Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-03-14 · Heft 411 (14.3.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 411 (14.3.1920)
Date
1920-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979489--03624-2989275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

(NUfflfVMIipiftffS $**!• 90 §»Her Ych«ch«-S1»wa»ei: Eintel» 44 Heller 1. tsch.W. ^»-»»«ernttonepreise r ^'-vL'^.UK'.LL INEU» m» QVqilTf XlvÖf* I W# 8, ihr in rincc »WflKrtlf rttroflf): .._II* . fttonen 20.— 00 - »u P«stversrm» »ür Wie» «0 vefterrei«: RtMtl» .. ftroitttt 20.— teuer E»Nk«tt»»«plarr 8*eU80 Hrller Tjchecho Slowakei: Einrel» 44 Heller ß.tsch.L-» PrLn«meratten»pr«iI»/ - rtl«r ... . M»««tNch .. ftnin «OH «itrtcliuiirliO «OH ta »tl«UO<c IWMflUlll « ftPOttM »O#** _ «lOcOo^fttMMtc!: iHMtflA . i Krone« 7«- S»ert«l»Krttch .. «t.W ,Nch«cho^le»EcherDLhr«tg - ll»g«rn: RmmHUA .. Oronea 80.— »lMtctfÜQVttd| _fi ftt «eerlsOrr «ähmo« B So-eslawl«,: Imtttik . . 9wim 12.— reetrliNettch M 8W|ntt§ jgggmmmmamrnmmmmmmmimmmam Nr. 4X1 SctitfOUwt: Mooorltch . . . Mark {tarntet«: v s Maa-Mch . . ftrintff «H Jtelieor . ' Monattich . . «1ee »H, MovaUich^^.^roakS «H »ebdniana.tlkmin’OMtf«« J «vten.«.ve».,Oav»»ftrU--» Telephone: «dministratio» 440^. Nrdakllo« 1»S1». ab 6 Uh» «ve«d, Str. »08« lv»ftfparIefi«Nl«»t» UM« Wien, Sonntag, den 14. März 1920 2. Jahrgang *"**Jv. Deutschland inMoN ~y. W t e n. 11. Marz. Die bis zur Stunde aus Berlin eingetroffenen Meldungen besagen, daß die deutsche Reichshauptstadt von gegenrevolutionären Truppen besetzt worden ist und hast untrer dem Schutze ihrer Kanonen eine neue Regierung gebildet worden ist, die in einem Aufruf an die Bevölkerung erklärt, keine Reaktion und keine Monarchie ßn-ustreben. Die bisherige Regierung ist ans Berlin ge- Achtet, die Nationalversammlung und die Preußische Eandesdersammlung sind aufgelöst worden, ohne daß ein Termin fift Neuwahlen mitgeteilt wird. ÄaS sich fct in Berlin vollzogen hat, kann Niemanden überraschen, «tnd es hat in Len letzten Pochen dicht an klaren Anzeichen dafür gefehlt,, daß sich ein Generalsturm auf die Republik Zorbereite. Die Negierung Bauer hat tatsächsich nicht mehr die Mehrheit des Volkes hinter sich und ihre Flucht ist eine Kapitulation vor der Entwicklung dirr Verhältnisse. Ob die Mehrheit des Volkes sich zur Gegenrevolution bekennt und den staatsrechtlichen Zustand, . wie er vor der Flucht Wilhelms nach Holland bestanden hat, wieder Herstellen will, werden die nächsten Tage zeigen. müssen. Deutschland steht vor der furchtbarsten Erschütterung, die es je mitgemacht hat, vielleicht vor. dem- Bürgerkriege, vielleicht vor der endgültigen Zer- Krengung stzities staatlichen Gefüges. Den Spartakisten. pon links sind die Sparsamsten von rechts gefolgt und ' der Kamvf Zwischen Republik und Monarchie tritt in s^in letztes Stadium. Aber, hie Entwicklung der Diyge in.Deutschland ist steht nM allein, sondern ist vonUnden umgeben, die khyr die so notwendige Ruhe mißgönnen und alles be« grüßen, was. in Deutschland geschieht, um das, mit den, Äechä ^frieden. von Vei s ülles begonnene Vernichtung^-. tverk zu Ende zu führen. Es waren in .den l"^t"n Wochen fn den ^feindlichen Staaten. Stimmen laut geworden,, die. sich für ei-'.De'.sö^nfich^''t gegenüber dem Besi-^en Aussprachen. Die englischen Liberalen und die Sozialisten Frankreichs und Italiens kämpften auf der gleichen Dime für eine Milderung der Friedensbebingungen, für hie Bekanntgabe der Mie der Kriegsentschädigung und 'P!r "e Oefsnusig lr T r?t?S für Deutschland.DaS alles konnte nur unter -er Voraussetzung ausgesprochen werden, daß "ch in Deutschland eine Konsolidier"-g der Ve-Hältnisie vollzieht und daß die allgemeine polii'che Vage dieses Staates nicht durch gewaltsame E ' Dsionen dieser oder sen- - .Art bedroht ^erde. So schwach die nun gefluchtete Regierung auch war. so muß man ihr doch bachsagendaß sie den besten Willen gebabtbat, sich das Vertrauen des Auslandes zu erwerben, daß sie aber durch das ungestüme Vordrängen der Linksradikalen, durch die passive Resistenz der Alldeutschen und Konservativen und durch das Versagen der Beamtenschaft auf die unheilvolle Bahn des Kompromisses gedrängt wurde, die schließlich zur Aufrichtung der Militärherrschaft geführt hat. Der Reichswebrininister Noske bat seinen Truvpen solange getränt, bis er vor ihnen bat fluchten müsien. Das Hin- und Herschwanken der Retsierung hat ibr im Innern keine Freunde gebracht und im Ausland immer nene Feinde geschaffen. Die neue Regierung, an deren Spitze der Generallandschafts-' direktor Kapp, der bekannte anonvme Feind Bcthmann- HollwegS. steht, kann sich möglicherweise auf .große Massen des Volkes stützen. Ihre Situation ist aber weitaus ärger als die der geflüchteten Regierung. DaS Ausländ wird ihrer Versicherung, man strebe ledistlicb die Wahl einer neuen Nationalversammlung an keinen Glauben schenken. Die Personen, die im Vordergrund der Ereignisse stehen und beute im Namen Berlins, aber nicht Deutschlands sprechen, sind'Träger 8er. monarchistisch-all-entsch.militaristischen Weltanschau. üng. Feinde einer demokratischen, cmf den Volkswillen sich stützenden Ordnung, und ihr politisches Ziel ist klar und eindeutig: die Zttrückbernfung der verbannten Dynastien. Mit welchen Empfindlingen wird man wohl von London. Paris und Rom ans diese Vorgänge in Berlin beobachten? Man kann dessen sicher sein, daß di/ Zwanzig Anrainer Deutschland'' vor'ollem aber Tschechen ' bub- Bolen, ibre ’ Stnüt'gkeiten veraessen . und von der Entente Hilfe geaen die große politische Gefahr fordern werden, in die sie jetzt geraten. Man kann, aber auch stcher sein, daß der- Berliner Prätorianerpntsch in Süd- Deutschland «mackü abstoßende Wirkung Lüben wird. Die Separationsbewegung in Bayern ist unter Führung des Zentrums so weit gediehen, daß man mit der Einsetzung der Wittelsbacher Dynastie in ihre früheren Rechte rechnen kann. Die Neservatrechte Bayerns würden dann die völlige Vernichtung der deutschen Einheit und die Tieferpragung der Mainlinie zur Folge haben. Denn die Süddeutschen lehnen jede Führung Deutschlands durch Preußen und dessen Baltikumsoldaten ab. Die Lage Deutschlands ist also trn Augenblick die: im Innern Auslosung des Reiches und drohender Bürgerkrieg, nach außenhin die Gefahr neuer Konflikte mit den von annerionistischen Impulsen beherrschten. Nachbarstaaten. Es ist ein verzweifeltes Spiel, das in Berlin begonnen wurde. Wir Haben vor einigen Wochen die große Militärdebatte in der französischen Kammer gehört, welche mit einer Neuauflage der großen Rüstungen, schloß. Der Sieger von der'Marne, General Castelnau, verwies auf die Anzeichen einer großen militärischen Verschwörung in Deutschland, welche dze Ruhe der ganzen- Welt» besonders aber Frankreichs, gefährde. Die französische Nationalistenpresse hat dann kräftig in die Kerbe gehauen und die Agitation für Hindenburg als die Vorstufe zur Errichtung der Mi.litärmonarchre bezeichnet. Der Wirtshausexzeß des Prinzen Joachim von Preußen, die Reden der vielen zrtr Disposition gestellten Generäle haben ihr immer neuen Anlaß zur Wiederholung des Grundsatzes gegeben, Deutschland nnifse vernichtet werden. Und jetzt kommt gerade in dem Augenblick, in welchem der Oberste Rat. die Einführung Deutschlands in die W'lt- Wirtschaft fordert, die monarchistische Emeirte, die an den Grundfesten der gesellschaftlichen Ordnung in Deutschl°ni> rüttÄt. | Die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung ' erklären in einem Manifest an die Arbeiterschaft tat Generalstreik, fordern * die Lahmlegung des gesamtes , Wirtschaftslebens. Die Militärdiktatur, die von teit | Landsknechten der Baltikulübanden aufgerichtet wu! soll durch den Aufstand des Proletariats nieder schlagen werden. Das stellt, übermenschliche Forderung an .die so tief geschädigte Opferfähigkeit der deutsche«. Nation. Die Führer des Berliner Putsches haben nuej Gewehre und Säbel, aber keine Idee, die die Mensche« sortreißen kann. Ihre' Gegner aber sprechen zur See!« des deutschen Volkes, das von den Berliner neuen Herrenj.. in die blutigste Niederlage hineingerisien wurde, die jk>j ein Volk gesehen hat. Sie mögen viel gefehlt haben, di«i Ebert, Bauer und David, aber, für sie spricht die Noi^ die Einschnürung des Reiches von außen und ihr« - Friedensliebe. So wie sich der Weltkrieg nicht mehü wiederholen kann, so kann es nicht mehr geschehen, da« diejenigeU, die verbrecherisch den Krieg angezetteltz haben, nun auch noch die letzte Hand an ihr Werk lege« ' und das deutsche Volk dem' Grabe zutreiben. WäS sie : anstreben, ist.weit mehr als die Monarchie; es ist bfe Vernichtung Deutschlands und die Verhängung maß-i loser Schrecken über ein tiefgebeugtes Volk, das in de« - Wirren der ersten Friedenszeit die Besinnung sierlorepl hatte , und nun wieder zu seiner Seele suru^hre«' wollte. Die Seele Deutschlands ist die Arbeit» Bürger-» krieg und Generalstreik lösen alle Möglichkeiten zur Gta sundung des Staates und Volkes in das Nichts auf unA die. Aufhebung des Friedens von Versailles, die wohl ., die erste Maßregel der Entente sein wird, treibt ‘ Zand indes Hungers. 7-W RuttMM m dem Bürgerkrieg. MvLLtt mn gegenrevoLuLionSren Truppen besetzt. — Nationalversammlung «n>! preußisch^ LanDesversümmlung anfgelSst. — Kapp — Reichskanzler.' — PstoklaA / mation des Generalstreiks. Berlin, Ruhe in Berlin. 14 Marz. 1 Uhr nachts. In der Stadt herrscht voLstommene Ruhe. Rrniersmi aeA^chiet. Berlin, 13. Marz. <WolM Drr „Lokalanzeiger" teilt in einer Extraausgabe mit, die N e g i c r u n g habe das von der Marinebrigade Ehrhardt gestellte Ul!i° matum, daS um sieben Uhr früh ablies, a b g e l e h n t und Berlin, ohne ihre Remter niederzülcgen, im Automobil verlasien. Die Brigade Ehrhardt sei, ohne Wider, stand zu finden, 'mit schwarz-weisr-roten Fahnen in Berlin eingerückt und habe^ das Regicrungsviertel in weitem Streife* streng abgcsperrt. Die Nationalvrrsammlung aufgelösL. — Kapp Reichs stau iler.' Berlin, 13. März. (Wolfs.) Don der Reichskanzlei ausgegcbene Kundgebnuaen teilen mit: Die bisherige Reichsregierung Hai auf gehört znsei». Die Staatsgewalt ist auf den Generallandschast^ireftor Kapp als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident nbergegangrn. Zum militärischen. Oberbefehlshaber und RnchSwehrminister wurde General v. L ü ttlv.ih berufen. Eine n e u e Regierung der Ordnung^ der Freiheit «nd der Tat werde gebildet. Die Nationalversammlung und die preußische Lande?pers«mmlnn.a werd-n a n s g e l ö st. Die Kundgebungen sind von Kapp als TleichZ. kanzler und Ministerpräsidettten und von General von Lüttwih. gezeichnet. . Kundmachungen der stegeursvolutionären Regi^runft. Beesin, 18. März. Nachstehende .Kundgebungen werden j veröffcntücht: - ■ Ich iibernebine peMnsich' die'«« S üben de'G r w oft , iibcr urib bic Mark Br>7nbc»littrfl. Alle vom Rerchb» wobrminister NoSke aus Grund der- Verfügung de? NcichSpräsidentcn vom 13. Jänner erlassenen Verfügungen b l c t b c n i " ^Müerzeichnet: Freiherr v. Lüttwih. l. Die Verordnung, vom 13. Jänner 1880 betreffend Mfc Verhängung des Aus»ahmszustandes wird auf» / rechterhrrlten. Sie wird ausgedehnt auf die noch nicht betroffenen Teile des Reichsgebietes. Der über den Frei»* staat Sassen bisher bestehende Belagerungszustand wirk» gleichzeitig aufgehoben. Die Mitttärbesehlshabee der der neugebildeten Negierung unterstehenden Truppen'»erde» mit der Durchführung der erforderlichen Maßnahme» be^ auftragt. Unterzeichnet: Neichswehrminister v. Lüttwitz. . ' Brrlln, 13. März. Aus der Reichskanzlei werde« dem Molffschcn Bureau nachstehende Kundmachüngen zu^ Verbreitung übergeben: . . DaS Mandat der Nationalversammlung zum Erlaß einer Verfassung und zum Abschluß des FnedenS^ ist erloschen. Es fehlt ihr jedes moralische Recht zur weiteren Tagung. Ihr Versuch, die Wahlen hinauszuschieben und dadurch ihr Mandat eigenmächtig zu verlängern, wlderspricht dem VolkSwille«. Die eben beschlossene Verfasiuyg wird willkürlich von ihr wie ein Fetzen behandelt. Schon will die Mehrheit die Wahl des Reichspräsidenten nicht durch die Gesamtheit des Bolle», sondern durch das Parlament vornehmen. Die Nationalversammlung wird hrerrnri aufgelöst. Sobald die innere Ordnung wiederhergestcllt ist, werden wir zu verfassungsmäßigen Zuständen zurücklehren und R e »Wahlen aus», schreiben. > Gez.: Reichskanzler Kapp. Eine weitere Kundmachung macht Mitteilung von der Auslösung der.preußischen Landesversammlung, die m Anbetracht der t.^' »rtderten politischen Lage gefolgt sei. Militär und Serie in den Berliner ) 'Berlin, 13. März. (Korr.'Dttr ) In den Straßen der ' inneren Stadl herrschte deute vornütlags vollkommen« Rribe. Die Stmßen sind belebt. Von den Wirkungen ^des Genewlsireifs ist bis ietzl nichts, zu spuren. In deu Straßen kampieren d i r T r u p p e n der Döberiher Brigaden mit ihren Geschützen. Man spricht davon, datzs i sich in den äußeren Bezirken de'Widerstand der Arbeiter-, .schaft zu «rsanisiereu be-mne.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.