassungsmäßigen Regiernng stehen und daß sie und die Reichswehr sich der Berliner Bewegung nicht augeschlossen habe«. In Sachsen haben sich die Truppen unter Führung des Generallelttnants v. Möller der verfassungsmäßigen Regierung zur Verfügung gestellt.. Angriffe der Kommunisten auf das Postgebäude sind zurückgewiesen worden. In Bayern steht Genexal Morhl mit seine« Truppen hinter der Regierung. in Altenburg der Führer des dortigen Bataillous einen Druck ans die Landesregierung ausüben wollte« lehnten sich die Truppen dagegen auf. Der Offizier, wurde m Schutzhaft genommen. Kapp dementlert Ritten RüsttriL. Berlin, 16. März. Die Meldung eines amerikanischen Blattes, daß Kapp von der Ncichskanzlerfchast zurückgeirtten sei, ist nach bei der Reichskanzlei, ejng^ zv5 :n Erkundigungen absolut unwahr. Ausbreitung der Ratediktatur. Dresden, 16. März. ^(Tel.-Komp.) Nach hjer. eiu* getroffenen Nachrichten wurde in Chemnitz, Hamburg Bochum und B a r.m e n die R ä t e d i k t a t u t verkßnde^ In Kiel fanden die schweren Straßenkämpfe gestern ihr, Fortsetzung. In Han n oder wurde der Bahnhof, he« von Studenten der Technischen Hochschule und Militärs wacht war, von bewaffneten Arbeitern gestürmt. In K ö l v fanden L^bensnlicicldemonstrLtwncn Üatt, wobei zMr«üLe Kdi jchäfte grplilltdert wurden^

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