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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-11 · Heft 408 (11.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 408 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Urel« 90 Keller Tfchecho-Sloivakei: Einzeln 44 Hellev i. W. PrLnvmev«»tronspre1 Vte«: Asm «rpevitt-«. 2. Wße l bis 8. _ . - verf«iritzstr«r iStaWVjj Monatlich . . Kronen 80.- Vierteljährlich .. «To.- MU Postvrrsand fftt Wien und Oesterreich: Monatlich .. Kronen 80,- Nchecho^Slowakeir Monatlich .. Kronen V.— GierteljÄritch „ 31.- in tschecho-siowaNscherMßruns llnstarn» Monatlich .. Kronen 80.- «tertel»Ärttch .. ' in nogarischer WSh'ruag Wnieievemplavr^ Wiener Urels S» Heller T^chechs^ Slowakei: Einzeln 44 Heller i.tsch. M _lich .. Kronen vierteljährlich „ »«.-; te jogoflawischer Wähnmg Prännmerattonsprelse Polen: Monatlich .. Krone« 20^ SSimeljiilirUif) „ fl©* in polnischer Währung Deutschland: Monatlich . . . Mark SA Frankreich: 1 Monatlich . . Frank- 3, Italien: Monatlich .Lire 3. Schweiz: Monatlich. . . Franks Redaktion «.Administration Wien.S.Bez..Taborstr.l-< Telephone: Administrativ» . Redaktion 4H»iq ad fl Uhr abends Nr. 10;iOJ Postsparka fsenkonto 150.691 Nr. 408 Wien, Donnerstag» den 11. März 1920 2. Jahrgang Die Schlußsitzung des Großen zionistischen Aktionskomitees. London, 8. März. . Sokolow berichtet zunächst über die Begegnung, Ke er und Dr., Weizmann vor-, der Sitzung mit dem französischen Prinisterpräsidenten Millerand gehabt Rede NordauS. ^, Ich Lin nicht eitel genug, anzunehmen, daß Sie beinerkl haben« daß . ich mir während der Sitzung strenge Selbstbeschränkung auferlegte, da ich ja kein Stimmrecht halte. Jetzt ist die' Phase der Abstimmung vorüber, tznd eS ist möglich,-. Eindrücke auszusprechen. Nun darf ^ch zu meiner tiefen Befriedigung und mit Bewegtheit sagen, daß^ineine E indr ü ck e d i e d e n k b.a r g ii n« IM fl st e n /sind. Sie sind zum erstenmal seit vielen Jahren wieder zusammengekoMlnen, haben Fü hlung mit- Was Deutschland zahlen soll. Berlin, 10. Marz. (Korr.-Bur.) Das »8 Ahr-Abendblatt" Meldet aus Basel: Wie die ^Trmvs" aus Paris berichtet, haben Me neuen Verhandlungen der NeparationskommWpn, die seit Donnerstag voriger Woche ftartsinden, den ausgesprochenen Zweck, die Gesamtsumme der Schadenersatzfsrl ernncz an Deutschland auf 120 bis 139 Milliarden Mark herabzusetzen. Der Aufmarsch der Bolschewiken gegen Oftgalizieu. > , Wien, 10. Marz. Reisend.e, die aus der Ukraine unter großen Schwierigkeiten nach Wien gelangt sind, teilen mit, daß der Vormarsch der Bolschewiken schon über Käme n ez odolsk hinaus gediehen ist. ES sind dort starke. Kräfte einander gewonnen und das hat große Bedeutung', ' der Moskauer Armee konzentriert-die durch ukrainische Note denn Sie sind die Vertreter der jüdischen Massen, hauptsächlich der ostjüdischen Massen, die in erster Wihe berufen sind, unmittelbar die Wohltaten des vorchixklichten Zionismus zu erfahren. Sie werden zu unseren Brüdern mit der frohen Botschaft zurückkommen, daß r - unsere Angelegenheiten auf gutem Wege ’ sind. Was ich an anderer Stelle gesagt habe, kann ich hier wiederholen. Es war ein Walten der Vorsehung, daß im k r i tisckesten A u g e n b l i ck der jüdischen Geschichte zw ei M.i n n er a n d er SteH e geivesep sind, an der sie dem jüdische^ Volke die größten Dienste erweisew.ckonnN'n.. Es ist nicht. .greiM Art, zu übertreiben oder Liebedienerei zu' ühen/'^M-Mr^IvKe^W^ gerecht, wenn ich verschwiege, daß sowohl Dr. Wer zm a n n wie Herr S o k o l ow Großes bewirkt haben. Das Mandat ist noch nicht erteilt, wir find am/Vorabend seiner Erteilung. Wenn esdiplomatische und Völkerrechtlich anerkannte Tatsache sein wird/dann werden wir das Instrument haben, dessen Wirkung uns zeigen wird, welche Bedeutung das Werk dieser beiden Männer hatte. Sie haben vielleicht nicht alles verlangt, was ich gern gewünscht hätte. Aber w a s s i e e r l a n g t haben, ist vollkommen genügend, um uns zn gestatten, den stolzen Bau aufzuführen, der das sichere Obdach des ült-neu-verjüngten jüdischen Volkes' werden wird. Auch von der diplomatischen Seite ihrer Tätigkeit abgesehen, habe ich mit tiefer Freude andere Fortschritte in der Entwicklung ihrer Ansichten gesehen. Noch vor einem Jahre war ich so schmerzlich überrascht,, aus sachverständigem Munde mit einer dernatischcn Bestimmtheit zu hören, Palästina.gestake nicht mehr als die Einwanderung von 8000 Menschen jährlich. Das war niederschlagend. Ich habe deswegen mit großer Freude gehört, daß Dr.Weizmann erst von 20.000, dann von 80.000 und zum Schlüsse von 60.000 Einwanderern gesprochen hat, die jährlich Ausnahme finden können. Das ist ein wesentlicher Fortschritt, und ich zweifle nicht daran, daß Doktor Weizmann vielleicht nach genauerer Neberprüfung zu 800.000 Menschen gelangen wird. Das Allerwichtigste, was wir nach Erlangung des Mandates zu tun haben, ist die Ansiedlung von mindestens 6 00.000 Juden in Palästina; denn alle diplomatischen Schwierigkeiten und alle Verwaltungsschwierigkeiten rühren einzig davon her, daß man uns Vorhalten kann, wir seien in Palästina nur eins zu zehn. Dieser Standpunkt wird in dem Augenblick aufgegeben werden, wenn wir keine Minderheit mehr im Lande sind. Ich glaube nicht, daß es eine unlösbare Aufgabe ist. Ich fasst zusammen: Dr. Weizmann und Sokolow haben ausgezeichnete Arbeit getan, es wird die jüdischen Massen freuen, dies aus Ihrem Munde zu hören, daß Sie die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Ansprüche und die Sehnsucht der Wischen Massen die denkbar vortrefflichsten Vertreter gefunden haben. Es sind hier außerdem praktische Beschlüsse gefaßt worden, die in der Wirklichkeit wahrscheinlich allerlei Umformung erfahren werden. Ich glaube, dem Augenblick nicht besser Rechnung tragen zu können, als indem ich unsere Gefühle in die Worte zusammenfasse: Je rascher Koach Chasak weritchasak. Weizmann spricht: Herr Präsident. Dr. Nordau, meine Darren und Herren! Wir erleben jetzt eine doppelt feierliche Munde. Erstens, weil uns noch vielleicht nur wenige Truppen verstärkt wurden. Die Armeen sind vorzüglich aus. gerüstet und verfügen über große Geschützparls, Tanks und MunitionSvvrräte. Da sie sich, aus dem Land ernährenleidet die Bevölkerung großer Not. In ganz Ostgalizien werden Proklamationen Trotzkis verbreitet, die das^Voll auffordern, mit den Haffen zu den Bolschewiken übcrzutrcten. Die Russen erwarten keinen allzustarken Widerstand der polnischen Armeen, die an dieser Frontstelle angeblich leicht zum Rückzug zu zwingenwären. Es wird das Wort eines russischen Kommandanten kolportiert, der in bezug auf Lemberg sagte: „Weihnachten .war polnisch, Ostern wird unser Fest fern!" Die westukrainische Negierung befindet sich in Hüsiatyn. Präsident PttMsLi «der Dte MieöeMfrßjie. Warschau, 10. März. (»Poln. Stimmen".) Das ln Warschau erscheinende „Jornal de Pologne" veröffentlicht ein Gespräch mit dem Staatsoberhaupt Kommandanten Pilsüdski über die Friedensfrage. Kommandant Pilsudsli sagte unter anderem: „Auf Verhandlungen mit Drohungen können wir uns nicht einlassen. Ich bin kein Mensch, mit dem man diskutieren könnte, wenn man ihm das Messer an die Kehle setzt. Diese meine Anschauung teilt ganz Polen. Die Bolschewiken konzentrieren starke Streitkräfte an unserer Front, aber sie täuschen sich, wenn sie glauben, daß sie uns Furcht einjagen werden. Unsere Armee ist bereit. Ich fürchte nicht die bolschewilische Propaganda, für Polen bedeutet sie keine Gefahr. Schließlich erklärte Kommandant PilsudSki, daß die Konferenz der Ostftaatcn in Warschau den ersten Schritt auf dem Wege zur Vereinigung der Oststaatcn Europas bedeute. .Polen kehrt zu feiner geschichtlichen Nolle zurück. Tage von . der Entscheidung trennen,'zweitens, weil wir am Schlüsse einer Versammlung angelangt sind, welche in unserer Bewegung e p o ch c m a ch e n d sein wird. Es ist schwer, jetzt ichon die Tragweite dieser Versammlung abzuschätzen. Es herrscht in manchen Fragen, um' vielleicht mt dem Negativen zu beginnen, eine gewisse Unbestimmtheit,, so in der Frage der Emigration, der Finanzen und vielleicht der Organisation. Die Beschlüsse, die gefaßt wurden, waren vielleicht empirisch tastend. Ich glaube, es war nicht anders möglich. So viel ist geschehen em Laufe der sechs Jahre, so rasch ist die Bewegung angewachsen und so schnell wurden wir vor neue Aufgaben gestellt, daß es in dieser Versammlung unmöglich ist, in allen Punkten festgestellte Beschlüsse zu fassen. Und ich'glaube, es war weise, daß die Beschlüsse eine gewisse Biegsamkeit erhalten haben. Wer weiß, was in sechs Monaten geschehen wird. Wer . weiß, wie das russische Judentum gestaltet sein wird, j Wir rechnen mit neuen Faktoren, die wir noch nicht i organisatorisch diskontieren können. Herr Doktor j Nordau hat eine ziemliche Elastizität auch bei I mir gefunden. Ich würde gern noch weiter gehen. Es [ hängt nicht von irgendeiner einzelnen Person ab, sondern von der Stärke, welche das jüdische Volk haben wird, um die Hindernisse auf unserem Wege zn durchbrechen, t Die Frage des JudenstaatcS' nicht nur von Konzessionen der englischen Negierung, sondern direkt die Frage des tZudenstaates rst für mich eine Frage der nächsten <100.000 I u d e n 4 n P a l ä st i n a. Wawir jetzt erzielen wollen, läßt sich vergleichen mit dem. was Kitchener erzielen wollte, als er die englische Armee aufbaute, „die ersten Hunderttausend^. Aus ihnen bailte sich die Millionen-Ä'rmee Englands auf. Diesen ersten Kern müssen wir jetzt schaffen. Es ist nicht ineine Sache, abzuschätzen, was bis jetzt geschehen ist. Ich kann nur im Namen meines engsten Freundes Sokolow und in meinem Namen erklären: Wenn eS schlvere Stunden gab, so gab uns vielleicht diese Ver^ sammlung die größte Befriedigung. Ich halte es für meine Pflicht, hier zu erwähnen, baß die Arbeit bisher unmöglich gewesen wäre, wenn nicht eine volle Harmonie zwischen Sokolow und mir geherrscht hat t e. Wenn es Unterschiede gab, so waren es Unterschiede des Temperaments. Diese wollen wir gar nicht verwischen. Wir ergänzen uns gegen-., seitig. Die zweite notwendige Bedingung für die Er-! folge war die treue Mitarbeiterschaft einer ganzen Schar von Menschen, die mit dem ganzen Einsatz ihrer Kraft, mltgearbcitet haben. > «Ich habe bereits im Eingänge unserer Versammlung die außerordentliche Bedeuülng der von den amerikanischen Zionisten geleisteten Arbeit gewürdigt, so daß ich! jetzt nicht weiter darauf zurückkommen muß. Es wären' hier noch viele andere, zu nennen; aber vielleicht ist noch nicht die Zeit gekommen, alle diese Namen aufzuzählen.^ Es sind jüdische und nichtjüdische, aber einige möchte ich doch erwähnen. Vor allem zwei, die nicht inehr unter uns sind (die Versammlung erhebt sich), Sir Mark S y k e s und Herr A a r o n s o h n. Dann die lebendem Junge und. Alte in Palästina und hier. An ihrer Spitze steherl die Herren von der English Zionist Federation) Stunde mit Einsatz aller Kraft; uns unterstützt Wll. GWppsder Jungen^'- lacher. Sief und die anderen, die mitaller Hingebung j gearbeitet haben: ihre Verdienste sind noch nicht re« gistricrt. , ' Meine Herren, nun werden sie zum Wochentag« zurückkehren. Ich glaube. Sie können Ihren Freunden eines sagen: was menschenmöglich war, ist versucht worden. Es ist noch nicht alles erreicht, aber die Möglichkeiten sind geschaffen, das wird uns alles Weitere erarbeiten. Das M a n d a k wird vielleicht in kürzester Zei 1 erteilt werden. Dann darf es keine jüdische Familie, keine Gemeinde, keine Synagoge geben, wo man darüber nicht spricht, nicht verhandelt, nicht mitarbeitet. Nur so werden wir die ganze Begeisterung und die materielle Unterstützung erreichen können, um die große Aufgabe zu bewältigen. In den allergrößten Stunden muß man schüchtern und mit jüdischer Ergebung chor demjenigen stehen, der die Geschicke Israels leitet. Ich glaube, er hat die Geschicks richtig geleitet, und was auch kommen wird, die lieber-, zeugung bleibt uns heute: | Erez Israel wird unser. Wenn nicht in., fünf Jahren, wenn nicht in zehn, so in fünfzig. W'?r sind auf dem Wege. Aus den großen Schmerz,en unseres Volkes werden wir Lieder schaffen und dieft Lieder werden wir singen, ivenn wir in Palästina einzjehen. Schalem! Schalom! Sokolows Schlußrede: Vor Toresschluß will ich noch einige Worte zu^ Ihnen sprechen. Welches ist das Resultat, das uns'die Konferenz gebracht hat? Rekonstruktio-n ist heute das Schlagwort bei allen Völkern. Die Ruinen sollen wieder aufgebaut werden. Auch wir waren^cine solche Ruine. Nunmehr hat die Versammlung dievZionistische Organisation wieder aufgebaut. Das ist dev Wert dieser Versammlung und nicht allein ihre einzelnen Beschlüsse. Wir sind zurückgekehrt zu einem geordneten Banen und deswegen dürfen wir einander gegenseitig beglückwünschen. Nach so vielen Jahren haben wir einander wiedergesehen. Hier sitzt Professor Marburgs den der letzte Kongreß zum Präsidenten der Organisation gewählt hat, hier Jacobson, der Bescheidene. Schweigende, dessen Schweigen die Versammlung nicht wemger zu würdigen wußte, a^s die Reden der Sprecher, wier sitzt Hantke, dieser Fanatiker der Organisation. Wi^Mliß er sich freuen, daß es unS gelungen ist. die Organisation wieder aufzubauen. ES wäre nicht gelungen, wenst^wir A m e r i k a nicht gehabt hätten, und daß tvir es haben, verdanken wir Schmarjcr Lew in. Das sind die Berge-unserer Organisation imtz

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